mini|Eugenio Pacelli, 1922 als Nuntius beim Deutschen Reich, später Papst Pius XII.|alternativtext= mini|Der französische Außenminister Robert Schuman bei einer Ansprache des Apostolischen Nuntius in Frankreich Angelo Roncalli, des späteren Papstes Johannes XXIII., in Luxeuil-les-Bains im Juli 1950.
Ein Apostolischer Nuntius ( „päpstlicher Bote“) ist der bei der Regierung eines anderen Staates akkreditierte Botschafter des Heiligen Stuhles (also der Gesamtheit der obersten Leitungsorgane der katholischen Kirche, in deren Zentrum der Papst als Völkerrechtssubjekt steht).
Der Nuntius nimmt als Diplomat darüber hinaus auch die Interessen des Staates Vatikanstadt wahr und vertritt den Papst als Kirchenoberhaupt gegenüber den Ortskirchen des entsprechenden Landes.
Der Sitz eines Nuntius wird Apostolische Nuntiatur genannt.
Geschichte und Terminologie mini|Diplomatische Beziehungen des Heiligen Stuhls
Die Päpste in Rom entsandten seit dem 4. Jahrhundert Botschafter, anfangs als päpstliche Legate. Diese wurden im 11. und 12. Jahrhundert zu Kardinälen erhoben. Die ersten Nuntiaturen entstanden ab dem frühen 16. Jahrhundert zunächst in Spanien, Frankreich, der Republik Venedig und dem Heiligen Römischen Reich.
Ein Apostolischer Nuntius bekleidet seit Ende des Dreißigjährigen Krieges für gewöhnlich den Rang eines Titularerzbischofs mit dem Prädikatstitel Hochwürdigste Exzellenz. Papst Johannes XXIII. verfügte, dass alle Nuntien zu Bischöfen zu weihen seien, sofern sie es nicht bereits waren.Paul Winninger: Die Eitelkeit in der Kirche. Styria, Graz 1970, S. 28.
Die juristische Basis im Codex Iuris Canonici sowie die historische Genese des Amtes lassen darauf schließen, dass der Apostolische Nuntius primär eine geistliche Funktion hat: Seit dem Wiener Kongress 1815 steht der Apostolische Nuntius im Rang eines Botschafters. Außerdem vertritt er den Papst bei den jeweiligen Bischofskonferenzen. Ein Nuntius muss wie jeder Diplomat vom aufnehmenden Staat akkreditiert werden.
Ist der Gesandte des Papstes nicht beim Staatsoberhaupt oder bei der Regierung des Aufnahmestaates akkreditiert, sondern pflegt nur den Kontakt zu den kirchlichen Institutionen und Personen, so heißt er Apostolischer Delegat. Päpstliche Diplomaten, die zu internationalen Organisationen entsandt werden, heißen Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls und entsprechen den weltlichen Ständigen Vertretern.
In vielen Staaten (zum Beispiel in Deutschland) ist der Nuntius aufgrund eines Konkordats Doyen (französisch für Dekan) des Diplomatischen Korps und hat als primus inter pares einige Ehrenrechte. Dies geht auf den lang anhaltenden Streit der Staaten zurück, wem der erste Platz einzuräumen sei. Man löste dies durch das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen, in dem man dem Vertreter des Papstes dieses Vorrecht einräumte.
Der Doyen spricht bei offiziellen Anlässen als Vertreter des gesamten diplomatischen Korps und vertritt insbesondere die Interessen der kleineren Staaten.
Der Apostolische Nuntius ist der diplomatische Vertreter des Papstes in Ländern, mit denen der Heilige Stuhl offizielle diplomatische Beziehungen unterhält. Er entspricht im diplomatischen Sinne dem Rang eines außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters. Die Amtszeit des Apostolischen Nuntius beträgt fünf Jahre.
Pro-Nuntius Die Bezeichnung Pro-Nuntius war ursprünglich jenen Nuntien vorbehalten, welche bereits im Rang eines Kardinals standen. Der gemäß Protokoll einem Prinzen von Geblüt gleichkommende Rang eines Kardinals war sowohl in als auch außerhalb der päpstlichen Kurie eindeutig höher als der eines diplomatischen Missionschefs, daher war es unüblich, Kardinäle auf einen Nuntiaturposten zu entsenden. Sollte zum Beispiel ein Nuntius kurz vor Ende seiner Mission den Purpur erhalten haben, konnte dennoch für eine Übergangsfrist seine Tätigkeit als Nuntius, zum Beispiel zum Abschluss von Verhandlungen, erforderlich sein. Dieser (vor Kurzem kreierte) Kardinal agierte quasi „an Stelle“ (lat.: „pro“) eines Nuntius. Pro-Nuntien dieser Art waren sehr seltene Ausnahmen in besonderen Situationen.
Im Gefolge der Kurienreformen, ökumenischer Bestrebungen und insbesondere der päpstlichen Osteuropapolitik nach dem II. Vatikanischen Konzil kam es zu einer Neudefinition dieses Titels. Da es durch die vorsichtige Öffnung gegenüber den Ostblockstaaten zwar zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen kam, diese ebenso wie traditionell nichtkatholische, insbesondere islamisch dominierte Staaten aber eine Doyenstellung des Nuntius ablehnten, wurde 1965 der Titel Pro-Nuntius als Bezeichnung für einen apostolischen Nuntius ohne automatische Stellung als Doyen quasi neu geschaffen. Diese Bezeichnung blieb bis 1991 in Kraft. Danach wurden alle Pro-Nuntien in Nuntien umgewandelt, sodass der Titel „Apostolischer Nuntius“ nichts über die Stellung als Doyen aussagt.
Internuntius Ursprünglich wurden Gesandte des Papstes, die übergangsweise damit betraut waren, den Heiligen Stuhl zu vertreten, mit diesem Titel bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurde er gelegentlich für besonders kleine Missionen, wie zum Beispiel in Südamerika, verwandt. Der Internuntius stand im diplomatischen Protokoll nach den Botschaftern an der Spitze der Gesandten, was in jenen Staaten, welche ausschließlich Gesandte als Missionschefs akkreditierten, dazu führte, dass dem Internuntius faktisch die Stellung eines Doyens des Diplomatischen Korps zukam. Da in „Kleinstaaten“ ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Ernennung von Botschaftern üblich wurde, kam die schon zuvor äußerst seltene Ernennung von Internuntien außer Gebrauch.
Apostolische Nuntien in Deutschland Apostolische Nuntien in Köln Geschichtliche Eckdaten Wiederholt kamen päpstliche Sondergesandte an den Hof der Kölner Kurfürsten. Zur ständigen Einrichtung wurde die Kölner Nuntiatur jedoch erst 1584. Über Jahrzehnte stand der Reformgedanke des Trienter Konzils (1545–1563) im Vordergrund von deren Arbeit. Zu den wenigen herausragenden Ereignissen der Kölner Nuntiatur zählen gelegentliche Reisen der Nuntien zu Reichstagen (1594 und 1622), zu den Kaiserwahlen nach Frankfurt (1612 und 1658) und die Teilnahme an den Friedenskongressen in Münster (1644–1648), Aachen (1668), Köln (1673–1674) und Utrecht (1713). Der Einzugsbereich der Kölner Nuntiatur umfasste die Diözesen Würzburg im Süden, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim im Nordosten sowie Lüttich im Westen. Zwar zählten die nordischen Missionsgebiete in Nord- und Mitteldeutschland, zeitweise auch Schweden und Dänemark, juristisch zum Sprengel, im Kern galt jedoch das Interesse den drei geistlichen Kurerzbistümern Mainz, Trier und Köln. Beendet wurde die Nuntiatur infolge der Besetzung der Stadt Köln durch die Franzosen 1795.
Päpstliche Sondergesandte in Köln von 1500 bis 1584 1520 Hieronymus Aleander 1573–1576 Kaspar Gropper 1576–1578 Bartolomeo Portia 1578–1579 Giovanni Battista Castagna, später Papst Urban VII. 1583 Minutio Minucci 1583 Giovanni Francesco Bonomi, Bischof von Vercelli
Ständige Nuntien in Köln 1584–1794 1584–1587 Giovanni Francesco Bonomi (= Bonhomini), Bischof von Vercelli 1587–1596 Ottavio Mirto Frangipani, Bischof von Cajazzo, 1592 Bischof von Tricarico 1593 (1596)–1606 Coriolano Garzadoro, Bischof von Ossero 1606–1610 Attilio Amalteo, Titularerzbischof von Athen 1610–1621 Antonio Albergati, Bischof von Bisceglie 1621–1624 Pietro Francesco Montoro, Bischof von Nicastro 1624–1634 Pier Luigi Carafa, Bischof von Tricarico 1634–1639 Martino Alfieri, Bischof von Isola, 1639 Erzbischof von Cosenza 1639–1651 Fabio Chigi, Bischof von Nardò, später Papst Alexander VII. 1652–1659 Giuseppe Maria Sanfelice, Erzbischof von Cosenza 1659–1666 Marco Gallio Bischof von Rimini 1666–1670 Agostino Franciotti, Titularerzbischof von Trapezunt 1670–1672 Francesco Buonvisi, Titularerzbischof von Thessaloniki, später Nuntius in Polen und Österreich, Kardinal 1672–1680 Opizio Pallavicini, Titularerzbischof von Ephesus 1680–1687 Ercole Visconti, Titularerzbischof von Damietta 1687–1690 Sebastiano Antonio Tanara, Titularerzbischof von Damascus 1690–1696 Giovanni Antonio Davia, Titularerzbischof von Theben 1696–1698 Fabrizio Paolucci di Calboli, Bischof von Macerata und Tolentino, 1698 Erzbischof von Ferrara, später Kardinal und Erzbischof von Ostia-Velletri 1698–1702 Orazio Filippo Spada, Titularerzbischof von Theben 1703–1706 Giulio Piazza, Titularerzbischof von Rhodus 1706–1712 Giambattista Bussi, Titularerzbischof von Tarsos 1712 (1713)-1721 Girolamo Archinto, Titularerzbischof von Tarsos 1721–1722 Vincenzo Santini Titularerzbischof von Trapezunt 1722–1732 Gaetano de’Cavalieri, Titularerzbischof von Tarsos 1732–1735 Jacopo Oddi, Titularerzbischof von Laodicea 1735–1738 Fabrizio Serbelloni, Titularerzbischof von Patras 1740–1744 Ignazio Michele Crivelli, Titularerzbischof von Caesarea in Cappadocia 1744–1754 Girolamo Spinola, Titularerzbischof von Laodicea 1754–1760 Niccolò Oddi, Titularerzbischof von Trajanopolis 1760–1767 Caesare Alberico Lucini, Titularerzbischof von Nicaea 1766–1775 Giovanni Battista Caprara Montecuccoli, Titularerzbischof von Iconium, Nuntius in Wien und Paris, später Erzbischof von Mailand 1776–1786 Carlo Antonio Giuseppe Bellisomi, Titularerzbischof von Tyana; Nuntius von Portugal, Kardinal 1786–1794 Bartolomeo Pacca, Titularerzbischof von Damietta, Nuntius von Portugal, Kardinal 1794 Annibale Francesco Clemente Melchiore Girolamo Nicola della Genga, Titularerzbischof von Tyrus, (hat nie in Köln residiert, war 1795 erster Nuntius am bayerischen Königshof in München) später als Leo XII. Papst
Literatur Karl Unkel: Die Errichtung der ständigen apostolischen Nuntiatur in Köln. In: Hermann Grauert, Ludwig Pastor, Gustav Schnürer (Hrsg.): Historisches Jahrbuch. Görres-Gesellschaft, Band 12 (1891), S. 505–537 (Digitalisat), 721–746 (Digitalisat). Michael F. Feldkamp: Die Erforschung der Kölner Nuntiatur: Geschichte und Ausblick. Mit einem Verzeichnis der Amtsdaten der Nuntien und Administratoren (Interimsverwalter) der Kölner Nuntiatur (1584–1794). In: Archivum Historiae Pontificiae Bd. 28 (1990), S. 201–283 Michael F. Feldkamp: Studien und Texte zur Geschichte der Kölner Nuntiatur, Bd. 1: Die Kölner Nuntiatur und ihr Archiv. Eine archiv und quellenkundliche Untersuchung; Bd. 2: Dokumente und Materialien über Jurisdiktion, Nuntiatursprengel, Haushalt, Zeremoniell und Verwaltung der Kölner Nuntiatur (1584–1794); Bd. 3: Inventar des Fonds „Archivio della Nunziatura di Colonia“ im Vatikanischen Archiv; Bd. 4: Die Instruktionen und Finalrelationen der Kölner Nuntien von 1651 bis 1786 (Reihe: Collectanea Archivi Vaticani, Bd. 30–33), Città del Vaticano 1993–2008 Erwin Gatz, Konrad Repgen (Hrsg.): Nuntiaturberichte aus Deutschland: Die Kölner Nuntiatur. Paderborn u. a.: Schöningh. Reimund Haas: Die Kölner Nuntiatur (1584–1794). Bemerkungen zu Michael F. Feldkamps Werk „Studien und Texte zur Geschichte der Kölner Nuntiatur 1–4“, in: Geschichte in Köln. Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte, Bd. 61, 2014, S. 274–283, ISBN 978-3-412-22367-0
Apostolische Nuntien in Sachsen Verzeichnis der Nuntien in Sachsen 1518 Karl von Miltitz
Apostolische Nuntien in Bayern Geschichtliche Eckdaten Die Apostolische Nuntiatur in München wurde 1785, auf dem Höhepunkt des sog. Nuntiaturstreits, gegründet und nach wenigen Jahren des Bestehens im Jahr 1800 aufgelöst. Sie wurde 1818 wiedererrichtet und 1934 endgültig aufgehoben. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es seitens der Bayerischen Staatsregierung vergebliche Bemühungen, erneut diplomatische Beziehungen mit dem Vatikan zu unterhalten.
Päpstliche Nuntien in München 1785–1800 und 1818–1934 1785–1795 Giulio Cesare Zoglio (auch: Zollio) 1795–1796 Annibale della Genga, später Papst Leo XII. (Internuntius) 1796–1800 Emidio Ziucci 1818–1827 Francesco Serra di Cassano, Titularerzbischof von Nicaea, Kardinal