Łobez ([] , deutsch Labes) ist eine Stadt mit etwa 10.300 Einwohnern in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie ist Sitz des Powiats Łobeski und einer Stadt- und Landgemeinde. Geographische Lage mini|links|Karte der Umgebung von Labes von 1929 mini|320px|Luftbild (2005) Die Stadt liegt in Hinterpommern, am Fluss Rega in 76 Metern Meereshöhe, etwa 75 km von Stettin entfernt. Die Entfernung zu den Nachbarstädten Nowogard (deutsch Naugard) und Drawsko Pomorskie (Dramburg) beträgt 30 bzw. 18 Kilometer. Die Umgebung ist von weitläufigen Waldgebieten geprägt.
mini|Stadtkern mit Kirche (2008)
Geschichte Auf Grund von frühzeitlichen Ausgrabungsfunden ist davon auszugehen, dass die spätere Stadt Labes eine slawische Vorgängersiedlung hatte, die unmittelbar südwestlich der späteren mittelalterlichen Stadt lag. 1271 nennt eine Urkunde einen Borco dominus de Lobis („Borko, Herr von Lobis“). Dies ist ein Hinweis auf die adlige Familie von Borcke, in deren Besitz der Ort war.
Die Besiedlung der Stadt Labes ist wohl aus wilder Wurzel erfolgt. Die Stadtrechtsverleihung erfolgte wohl vor 1295 durch die Familie Borcke. Jedenfalls wurde die Stadt im Jahre 1295 unter dem Namen Lobese bereits als civitas bezeichnet. Später, für das Jahr 1348, ist lübische Stadtrecht nachgewiesen, doch galt dieses nur in einzelnen Rechtsgebieten. Eine Bestätigung der Stadtprivilegien durch die Familie Borcke erfolgte im Jahre 1460, was durch eine Abschrift aus dem Jahre 1623 überliefert ist. Die Borcke blieben bis in das 19. Jahrhundert hinein die Stadtherren von Labes.
Landesherren waren bis 1637 die Herzöge von Pommern. Danach starb das pommersche Herrscherhaus der Greifen aus und Hinterpommern, in dem auch Labes lag, kam zu Brandenburg-Preußen.
In den Jahren 1637 und 1685 wurde Labes von Stadtbränden zerstört. Nach dem Wiederaufbau beherrschten Tuchmacher und Schuhmacher das wirtschaftliche Leben. 1792 nahm ein Kupferhammer den Betrieb auf, der fast achtzig Jahre existierte. Labes war eine Ackerbürgerstadt. Neben einigen Bauern gab es das Gut Zühlsdorf und das Gut Labes B. Einige Kilometer außerhalb Richtung Prütznow lag das Gut Labes A und D.
Bekannt wurde Labes auch durch die Herstellung von Holzpantinen (= Schlurren, daher der Spitzname Schlurr-LabsHorst Kaiser: Prütznow – Labes / Kreis Regenwalde – Pommern. horst-kaiser.deKlaus Granzow: Pommern in 1440 Bildern). Nach der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Labes Kreisstadt des Kreises Regenwalde. Es entstanden das Landratsamt, das Amtsgericht und das Finanz- und Katasteramt. Als Labes 1859 an die Bahnlinie Stargard–Köslin angeschlossen wurde, war dies gleichzeitig der Beginn einer verstärkten Industrialisierung. Entscheidend waren daran die Brüder Kaiser mit ihrer Maschinen- und einer Drahtzaunfabrik beteiligt. Ihr Vater Reinhold Kaiser aus Prütznow hatte schon auf Grund eines am 1. November 1898 mit der Stadt Labes geschlossenen Vertrages die Elektrizitätsversorgung von Labes aufgebaut und Labes mit Strom aus seinem in Prütznow von der Rega betriebenen Elektrizitätswerk versorgt. Große Bedeutung kam der Einrichtung des Landgestütes in Labes zu, die 1876 von der preußischen Regierung veranlasst wurde. Es war das einzige Gestüt in Pommern und auf die Zucht von Hengsten spezialisiert. Auch die Stärkefabrik, die die Kartoffelernte der umliegenden Orte verarbeitete, hatte eine über Labes hinausgehende Bedeutung. Ferner gab es eine Schälmühle, eine Getreidemühle und eine Kalksandsteinfabrik.
Die Gemarkung der Stadtgemeinde Labes hatte um 1930 eine Flächengröße von 36,8 km². Im Stadtgebiet standen insgesamt 627 bewohnte Wohnhäuser an zwanzig verschiedenen Wohnstätten:
Um 1935 gab es in Labes drei Hotels, zehn Gaststätten und Restaurants, drei Bankgeschäfte, zwei Buchdruckereien, zwei Drahtzaunfabriken, eine Gerberei, zwei Holzsägewerke, einen Instrumentenmacher, drei Kalksandsteinfabriken, eine Molkerei, sechs Mühlen, eine Spiritusfabrik, eine Stärkefabrik, einen Zeitungsverlag, zwei Zement-Dachsteinfabriken und zahlreiche Gemischtwarenläden, Einzelhandelsgeschäfte sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.Klockhaus’ Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs. Band 1 A. Berlin 1935, 2. Teil, S. 1060–1061 (Google Books). Die positive Entwicklung der Stadt lässt sich an den Einwohnerzahlen ablesen. Während sie 1885 5225 Einwohner hatte, lebten zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 7300 Menschen in der Stadt.
im Jahr 1945 gehörte die Stadt Labes zum Kreis Regenwalde im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberten sowjetische Truppen im März 1945 Labes, legten Brände und zerstörten so die Innenstadt weitgehend. Bald nach der Besetzung durch die Rote Armee wurde Labes von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es wanderten nun Polen zu, die zum großen Teil aus von der Sowjetunion besetzten Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Labes und dem Kreisgebiet vertrieben. Nach der Übernahme durch die polnische Verwaltung wurde die Stadt in Łobez umbenannt.
In Labes liegt der Ursprung des Labeser Krippenspiels, welches nach 1945 von Flüchtlingen nach Norddeutschland gebracht wurde und dort seit 1973 regelmäßig aufgeführt wird.
Demographie
+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1740 1191 Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Bath, Berlin 1865, S. 242; . 1782 1160 darunter 15 Juden 1794 1339 darunter 18 Juden 1812 1797 darunter zwei Katholiken und 38 Juden 1816 1939 darunter zwei Katholiken und 62 Juden 1831 2443 darunter sieben Katholiken und 61 Juden 1843 3207 darunter sieben Katholiken und 100 Juden 1852 3939 darunter sechs Katholiken und 121 Juden 1861 4756 darunter 19 Katholiken, 167 Juden und drei Mitglieder der freien Gemeinde der Deutschkatholiken 1875 5010 1880 5603 1900 5069 meist EvangelischeMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig/Wien 1908, S. 5 (Zeno.org) 1910 5179 am 1. DezemberLabes, Stadt an der Rega, Kreis Regenwalde, Pommern, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Labes (meyersgaz.org). 1925 6088 darunter 42 Katholiken und 43 JudenDie Stadt Labes im ehemaligen Kreis Regenwalde in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). 1933 6947 1939 7310 Jahr Jüdische Bevölkerung labuz.art.plLobez. Virtuelles Schtetl. 1705 2 Familien 1753 1 Familie 1782 15 1794 18 1812 38 1816 62 1831 61 1840 90 1843 100 1852 121 1861 167 1867 175 1871 138 1903 105 1925 43 1939 11 1940 0
Religionen Stadtkirche mini|hochkant|Stadtkirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Pfarrgemeinde Labes, 1945 zerstört, 1949 wiederaufgebaut Die von der Reformation bis 1945 evangelische St.-Marien-Kirche war 1389 als spätgotischer Backsteinbau errichtet worden. Im Jahre 1831 erhielt die nun dreischiffige Kirche einen neogotischen Kirchturm mit einem Feldsteinsockel und einem achteckigen Turmhelm. Die Innenausstattung stammte aus dem 19. Jahrhundert. Im März 1945 wurde die Kirche zerstört.
Das zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignete Gebäude wurde 1949 wiederaufgebaut und vom polnischen katholischen Klerus neu geweiht.
Kirchspiel Die vor 1945 hier lebende Stadtbevölkerung war größtenteils evangelischer Konfession. Mit der Einführung der Reformation in Labes um 1537 war die Bevölkerung evangelisch geworden. In das evangelische Kirchspiel eingepfarrt war das Dorf Unheim. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1647 zurück.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 241 (Google Books). Das älteste erhaltene Kirchenbuch der Stadt Labes umfasst die Jahre 1647 bis 1764; es konnte im Jahre 2013 für die Kirchenbuchstelle des Evangelischen Zentralarchivs erworben werden.Siegfried Hannemann, Inger Buchard, Dieter Wallschläger: Das Labeser Kirchenbuch. Glückliches Ende nach einer Odyssee. In: Die Pommersche Zeitung. Nr. 1/2014, S. 12–13. Um 1927 bestanden in der Stadt zwei evangelische Kirchengemeinden.
Das katholische Kirchspiel war in Schivelbein, Kreis Belgard. Eine römisch-katholische Minderheit war im 19. Jahrhundert durch den Pfarrer aus Köslin betreut worden. In den Jahren 1932 bis 1937 betreute sie der Pfarrer und Widerstandskämpfer August Froehlich von Dramburg aus, ab 1938 erfolgte die Betreuung durch die Pfarrei in Schivelbein.
Die seit 1945 anwesende polnische Bevölkerung ist mit wenigen Ausnahmen katholischer Konfession. Die katholische Herz-Jesu-Kirchengemeinde (Parafia Najświętszego Serca Pana Jezusa w Łobzie) gehört zum Dekanat Łobez des 1972 errichteten Erzbistums Stettin-Cammin.
Liste der Bürgermeister Bürgermeister von 1632 bis 2014:Zbigniew Harbuz – Kalendarium. czasopism.pl
mini|Friedhof mit Lapidarium und Friedhofskapelle links: Gedenkstein für Otto Puchstein mini|Lapidarium im Friedhof mini|Rolandsäule - 2013 mini|Rolandsäule (2018)
Sehenswürdigkeiten mini|Herz-Jesu-Kirche (Łobez) Die bis 1945 evangelische Stadtkirche wurde 1945 zerstört. Das Gebäude wurde 1949 wiederaufgebaut und vom polnischen Klerus dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Die bemalten Chorfenster zeigen Johannes Paul II., der bereits nach 1945 als junger Priester in den vormaligen deutschen Ostgebieten seelsorgerisch tätig gewesen war, die Kreuzigung Jesu und die Heilige Faustina. Unter den Chor-Fenstern befinden sich Bibelszenen in Sgraffito-Technik und unter den Fenstern des Hauptschiffs Freskomalereien mit Szenen aus dem Neuen Testament. mini|hochkant|Deutsch-Polnische Gedenkstätte mini|Gedenkstein für Otto Puchstein Ein Wahrzeichen von Labes war das Roland-Denkmal zum Andenken an die 208 gefallenen Labeser des Ersten Weltkrieges.Roland-Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Wiki.Genealogy. Es wurde durch Spenden der Bevölkerung finanziert und 1925/1926 in freiwilliger, kostenloser Gemeinschaftsarbeit auf dem 100 m hohen Denkmalsberg am Hainholz errichtet. Sieben Steinsäulen, in die die Tafeln mit den Namen der Gefallenen eingelassen waren und die mit schweren Eichenbalken verbunden waren, bildeten den Opferring. In ihm stand auf einem Sockel die auf die Stadt herabblickende Rolandsäule. Um den Sockel war eine dicke Kette geschmiedet. Der Aufgang zum Denkmal war künstlerisch gestaltet. Eine Treppe führte durch mehrere Wallringe, auf denen künstliche Hünengräber und Runensteine angelegt wurden, hinauf. 1945 wurde das Denkmal zerstört. Der früher unbewaldete Denkmalsberg ist heute bewaldet. Seit 2013 ist die Anlage ein durch Gesetz geschütztes Denkmal. Im Jahr 2016 wurde beschlossen, die Örtlichkeit zu revitalisieren.Rejestr zabytkówRewitalizacja
1993 wurde im Friedhof von Łobez eine Deutsch-Polnische Gedenkstätte errichtet, in die Teile des zerstörten Roland-Denkmales (z. B. ein Sonnen-Runenstein) mit einbezogen wurden.
Vor dem Friedhof von Łobez wurde 1993 ein Gedenkstein (Lapidarium) für den deutschen Archäologen Otto Puchstein eingeweiht. Puchstein (1856–1911) war u. a. Grabungsleiter in Baalbek.
Söhne und Töchter der Stadt Franz Andreas von Borcke (1693–1766), preußischer Generalleutnant und Chef des Infanterie-Regiments Nr. 20 Joachim Friedrich Wilhelm Neander von Petersheiden (1743–1817), preußischer Generalmajor und Inspekteur der Artillerie Ferdinand Nemitz (1805–1886), deutscher Jurist, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Gustav von Conring (1825–1898), preußischer Generalleutnant und Kommandeur der 61. Infanterie-Brigade Ludwig von Petersdorff (1826–1889), preußischer Generalleutnant und Kommandeur der 29. Division Oskar Beyersdorff (1830–1887), deutscher Arzt, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses