mini|Wiktor Janukowytsch 2010rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Wiktor Janukowytsch Wiktor Fedorowytsch Janukowytsch (, wiss. Transliteration , , wiss. Transliteration , in Deutschland oft Viktor Janukowitsch; * 9. Juli 1950 in Jenakijewo in der Oblast Stalino, Ukrainische SSR, Sowjetunion, heute Jenakijewe, Oblast Donezk, Ukraine) ist ein ukrainischer Politiker. Er gehörte bis März 2014 der Partei der Regionen an. Zwischen 2002 und 2005 sowie erneut 2006 und 2007 war er Ministerpräsident der Ukraine. Im Februar 2010 wurde er Präsident der Ukraine, am 22. Februar 2014 erklärte ihn das ukrainische Parlament im Zuge der Unruhen in Kiew aufgrund seiner Flucht für abgesetzt und erwirkte bei Interpol einen internationalen Haftbefehl gegen ihn.Hoffnung auf baldigen Ukraine-Gipfel geplatzt. Süddeutsche.de, 12. Januar 2015. 2015 wurde die Fahndung eingestellt. Janukowytsch betrachtet seine Amtsenthebung als illegal.Krim-Krise im Überblick: Moskau begründet Militäreinsatz mit Janukowitsch-Bittbrief. In: Spiegel. Im Zuge des Russisch-Ukrainischen Krieges tauchten Meldungen auf, Janukowytsch könnte von Russland nach Minsk gebracht worden sein.
Beruflicher Werdegang und Privates Janukowytsch stammt aus einer Arbeiterfamilie aus der Oblast Donezk; sein Vater, in Belarus geboren, stammte aus einer polnischen Familie aus Litauen, war Metallarbeiter, seine russische Mutter Krankenschwester – sie starb, als er zwei Jahre alt war.Axel Eichholz: In: Kleinezeitung.at. 15. Januar 2010. Nach ihrem Tod wuchs er bei seiner aus Warschau stammenden Großmutter auf. Seine Beziehung zum Vater wird nach dessen erneuter Heirat als kompliziert geschildert. Im Dezember 1967 und im Juni 1970 wurde Wiktor Janukowytsch einmal wegen Diebstahls und einmal wegen Körperverletzung zu Freiheitsstrafen verurteilt. Dazu erklärte er im Jahr 2002, dass man ihn zweimal für Delikte bestraft habe, an denen er nicht beteiligt gewesen sei, und dass seine Vorstrafen 1978 vom Donezker Oblastgericht gestrichen worden seien. Die meisten Dokumente über die Verurteilung von Janukowytsch sind heute nicht mehr auffindbar und die Echtheit der Unterlagen, die seine Rehabilitierung im Jahr 1978 belegen sollen, wurde von seinen politischen Gegnern wiederholt angezweifelt. Janukowytschs gerichtliche Verurteilungen werden häufig als Argumente gegen ihn verwendet.Ukraine: Knastväterchen Janukowitsch. FAZ, 11. März 2012.
1969 arbeitete er zunächst als Gasinstallateur in der Metallfabrik seiner Heimatstadt, 1973 erwarb er einen Abschluss am dortigen Bergbau-Technikum. In verschiedenen Medien wurde wiederholt berichtet, Janukowytsch sei 1974 für die UdSSR als Rennfahrer bei der Rallye Monte Carlo angetreten;Spiegel Online, November 2004Яна Викторович: «Прємьєр-міністр» Янукович, або неофіційна біографія для тих, хто підзабув. Ukrajinska Prawda, 4. August 2006: «… у 1974 Янукович навіть зміг виїхати за кордон для участі в авторалі в Монте-Карло. Хоча для людей, що побували у місцях не таких віддалених, в той час такі розваги були заборонені.» «Некоторые СМИ утверждают, что Янукович в 1974 году ездил в княжество Монако для участия в ралли Монте-Карло. Часть источников уточняет, что он ездил „по линии КГБ“, объясняют первое (досрочное) освобождение Януковича сотрудничеством с администрацией колонии, а его дальнейшие успехи – покровительством Комитета госбезопасности. По другим сведениям, Янукович не мог участвовать в гонках: запланированное на январь 1974 года ралли в Монте-Карло было отменено из-за энергетического кризиса.» die Rallye fiel in diesem Jahr wegen der Ölkrise allerdings aus. 1976 übernahm Janukowytsch die Leitung eines Fuhrparks in Jenakijewe. 1980 schloss er das Polytechnische Institut Donezk als Ingenieur für Maschinenbau/Mechanik ab. Außerdem hat er einen Abschluss der Ukrainischen Außenhandelsakademie als Magister für internationales Recht.
Janukowytsch arbeitete zunächst als Autoschlosser und Mechaniker. Etwa 20 Jahre lang war er anschließend in Führungspositionen von Industrieunternehmen („Donbastransremont“ – , „Ukrwuhlepromtrans“ – ) sowie in der Donezker Oblast-Vereinigung für Automobilverkehr tätig.
Janukowytsch ist seit 1972 mit Ljudmila Oleksandriwna verheiratet, er hat die Söhne Oleksandr (* 1973) und Wiktor (1981–2015).
Politische Karriere mini|hochkant|Wiktor Janukowytsch im April 2004 Aufstieg 1996 wurde Janukowytsch als stellvertretender Vorsitzender in die Donezker Oblastverwaltung berufen. Vom 14. Mai 1997 bis November 2002 war er deren Vorsitzender sowie außerdem Abgeordneter im Donezker Oblastparlament. Von Mai 1999 bis Mai 2001 war er dessen Vorsitzender (Gouverneur).
Janukowytsch ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften sowie Professor und Ordentliches Mitglied der Akademie für Wirtschaftswissenschaften der Ukraine. Er bekleidet noch weitere öffentliche Ämter, u. a. war er bis 2005 Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine.
Amt des Ministerpräsidenten Am 21. November 2002 wurde Janukowytsch als Nachfolger Anatolij Kinachs Ministerpräsident der Ukraine. Bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2004 kandidierte Janukowytsch für das Amt des Präsidenten. Am 21. November kam es zur Stichwahl zwischen ihm und Wiktor Juschtschenko, der im September 2004 durch eine Dioxinvergiftung lebensgefährlich verletzt worden war. Janukowytsch gewann diesen zweiten Wahlgang nach ersten staatlichen Aussagen zunächst relativ knapp. Der Wahlsieg war jedoch von Wahlbetrugsvorwürfen überschattet, so dass nach den folgenden andauernden Massenprotesten (Orange Revolution) durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Kiew im Dezember die Stichwahl für ungültig erklärt und eine Wiederholung angeordnet wurde. Janukowytsch akzeptierte diese Entscheidung und unterlag bei den erneuten Stichwahl am 26. Dezember mit 44,19 % der Stimmen gegenüber Wiktor Juschtschenko mit 51,99 %. Am 31. Dezember 2004 kündigte Janukowytsch seinen Rücktritt als Ministerpräsident an. Präsident Kutschma nahm das Rücktrittsgesuch am 5. Januar 2005 an und bestimmte Vize-Regierungschef Mykola Asarow zum Nachfolger Janukowytschs.
Auf Empfehlung Paul Manaforts benutzte die "Partei der Regionen" Themen, die für das Land und die Wählerschaft Janukowytschs emotional waren, wie den Status der russischen Sprache und die Situation der russischsprachigen Bevölkerung, so die New York Times. Diese politische „Angriffsrichtung“ Janukowytschs passe exakt zu Russlands Aktionen auf der Krim, die laut einer 2006 von WikiLeaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft „Probleme wie den Status der russischen Sprache manipulierte“, um separatistische Gefühle zu schüren und die Bewegung der Ukraine nach Westen zu vereiteln. Die New York Times stellte 2022 auch fest, dass diese Rhetorik immer noch von Putin benutzt werde, um den Krieg gegen die Ukraine zu rechtfertigen.
Bei den Parlamentswahl im März 2006 konnte Janukowytschs Partei der Regionen überraschend eine relative Mehrheit von 186 der insgesamt 450 Sitze der Werchowna Rada für sich gewinnen, jedoch zunächst keine mehrheitsfähige Regierungskoalition bilden. Nachdem eine geplante Koalition aus dem von Präsident Juschtschenko geführten Bündnis Unsere Ukraine, dem Block Julija Tymoschenko (BJUT) und der Sozialistischen Partei unter Oleksandr Moros im Juli durch den Ausstieg der Sozialisten zerbrach, stiegen Janukowytschs Chancen auf das Amt des Regierungschefs. Präsident Juschtschenko erklärte nach einigem Zögern Anfang August seine Bereitschaft, ihn zum Ministerpräsidenten vorzuschlagen; die beiden Parteien der ehemaligen Gegner unterzeichneten ein Memorandum der Koalition der nationalen Einheit; am darauffolgenden Tag wurde seine Nominierung vom Parlament bestätigt.Juschtschenko schlägt Rivalen als Premier vor. tagesschau.de (tagesschau.de-Archiv), 3. August 2006Ukrajinska Prawda:
Als Ministerpräsident unter dem westlich orientierten Staatspräsidenten Juschtschenko trat Janukowytsch gegen einen NATO-Beitritt der Ukraine ein, jedoch sprach er sich für einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union aus und rückte somit teilweise von der engen außenpolitischen Orientierung an Russland ab. Als Affront gegenüber Putin begrüßte Janukowytsch die geplante Errichtung eines Raketen-Abwehrsystems in Polen durch die USA. Den von Juschtschenko angestrebten Beitritt zur NATO lehnte die Partei der Regionen nicht mehr grundsätzlich ab.Die bitteren Früchte der orangenen Revolution. Deutschlandfunk, 6. April 2007.
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im September 2007 wurde Janukowytschs Partei zwar erneut stärkste Kraft, jedoch errangen die beiden gegnerischen Parteien der „Orangen Revolution“ überraschend eine knappe Mehrheit. Auf der ersten Sitzung der neu gewählten Werchowna Rada erklärte Janukowytsch seinen Rücktritt. Er blieb jedoch mitsamt seiner Regierung bis zur Wahl Tymoschenkos zur neuen Ministerpräsidentin am 18. Dezember 2007 im Amt. Nach seinem Rücktritt als Regierungschef wurde er erneut zum Fraktionsvorsitzenden der Partei der Regionen in der Werchowna Rada gewählt.
Präsidentschaft mini|hochkant|Wiktor Janukowytsch, Aufnahme beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2013 Bei der Neuwahl des Staatspräsidenten Anfang 2010 für eine 5-jährig vorgesehene Amtsperiode setzte sich Wiktor Janukowytsch in der Stichwahl am 7. Februar 2010 mit 48,8 Prozent der Stimmen gegen Julija Tymoschenko durch. Der bisherige Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Seine Konkurrentin Tymoschenko zog ihre zunächst eingereichte Klage gegen das Wahlergebnis, das sie als Resultat von Manipulationen ansieht, wegen des absehbaren Scheiterns vor Gericht zurück. Am 25. Februar 2010 wurde Wiktor Janukowytsch als vierter Präsident der postsowjetischen Ukraine vereidigt.. NEWSru.ua.
Mit der Machtübernahme erreichte die Korruption eine neue Ebene, da Janukowytsch nicht wie Kutschma zuvor ein monarchieähnliches Checks-and-Balances-System, sondern eine vertikale Organisation anstrebte. Gemäß Yuliya Mostowa, der Herausgeberin der Oppositionszeitung Zerkalo Nedeli, war Janukowytsch jederzeit ganz einfach zu verstehen: Andrew Wilson zitiert dazu den Energie-Experten Mykhailo GoncharMykhailo Gonchar, geostrategy.org.ua mit dem Problem Andrew Wilson: Ukraine Crisis: What it Means for the West. Yale University Press, New Haven 2015, S. 73–76. Allein der Betrieb seiner Luxusresidenz kostete 4 Millionen Euro pro Monat.Ukraine trotz allem, SRF DOK, 17. März 2016, Minute 45.
Ein nicht erwartetes Urteil des ukrainischen Verfassungsgerichtes erweiterte 2010 Janukowytschs Macht beträchtlich und verschob die Ukraine in Richtung eines autoritären Systems: Denn das Gericht entschied, dass eine seit 2004 im Gefolge der Orangen Revolution bestehende verfassungsrechtliche Beschränkung der Macht des Präsidenten zugunsten des Parlamentes ungültig sei, da sie nicht formell korrekt zustande gekommen sei. Darum gelte erneut die Verfassung in der Form vor ihrer Abänderung 2004. Der Präsident erhielt so direkten Zugriff auf die Regierung inklusive der Kabinettsbildung.