Leuchtenwald der Künstlerin Sonja Vordermaier bei der Landesgartenschau Rosenheim 2010|mini Die Straßenbeleuchtung ist Teil der öffentlichen Straßenausstattung: Sie dient insbesondere nachts zur künstlichen Beleuchtung von Straßen, Plätzen oder Freiräumen.
Aufgabe Aufgabe der Straßenbeleuchtung ist es, die allgemeine öffentlichen Sicherheit und als deren Bestandteil die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer in der Nacht zu verbessern. In den meisten deutschen Bundesländern gibt es keine Pflicht zur Beleuchtung in den Landesstraßengesetzen.BbgStrG, BremLStrG, HWG, HStrG, StrWG – MV, NStrG, StrWG NRW, LStrG, StrG SL, StrG LSA, StrWG, ThürStrG Ausnahmen gibt es u. a. in Baden-Württemberg z. B. § 41 Straßengesetz (StrG) Abs. 1. Beleuchtungs-, Reinigungs-, Räum- und Streupflicht,Straßengesetz für Baden-Württemberg (Straßengesetz – StrG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Mai 1992. landesrecht-bw.de in Bayern z. B. des Bayerischen Straßen- und Wegegesetz (BayStrWG) Gemeindliche Beleuchtungs-, Reinigungs-, Räum- und Streupflicht, Verordnungsermächtigung. Diese Pflicht wird in Art. 51 Abs. 1 BayStrWG durch den Halbsatz „… wenn das dringend erforderlich ist“ eingegrenzt. Die Art und Weise der Beleuchtung kann entsprechend der Industrienorm EN 13201 erfolgen. Hier werden Straßenklassifikationen und mindestens notwendige Gütemerkmale (z. B. die Helligkeit in Lux bei Anliegerstraßen) definiert. Städte und Gemeinde können aber auch eigene Festlegungen treffen, z. B. Lichtkonzept Berlin.Stadtbild Berlin – Lichtkonzept. stadtentwicklung.berlin.de Die Beleuchtung von Fußgängerüberwegen wird in Deutschland einheitlich separat geregelt und die Ausführung der Beleuchtung für Fußgängerüberwege ist in der Norm DIN 67523 Beleuchtung von Fußgängerüberwegen (Zeichen 293 StVO) mit Zusatzbeleuchtung detailliert festgelegt. Neben der Verkehrssicherheit werden bei der Entscheidung über die Straßenbeleuchtung zunehmend wirtschaftliche Aspekte und Umweltgesichtspunkte beachtet. Zum Beispiel gilt seit dem 1. März 2022 ein Beleuchtungsverbot in Naturschutzgebieten nach § 23 BNatSchG.Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG). gesetze-im-internet.de Außer dem Aspekt der Verkehrssicherung kann die Straßenbeleuchtung auch in ein Konzept zu dekorativen Zwecken (Illumination, Lichtkunst) eingebunden sein.
Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften oder bebauter Gebiete verfügen selten über eine Straßenbeleuchtung. Autobahnen und autobahnähnliche Straßen sind in Deutschland, wenn überhaupt, nur im städtischen Bereich beleuchtet. Die meisten belgischen, luxemburgischen und niederländischen Autobahnen sind aufgrund eines Benelux-Abkommens mit einer Straßenbeleuchtung ausgestattet.
Historische Entwicklung mini|Laternenanzünder in Jean-Baptiste Debrets Almosensammlung für die Armen mini|hochkant|Laternenpfahl um 1760 Straßenbeleuchtungen gab es bereits in der Antike. Antiochia am Orontes besaß eine Straßenbeleuchtung (Libanios, Or. 11, 267), die nach Ammianus Marcellinus (14, 1,9). Im Mittelalter verwendete man Kienspäne sowie Lampen, die Öle oder Fette verbrannten. Im 16. Jahrhundert besaßen größere Städte eine rudimentäre Straßenbeleuchtung, die oft aus Leuchtpfannen bestand. In größeren Städten wie Leipzig waren sie in Mannshöhe an den Eckhäusern der Plätze und Straßen angebracht. Im Notfall mussten die Pfannen von den Bürgern selbst entzündet werden.
Die erste Errichtung von Straßenleuchten wurde in Paris maßgeblich von Ludwig XIV. vorangetrieben, um die Vorgänge auf den Straßen besser kontrollieren zu können.Überwachung im Kopf, futurezone.orf.at Die im 16. Jahrhundert eingeführte Beleuchtung mit Pechpfannen hatte sich als unzureichend erwiesen. Am 2. September 1667 wurde in Paris die flächendeckende Beleuchtung der Gassen eingeführt.N. H. Schilling: Handbuch für Steinkohlengas-Beleuchtung. München 1866, S. 7; . Die Laternen wurden dabei an Häusern oder Laternenpfählen angebracht. Ende des 17. Jahrhunderts dienten in Paris Öllampen zur Beleuchtung wichtiger Straßen. Dem französischen Vorbild folgten London 1668, Amsterdam 1669 und Berlin 1679.
In Wien wurde am 24. Februar 1687 die erste Verordnung zur Illuminierung von Straßen und Plätzen erlassen. In der Folge wurden 17 Talglichter der Dorotheergasse aufgestellt. Bereits ein Jahr später wurde die gesamte Innenstadt mit 2000 Lampen beleuchtet.Start zur Beleuchtung vor 325 Jahren. ORF, 19. Februar 2012; abgerufen am 10. Juli 2012.
Anfang des 18. Jahrhunderts führten auch Dresden, Frankfurt am Main und Basel 1721 die Straßenbeleuchtung ein, die meisten anderen größeren Städte folgten im Lauf des Jahrhunderts.
Am 3. November 1731 wurde in München die erste sogenannte „Stadt-Illumination“ installiert, als Brennmaterial diente in den ersten Jahren Unschlitt (Tiertalg), im Dezember 1850 wurden dann in der Altstadt die ersten 1000 Gaslaternen aufgestellt. Rüböl und Petroleum fanden im 19. Jahrhundert weitere Verwendung. Das Rüböl kam trotz seiner Lichtschwäche für die Beleuchtung ganzer Straßenzüge zum Einsatz.Wiesbadner Wochenblatt 1816 Nr. 25: Obrigkeitliche Bekanntmachung: Die Versteigerung von ächtem alten holländischen Rüböl zum Bedarf der städtischen Laternenanstalt wird an den Wenigstnehmenden nächsten Dienstag früh 10 Uhr von unterzeichneter Stelle vorgenommen, wozu man die Steigliebhaber einladet. Wiesbaden den 20. Juny 1816. Herzogliche Polizey-Direction. Petroleumlaternen waren in Orten ohne Gaswerk im Einsatz.
mini|Aktie über 200 Gulden der AG für Gasbeleuchtung zu Fürth vom 1. Oktober 1858 mini|hochkant|Schinkelleuchte im Gaslaternen-Freilichtmuseum Berlin mini|hochkant|Eingemauerter gusseiserner Laternenpfahl in Bozen mini|hochkant|Denkmalleuchte in Timișoara Im 19. Jahrhundert kamen zunächst mit Walöl betriebene, aus den Niederlanden übernommene Jan-van-der-Heyden-Straßenlaternen als Beleuchtung zum Einsatz. Wal-Tran diente zu dieser Zeit überwiegend zum Betreiben der Straßenbeleuchtung in fortschrittlichen Städten. In Berlin wurde zu Betrieb und Pflege eigens eine Erleuchtungs-Invaliden-Kompanie aufgestellt. Im 19. Jahrhundert wurden Lampen mit Reflektoren ausgestattet und in der Mitte der Straße aufgehängt. Mit dem Aufkommen von Stadtgas gründete sich zunächst 1824 in London das Unternehmen Imperial-Continental-Gas-Association, mit dem Ziel, alle europäischen Großstädte mit Gas zu beleuchten. wiener-gasometer.at; abgerufen am 31. Oktober 2008. Hierfür wurde das Gas aus Steinkohle in Gaswerken gewonnen und durch ein Gasnetz zu den Straßenlaternen (Kandelabern) geleitet. Dieses Gaslicht wurde in Dresden 1828 eingeführt.
Die Erfindung von Werner von Siemens 1866, mithilfe eines Dynamos Strom zu erzeugen, ermöglichte das Betreiben von Glühlampen. 1879 installierte Siemens in Berlin die erste elektrische Straßenbeleuchtung. Obwohl am Ende des 19. Jahrhunderts der elektrische Strom zur Beleuchtung Verwendung fand (z. B. 1878 in Paris),Electric street lights; their succesfil use in Paris, nytimes.com, The New York Times, 7. Dezember 1878. wurde die Gasbeleuchtung in manchen europäischen Städten zum Teil beibehalten. Die erste dauerhafte elektrische Straßenbeleuchtung in Deutschland nahm Sigmund Schuckert am 7. Juni 1882 in Nürnberg in Betrieb. Er hatte in der heutigen Fußgängerzone zwischen Josephsplatz und Kaiserstraße drei Laternen aufstellen lassen.Martin Droschke: In Nürnberg wird den Menschen heute Abend erstmals ein Licht aufgehen. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 7. Juni. Am 20. September 1882 folgte in Berlin die Beleuchtung des Potsdamer Platzes. Die oberösterreichische Stadt Steyr beleuchtete (zunächst nur zeitweilig) vom 2. August bis zum 30. September 1884 ihre Straßen während der Steyrer Elektrischen Ausstellung, die Stadt Scheibbs führte 1886 die erste permanente Straßenbeleuchtung der k.u.k. Monarchie ein. Die ungarische Stadt Temesvár, heute Timișoara in Rumänien, führte ab dem 12. November 1884 die elektrische Beleuchtung ein. Uni Klagenfurt; abgerufen am 5. Dezember 2017. Die erste Stadt in den Vereinigten Staaten, die elektrische Beleuchtung erfolgreich demonstrierte, war Cleveland, Ohio, mit 12 elektrischen Lichtern rund um das Straßensystem der Public Square Road am 29. April 1879. Wabash, Indiana, entzündete am 2. Februar 1880 vier Brush-Bogenlampen mit jeweils 3000 Kerzenstärken, die über ihrem Gerichtsgebäude aufgehängt waren, und machten den Stadtplatz „so hell wie mittags“.
Um das Jahr 1900 gab es im Wesentlichen zwei verschiedene Arten von Straßenbeleuchtungen: Gaslicht und elektrisches Licht. Aufgrund der leichteren Verfügbarkeit und der bis dahin gesammelten Erfahrungen gaben viele Städte und Gemeinden dem Gaslicht auch nach dem Zweiten Weltkrieg den Vorzug. Erst das Markterscheinen von neuen Leuchtmitteln brachte die Abkehr vom Gaslicht, zunächst kamen Leuchtstofflampen zum Einsatz, später Quecksilberdampf- und Natriumdampf-Hochdrucklampen. Die Umstellung erfolgte in vielen Städten schrittweise, indem neu angelegte oder bisher nicht beleuchtete Straßenzüge mit elektrischen Laternen versehen wurden, die vorhandenen Gaslaternen im Altstadtbereich aber zunächst erhalten blieben. In den 2000er Jahren ist der Anteil der Gasleuchten in Deutschland unter ein Prozent gesunken und nimmt weiter ab, wobei in einigen Städten Bestrebungen laufen, wenigstens einen Teil der noch vorhandenen Gasleuchten als Denkmäler zu erhalten. Die weitere Entwicklung richtet sich auf den Einsatz der LED-Technik und die Leuchtmittel und Beleuchtungssysteme werden effizienter, um die Wartungs- und Energiekosten zu senken.
An Albert Speer erinnern in Berlin nur noch die zweiarmigen OWA-Kandelaber, unter anderem am Kaiserdamm und am Charlottenburger Tor.
Aufbau einer Straßenbeleuchtung Eine Straßenbeleuchtungsanlage besteht aus folgenden Teilen: Versorgung (Schaltkasten und Anschlussleitung) Trägersystem (Lichtmast) Leuchte (Laterne)
Im Folgenden wird nur die elektrische Version beschrieben.
Elektrische Versorgung Der Anschluss der Straßenbeleuchtung erfolgt in Deutschland meist über ein separat verlegtes Beleuchtungskabel, das über einen Schaltkasten mit der allgemeinen städtischen Stromversorgung verbunden ist. Ein Schaltkasten versorgt und schaltet meist mehrere Straßenzüge. Die Schaltkästen werden häufig über einen Rundsteuerempfänger betätigt. Der Rundsteuerempfänger wird zentral angesteuert, meist über eine Schaltwarte eines Energieversorgungsunternehmens, das mittels einer Rundsteueranlage ein Signal von beispielsweise 700 Hz erzeugt, welches der 50-Hz-Netzfrequenz überlagert wird. Der Rundsteuerempfänger reagiert auf dieses Signal und schaltet über ein Schütz die einzelnen Kabelabgänge. Die Länge der abgehenden Kabel wird durch den einzuhaltenden Kurzschlussstrom begrenzt: ein Kurzschluss am Ende des Kabels muss zum Auslösen des Überstromschutzes führen. Straßenleuchten können über Erdkabel, Luftkabel oder über Freileitungen gespeist werden. Eine akkugepufferte Versorgung mit Solarzellen kann fernab des Versorgungsnetzes wirtschaftlich sein (siehe auch: Solarstraßenbeleuchtung).
Trägersystem mini|Überspannungsanlage
Die Leuchte wird zum Beispiel an der Spitze eines Holz-, Stahl-, Aluminium- oder Betonmastes montiert, wobei ein Ausleger über die Straße ragt. Teilweise werden Straßenleuchten in dicht bebauten Gebieten an Seilen hängend über der Straße montiert (Überspannungsanlage) oder mittels Wandauslegern an Hauswänden angebracht.
Weitere Varianten sind die Befestigung an der Tunneldecke oder die Integration der Straßenbeleuchtung in das Brückengeländer.architekturzeitung.com Beleuchtung Waldschlößchenbrücke Dresden
Folgende Anbringungsarten der Leuchten werden unterschieden: Aufsatzleuchte: von oben auf einem Mast aufgesteckt und ggf. fixiert Ansatzleuchte: an Wänden oder seitlich an einem Mast befestigt