mini|Landschaftsbild auf der Gemarkung von Altleiningen

Altleiningen ist eine Ortsgemeinde im rheinland-pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim. Sie gehört der Verbandsgemeinde Leiningerland an, innerhalb derer sie gemessen an der Fläche die drittgrößte Ortsgemeinde bildet.

Geographie Lage Altleiningen liegt auf im nordöstlichen Pfälzerwald größtenteils in dessen Teilbereich Stumpfwald. Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn – einschließlich Exklaven – Wattenheim und Neuleiningen im Norden, Battenberg im Nordosten, Bobenheim am Berg und Weisenheim am Berg im Osten, Freinsheim, Bad Dürkheim, und Dackenheim im Südosten sowie Kirchheim an der Weinstraße, Carlsberg, Grünstadt und erneut Carlsberg im Westen.

Zu Altleiningen gehören zusätzlich der 2 km südlich liegende Ortsteil Höningen sowie die Wohnplätze Amseltal, Maihof-Drahtzug, Gartenhof, Großsägmühle, Junghof, Kleinsägmühle, Leininger Tal, Hof am Hang, Neuhof, Spechttal, Tränkwoog, Villa Waldheim und Weiherhof.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2020, S. 133 (PDF; 1,02 MB).

Erhebungen Im Südwesten des Gemeindegebiets erhebt sich der hohe Leuchtenberg und westlich von diesem an der Gemarkungsgrenze einer Exklave von Kirchheim der hohe Harsberg.

Gewässer Die Kerngemeinde liegt im Tal des Eckbachs. Vor Erreichen des Siedlungsgebiets mündet in diesen von rechts der Bach vom Schlüsselstein. Nachdem der Eckbach das Siedlungsgebiet in Südwest-Nordost-Richtung durchflossen hat, nimmt er zunächst von links den Rothbach auf und danach von rechts den Höninger Bach sowie den Bach im Spechttal.

Geschichte Name Altleiningen, ursprünglich Leiningen, wurde erstmals im Jahr 780 im Lorscher Codex anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch urkundlich erwähnt. Die Schenkung betraf ein Waldgebiet „in linunga marca“ (auf Leininger Gemarkung). Der Name bezog sich auf den Leinbaum, eine Bezeichnung, die damals in der Gegend sowohl für den Spitzahorn als auch für die Sommerlinde verwendet wurde. Weil beide Baumarten an seinen Ufern häufig vorkamen, führte der Eckbach zu dieser Zeit den Namen Leinbach. Hiervon leitet sich das Adelsgeschlecht der Leininger ab, dem das Leiningerland jahrhundertelang zu Eigen war und das eine Linde im Wappen führte.

Chronik mini|Historische Ansicht von Altleiningen

Seit dem Mittelalter gehörte Altleiningen den Leininger Grafen, deren Stammburg auf einem Bergrücken über dem Dorf liegt. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz, Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden. Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2015, ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538). Nachdem die Französische Revolution zum Ende des 18. Jahrhunderts auf die linksrheinischen Gebiete der Kurpfalz übergegriffen hatte, war auch Altleiningen vorübergehend Teil des französischen Departements Donnersberg. Bereits zu diesem Zeitpunkt bildete Altleiningen mit dem südlichen Nachbarort Höningen eine Gemeinde.

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Altleiningen und Höningen in den Kanton Grünstadt eingegliedert und Sitz einer eigenen Mairie. 1815 wurde das Dorf nach dem Wiener Kongress Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte es wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte „Alt-Leiningen“ dem Landkommissariat Frankenthal an; aus diesem ging das Bezirksamt Frankenthal hervor.

Die einst in Altleiningen ansässige jüdische Gemeinde besaß ab 1834 eine Synagoge, die Anfang des 20. Jahrhunderts profaniert und in der Folgezeit abgerissen wurde.

Ab 1939 war die Gemeinde Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde er Bestandteil der ebenfalls neu geschaffenen Verbandsgemeinde Hettenleidelheim. 2018 erfolgte die Zuordnung zur Verbandsgemeinde Leiningerland.

Bevölkerung Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Altleiningen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Regionaldaten. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz. Jahr Einwohner 1815 560 1835 867 1871 877 1905 1.014 1939 1.190 1950 1.401 Jahr Einwohner 1961 1.508 1970 1.769 1987 1.818 1997 1.879 2005 1.935

Konfessionsstatistik Ende 2011 waren 43 % der Einwohner evangelisch und 30 % katholisch. 24 % waren konfessionslos, und 3 % gehörten einer sonstigen Glaubensgemeinschaft an.ewois, Stand: 31. Oktober 2011. Der Anteil der Katholiken und Protestanten an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Januar 2025 waren von den Einwohnern 34,0 % evangelisch und 21,0 % katholisch. 45,0 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Altleiningen, abgerufen am 5. März 2025.

Christentum mini|St. Jacob im Ortsteil Höningen. Rechts im Hintergrund: Westgiebel der zerfallenen Klosterkirche.

Im etwa 2 Kilometer südlich gelegenen Ortsteil Höningen stehen die im romanischen Stil errichtete evangelische Kirche St. JacobSankt Jakobs Kirche Altleiningen-Höningen auf pfalz.de, abgerufen am 26. Dezember 2022. sowie die Überreste des Chorherrenstifts Kloster Höningen. Letztere umfassen den Torbogen am nördlichen Ortseingang, den Westgiebel jeweils von Konventsgebäude und Klosterkirche, die sich beide parallel zur heutigen Hauptstraße befinden. St. Jacob und das Kloster wurden um das Jahr 1120 erbaut. Zwei Schutzbriefe von Papst Innozenz II. beziehungsweise Kaiser Friedrich Barbarossa spiegeln die Bedeutung des Klosters zur Gründungszeit wider.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Altleiningen besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG WGD WGK Gesamt 2024 – 4 10 – 2 16 Sitze 2019 – 3 5 6 2 16 Sitze 2014 2 3 3 7 1 16 SitzeKommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz. 2009 3 1 5 6 1 16 Sitze 2004 2 3 – 7 4 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Leiningerland e. V. WGD = Wählergruppe Dennhardt WGK = Wählergruppe Köhler

Bürgermeister Benjamin Claus wurde im Juni 2024 zum Ortsbürgermeister von Altleiningen gewählt.

Seine Vorgänger waren Gunther Schneider (WGD) seit 2019 und Frank Dennhardt (WGD).

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler

mini|Kernbereich der Burg, heute eine Jugendherberge

Die Burg Altleiningen und das Kloster Höningen sind als Denkmalzonen ausgewiesen. Erstere wurde auf der Kuppe eines etwa 400 Meter hohen Berges erbaut, der sich über dem linken Eckbachufer erhebt. In die Burg wurden im 20. Jahrhundert eine Jugendherberge und – im Burggraben – ein beheiztes Freibad integriert. In der überdachten „Ehrenhalle“, einem durch Arkaden zum Burghof hin abgetrennten Raum, führen seit 1980 die Burgspiele Altleiningen alljährlich in den Sommermonaten anspruchsvolle Theaterstücke auf – klassische, moderne, häufig auch solche mit historischem Bezug.

Hinzu kommen zahlreiche Einzeldenkmäler, darunter die Inschrifttafel des 20-Röhren-Brunnens, der aus einem Stollen gespeist wird, welcher zur Versorgung der oberhalb gelegenen Burg um das Jahr 1600 tief in den Fels getrieben wurde. Von diesem bezieht der Eckbach inzwischen den größten Teil seiner Wasserführung.

Natur Die Ortsgemeinde liegt im zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord gehörenden Naturpark Pfälzerwald. Im Bereich der Gemeinde gibt es zwei Naturdenkmale. Das sind eine Eiche und eine Gruppe von acht Rosskastanien und sieben Linden.

Die Lage im Pfälzerwald begünstigt das Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten. So hat sich im Keller der Altleininger Burg eine große Fledermaus-Population des Großen Mausohrs zur Aufzucht des Nachwuchses angesiedelt.400 Weibchen betreiben gemeinsame Wochenstube. Vor allem Große Mausohren fühlen sich in der Altleininger Burg zu Hause. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Unterhaardter Rundschau, 16. September 2000. Seltene Pflanzen wie die Bienen-Ragwurz und andere Orchideen im Umkreis von Altleiningen zählen zu den botanischen Besonderheiten.

Südöstlich von Höningen befindet sich der Ritterstein 284. Er trägt die Aufschrift Julius Schmitt, dem Verfasser des Wonnegau gewidmet und verweist auf einen Funktionär des Pfälzerwald-Vereins.

Vereine In Altleiningen gibt es den Fußballverein TuS Altleiningen, der 2010 trotz sportlicher Qualifikation auf den Aufstieg in die Verbandsliga verzichtete.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ansässige Unternehmen mini|Drahtzug

Die Industrieniederlassung Maihof-Drahtzug liegt am Eckbach zwei Kilometer nordöstlich des Dorfes und ist benannt nach der Drahtzug Stein GmbH + Co. KG (später Drahtzug, seit 2019 Dradura), die dort ihre Produktionsstätte besitzt. Das Unternehmen ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Bad Dürkheim.

Verkehr Altleiningen war ab 1903 Endpunkt einer in Grünstadt beginnenden Nebenbahn. Von 1903 bis 1967 fand auf der Strecke ÖPNV statt, noch bis Ende 2005 wurde die aufrechterhaltene Teilstrecke Grünstadt–Drahtzug für den Güterverkehr des Unternehmens genutzt. Nächstgelegene Bahnstation ist mittlerweile der Bahnhof Eisenberg (Pfalz) an der Eistalbahn.

Durch Altleiningen verläuft die Landesstraße 520, die eine Verbindung mit Carlsberg und Heßheim schafft. Die Kreisstraße 31 führt über Höningen bis nach Leistadt. Die Kreisstraße 32 schafft eine Direktverbindung nach Wattenheim und die Landesstraße 518 eine solche vom Kernort nach Höningen; ihre Fortsetzung nach Leistadt wurde 2011 zur Kreisstraße 31 heruntergestuft. Die Kreisstraße 33 bindet zudem die Burg Altleiningen an.

Der Omnibusverkehr fährt an der Strecke Grünstadt–Altleiningen unter anderem den Haltepunkt Drahtzug an.

Tourismus Durch die Gemeinde verlaufen der Eckbach-Mühlenwanderweg, die Rundwanderwege Leininger Burgenweg und Leininger Klosterweg sowie der Fernwanderweg Saar-Rhein-Main, der mit einem gelben Kreuz markiert ist und der mit einem blauen Balken gekennzeichnete Fernwanderweg Staudernheim–Soultz-sous-Forêts. Darüber hinaus liegt Altleiningen an einem Wanderweg, der mit einem grün-roten Balken markiert ist und der. Durch Höningen verlaufen ein Wanderweg, der mit einem grünen Kreuz markiert ist und der von Freinsheim bis zum Erlenkopf führt sowie einer, der mit einem grün-weißen Balken gekennzeichnet ist und von Hertlingshausen bis nach Sankt Martin führt.

Bildung An die von 1573 bis 1630 existierende Höninger Lateinschule, in der das Leininger-Gymnasium im nahen Grünstadt seine Wurzeln hat, erinnert das Torhaus am Eingang zur Hintergasse.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger Georg Stein, ernannt am 30. April 1981

Söhne und Töchter der Gemeinde Friedrich I. zu Leiningen-Westerburg-Altleiningen (1761–1839), Graf aus dem Adelsgeschlecht Leiningen, Standesherr und Abgeordneter Friedrich II. zu Leiningen-Westerburg-Altleiningen (1806–1868), Graf aus dem Adelsgeschlecht Leiningen, Standesherr und Abgeordneter Phil Jutzi (1896–1946), Filmregisseur

Weitere Persönlichkeiten Silvio Adzic (* 1980), Fußballspieler, ist im Ort aufgewachsen. Johann Georg Lehmann (1797–1876), Pfarrer, Pfälzer Heimatkundler, Historiker und Buchautor, war von 1824 bis 1828 in Altleiningen Pfarrer. Iris Nieland (* 1960), Politikerin (AfD), lebt im Ort.