Bartoszyce , Bartenstein, ist eine Stadt mit rund 23.000 Einwohnern und Sitz des Powiats Bartoszycki (Bartensteiner Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographie Lage Die Stadt liegt im historischen Preußen am Ufer der Łyna (Alle) auf einer Höhe von 43 m über dem Meeresspiegel, etwa 55 Kilometer nördlich von Olsztyn (Allenstein) und 53 Kilometer südöstlich von Kaliningrad (Königsberg).

Ortschaften (bis 1945) Vor 1945 gehörten zur Stadt Bartenstein mehrere Ortschaften:Heimatkreisgemeinschaft Bartenstein: Stadt Bartenstein: Orte Eichenbruch (heute poln. Dębówko) Erdmannshof (Okopa) Ernsthof (Ceglarki) Fauthshof (Falczewo) Karlshof (Karolewka) Laurienen (Wawrzyny) Mielitzfelde (Milicz) Schreibershöfchen (Wiatrak) Wilhelmsruh (Stoczki)

Sofern die Orte nach 1945 noch existierten, wurden sie – bis auf Mielitzfelde und Wilhelmsruh – verselbständigt und in die – die Stadt Bartoszyce umgebende – Gmina Bartoszyce eingegliedert.

Geschichte mini|hochkant=1.2|Stadtpanorama mini|hochkant=1.2|Marktplatz Bartoszyce nach der Rekonstruktion mit Blick auf Heilsberger Tor und Stadtpfarrkirche mini|hochkant=1.2|Plac Konstytucji 3 Maja nach seiner Renovierung und Stadtpfarrkirche, Blick vom Heilsberger Tor Mittelalter und Frühe Neuzeit An der Grenze zum prußischen Gau Natangen übernahm der Deutsche Orden um 1240 auf dem Gebiet des Gaues Barten am Ufer des Flusses Alle auf einer Anhöhe eine hölzerne, durch Palisaden und Erdwälle geschützte Burg. Der Ortsname geht möglicherweise auf prußisch „bar, bart“ zurück und bedeutet fließen, schnell strömen.

Es gibt noch eine weitere plausible Erklärung für die Herkunft des Namens: In seiner Frühzeit rekrutierte sich der Orden vorwiegend aus dem niederen Adel. Er bot nachgeborenen Söhnen Aufstiegschancen und den Geschlechtern, aus denen sie stammten, gehobenes Ansehen. Heinrich von Hohenlohe war um 1200 bis 1249 Hochmeister des Deutschen Ordens. In Bartenstein (Schrozberg), Einflussbereich der Hohenloher, sind von 1234 bis ca. 1350 die Ritter von Bartenstein nachgewiesen. Die nachgeborenen Söhne dieses Geschlechts könnten vom nahegelegenen Deutschen Orden in Bad Mergentheim aufgenommen und in der Mitte des 13. Jahrhunderts in Ostpreußen eingesetzt worden sein. Möglicherweise hätte dann einer dieser Söhne die Burg Bartenstein/Ostpreußen errichten lassen und mit seinem Namen versehen. Die Ritter von Bartenstein trugen im Wappen drei Wurfbeile.A. und C. Reimann: Bartenstein wie es früher war, von Handwerkern, Hofräten und Lakaien. Niederstetten 2009.

Während eines Prußenaufstands wurde die Burg von 1260 bis 1263 belagert und, nachdem die Ordensritter die Burg aufgegeben hatten, zerstört. 1273 wurde die inzwischen wieder aufgebaute Burg von Sudauern niedergebrannt. Zwischen 1274 und 1280 baute der Orden die Festung erneut auf, diesmal als steinernes Gebäude. Bis zum 15. Jahrhundert war dort der Sitz des Komturpflegers von Balga. Als die Burg zu Beginn des preußischen Städtekrieges 1454 erneut zerstört wurde, verzichtete man endgültig auf eine Wiederherstellung.

Auf dem der Burg gegenüberliegenden Ufer hatte sich am Anfang des 14. Jahrhunderts eine Siedlung entwickelt, die 1326 erstmals erwähnt wurde und 1332 durch den Hochmeister Luther von Braunschweig unter dem Namen Bartenstein Stadtrecht erhielt.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 123–126. Der Komtur Henning Schindekopf veranlasste 1353 die Errichtung einer Wehrmauer. Als der Deutsche Orden nach seinem Krieg gegen Polen in finanzielle Schwierigkeiten geriet, verpfändete er 1513 das Amt Bartenstein an den Ordensritter Heinrich Reuß von Plauen.

In Bartenstein wurde schon 1377 eine Schule erwähnt; später verfügte die Stadt über eine Höhere Bürgerschule,L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung, Band II: 1864–1868 (1869). Berlin 1869, S. 92–93. deren Schulordnung von 1621 zu den ältesten Schulordnungen der Region zählt.Dietrich Gerhard: Bartensteiner Schulordnung von 1621. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter, Band 4, 1. Heft. Königsberg 1871, S. 535–540.

19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert mini|Bartenstein, östlich von Elbing und südlich von Königsberg i. Pr., auf einer Landkarte von 1910. Der Bartensteiner Vertrag wurde während des Vierten Koalitionskrieges am 26. April 1807 zwischen Preußen und Russland gegen Napoleon geschlossen. Im Ergebnis der 1815 in Gang gesetzten preußischen Verwaltungsreform wurde Bartenstein in den Kreis Friedland eingegliedert, der später in Landkreis Bartenstein (Ostpr.) umbenannt wurde. 1868 wurde die Ostpreußische Südbahn durch die Stadt geführt und damit die Voraussetzung für die Ansiedlung zahlreicher Industriebetriebe geschaffen. Es entstanden eine Eisengießerei, eine Maschinen- und eine Wagenfabrik. Außerdem entwickelte sich ein bedeutender Eichenholzhandel. Bartenstein wurde Garnisonsstadt und Sitz des Land- und des Schwurgerichts. 1880 lebten 7.132 Einwohner in der Stadt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Bartenstein zwei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, eine Baptistenkapelle, eine Synagoge, ein Gymnasium und ein Landgericht.

Nachdem sich Bartenstein zur größten Stadt im Kreis entwickelt hatte, wurde es 1902 Kreisstadt und gab 1927 dem Kreis auch seinen Namen. Im Ersten Weltkrieg befand sich hier das Hauptquartier von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg.

Im Januar 1945 wurde Bartenstein von sowjetischen Truppen eingenommen und dabei bzw. in der Folgezeit zu 60 % zerstört; doch blieben wesentliche Teile, darunter der große Marktplatz, erhalten. Bald danach wurde Bartenstein zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die deutschen Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit größtenteils aus Bartenstein vertrieben. 1947 wurde in der ehemaligen Ludendorff-Kaserne die zentrale Einrichtung Polens für Kriegswaisen (Wolfskind (Zweiter Weltkrieg)) errichtet („Stadt der Kinder“/ COSW).Willenborg: Kinder im Schatten des Krieges, S. 189, wvb-Verlag, Berlin, 2024

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1729 2000 Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Ost- und Westpreußen (= Kröners Taschenausgabe. Band 317). Unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 12–13. 1768 2339 Leopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen, Berlin 1833, S. 488–493 (Google Books) 1785 2780 in 307 Haushaltungen (Feuerstellen), ohne die Garnison (Stab und fünf Kompanien des preußischen Infanterie-Regiments Nr. 14)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen, Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 18, Nr. 1. 1798 2856 1802 3454 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 248–255, Ziffer 34 (Google Books). 1810 2507 darunter 62 Katholiken und zwei Juden, alle übrigen Bewohner sind evangelisch 1816 2449 davon 2388 Evangelische, 48 Katholiken und 13 Juden 1821 3225 in 309 Privatwohnhäusern 1828 3507 1831 3875 Stadt an der Alle, mit vier Vorstädten, 299 Häusern, einer Mühle, drei Kirchen und einer Höheren Stadtschule; Einwohner betreiben Gerberei, Wollweberei und Töpferei und veranstalten zwei Kram-, Vieh- und Pferdemätkte; Garnison: 1. Bataillon des 4. Landwehrregiments;Georg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 143 (Google Books). nach anderen Angaben 3603 EinwohnerAugust Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 512–513, Nr. 108. darunter 42 Katholiken, fünf Mennoniten und 22 Juden, alle übrigen Bewohner sind evangelisch 1875 6460 1880 7132 1890 6442 davon 265 Katholiken und 65 Juden 1905 6805 meistenteils ProtestantenMeyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 2, Leipzig/Wien 1906, S. 402. 1910 7343 Kreisstadt, mit einem Landratsamt für den Kreis Friedland, zwei evangelischen und einer katholischen Kirche, einer Synagoge, einem Gymnasium, einer Höheren Mädchenschule, einer landwirtschaftlichen Schule, einem Amtsgericht, einem Krankenhaus, einem Waisenhaus, Mühlen, Molkereien, einer Brauerei, einem Sägewerk, einer Ziegelei, einer Gießerei, einer Färberei, Maschinen- und anderen Fabriken, Getreidehandel sowie Vieh- und PferdemärktenBartenstein, Kreisstadt, rechts der Alle, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Bartenstein (meyersgaz.org). 1925 7890 meist ProtestantenDer Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 2. Leipzig 1929, S. 333. 1933 8717 1939 11.268 davon 10.030 Protestanten, 848 Katholiken, 139 sonstige Christen und 11 Juden

+ Einwohnerzahlen seit 1945 Jahr Einwohnerzahl 2009 24.994

Balkendiagramm der EinwohnerentwicklungFür 1995, 2000, 2005:

Politik Gmina Die Stadt Bartoszyce bildet eine eigenständige Stadtgemeinde. Die Stadt Bartoszyce ist Sitz der eigenständigen Landgemeinde Bartoszyce, der sie aber nicht angehört. Die Landgemeinde hat eine Fläche von 428 km² und umfasst das der Stadtgemeinde an allen Seiten. Sie führt das gleiche Wappen wie die Stadt, zusätzlich mit einem Schriftfeld Gm. Bartoszyce versehen.

mini|Bezirksgericht Justiz Das Bezirksgericht Bartoszyce in der ul. Warszawska 3 ist für die Städte und Gemeinden des Kreises Bartoszyce zuständig.

Wappen Blasonierung: „Im von Blau und Gold schräglinks geteilten Felde auf rotem Stufengiebel (Stein) zwei schräg gekreuzte abgewendete Barten (Beile) mit roten Stielen.“Erich Keyser: Deutsches Städtebuch – Handbuch städtischer Geschichte, Band I Nordostdeutschland. Kohlhammer, Stuttgart 1939, S. 26/27. So war das 1440 gebrauchte SIGILLVM CIVITATIS BARTENSTEIN und ein ähnliches 1458 urkundliches Siegel. Das 1410 in der Schlacht bei Tannenberg verlorene Banner der Stadt zeigte dagegen unter weißem Wimpel ein schwarzes Fahnentuch, darin ein aufgerichtetes Beil. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts setzte man das Bild eines Ordensritters zu Ross ins Siegel, der in der Rechten eine Barte hält, kam aber neuerdings auf die gekreuzten Barten zurück.Otto Hupp: Deutsche Ortswappen, Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925. Städtepartnerschaften Nienburg/Weser, Niedersachsen Bartenstein, Baden-Württemberg

mini|St.-Johannes-Evangelist-Kirche mini|St.-Johannes-der-Täufer-Kirche („Johanniskirche“) mini|St.-Brun-Kirche Religion Kirchengebäude Stadtpfarrkirche – Die ehemalige Stadtkirche, jetzt dem Evangelisten Johannes und der Mutter Gottes von Tschenstochau geweiht (Kościół św. Jana Ewangelisty i Matki Boskiej Częstochowskiej), ist im gotischen Baustil errichtet; sie stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und wurde 1678 umgebaut. Der Turm wurde 1732 erbaut. Aufgrund starker Zerstörung im Zweiten Weltkrieg fanden zwischen 1945 und 1958 umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Sie diente seit der Reformation bis 1945 als evangelisches Gotteshaus und ist seit 1959 römisch-katholische Pfarrkirche. Von polnischen Restauratoren erneuert, zieren die Beichtstühle und der Altar aus der Deutschordenskirche in Tilsit seit zehn Jahren die Stadtpfarrkirche.

Johanniskirche – Die schon vor 1945 so genannte Johanniskirche (Kościół św. Jana Chrzciciela) ist Johannes dem Täufer geweiht und stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Barockaltar entstand zwischen 1715 und 1720. Bis 1945 war die Kirche evangelisch und ist seit 1946 römisch-katholisches Gotteshaus.