miniatur|Ziegelstempel der Legion, ausgestellt im Saalburgmuseum Bad Homburg Die Legio VIII Augusta war ursprünglich eine gallische Legion der römischen Armee, die von Gaius Iulius Caesar aufgestellt wurde und danach mindestens 400 Jahre lang aktiv war. Wie bei fast allen Legionen Caesars war das Legionsemblem ein Stier.
Geschichte der Legion Republik Gallischer Krieg mini|Karte von Gallien zur Zeit Caesars (58 v. Chr.)
Caesar stellte die Legion spätestens im Jahr 59 v. Chr. auf. Von 58 v. Chr. bis 49 v. Chr. kämpfte sie in den Gallischen Kriegen.
In der Schlacht am Fluss Sabis (Selle) im Jahr 57 v. Chr. kämpfte die Legio VIIII Hispana mit der Legio X Fretensis auf dem linken Flügel gegen die Atrebaten, die Legio VIII und Legio XI im Zentrum gegen die Viromanduer und die Legio VII Claudia und Legio XII Fulminata auf dem rechten Flügel gegen die Nervier. Die Legio XIII Gemina und Legio XIIII Gemina bildeten die Nachhut und deckten den Tross. Nach anfänglichen römischen Erfolgen, die Legio VIIII konnte die Atrebaten in die Flucht schlagen, gelang es des Belgern, das römische Lager zu stürmen und den rechten Flügel einzukesseln. Trossknechte und Auxiliartruppen flohen und die herannahenden verbündeten Treverer gaben die Schlacht verloren und kehrten ohne in den Kampf einzugreifen heim. Erst die herbeieilende Nachhut und der einschwenkende linke Flügel konnten die Schlacht noch für Caesar entscheiden.Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico 2, 16-28 (online).
Anfang 52 v. Chr. war die Legion an der Schlacht um Avaricum beteiligt. Bei der erfolglosen Schlacht von Gergovia im Jahr 52 v. Chr. zeichneten sich Legionäre der LEG VIII aus, indem sie mit ihrem Centurio Lucius Fabius als erste die Mauer erstürmten. Sie wurden jedoch niedergemacht. Auch ein Angriff des Centurios Marcus Petronius auf ein Stadttor scheiterte.Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico VII, 47-50
Im Jahr 51 v. Chr. wurde die Legion wieder namentlich genannt, als Caesar mit der VII., VIII., VIIII. und XI. Legion einem Aufstand der Bellovaker, Ambianer, Aulercer, Caleten, Veliocasser und Atrebaten unter der Führung des Correus entgegentrat. Caesar errichtete ein stark befestigtes Lager in Sichtweite des feindlichen Lagers und rief die verbündeten Remer und Lingonen sowie drei weitere Legionen als Verstärkung herbei. Nach einer Entscheidungsschlacht war der Aufstand beendet.Aulus Hirtius: De bello Gallico VIII, 6-10 (online).
Bürgerkriege 49 v. Chr. begleitete sie Caesar bei der Überquerung des Rubikon, dem Beginn des Bürgerkriegs zwischen Caesar und Pompeius, und kämpfte in der Schlachten von Corfinium und Brindisi. Dann war sie einige Zeit in Apulien stationiert. Im Frühjahr 48 v. Chr. erlitt sie in Schlacht von Dyrrhachium Verluste. In der Schlacht von Pharsalos (48 v. Chr.) kämpfte die Legion mit der ebenfalls durch hohe Verluste geschwächten Legio VIIII Hispana unter der gemeinsamen Führung von Marcus Antonius.Caesar: De bello civili 3, 89. Dann wurde sie nach Italien verlegt und kurz darauf aufgelöst. Caesar siedelte die Veteranen dieser Legion in Kampanien an. Etliche Veteranen der Legion folgten Caesar nach Ägypten, als er das Land für Kleopatra VII. eroberte, und nahmen 46 v. Chr. an der Schlacht bei Thapsus teil. Im folgenden Jahr erhielten diese Veteranen Land bei Casilinum (Capua)..
Nach Caesars Tod (44 v. Chr.) stellte Octavian die Legion unter anderem aus ihren Veteranen wieder her, die ihn in der Folgezeit beim Kampf um die Kontrolle über das Römische Reich unterstützte. 43 v. Chr. kämpfte sie gegen Marcus Antonius in der Schlacht von Mutina (Modena). Für kurze Zeit führte die Legion den Beinamen Mutinensis. Während des Zweiten Triumvirats wurde sie 42 v. Chr. gegen die Caesarmörder Brutus und Cassius in der Schlacht bei Philippi eingesetzt. Dann verlegte Octavian die Legio VII wieder nach Italien und setzte sie im Winter 41/40 v. Chr. im Perusinischen Krieg gegen Marc Antons Bruder Lucius Antonius bei der Belagerung von Perugia ein. Wahrscheinlich nahm die Legion auch an den Kämpfen gegen Sextus Pompeius, der Sizilien besetzt hatte, und schließlich wiederum gegen Marcus Antonius in der Schlacht bei Actium 31 v. Chr. teil.
Julisch-Claudische Dynastie miniatur|Grabstele des Cornicen (Hornbläser) Publius Farfinias Severus aus claudischer Zeit. Fundort: Novae (Swischtow)
Um 31 v. Chr. wurde die Legion, noch als LEG VIII Gallica, zunächst nach Tunesien verlegt. Ein Detachement wurde vermutlich im Kantabrischen Krieg (29–19 v. Chr.) eingesetzt. Später war die Legion auf dem Balkan, wo sie mit dem Beinamen „Augusta“ genannt wurde. In dieser Zeit wurden Veteranen der LEG VIII Augusta und LEG V Macedonica in Forum Iulii (Fréjus/Frankreich) angesiedelt, welches den Beinamen Colonia Octavanorum Pacensis erhielt. In frühaugustäischer Zeit war die Legion wahrscheinlich in Asia Minor stationiert.Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-0-8061-3014-9, S. 157. Veteranen der Legionen V Macedonica und VIII Augusta wurden um 15 v. Chr. in der Colonia Iulia Augusta Felix Berytus (Beirut) in der römischen Provinz Syria Phoenice angesiedelt, wodurch eine deutliche Romanisierung der Region ausgelöst wurde.Nigel Pollard: Soldiers, cities, and civilians in Roman Syria, University of Michigan Press, 2000, ISBN 978-0-472-11155-8, S. 61.
Seit spätestens 9 v. Chr. war die LEG VIII in Poetovio (Ptuj-Pettau/Slowenien) stationiert und überwachte die bedeutende nach Rom führende Bernsteinstraße.Hildegard Temporini, Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt (ANRW). Teil II Bd. 6, de Gruyter, Berlin – New York 1977, ISBN 978-3-11-006735-4, S. 549. Vexillationen sind inschriftlich am Magdalensberg, in Virunum (Zollfeld bei Klagenfurt/Österreich) und Aquileia (Italien) belegt. Tiberius führte 6 n. Chr. mindestens acht Legionen (VIII Augusta und Legio XV Apollinaris aus Pannonia, Legio XX Valeria Victrix aus Illyricum, Legio XXI Rapax aus Raetia, Legio XIII Gemina, Legio XIIII Gemina und Legio XVI Gallica aus Germania superior und eine unbekannte Einheit) von Süden gegen Marbod, den Markomannenkönig, während die Legio I Germanica, Legio V Alaudae, Legio XVII, Legio XVIII und Legio XIX von Norden anmarschierten. Das stellte die Hälfte des gesamten Militärpotentials der Römer zu der Zeit dar. Kurz nach Beginn des Feldzugs im Frühjahr des Jahres 6 brach Tiberius ihn wieder ab, als er die Nachricht vom Pannonischen Aufstand erhielt. Allerdings schloss Tiberius noch einen Freundschaftsvertrag mit Marbod, um sich vollkommen auf die schwere Aufgabe in Pannonien zu konzentrieren an der wahrscheinlich auch die Legio VIII Augusta beteiligt war.
Nach dem Tod Augustus’ kam es im Sommer 14 n. Chr. im gemeinsamen Sommerlager der drei Pannonischen Legionen (Legio VIIII Hispana, Legio XV Apollinaris und Legio VIII Augusta) zu Unruhen. Drusus der Jüngere konnte die Lage aber rasch und ohne größere Komplikationen beruhigen, worauf die Legionen in ihre getrennten Winterlager abrückten.Tacitus, Annales 1, 16-30. In der römischen Provinz Africa war im Jahr 17 ein Krieg gegen die aufständischen numidischen und mauretanischen Stämme unter Tacfarinas ausgebrochen. Im Jahr 20 wurde die Legio VIIII Hispana unter ihrem Legaten Publius Cornelius Lentulus Scipio und möglicherweise eine Vexillation der Legio VIII AugustaLawrence J. F. Keppie: Legions and veterans: Roman army papers 1971-2000 (Mavors. Roman Army Researches Band 12), Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-515-07744-6, S. 166. zur Verstärkung der Legio III Augusta nach Africa gesandt. Die Rebellion konnte erst im Jahr 24 vom Prokonsul (Statthalter) Quintus Iunius Blaesus beendet werden.
miniatur|As des Claudius zu Ehren der Legio V Alaudae und Legio VIII Augusta In der Forschung wurde teilweise angenommen, die Legio VIII Augusta habe im Jahr 43 n. Chr. unter Aulus Plautius an der Invasion Britanniens teilgenommen. Völlig ausschließen lässt sich das nicht; die Annahme gilt jedoch allgemein eher als unwahrscheinlich.Lawrence Keppie: Legio VIII Augusta and the Claudian invasion. In: Britannia. Band 2, 1971, S. 149–155; Barbara Oldenstein-Pferdehirt: Die Geschichte der Legio VIII Augusta. Forschungen zum Obergermanischen Heer II. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. Band 31, 1984, S. 397–433, hier S. 398–400.
Vermutlich 44 n. Chr. wurde die LEG VIII in Poetovio durch die Legio XIII Gemina abgelöst und nach Novae in Moesia (Stalken bei Swischtow/Bulgarien) verlegt. Zwischen 45 und 49 n. Chr. waren Legionäre der LEG VIII Augusta am Krieg gegen Mithridates II., den König des Bosporanischen Reichs auf der Krim beteiligt und nahmen im Jahr 46 vermutlich an der Eroberung Thrakiens teil. Von Nero (54–68) erhielt die Legion nach Kämpfen gegen Sarmaten und Daker den Beinamen bis Augusta (die zweifach Erhabene), den sie nach dessen Tod aber wieder ablegte.
Flavische Dynastie miniatur|Medaille des Caius Aquilus Proculus, Centurio der Legio VIII Augusta um 70 n. Chr. aus Nijmegen miniatur|Grabstele des Legionärs Caius Valerius Crispus aus spätflavischer Zeit. Fundort: Aquae Mattiacorum (Wiesbaden)
Nach dem Selbstmord Neros unterstützte die Legion im Vierkaiserjahr 69 zunächst Otho, schloss sich aber nach dessen Tod Vespasian an, auf dessen Seite sie am 24./25. Oktober 69 Vitellius in der Zweiten Schlacht von Bedriacum besiegte. Die Legion wurde im Jahr 70 an den Rhein verlegt und war an der Niederschlagung des Bataveraufstandes durch Quintus Petillius Cerialis beteiligt. Danach war die Legion zunächst in Mirebeau-sur-Bèze bei Dijon (Frankreich) stationiert, bevor sie wohl ab den achtziger Jahren für etwa drei Jahrhunderte nach Argentoratum (Straßburg) verlegt wurde um die Reichsgrenze von Raetia bis zum unteren Neckar zu sichern.
Vexillationen der Legion wurden in flavischer Zeit in den Tuffsteinbrüchen bei Norroy in der Provinz Belgica (Nordostfrankreich) und bei Reinhardsmunster (Elsass) eingesetzt.Alfred Michael Hirt: Imperial Mines and Quarries in the Roman World: Organizational Aspects 27 BC-Ad 235 (Oxford Classical Monographs), Oxford University Press, Oxford 2010, ISBN 978-0-19-957287-8, S. 175–176 Unsicher ist, ob die Legio VIII Augusta unter dem Kommando des Statthalters Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens um 74 n. Chr. eine Verlängerung der Donausüdstraße von Tuttlingen durch das Kinzigtal nach Straßburg baute. Diese sogenannte „Kinzigtalspange“ verkürzte die Marschroute von Augusta Vindelicum (Augsburg) nach Argentoratum (Straßburg) und weiter nach Mogontiacum (Mainz) im Vergleich zur bisherigen Streckenführung über Basel um 160 km. Zum Schutze dieser neuen, bis dahin kürzesten Streckenführung zwischen den beiden wichtigsten Legionslagern nördlich der Alpen, von Augsburg nach Mainz, wurde wenig später der Obergermanisch-Raetische Limes erbaut.
Vespasian siedelte Veteranen im Jahr 77 in der neugegründeten Colonia Flavia Pacis Deultemsium, nahe dem heutigen Burgas, in Thrakien an um die unruhige Region zu romanisieren.Hildegard Temporini, Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt (ANRW) Teil 2: Bd. 7/1, de Gruyter, 1979, ISBN 978-3-11-006875-7, S. 163. Lucius Antistius Rusticus war von 79 bis 81 Legatus der Legion.