Der Schatz im Silbersee ist ein Kinofilm von Harald Reinl nach Motiven des gleichnamigen Buches von Karl May. Das Drehbuch weicht erheblich vom Originalroman ab. Die Hauptrollen sind neben Lex Barker und Pierre Brice mit Götz George, Herbert Lom und Karin Dor besetzt.
Handlung Im kleinen Westernstädtchen Tulsa trifft eine überfallene Postkutsche ein. Darin liegt der ermordete Vater von Fred Engel. Freds Vater hatte einen Teil einer Schatzkarte bei sich, die zum geheimnisvollen Silbersee führt und von Männern des Banditen Colonel Brinkley geraubt wurde. Fred macht sich auf die Suche nach den Mördern seines Vaters und trifft mit Sam Hawkens und dem reimenden Gunstick-Uncle auf Old Shatterhand und Winnetou, die das Verbrechen anhand von Spuren ebenfalls schon entdeckt haben.
Old Shatterhand erfährt von Fred, dass der zweite Teil der Schatzkarte sich auf der befestigten Farm von Mrs. Butler in den Händen von Engels Partner, Mr. Patterson, befindet. Da jedoch auch ein Spion Brinkleys dieses Gespräch belauscht hat, ist ein Angriff der Banditen auf die Farm zu erwarten. Gerade noch rechtzeitig treffen die Helden ein, um den ersten Angriff der Banditen auf die Farm abzuwehren. Brinkleys Männer können jedoch Mr. Patterson und seine Tochter Ellen, die gerade von einem Ausritt zurückkehren, gefangen nehmen und wollen sie nur gegen Herausgabe des zweiten Schatzkartenteils, den Patterson auf der Farm zurückgelassen hatte, freigeben. Durch einen verborgenen Fluchttunnel können Old Shatterhand und Fred die Farm verlassen, Patterson und seine Tochter befreien und sie zur Farm zurückbringen. Wütend beginnen die Banditen erneut einen Angriff auf die Farm. In letzter Sekunde trifft Winnetou mit Indianern vom Stamm der Osagen ein. Mit dieser Verstärkung gelingt es, die Banditen in die Flucht zu schlagen.
Auf dem Weg zum Silbersee werden Old Shatterhand, Winnetou und der Rest der Gruppe, der sich auch der nach Schmetterlingen suchende englische Lord Castlepool angeschlossen hat, vom Stamm der Utahs umzingelt, die glauben, die Truppe habe ihr Dorf niedergebrannt. In Wirklichkeit war das Indianerdorf von Brinkley und seinen Banditen überfallen worden. In dem Durcheinander gelingt es Brinkley überdies, Ellen zu entführen und Fred ebenfalls gefangen zu nehmen. Old Shatterhand muss mit dem Häuptling der Utahs, „Großer Wolf“, einen Kampf auf Leben und Tod bestreiten, um die Indianer von der Unschuld seiner Freunde zu überzeugen. Old Shatterhand gewinnt den Kampf, wobei er den „Großen Wolf“ bewusstlos schlägt, schont das Leben des Häuptlings und kann mit seinen Gefährten ungehindert die Indianer verlassen.
Eine erneute Verzögerung der Reise zum Silbersee tritt ein, als der Unterhäuptling der Utahs, „Rollender Donner“, auf eigene Faust mit seinen Kriegern die Truppe um Old Shatterhand angreift und daraufhin vom eigenen Häuptling „Großer Wolf“ erschossen wird. Nach dem Rauchen der Friedenspfeife machen sich die Helden zusammen mit den Indianern auf den Weg zum Silbersee, wo Brinkley bereits mit Ellen und Fred eingetroffen ist. Die Banditen beginnen, ein Floß zu bauen. Fred und Ellen gelingt beinahe die Flucht, doch kurz nachdem sie den See durchschwommen haben, werden sie von einem Posten entdeckt, der eigentlich bei den Pferden bleiben sollte. Brinkley fährt mit seinen engsten Kumpanen über den See zu einer Höhle, in der sich der Schatz befindet. Sollten sie nicht rechtzeitig nach drei Stunden zurückkehren, soll Fred gehängt werden. Was die Verbrecher mit Ellen tun dürfen, stellt er ihnen frei.
In der Höhle treffen die Banditen auf den alten Indianer „Großer Bär“, der den Schatz bewacht, und schlagen ihn nieder. Gleich nach dem Anblick des Schatzes, der sich in einer Nische innerhalb der Höhle befindet, fallen die Banditen im Rausch übereinander her; zuletzt erschießt Brinkley seine Kumpane. Als er gerade nach dem Schatz greift, rafft sich der niedergeschlagene Indianer auf und zieht an einer Kette, wodurch der Schatz und Brinkley in die Tiefe stürzen. Brinkley versinkt in einem unterirdischen Moor.
Da niemand mehr da ist, um Bericht zu erstatten, verlieren die am Ufer wartenden Banditen die Geduld und wollen Fred töten. Als Old Shatterhand und seine Begleiter mit den Indianern am Silbersee eintreffen, können sie Freds Ermordung in letzter Sekunde verhindern, indem Old Shatterhand den Henkersstrick durchschießt. Die Banditen werden besiegt, und Lord Castlepool findet auf der Schulter eines der Banditen sogar den extrem seltenen Schmetterling Papilio polymnestor parinda. Zufrieden mit dem Ausgang trennen sich Indianer und Helden, und sie reiten neuen Abenteuern entgegen.
Produktion Initiator des Films war der Produzent Horst Wendlandt, der seine wichtigsten Partner Preben Philipsen, dem mehrheitlich die Rialto Film gehörte, und Waldfried Barthel, den Chef der Constantin Film, aufgrund der Beliebtheit der Karl-May-Romane von der vielversprechenden Großproduktion überzeugen konnte.Der Film wird im Karl-May-Filmbuch (siehe Literatur) ausführlich im Kapitel Der Schatz im Silbersee auf den Seiten 95 bis 129 besprochen. Zum Thema Produktion gibt es mehrere Abschnitte auf den Seiten 112 bis 120.
In Konsul Barthels Ferienhaus in Garmisch-Partenkirchen entwickelten Gerhard F. Hummel und Hanns Wiedmann in mehrwöchigen Klausuren die ersten Handlungsentwürfe für eine Winnetou-Serie, deren Treatments zur Grundlage von Der Schatz im Silbersee sowie Winnetou I und Winnetou II wurden.Joachim Kramp: Hallo! Hier spricht Edgar Wallace. Die Geschichte der legendären deutschen Kriminalfilmserie von 1959–1972. 2. Auflage., Berlin 2001, S. 72 Am 20. Januar 1962 kam es in der Münchner Constantin-Zentrale zum Abschluss des Filmrechtevertrages für die Romane Der Schatz im Silbersee und die Winnetou-Trilogie zwischen Barthel, Philipsen und Joachim Schmid aus der Bamberger Verlegerfamilie Schmid für den Karl-May-Verlag.Joachim Kramp: Hallo! Hier spricht Edgar Wallace. Die Geschichte der legendären deutschen Kriminalfilmserie von 1959–1972. 2. Auflage. Berlin 2001, S. 99
Mit Der Schatz im Silbersee begann die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Rialto Film und der jugoslawischen staatlichen Filmfirma Jadran Film, die aufgrund mehrerer in Jugoslawien entstandener Sandalenfilme bereits über große Erfahrung mit aufwändigen Kostüm- und Reiterfilmen verfügte.
Als Regisseur sah Wendlandt Alfred Vohrer vor, doch Waldfried Barthel konnte den erfahrenen Bergfilmer Harald Reinl durchsetzen. Als Darsteller des Old Shatterhand stand für Wendlandt von Beginn an Lex Barker fest, während die ideale Winnetou-Besetzung lange gesucht werden musste. Der Vorvertrag mit Guy Williams wurde wieder aufgelöst, da sich Wendlandt nach einer Begegnung am Rande der Berlinale 1962 für Pierre Brice entschied.
Die Kostüme für Old Shatterhand und Winnetou entwarf die Kostümbildnerin Irms Pauli. Um Winnetou ein markantes Aussehen zu geben, setzte sie ein Kostüm mit Perlenstickerei durch. Das Lederwams von Old Shatterhand sollte ursprünglich mit einem Streifenbesatz versehen sein. Sie orientierte sich dann jedoch an der Garderobe, die Barker in dem Film Lederstrumpf: Der Wildtöter 1957 trug. Das Shatterhand-Kostüm ist aber deutlich vornehmer, wozu auch der mit Silberbeschlägen versehene Navajo-Gürtel aus Barkers Privatbesitz beitrug.
Dreharbeiten und Endfertigung Am 6. August 1962 begannen die Dreharbeiten, die Presse wurde darüber erst am 17. August informiert. Die Außenaufnahmen am Silbersee drehte man gleich zu Beginn an den Plitvicer Seen im Dinarischen Karst. Als Silbersee diente der See Kaluđerovac. Die Schatzhöhle dort ist eine kleine natürliche Höhle, die Innenaufnahmen entstanden im Studio. Die dramatische Schlussszene, als Fred gehängt werden soll, entstand am großen Wasserfall am See Galovac. Die Indianer wurden von Bewohnern der Ortschaft Plitvička Jezera dargestellt. Die Butler-Farm wurde im Tal von Grobnik (Grobničko polje) in der Nähe der Hafenstadt Rijeka in Kroatien (damals Jugoslawien) erbaut. In der Paklenica-Schlucht (bei Starigrad) entstanden die Westernstadt Tulsa, das Tramp-Lager „El Doro“ und die Aufnahmen im Geistercanyon. Der im Film zu sehende Fluss ist der Zrmanja. Am 1. Oktober 1962 war der letzte Drehtag. Der Rohschnitt war am 25. Oktober beendet, der Feinschnitt am 2. November. Vom 14. bis 20. November fand die Sprachsynchronisation statt, die Musikaufnahmen im Studio Hamburg dauerten vom 21. bis 23. November. Insgesamt kostete die Produktion 3,5 Millionen DM.
Das Votum der Filmbewertungsstelle Am 21. August 1962 hatte die Constantin Film bei der Filmbewertungsstelle Wiesbaden einen Antrag auf Prädikatisierung gestellt. Die Filmbewertungsstelle verweigerte jedoch zunächst ein Prädikat. Ihr Gutachten urteilte, das Drehbuch habe die Fabel aus der Vorlage von Karl May nicht überzeugend entfaltet. Die Geschichte sei mit penetrantem Ernst durchgespielt worden, der Regie mangele es an straffer Führung, die Kameraarbeit sei abgesehen von einigen Bildfolgen am Silbersee recht durchschnittlich. Für keine einzige schauspielerische Leistung sei ein Prädikat zu verantworten. Der Hauptausschuss der Filmbewertungsstelle revidierte jedoch am 24. Januar 1963 das ursprüngliche Urteil und verlieh der Verfilmung Der Schatz im Silbersee das Prädikat „wertvoll“.
Premiere In der Programmzeitschrift Bild und Funk erschien in der Art eines Fortsetzungsromans ab November 1962 der Film als Bildergeschichte. Die Uraufführung am 12. Dezember 1962 im Universum in Stuttgart und die Erstaufführung in München im Mathäser am 14. Dezember fanden ein begeistertes Publikum. Der erste Karl-May-Film, der im Wilden Westen spielt, war ein großer Erfolg. Bei Produktionskosten von 3,5 Millionen DM erbrachte er ein Einspielergebnis von 6,4 Millionen DM. Im Jahr 2019 wurde er noch einmal in Wiederaufführung im Kino gezeigt, nachdem er zuvor zuletzt 1971 in den Kinos erschienen war. Im deutschen Fernsehen war der Film erstmals am 23. März 1974 zur Hauptsendezeit im ZDF zu sehen. In der DDR wurde der Film erstmals 1983 im Fernsehen ausgestrahlt, 1984 kam er in die Kinos.
Altersfreigabe Die FSK stellte dem Verleih frei, den Film ohne Schnitt ab 12 oder aber mit dem Schnitt einiger Schlägerszenen ab 6 Jahren laufen zu lassen. Constantin entschied sich für die ungeschnittene Fassung ab 12 Jahren. Ein Jahr später wurden aber Szenen wie das Auspeitschen der Banditen und ihr gegenseitiges Töten in der Schatzhöhle entfernt, sodass zu Ostern 1964 die gekürzte Fassung ab sechs Jahren mit neuem Werbematerial in die Kinos kommen konnte.
Filmmusik Die Filmmusik von Martin Böttcher wurde prägend für die weiteren Karl-May-Verfilmungen. Das Hauptthema des Films, die „Old-Shatterhand-Melodie“, wurde als Single über 100.000-mal verkauft. Das war zu der Zeit sehr ungewöhnlich, zumal es sich noch um instrumentale Filmmusik handelte.
Sonstiges
Zu Beginn des Films trägt Old Shatterhand, gemäß der literarischen Vorlage, eine der wenigen Male einen Vollbart, den er jedoch bald darauf abrasiert. In Winnetou I trägt er ein weiteres Mal einen Vollbart. Auch den Hut, der an seinem Sattel hängt, setzt er nie auf. Damit unterscheidet sich die Darstellung seines Westmannes von denen in US-amerikanischen Westernfilmen. Auch bei der Wildtöter-Verfilmung trug Barker bereits keine Kopfbedeckung. In den Karl-May-Filmen mit Old Surehand, gespielt von Stewart Granger, trägt dieser immer einen Hut. Der Verzicht auf den Bart und den alten Hut stehen für die deutlich sichtbare Modernisierung der Figur des Old Shatterhand. Die Filmemacher wollten deutlich auf Distanz zu der Figur gehen, die Karl May in seinen Büchern beschrieb, um sie für das jugendliche Publikum attraktiver zu machen. Die Rasur-Szene in Tulsa wurde deshalb sichtbar herausgestellt.