Wald-Michelbach ist ein Marktflecken und der ländliche Zentralort des Überwaldes im Odenwald; mit einer Fläche von über 74 km² ist der Ort die flächenmäßig größte Gemeinde im südhessischen Landkreis Bergstraße, noch vor der Stadt Lampertheim.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet erstreckt sich 13 km in nordsüdlicher und 7 km in ostwestlicher Richtung. Im Süden grenzt es an Baden-Württemberg. Die Gemeindegrenze folgt im Osten dann ein Stück dem Finkenbach bevor sie westlich des Wetterbergs und östlich des Geiersbergs nach Norden verläuft. Im Norden wird das Gemeindegebiet durch die Gemeinde Grasellenbach begrenzt. Vor der Tromm biegt die Gemeindegrenze nach Süden ab, bis sie wieder die baden-württembergische Grenze erreicht.
Die Kerngemeinde Wald-Michelbach liegt ca. 16 km südöstlich von Heppenheim und 13 km östlich von Weinheim zentral im Gemeindegebiet. Das Gebiet der Kerngemeinde besteht aus der Gemarkung Wald-Michelbach mit einer Fläche von 1956 Hektar, davon sind 1080 Hektar Wald. In der Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Burg Wald-Michelbach Siedlung Hardberg Weiler Kuhklingen Wüstung Lichtenklinger Hof Hof Mühlklingen Siedlung Neustadt Weiler Ober-Mengelbach Weiler Seckenrain Siedlung Spechtbach Weiler Stallenkandel Weiler Straßburg Wüstung Wetzels Kloster der Schwestern von der göttlichen Vorsehung
Geologie
Wald-Michelbach liegt im Zentrum der geologischen Entwicklung des Odenwaldes, am Schnittpunkt des nördlichen Böllsteiner Odenwaldes, des westlichen Trommgranits und des östlichen Buntsandstein-Odenwaldes. Diese Formationen wurden verursacht durch große Bewegungen der Erdkruste in zwei verschiedenen Erdzeitaltern und eine zwischenzeitliche Abtragung und Sedimentation. Die Biotitgranite sind – wie die etwas älteren Granodiorite des Weschnitzplutons – im Erdaltertum (Paläozoikum) entstanden, bzw. aus Altbeständen umgeformt worden. Die Größe und Verteilung der Kontinente war zu dieser Zeit ganz anders als heuteFranke, Wolfgang: The mid-European segment of the Variscides: tectono-stratigraphic units, terrane boundaries and plate tectonic evolution. In: Geol.Soc.London Spec.Publ. 179 2000, S. 35–61.: „Mitteleuropa“ lag in einem Ozean-Gebiet südlich des Äquators und bestand aus kleinen Kontinenten. Damals driftete durch die Kontinentalverschiebung ein Südkontinent auf einen Nordkontinent zu. Dadurch kollidierten die dazwischenliegenden „mitteleuropäischen“ Zwerg-Kontinente und in der Devon und Karbon-Zeit (vor etwa 380-320 Mio. Jahren) erhob sich auf und zwischen ihnen das variszische Gebirge, zu dem der Odenwald zählt.Altherr, R. u. a.: Plutonism in the Variscan Odenwald (Germany): from subduction to collision. In: Int. J. Earth Sci. 88 1999, S. 422–443. Infolge der Zusammenschiebungen (Subduktion) wurden einmal die alten Gesteine tief in die Erdkruste versenkt und in dem oberen Erdmantel in ca. 15 Kilometer Tiefe aufgeschmolzen, zum Zweiten langsam – zusammen mit Magmagesteinen – zurück in die Erdkruste hochgedrückt, wo sie im Laufe von 60 Mio. Jahren allmählich abkühlten und sich verfestigten.Stein, Eckardt u. a.: Geologie des kristallinen Odenwalds – seine magmatische und metamorphe Entwicklung. In: Jahresberichte und Mitteilungen Oberrheinischer Geologischer Verein. N.F.83 2001, S. 89–111. Bei diesen tektonischen Prozessen rissen die Gesteinsmassen immer wieder auf und gaben Raum für Veränderungen. Im Gebiet um Kreidach und Ober-Mengelbach entwickelte sich eine Mischzone mit granitischen Gesteinen und umgewandelten Altbeständen (Schiefer bzw. Biotit-Plagioklas-Gneis-Schollen, früher als Amphibolit bezeichnet). Die Spalten füllten sich mit Schmelzen, die dort zu Ganggesteinen auskristallisierten. Ältere Biotitgranite wurden durch jüngere aplitartige Granite durchtrümmert, z. B. westlich von Siedelsbrunn und Wald-Michelbach. In der Vorgeschichte des Granit-Odenwalds bildete sich bereits der Böllsteiner Gneis. Er ist aus granitischen Gesteinen hervorgegangen, die vor etwa 410 Mio. Jahren als glühend heiße Magmen von unten in ältere sedimentäre Gesteine eingedrungen sind. Diese wurden gemeinsam – infolge der Zusammenschiebungen – in tiefere Bereiche der Erdkruste versenkt und dort bei hohem Temperatur-Druck zu Schiefern und Gneisen metamorphosiert. Eine alte Störungszone, die NNE verlaufende Otzbergspalte, die sich vom Otzberg – über Wald-Michelbach – nach Süden bis zur Oberrheingraben-Grenze Heidelberg/Karlsruhe fortsetzt, bildet den westlichen Rand des Böllsteiner Gneises, der – als schmale Gneis-Zwischenzone – über Hammelbach und Scharbach bis Aschbach nachweisbar ist, größtenteils jedoch unter der Buntsandsteindecke versteckt liegt. An dieser Linie schob sich durch die Kontinentaldrift der westliche Bergsträßer Odenwald (im Unterkarbon vor etwa 333 bis 329 Mio. Jahren entstanden) an den älteren Böllsteiner Odenwald. Der vor ca. 320 Mio. Jahren nachdringende Trommgranit verschweißte im weiteren Verlauf der Plattenkollision die beiden Gebirgsteile.Nickel, Erwin: Odenwald – Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg. 2. Aufl. Borntraeger, Berlin 1985, ISBN 3-443-15024-1. (Sammlung geologischer Führer 65) Vor etwa 260 Mio. Jahren – das Granit-Gneis-Gebirge ist inzwischen bis zum Sockel abgetragen – überschwemmte im Erdzeitalter des jüngeren Perm das sogenannte Zechsteinmeer den Odenwald und überdeckte ihn mit Ablagerungen, die für den Überwälder Bergbau bedeutsam sind: Dolomite, in die später eisen- und manganhaltige Quarzlösungen eindrangen. Die Sedimentationsgeschichte setzt sich im Mesozoikum (Erdmittelalter) zwischen 251 und 65 Mio. Jahren mit der Ablagerung – bis zu 600 m – mächtiger Buntsandstein-, Muschelkalk-, Keuper- und JuraFrenzel, G: Die Nephelingesteinsparagenese des Katzenbuckels im Odenwald. In: Amstutz, G.C. u. a. (Hrsg.): Mineralien und Gesteine im Odenwald. Der Aufschluss. Sonderband 27, Heidelberg 1975, S. 213–228. – Schichten fort. Lange Zeit später kam es in Mitteleuropa wieder zu starken Bewegungen in der Erdkruste: In Verbindung mit einer Rift-Zone vom Mittelmeer bis an die Nordsee brach – im Tertiär vor ca. 45 Mio. Jahren – der Oberrheingraben ein. In der Folge zerlegten viele Kreuz- und Querklüfte das Gebiet des heutigen Odenwaldes in Gebirgsblöcke und Gräben. Einige Spalten im Wald-Michelbacher Raum füllten sich mit Quarz – und Schwerspatlösungen (Baryt-Abbau um 1890). Durch ein – die Verwitterung und Abtragung begünstigendes – warmfeuchtes Tertiär-Klima und fluviatile Ausräumung des Hangschutts schnitten sich die Bäche tief ins Gelände ein und zersägten die Bergmassive. Dabei entwickelte sich eine Schichtstufenlandschaft und die mächtigen Jura-, Keuper-, Muschelkalk- und Zechstein-Sedimente wurden sukzessiv nach SE hin abgetragen. Die erodierenden Kräfte legten von der Bergstraße bis zum Trommrücken den kristallinen Gebirgsrumpf wieder frei. In Orientierung an alte Störungszonen (Gersprenztal, oberes Ulfenbachtal) veränderten die Bäche ihren Lauf. Im östlichen Odenwald bestimmen nur noch die Buntsandsteinablagerungen das Landschaftsbild: Im Wald-Michelbacher Raum verläuft die Grenze am Osthang des Ulfenbachtals von Affolterbach, Aschbach, Unter-Wald-Michelbach und schwenkt dann nach Westen (Siedelsbrunn). Am Buntsandsteinstufenrand wurde die darunter liegende Zechsteinschicht mit den Eisen- und Manganerzen für den Bergbau zugänglich, z. B. bei Straßburg-Unter-Waldmichelbach und Aschbach.Fettel, Michael: Bergbaugeschichte des Odenwaldes. In: Amstutz, G.C. u. a. (Hrsg.): Mineralien und Gesteine im Odenwald. Der Aufschluss. Sonderband 27. Heidelberg 1975, S. 267–280. Berge und Hänge zerteilten sich durch Risse in Blöcke, die anschließend durch Chemische Verwitterung kugelförmige Felsburgen und -meere bildeten (Wollsackverwitterung), z. B. auf der Tromm. In der nachfolgenden Eiszeit herrschte im Odenwald ein Permafrost-Klima. D. h. der Boden war ständig tiefgefroren. Bei Erwärmung (Ende der Eiszeit) taute die obere Schicht auf, die vom Schutt befreiten Gesteine rutschten auf dem noch gefrorenen Untergrund hangabwärts. So bildete sich im Lauf der Jahrmillionen aus dem Rumpf des variszischen Gebirges und der verbliebenen Buntsandsteindecke das heutige typische Mittelgebirgs-Landschaftsbild um Wald-Michelbach. In der Gemarkung ging von 1889 bis in die 1930er Jahre intensiver Bergbau auf Mangan um, die Grube Ludwig kann heutzutage als Besucherbergwerk besichtigt werden, für Details, siehe: Liste von Bergwerken im Odenwald.
Name Nicht zu verwechseln ist der Ort mit dem namensähnlichen Waldmichelbach, einem Ortsteil der Gemeinde Bessenbach im bayerischen Landkreis Aschaffenburg.
Nachbargemeinden Wald-Michelbach grenzt im Norden an die Gemeinde Grasellenbach, im Osten an die Gemeinde Mossautal und die Stadt Oberzent (beide im Odenwaldkreis), im Süden an die Stadt Eberbach (Stadtteil Brombach) und die Gemeinden Heddesbach und Heiligkreuzsteinach (alle drei Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) sowie im Westen an die Gemeinden Abtsteinach, Mörlenbach und Rimbach.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Wald-Michelbach setzt sich aus folgenden Ortsteilen bzw. Gemarkungen zusammen Kerngemeinde Wald-Michelbach mit den nordwestlich anschließenden Weilern Ober-Mengelbach und Stallenkandel. Im Süden schließen sich die Weiler Spechtbach, Kuhklingen und Seckenrain an und am Ulfenbach im Südosten Straßburg; auch St. Maria in Lichtenklingen, zwischen Hardberg (593 m) und Stiefelhöhe (584 m) ganz im Südwesten gelegen, gehört noch zur Wald-Michelbacher Gemarkung Im Westen der Gemeinde liegen Kreidach und Siedelsbrunn Im Süden liegen Ober-Schönmattenwag und Unter-Schönmattenwag mit Frankel, Korsika, Ludwigsdorf, Holmbach, Schönbrunn und Flockenbusch Im Osten grenzt Aschbach mit dem ehemaligen Dürr-Ellenbach an Nördlich der Kerngemeinde schließen Hartenrod und Gadern an, gefolgt von Affolterbach und Kocherbach
Räumliche Planung Im Regionalplan Südhessen ist Wald-Michelbach als Unterzentrum ausgewiesen.Regionalplan Südhessen/Regionaler Flächennutzungsplan 2010, bekannt gemacht vom Regierungspräsidium Darmstadt am 17. Oktober 2011 (Staatsanzeiger 42/2011), S. 22
Geschichte Ortsgeschichte Das Bestehen des Ortes lässt sich unter dem Namen Michilnbach urkundlich zurückverfolgen bis in das Jahr 1238. Damals war hier von einer ecclesia (Kapelle oder Kirche) die Rede, die dem Laurentius geweiht war. Das Kloster Lorsch hatte bereits Besitzungen im Gebiet von Wald-Michelbach, ohne dass der Ortsname in den erhaltenen Kloster-Dokumenten genannt wird. Auf dem Gelände der heutigen evangelische Kirche befand sich die Burg Wald-Michelbach, die wahrscheinlich im 12. oder 13. Jahrhundert errichtet wurde. Der untere Teil des Kirchturms ist wahrscheinlich mit dem Wohnturm eines Adelssitzes identisch, von dem in einem Vertrag von 1264 als „Herrenhof des Abtes“ die Rede ist. An der Nordwestecke des ehemaligen Burggeländes stand bis 1863 die Ruine eines Zentturms, der 1693 durch Franzosen zerstört worden war.
Ab 1264 gehörte der Ort zur Kurpfalz und war zeitweise Lehen der Schenken von Erbach und anderen. Nach der Auflösung der Kurpfalz 1803 kam Wald-Michelbach an Hessen-Darmstadt und war bis 1821 Sitz einer Amtsvogtei. Ebenso war der Ort ab 1853 Sitz eines Landgerichts, ab 1879 des Amtsgerichts Wald-Michelbach, das 1968 aufgelöst wurde. Danach gehörte Wald-Michelbach zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Fürth.
Seit 1901 war Wald-Michelbach Station der Überwaldbahn, einer Eisenbahnverbindung von Wahlen nach Mörlenbach. Dort bestand ein Anschluss an die Weschnitztalbahn. Die Strecke wurde 1983 für den Personenverkehr und 1994 für den Güterverkehr stillgelegt.
Historische Beschreibungen Im Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine findet sich 1786 über Wald-Michelbach:
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Wald-Michelbach: