Jiangsu, dt. nach Post Kiangsu (), ist eine Provinz im Osten der Volksrepublik China, am Gelben Meer gelegen. Jiangsu liegt im Mündungsbereich des Jangtsekiang. Die Provinz gilt sprichwörtlich als „Land, reich an Reis und Fisch“ (). In neuerer Zeit ist Jiangsu zu einer der industriell wirtschaftsstärksten Provinzen Chinas herangewachsen. Die Hauptstadt der Provinz ist Nanjing, weitere wichtige Orte sind Suzhou, Nantong, Wuxi und Changzhou.

Geographie links|mini|Skyline von Nanjing

In Bezug auf die Meeresgeographie gehören die meisten Küstengewässer von Jiangsu zum Gelben Meer. Nur die Gewässer östlich der Mündung des Jangtsekiang und südlich der Linie von Yuantuojiao in Qidong bis zur Insel Jeju in Südkorea werden zum Ostchinesischen Meer gerechnet.

Die Topografie der Provinz ist im Süden (Jangtsekiang-Delta) und Osten (Küste) flach, im Norden und Westen hügelig bis bergig. Die Küstenlinie ist 954 km lang und beginnt im Norden an der Mündung des Flusses Xiuzhen im Bezirk Ganyu der Stadt Lianyungang, der Grenze zur Provinz Shandong, und endet im Süden am Hafen Lianxing in der kreisfreien Stadt Qidong am Nordufer der Mündung des Jangtsekiang. Unter allen Provinzen Chinas hat Jiangsu den höchsten Anteil an Flachland und Wasser und den niedrigsten an Hügel- und Bergland. Mit dem Tai-See und dem Hongze-See liegen zwei der größten Binnenseen der Volksrepublik China in Jiangsu. Der im 7. Jahrhundert erbaute Kaiserkanal, der den Jangtsekiang und den Huang He miteinander verbindet, liegt zu einem großen Teil in Jiangsu. Er ist innerhalb von Jiangsu 690 km lang und stellte eine wichtige Nord-Süd-Verkehrsader dar.

An der Küste Jiangsus finden sich ausgedehnte Wattenmeeresflächen, die von großer ökologischer Bedeutung sind und die zum Teil unter der Bezeichnung „Zugvogelschutzgebiete entlang der Küste des Gelben Meeres – Golf von Bohai“ in das UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen wurden. Das dauerhaft nicht vom Meer überschwemmte Wattenmeer umfasst eine Fläche von 307 km² und die intertidalen Wattgebiete umfassen etwa 2677 km². Entlang der Küste gibt es 26 Inseln, von denen vier dauerhaft bewohnt sind – Liandao () und Yangshandao () im Bezirk Lianyun der Stadt Lianyungang, Xinglongsha () in der Stadt Qidong und Yonglongsha () im Bezirk Haimen der Stadt Nantong.

Nachbarprovinzen sind Anhui, Shandong, Shanghai und Zhejiang.

Geschichte mini|Pagode des Yunyan-Tempels in Suzhou, erbaut 907–961

Formal wurde die Provinz Jiangsu zur Herrschaftszeit des zweiten Qing-Kaisers Kangxi im Jahr 1667 mit Suzhou als Provinzhauptstadt gegründet. Der Provinzname wurde durch Zusammenziehung der beiden Städtenamen Jiangning (, das heutige Nanjing) und Suzhou () gebildet. Zuvor war das Gebiet von Jiangsu unter dem Namen Wu (), der sich von dem antiken Staat Wu () ableitete, bekannt. Während der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (722 bis 481 v. Chr.) eroberte der zu den „Fünf Hegemonen“ gehörende Staat Wu im Jahr 494 v. Chr. den westlich benachbarten Staat Chu, wurde aber seinerseits vom Staat Yue im Jahr 333 v. Chr. besiegt. Nach der Reichseinigung unter der Qin-Dynastie 221 v. Chr. kam es im Jahr 209 v. Chr. zu einem von Offizieren angeführten Bauernaufstand im Bereich des heutigen Jiangsu, der letztlich zum Sturz der Dynastie führte. Der aus Jiangsu stammende Liu Bang konnte sich gegen Rivalen durchsetzen und wurde unter dem Herrschernamen Han Gaozu zum Stammvater der langlebigen Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.). Nach dem Ende der Han-Dynastie war Jiankang (das heutige Nanjing) in Jiangsu ein florierendes Handelszentrum und diente während der Zeit der Südlichen und Nördlichen Dynastien (420–589) vier südlichen Dynastien als Hauptstadt (der älteren Song-Dynastie, der südlichen Qi-Dynastie, der Liang-Dynastie und der Chen-Dynastie). Auch während der späteren südlichen Tang-Dynastie (937–975) fungierte Jiankang als Hauptstadt. In der Zeit der Ming-Dynastie (1368–1644) war Jiangsu zusammen mit dem heutigen Anhui und Shanghai zu einer administrativen Einheit Nan Zhili () zusammengefasst.

Während der Qing-Dynastie (1644–1911) wurde die Provinz, wie auch die Nachbarprovinzen, schwer vom Taiping-Aufstand (1851–1864) betroffen. Ebenso schwer hatte die Provinz unter den japanischen Kriegsverbrechen während des Japanisch-chinesischen Krieges 1937 bis 1945 zu leiden. Die damalige Hauptstadt der Republik China Nanjing (Nanking) wurde im Dezember 1937 von den Japanern erobert, wonach eine drei Monate andauernde Gewaltorgie mit Massenvergewaltigungen, irregulären Tötungen etc. begann, die insgesamt etwa 300.000 chinesischen Zivilisten das Leben kostete.

mini|Ermordete Zivilisten während des Massakers von Nanking 1937

Nach der Eroberung Nanjings durch die Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg 1949 wurde die Provinz Jiangsu kurzzeitig in zwei Provinzen aufgeteilt, Subei () mit Hauptstadt Taizhou und Sunan () mit Hauptstadt Wuxi. Am 15. November 1952 wurde die Teilung wieder rückgängig gemacht und am 1. Januar 1953 wurde Nanjing offizielle Provinzhauptstadt. Am 28. Mai 1959 wurde die Stadt Shanghai – kurz zuvor um zehn Kreise vergrößert – aus der Provinz Jiangsu ausgegliedert.

Bevölkerung Bei der Volkszählung 2020 hatte Jiangsu 84.748.016 dauerhaft ansässige Einwohner. Bei der Volkszählung im Jahr 2010 waren es noch 78.660.941 Einwohner gewesen. Dies entsprach einer Zunahme um 6.087.075 Einwohner (+ 7,74 %). Von den 13 bezirksfreien Städten, in die Jiangsu eingeteilt ist, verzeichneten Suzhou (+ 2.288.372 Einwohner), Nanjing (+ 1.310.941 Einwohner) und Changzhou (+ 1.087.736 Einwohner) den stärksten Zuwachs.

Bevölkerungsentwicklung +Volkszählungen in JiangsuJahrEinwohnerzahl1954 41.252.1921964 44.504.6081982 60.521.1141990 67.056.5192000 73.043.5772010 78.660.9412020 84.748.016

Das Bevölkerungswachstum ist in den letzten Jahren stetig zurückgegangen. Zwischen 2000 und 2010 wuchs die Bevölkerung noch im Schnitt jährlich um 0,72 %. Bis 2015 sank der Zuwachs auf 0,2 %. Im Jahr 2016 stieg das Bevölkerungswachstum aufgrund der Aufgabe der Ein-Kind-Politik auf 0,27 % bzw. 223 000 Personen an. Die Geburtenrate lag im Jahr 2016 bei 9,76 pro Tausend Einwohner (oder 779 600 Neugeborene), die Sterberate lag bei 7,03 pro Tausend. Im Jahre 2016 ging die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter um 530 000 Personen auf 20,65 Millionen zurück. Etwa 60 % der Frauen hatte ein Kind. Der Anteil der Frauen mit zwei oder mehr Kindern ist auf 40 % gestiegen, so dass vorübergehend ein höheres Bevölkerungswachstum erwartet wurde.

Im Jahr 2021 nahm die ständige Bevölkerung der Provinz im Vergleich zum Vorjahr erstmals ab. Im Jahr 2022 betrug die Geburtenrate der ständigen Bevölkerung der Provinz 5,23 ‰, die Sterberate 7,04 ‰ und die natürliche Wachstumsrate −1,81 ‰. In den folgenden Jahren wird eine weitere Bevölkerungsabnahme erwartet. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (Alter zwischen 15 und 64 Jahren) lag am Ende des Jahres 2022 bei 57,88 Millionen Menschen. Der Anteil der Personen unter 15 Jahren lag bei 14,15 %, der Anteil der Personen über 64 Jahren lag bei 17,87 %.

2013 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 78,8 Jahren und damit über dem chinesischen Durchschnitt.

Urbanisierung und Städte Im Jahre 2016 lebten 54,1665 Millionen Menschen in den städtischen Gebieten Jiangsus, das entspricht 67,72 % der Gesamtbevölkerung. Dieser Anteil ist gegenüber 2015 um 1,2 Prozentpunkte bzw. 1,1082 Millionen Menschen gewachsen. Der Verstädterungsgrad ist dabei regional verschieden: im Süden der Provinz lebten fast 76 % der Bevölkerung in Städten, während es im Norden knapp 61 % waren; im Zentrum der Provinz lag der Anteil bei 64 %. Dafür wuchs die städtische Bevölkerung im Zentrum mit 1,62 und im Norden mit 1,55 Prozentpunkten Zuwachs schneller als im Süden mit 0,68 Prozentpunkten. Die Ursache hierfür liegt darin, dass der Süden der Provinz wirtschaftlich am weitesten entwickelt ist. Dies hat zahlreiche Menschen aus anderen Regionen Jiangsus oder Chinas in die Städte Süd-Jiangsus gezogen. Mittel-Jiangsu hat eine stabile Industriebasis, wodurch sich Zuzug und Abwanderung die Waage halten und die Verstädterung schnell voranschreitet. Der Norden Jiangsus profitiert von starken Investitionen in Verkehrswege und Wohnbau, was ebenfalls die Verstädterung vorantreibt.

Aufgrund der relativ hohen Urbanisierung hatte die Provinz 2020 bereits 17 Millionenstädte. Die Millionenstädte der Provinz mit Einwohnerzahlen der eigentlichen städtischen Siedlung auf dem Stand der Volkszählung 2020 sind die folgenden:

RangStadtEinwohnerRangStadtEinwohner1Nanjing7.519.81410Yancheng1.353.4752Suzhou5.892.89211Taizhou1.348.3273Wuxi3.956.98512Jiangyin1.331.3524Changzhou3.187.31513Changshu1.230.5995Nantong2.987.60014Zhenjiang1.123.8136Xuzhou2.845.55215Suqian1.081.5597Yangzhou2.067.25416Lianyungang1.071.0198Huai’an1.804.61117Zhangjiagang1.055.8939Kunshan1.652.159

Sprachen Die verbreitetsten Sprachen sind Hochchinesisch und Wu-Dialekte. Die Grenze zwischen dem Jianghuai-Mandarin und den Wu-Dialekten wird in Jiangsu ungefähr durch den Jangtsekiang markiert. Allerdings fällt die Grenzlinie nicht vollständig mit dem Flussverlauf zusammen. Auch nördlich des Flusses werden in Qidong, Haimen und teilweise auch in Tongzhou und Jingjiang Wu-Dialekte gesprochen, während andererseits Nanjing, Zhenjiang und andere Orte südlich des Jangtsekiangs zum Jianghuai-Mandarinsprachgebiet gehören. Lishui, Jurong, Jintan, Dantu, Danyang, Jingjiang und Tongzhou gelten als sprachliche Mischgebiete. Im Allgemeinen ist eine Tendenz zum zunehmenden Gebrauch des Hochchinesischen (Mandarin) und ein Rückgang des Gebrauchs der Wu-Dialekte festzustellen.

Nationale Minderheiten Die Bevölkerung der Provinz Jiangsu besteht fast ausschließlich aus Han-Chinesen. Bei der Volkszählung 2020 umfasste die Han-Bevölkerung 84.126.802 Personen (99,27 %) und die ethnische Minderheitsbevölkerung kam auf 621.214 Personen (0,73 %). Im Vergleich zum Jahr 2010 wuchs die Han-Bevölkerung um 5.850.787 Personen (+ 7,47 %) und die Bevölkerung verschiedener ethnischer Minderheiten um 236.288 (+ 61,39 %).

2010 lebten 384 900 Angehörige ethnischer Minderheiten in der Provinz, davon 99 100 Personen in der Provinzhauptstadt Nanjing. Die größte der Minderheiten waren die Hui mit 130 757 Personen bei der Volkszählung 2010. Die Hui sind in Jiangsu auch heimisch. Darüber hinaus lebten im Jahr 2010 49 535 Miao, 41 258 Tujia, 20 880 Zhuang, 18 896 Yi, 18 074 Mandschu, 16 689 Bouyei, 13 089 Sui, 12 280 Dong und 10 691 Mongolen. Es wird geschätzt, dass sich unter der nicht langfristig in Jiangsu lebenden Bevölkerung (Wanderarbeiter) weitere 600 000 Angehörige nationaler Minderheiten befinden.

In Jiangsu gibt es eine Nationalitätengemeinde (Gemeinde Lingtang der Hui), eine Großgemeinde, die als Nationalitätengemeinde behandelt wird (Zhuzhen im Stadtbezirk Luhe von Nanjing) und 39 Nationalitäten-Einheiten auf Dorfebene. Über die ganze Provinz verteilt gibt es spezielle Einrichtungen für die nationalen Minderheiten, v. a. Grund- und Mittelschulen.

Administrative Gliederung Die Provinz Jiangsu setzt sich aus 12 bezirksfreien Städten zusammen. Die Provinzhauptstadt Nanjing besitzt den Status einer provinzunmittelbaren Verwaltungszone.

Verwaltungs-einheit Chin. Hanyu Pinyin Verwaltungs-zentrum Fläche(km²) Einwohner(2020)JiangsuJiāngsū ShěngNanjing107.217,4484.748.016— Provinzunmittelbare Stadt —NanjingNánjīng ShìXuanwu6.587,029.314.685— Bezirksfreie Städte —WuxiWúxī ShìBinhu4.627,467.462.135XuzhouXúzhōu ShìYunlong11.764,889.083.790ChangzhouChángzhōu ShìXinbei4.372,155.278.121SuzhouSūzhōu ShìGusu8.657,3212.748.262NantongNántōng ShìChongchuan10.549,257.726.635LianyungangLiányúngǎng ShìHaizhou7.615,294.599.360Huai’anHuái'ān ShìQingjiangpu10.029,544.556.230YanchengYánchéng ShìTinghu16.931,296.709.629YangzhouYángzhōu ShìHanjiang6.591,214.559.797ZhenjiangZhènjiāng ShìRunzhou3.840,323.210.418TaizhouTàizhōu ShìHailing5.787,364.512.762SuqianSùqiān ShìSucheng8.524,294.986.192