mini|B-52 wirft M117-Bomben im Vietnamkrieg ab Eine Fliegerbombe (auch Abwurfkampfmittel bzw. Abwurfmunition) ist eine Bombe, die aus einem Luftfahrzeug abgeworfen wird und, je nach Zündsystem, beim Aufprall, in geringer Höhe über der Erdoberfläche, nach Durchschlag eines Zieles oder verzögert im Erdreich explodiert.

Beschreibung & Technik Fliegerbomben zeichnen sich durch eine enorme Vielfalt und Komplexität ihrer Bauarten aus. Dazu gehören ungelenkte Freifallbomben, Präzisionsbomben, Gleitbomben, Streubomben usw. Sie werden dazu verwendet, um Menschen zu töten und zu verletzen oder Material, Fahrzeuge sowie Gebäude zu zerstören. Dies mit Wirkung von Druckwelle, Splitter, Feuer oder Ionisierende Strahlung. Fliegerbomben werden im Einzelabwurf oder Flächenbombardement eingesetzt. Sie werden zur Bekämpfung von taktischen, strategischen wie auch zivilen Zielen verwendet. Fliegerbomben werden aus großer, mittlerer Flughöhe, aus dem Tiefflug, im Horizontalflug oder Sturzflug abgeworfen.

Eine konventionelle, freifallende Fliegerbombe besteht in der Regel aus mehreren Bauteilen: Dem Bombenkörper (auch Bombenhülle bezeichnet). Dieser ist vielfach aus Stahl gefertigt und hohl ausgebildet. Der Bombenkörper ist mit Sprengstoff, Brandkampfstoff o. Ä. befüllt. Vorne, hinten oder auch seitlich werden in den Bombenkörper Zünder eingesetzt. verwendete werden Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder sowie Zeitzünder. Hinten am Bombenkörper ist das Heckteil aufgesetzt. Dieses besteht in der Regel aus mehreren Stabilisierungsflügeln (Heckflossen) um die manchmal ein Ringleitwerk montiert ist.

Fliegerbomben lassen sich aufgrund ihrer Wirkung sowie dem Verwendungszweck in verschiedenen Kategorien einteilen:

Sprengbomben die ihre Wirkung durch die Detonation von Sprengstoffen erzeugen. Die Wirkung der Bomben beruht auf einer starken Detonationswelle, Splitter durch Zerlegung des Bombenkörpers und kurzzeitigen, starker Hitzeentwicklung. Mehrzweckbomben (auch Splitter-Sprengbomben) sind gegen eine Vielzahl von Zielen einsetzbar. Die Masse des Sprengstoffs in der Bombe beträgt 25–45 % ihres Gewichts. Splitterbomben sind auf das Erzeugen einer großen Anzahl Splitter ausgelegt. Die dickwandigen Bombenkörper sind an der Innenseite mit Kerben oder sägezahnförmigen Längs- und Querrillen versehen, welche für eine optimale Splitterbildung sorgen. Daneben kann auch zusätzliches Splittermaterial im Bombenkörper verbaut werden. Splitterbomben besitzen einen geringeren Sprengstoffanteil (10–20 %) und auch eine geringere Sprengkraft. Panzersprengbomben sind ebenfalls dickwandig, bestehen aber aus besonders gehärtetem Stahl, um Fels oder dicke Betondecken durchschlagen zu können. Ausgestattet sind sie mit Bodenzündern mit Verzögerung, damit die Explosion erst im Inneren des Zieles erfolgt. Panzersprengbomben besitzen einen geringeren Sprengstoffanteil (10–20 %) und auch eine geringere Sprengkraft. Minenbomben „Luftminen“ sind auf das Erzeugen großer Sprengwirkung ausgelegt. Die Masse des Sprengstoffs in der dünnwandigen Bombe beträgt bis über 80 % ihres Gewichts. Streubomben sind Abwurfbehälter, die mit einer Anzahl explosive Submunition (Bomblets, Kleinbomben) beladen sind, die über dem Ziel verstreut werden. Streubomben haben einen großen, räumlichen Wirkungsradius. Aufgrund der großen Blindgängerzahl und den daraus resultierenden häufigen Unfällen sind sie humanitär und ethisch umstritten. Brandbomben wirken durch Feuer; man kann unterscheiden zwischen Brandbomben mit festen Brandkampfstoffen wie Thermit, Elektron oder Weißer Phosphor. Brandbomben mit flüssigen Brandkampfstoffen wie z. B. Napalm. Splitter-Brandbomben sind eine Kombination aus einer Spreng- oder Splitterbombe sowie einer Brandbombe in einem Körper. Aerosolbomben oder FAE-Bomben – „Fuel Air Explosive“ enthalten einen brennbaren Stoff, der durch eine Zerlegeladung fein als Aerosol verteilt und dann entzündet wird. Bei der Deflagration entstehen eine sehr große Hitze und eine langanhaltende Detonationswelle. Bomben mit thermobarer Wirkung sind Sprengbomben mit einem dicken Mantel aus brennbaren Stoffen (z. B. Aluminiumpulver), um die Hitzewirkung zu steigern und eine stärkere Druckwelle zu erreichen. Betonbomben sind Bomben die zu Teilen oder als ganzes aus Beton bestehen. Wasserbomben werden bei der Bekämpfung von U-Booten verwendet. Sie haben normalerweise einen berührungslosen Zünder (Zeitzünder, barometrischer Zünder, Magnetzünder). Blitzlichtbomben enthalten Blitzlichtpulver und wurden bei nächtlichen Aufklärungsflügen für Fotos verwendet. Leuchtbomben enthalten einen Leuchtsatz und werden meist am Fallschirm abgeworfen. Sie werden zur Gefechtsfeldbeleuchtung oder zur Markierung eines Ziels verwendet. In Deutschland wurden sie während des Zweiten Weltkriegs umgangssprachlich als „Christbäume“ bezeichnet.Vgl. etwa Wolfgang Leydhecker: Eine Jugend im Dritten Reich. Nicht wie die anderen. Eduard Roether Verlag, Darmstadt 1992, ISBN 3-7929-0198-6, S. 123. Bomben mit CBNR-Wirkung, also Kernwaffen Biologische Waffen Chemische Waffen Radiologische Waffen

Geschichte mini|Bombenabwurf einer 12,5-kg-P&W-Bombe aus einem Flugzeug (Zeit des Ersten Weltkrieges) mini|Erster Weltkrieg: Zerstörungen in der Kirche Saint-Éloi in Dünkirchen nach Bombenangriffen aus deutschen Zeppelinen und Flugzeugen; Bild vom 1. Februar 1918 mini| AIRCO DH 9a mit Fliegerbomben mini|P&W-Bomben von 12,5 – 300 kg vor einer Gotha G V

Vorläufer der Fliegerbomben waren die Ballonbomben. Es handelte sich dabei um Luftballons, die Sprengkörper über eine feindliche Festung tragen und auf sie niederfallen lassen sollten. Dieser Gedanke wurde erstmals 1849 von der österreichischen Belagerungsarmee vor Venedig verwirklicht, doch war der Erfolg gering.Johann Werfring: in: Wiener Zeitung, 18. März 2010, Beilage "ProgrammPunkte" S. 7.

Die Fortschritte der Luftschifffahrt und der Sprengstofftechnik veranlassten dann zum Ende des 19. Jahrhunderts das erneute Aufgreifen dieser Idee. In Frankreich entwickelte man das System Gower, in den USA stellte der General Russel Thayer einen Dynamitballon her. Der deutsche Ingenieur und Aeronaut Georg Rodeck beschäftigte sich seit 1882 mit den Aerobomben und entwarf elektrische Lufttreibtorpedokolonnen und Lufttreibtorpedos mit einer Zeitschaltuhr zur Auslösung der Explosion. Bei den Torpedokolonnen führte ein Passagierballon vier Torpedoballons, deren jeder etwa 50 bis 75 Kilogramm Nitrat in einem metallenen Kasten trug, über die Festung, und die Sprengkästen konnten über die elektrische Leitung entweder gleichzeitig oder nacheinander ausgelöst werden. Beim Niederfallen barsten die Kästen und schleuderten etwa 100 Dynamitpatronen in einem Bogen nach allen Richtungen fort.Aërobomben, in: Brockhaus’ Konversationslexikon, Verlag F. A. Brockhaus, 14. Auflage, 1894–1896, S. 163.

In der Haager Friedenskonferenz von 1899 hatten sich die konstruierenden Staaten für die Dauer von fünf Jahren (also bis zum 28. Juli 1904) verpflichtet, das Abwerfen von Sprengstoffen von Ballons oder ähnlich konstruierten Luftfahrzeugen zu verbieten. Der Vertrag wurde erneuert auf der zweiten Konferenz durch die Konvention vom 18. Oktober 1907, doch wurde sie von verschiedenen Staaten nicht unterzeichnet.

Die Idee der eigentlichen Fliegerbombe wurde dann 1910 vom Briten R. P. Hearne in Airships in Peace and War erdacht, um Strafexpeditionen kostengünstiger durchführen zu können. Das Konzept des Luftkriegs fand schnell in militärischen Kreisen Zuspruch.

Der erste Bombenabwurf einer Fliegerbombe in der Geschichte fand am 1. November 1911 im Rahmen des Italienisch-Türkischen Kriegs statt. Giulio Gavotti warf aus einer Etrich-Taube vier knapp anderthalb Kilogramm schwere Bomben per Hand über Libyen ab.20 Minuten vom 13./14. Mai 2011: Beschreibung des ersten Bombenabwurfs

Der bulgarische Pilot Simeon Petrow entwickelte 1912 im Ersten Balkankrieg die erste Fliegerbombe mit Heckflosse und Zünder. Diese etwa 6-Kg schwere Fliegerbombe wurde bei einem Angriff auf den türkischen Bahnhof in der Nähe von Karaağaç zum ersten Mal eingesetzt. Die Pläne für diese Bombe wurden später an Deutschland verkauft.Bulgarian Aviation in the Great War (englisch) abgerufen am 5. April 2018

1912 startete Frankreich das erste größere Bombardement in Marokko, wobei große Ziele wie Dörfer gewählt wurden. Im Jahr darauf eroberte Spanien einen anderen Teil Marokkos auch mit Hilfe von Splitterbomben aus deutscher Produktion.

Im Ersten Weltkrieg wurden erstmals Bomber eingesetzt, bei denen die Fliegerbomben nicht mehr aus dem Beobachtungsstand herausgeworfen, sondern vom Rumpf oder dem unteren Flügel ausgeklinkt wurden.

Die ersten Fliegerbomben des Krieges waren sehr improvisiert und hatten keine guten Falleigenschaften.

Als „P. u. W. Bombe“ wurde eine 1916 von der Prüfanstalt und Werft (P. u. W.) der Fliegertruppe (später Flugzeugmeisterei) in Berlin-Johannisthal gemeinsam mit der Firma Goerz in Berlin-Friedenau entwickelte Fliegerbombe bezeichnet, die ab 1917 von der Firma Goerz produziert wurde. Neben einer 12,5 kg schweren dickwandigen Splitterbombe waren die übrigen Modelle mit 50, 100, 300 und 1000 kg dünnwandige Bomben mit hohem Sprengstoffanteil. Die P&W Modelle waren die ersten modernen Fliegerbomben überhaupt. Im Gegensatz zu den früheren birnenförmigen Carbonit-Bomben mit Ringleitwerk waren die P&W-Bomben tropfenförmig und schlank und am Heck befand sich ein dreiflügliges Leitwerk, dessen Flossen verschränkt waren und dadurch die Bombe in Rotation versetzten. Die ballistischen Eigenschaften waren deutlich besser als die der frühen Carbonit-Modelle. Soweit bekannt wurde das 1000-kg-Modell nur einmal von einer Zeppelin-Staaken R VI über London abgeworfen, wohingegen die Modelle mit 50, 100 und 300 kg bei den G-Flugzeugen verwendet wurden. Das kleinste Modell wurde oftmals von Hand abgeworfen, während alle anderen Modelle an Bombenschlössern getragen wurden.

1919 setzte die sozialdemokratische Regierung im Stadtgebiet von Berlin Fliegerbomben zur Niederschlagung des Spartakusaufstandes ein, so gegen das Redaktionsgebäude der SPD-Zeitung „Vorwärts“ und die Schultheiss-Brauerei, in denen sich hunderte Aufständische verschanzt hatten.

Bereits damals war das Hauptproblem von Bomben die mangelnde Zielgenauigkeit. Winston Churchill war 1920 nach dem Lesen eines Berichts über ein Bombardement Bagdads, in dem auch die Zivilbevölkerung schwer getroffen wurde, so schockiert, dass er weitere Berichte solcher Art verbot. Allerdings war es auch Churchill, der zuvor die Bombardierung von irakischen Aufständischen mit Giftgas gefordert hatte. Oft traten Offiziere, die die Folgen solcher Angriffe sahen und diese als Massaker bezeichneten, von ihren Posten in den Kolonien zurück und gingen lieber nach England zurück.

Im Rifkrieg zwischen Spanien und Marokko wurden am 29. Juni 1924 bei Tétouan sechshundert Bomben abgeworfen und die Zivilbevölkerung schwer getroffen.

Im Spanischen Bürgerkrieg benutzte die deutsche Wehrmacht ihre Waffenhilfe für Francos Truppen dazu, die Bombardierung ganzer Städte zu üben und zu perfektionieren. Die kleine baskische Stadt Guernica wurde am 26. April 1937 von der Legion Condor der deutschen Luftwaffe angegriffen und weitgehend zerstört. Die Weltöffentlichkeit reagierte mit Bestürzung, während man sich in deutschen Militärkreisen zufrieden zeigte. Pablo Picasso widmete diesem Schrecken sein Guernica-Bild.

Nach einem französischen Angriff auf das Moslemviertel von Damaskus (Syrien) kamen große Diskussionen auf, ob solche Angriffe völkerrechtlich vertretbar sind. Es kam darauf die Theorie auf, dass die Menschheit in Zivilisierte, Barbaren und Wilde zu unterteilen sei und nur Angriffe auf zivilisierte Völker gegen das Völkerrecht verstoßen. Damit wurde der Angriff auf Syrien legitimiert und es wurde sogar behauptet, Frankreich handle im Auftrag des Völkerbundes in Syrien.