(IPA: , ; Wortbildung aus und ) ist ein Text mit einer netzförmigen, dynamischen Struktur, in der die gewohnte Ordnung (lineare Sequenzialität) statischer gedruckter Publikationen technisch aufgebrochen wird.

Vom typischen Buch unterscheidet er sich dadurch, dass er nicht dafür geschrieben ist, von Anfang bis Ende in der veröffentlichten Reihenfolge gelesen zu werden. Er wird in Auszeichnungssprachen geschrieben, die neben für den Leser nicht sichtbaren Gestaltungsanweisungen auch Hyperlinks enthalten, also Querverweise zu entfernten Textpassagen oder anderen Dokumenten im Netzwerk. Die gebräuchlichste Auszeichnungssprache für Internetdokumente ist die (HTML), die allgegenwärtig ist. Ein Hypertext kann informatisch als Netz aus Hypertext-Knoten beschrieben werden, die durch Hyperlink-Kanten verbunden sind.

Das Konzept geht auf Vannevar Bushs Memex aus dem Jahr 1945 zurück. Der Begriff wurde 1965 von Ted Nelson geprägt. Die Erfindung des Hypertextes ist kulturhistorisch eng mit dem enzyklopädischen Gedanken und der Idee der Universalbibliothek verbunden und sollte praktisch zur Auffindbarkeit von publizierten Forschungsergebnissen und zur Entwicklung besserer Schreibmaschinen beitragen. Die maßgebliche DefinitionMaßgebliche Definition des W3C (abgerufen am 13. September 2017) liefert das World Wide Web Consortium (W3C).

Definition Als maßgeblich kann der Definitionsversuch des World Wide Web Consortium (W3C) angenommen werden: Hypertext ist ein Text, der nicht linear (non-linear) sein muss (not constrained to be linear). Hypertext ist ein Text, der Links zu anderen Texten enthält. HyperMedia ist ein Hypertext, der auch Grafiken, Videos oder Klänge enthalten kann (not constrained to be text). Hypertext und HyperMedia sind Konzepte, keine Produkte.

Typen von Hypertext-Systemen Jeffrey Conklin untersuchte 1987 systematisch die Eigenschaften von 18 Hypertext-Systemen und bildete aufgrund typischer Anwendungsfälle vier Systemklassen:Jeffrey Conklin: Hypertext: An Introduction and Survey, Computer (20), S. 17–41, September 1987, doi:10.1109/MC.1987.1663693; ics.uci.edu (PDF; 1,9 MB) makro-literarische Systeme, die maschinenunterstützt den Umgang mit großen Online-Bibliotheken erleichtern und als Plattform für alle relevanten Arbeitsschritte wie Veröffentlichen, Lesen, Zusammenarbeiten und Kritisieren dienen sollen. Heuristische Werkzeuge (problem exploration), mit deren Hilfe die erste unstrukturierte Ideenfindungsphase eines Arbeitsprozesses überführt werden kann in Entwurfserstellung, Problemlösen, Programmierung oder Design. Lese-Systeme (browsing systems), die vor allem niedrigschwellig nutzbar sein sollen, um in der Lehre, zum Nachschlagen oder an öffentlichen Orten eingesetzt zu werden. Generelle Hypertext-Technologie, die vor allem experimentellen Zwecken dienen soll.

Geschichte und Entwicklung Vorläufer und historische Konzepte Nicht jede Eigenschaft des Hypertextes ist eine Innovation des 20. Jahrhunderts. Bereits einige im Aufschreibesystem der Neuzeit eingeführten und verwendeten Erschließungshilfen für traditionelle lineare Texte wie Inhaltsverzeichnisse, Indizes, Querverweise und Fußnoten und andere Verweissysteme lassen sich funktional bestimmten Schreib- und Editionstechniken des Hypertextes zuordnen. Im Unterschied zu digitalen Hypertext-Systemen müssen bei materiellen Texten jedoch die Verweisziele vor Ort präsent sein, damit der Leser dem Verweis folgen kann, und das Verfolgen der Verweise kann nicht mechanisiert vorgenommen werden.

Als mechanische Vorläufer digitaler Hypertextsysteme gelten Agostino Ramellis Bücherrad aus dem 16. Jahrhundert und Raymond Roussels Lesemaschine, eine Art Wechselrad für Notizzettel.

Paul Otlet, 1895 Mitgründer des Office International de Bibliographie in Brüssel, Herausgeber der Universalklassifikation und ein Vordenker des Völkerbunds, gilt aufgrund seiner systematischen Bemühungen um eine Universalbibliothek mit einer Universalbibliographie (dem Mundaneum) als früher Pionier des Hypertextes.Frank Hartmann: Von Karteikarten zum vernetzten Hypertext-System. Paul Otlet, Architekt des Weltwissens.Aus der Frühgeschichte der Informationsgesellschaft. In: Telepolis, 10/2006 (heise.de).

As We May Think (1945) Das moderne Hypertext-Konzept wurde 1945 vom US-amerikanischen Wissenschaftsorganisator und Politikberater Vannevar Bush in dem Aufsatz As We May Think vorgestellt, der in der Zeitschrift The Atlantic Monthly erschien.Vannevar Bush: As We May Think. In: Atlantic Monthly, 176, S. 101–108; theatlantic.com Ausgehend von der forschungspolitischen Forderung, im Dienste der globalen und friedlichen Verbesserung der Lebenszustände der Menschheit die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu verbessern und geschickter zu koordinieren, stellt Bush das Konzept für den MEMEX (Memory Extender) vor, eine vernetzte Schreib-/Lesemaschine, die niemals tatsächlich konstruiert wurde. Im MEMEX kann die gesammelte Literatur eines bestimmten Gebietes elektronisch aufbereitet leicht zugänglich dargestellt, zitiert und annotiert werden. Zitationen und Annotationen können hierbei zwischen einzelnen Geräten und Nutzern ausgetauscht werden. Eine zentrale Funktion ist der Wechsel zwischen Texten, um zum Beispiel Fußnoten und Verweisen zu folgen, wobei die „Lesespur“ des MEMEX-Nutzers elektronisch festgehalten und jederzeit nachverfolgt werden kann. Eine der Prognosen Bushs ist, dass auf diesem Weg auch „Enzyklopädien ganz neuen Typs“ entstehen würden.

Eine Dateistruktur für das Komplexe, das Veränderliche und das Unbestimmte mini|alt=Präsentationsfolie. Weißer Text auf lila Hintergrund. Text (zeilenweise von oben nach unten): „Jakob Voss“, „We were promised Xanadu“, „The original hypertext system and how we can benefit from its concepts“, „presented at“, „WikiMania 2010 Gdańsk“, „Sunday, July 11th 2010“|Folie von Jacob Voss, WikiMania 2010 – Gdańsk. Enthält passende Abbildungen. Der Philosoph und Informatiker Ted Nelson (Projekt Xanadu) prägte den Begriff Hypertext im Jahr 1965 in einem veröffentlichten Vortrag vor der Amerikanischen Association for Computing Machinery (ACM) mit dem Titel A File Structure for the Complex, the Changing and the Indeterminate (deutsch Eine Dateistruktur für das Komplexe, das Veränderliche und das Unbestimmte). Ausgehend von den Verrichtungen, Verfahren und Werkzeugen, die in der bekannten analogen Textproduktion eingesetzt werden, beschreibt er eine computerbasierte Schreibmaschine, die alle bisher bekannten und genutzten Techniken als Universalwerkzeug vereint und sinnvoll erweitert. Als Erweiterungen schlägt er ein Versionierungssystem, technische Unterstützung kollaborativer Textproduktion, Zitationsobjekte und ein System der bedarfsabhängigen Textmontage vor. Seine technologischen Vorschläge fußen hierbei auf der philosophischen Überzeugung, dass sich selbst kognitive Kategorien dynamisch verändern, und deshalb ein Schreibsystem dynamisch angepasst werden können sollte. Man kann zu Recht Nelsons Entwurf mit der realisierten Wikipedia (oder der MediaWiki-Software) vergleichen.Christian Vater: Hypertext – Eine Schrift für vernetzte, dynamische Schreibmaschinen (1965). In: Michaela Böttner, Ludger Lieb, Christian Vater, Christian Witschel (Hrsg.): 5300 Jahre Schrift. Wunderhorn, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-88423-565-2; 5300jahreschrift.de (PDF) Nelson selbst nennt sein ideales kollaboratives dynamisches System den Dream File, dessen technische Seite ein Evolutionary List File (ELF) auf Grundlage von sehr einfach strukturierten „gezipperten“ Listen sei.

Information Management: a Proposal (1989) mini|alt=Fotografie. Zeigt einen Monitor, einen Rechner und eine Tastatur. Die Geräte sind gekennzeichnet mit „PROPRIETE CERN“ und „NeXT“. Auf dem Rechner klebt ein teilweise durch Beschädigungen unleserlicher Sticker mit dem handschriftlichen Text „This machine is a ser [...] DO NOT POWE [...] DOWN!!“ Auf der Tastatur liegt ein Ausdruck von „Information Management: A Proposal“, daneben ein aufgeschlagenes Buch.|Der erste Webserver der Welt, entwickelt und implementiert von Berners-Lee auf einem NeXTcube-Computer mini|alt=Diagramm mit dem Titel „Hyperlinkstrukturen“, dass vier verschiedene Typen von Hyperlinkstrukturen illustriert. Lineare Struktur: Ein Dokument verlinkt auf ein anderes Dokument, das wiederum auf ein drittes Dokument verlinkt. Netzstruktur: Jedes Dokument verlinkt einerseits auf andere Dokumente und ist andererseits auch selbst Ziel von Links. Baumstruktur: Ein übergeordnetes Dokument verlinkt auf mehrere untergeordnete Dokumente. Sternstruktur: Ein zentrales Dokument verlinkt auf mehrere periphere Dokumente.|Typen von Hyperlinkstrukturen mini|Ein sehr simples HTML-DokumentDas erste Hypertextsystem, das aufgrund seiner Praxistauglichkeit handhabbar war, wurde 1989 vom britischen Physiker und Informatiker Sir Tim Berners-Lee an der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) in Genf entwickelt. Berners-Lee schlug der Leitung des CERN erfolgreich vor, durch ein verbessertes Informationsmanagement rund um die durchgeführten Experimente Datenverlust und Mehrfacharbeit zu verringern. Technisch sollte dieses neue Informationsmanagement mit Hilfe von einer netzwerkförmigen Datenstruktur mit einem Client-Server-Modell umgesetzt werden, deren Sprache Hypertext sein sollte. Berners-Lee hoffte, auf diese Weise die Beschränkungen und Probleme von hierarchischen „Baum-Systemen“ und „Schlagwortkatalogen“ (keywords) zu umgehen.Tim Berners-Lee: Information Management: a Proposal, CERN 1989, (online via w3.org, abgerufen am 12. September 2017). Aus diesem historischen Vorschlag entwickelte sich das World Wide Web (WWW), dessen Struktur und dessen Beschreibungssprachen bis heute vom World Wide Web Consortium unter der Leitung von Berners-Lee gepflegt und weiterentwickelt werden.

Eigenschaften Hypertext codiert im Vergleich zu linearen Informationsdarstellungen komplexe Informationen vergleichsweise redundanzarm. Redundanzfreiheit spart Speicher und Übertragungsbandbreite und vereinfacht die Wartung und Aktualisierung von Inhalten, weil ein zentral hinterlegter Wert nur einmal geändert werden muss, um an allen Stellen angezeigt zu werden, die mit dem Wert verknüpft sind.

Die assoziative Struktur eines Hypertextes scheint mehr der Funktionsweise des menschlichen Denkens zu ähneln als rein lineare Texte. Der Pädagoge Rolf Schulmeister verweist in diesem Zusammenhang auf die „kognitive Plausibilitätshypothese“.Rolf Schulmeister: Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Wessley, Bonn 1996, ISBN 3-89319-923-3, S. 257.

Konkrete Hypertextsysteme und technische Vorläufer

mini|Früher Web-Browser, 1991 Das in der Gegenwart am weitesten verbreitete Hypertext-System ist der Internetdienst World Wide Web (WWW), der 1989 von Sir Tim Berners-Lee am CERN vorgeschlagen wurde. Die Auszeichnungssprache, die standardisiert verwendet wird, ist die Hypertext Markup Language (HTML). Die technischen Spezifikationen und versionierten Weiterentwicklungen werden vom international anerkannten World Wide Web Consortium (W3C, unter Vorsitz von Sir Tim Berners-Lee) vorgeschlagen und typischerweise in internationale und nationale Normgebungsverfahren übernommen. Das WWW erlaubt auch das Einbinden von nichtsprachlichen Datentypen wie Bildern, ist also streng genommen ein Hypermedia-System.

Emanuel Goldberg patentierte 1931 in den USA die „Statistische Maschine“, die mit Hilfe von Lichtstrahlen und photoelektrischen Röhren addieren, sortieren und andere „statistische Operationen“ ausführen sollte.Michael Buckland: Emanuel Goldberg, Electronic Document Retrieval, And Vannevar Bush’s Memex. In: Journal of the American Society for Information Science. New York 43.1992, 4 (May), , S. 284–294. Diese Erfindung kann mit der Entwicklung des MEMEX in Verbindung gebracht werden.