Die Muslimische Jugend in Deutschland e. V. (MJD) ist ein eingetragener Jugendverein mit Sitz in Berlin mit Nähe zur Internationalen Bewegung der Muslimbruderschaft.
Selbstverständnis Auf ihrer Webseite beschreibt die MJD ihre Arbeit wie folgt:
Organisation Die MJD hatte 2013 über 250 Mitglieder – 2019 waren es 900, die sich auf ungefähr 30 Lokalkreise in ganz Deutschland verteilen. Mitglied kann jede muslimische Jugendgruppe sowie jeder muslimische Jugendliche zwischen 13 und 30 Jahren werden.Plenarprotokoll 15/74. Deutscher Bundestag, 74. Sitzung, Berlin, 12. November 2003 (PDF-Datei; 659 kB)
Die MJD ist 1994 im Haus des Islam in Lützelbach von einer kleinen Gruppe von Jugendlichen um Muhammad Siddiq Borgfeldt gegründet worden. Sie ist aus einer der Jugendaktivitäten hervorgegangen und hat in den folgenden Jahren die dortigen Räumlichkeiten genutzt., Claudia Dantschke, Zentrum Demokratische Kultur, 2004 Weitere Vorsitzende der MJD (auf zwei Jahre gewählte „Amire“) nach dem Gründungsvorsitzenden Muhammad Siddiq (1994–1995) waren Rüstü Aslandur In: ka-news.de, 29. Mai 2002, Raimund Hamid Prochaska, Imran Sagir, Khallad Swaid (2001), Bilal El-Zayat (2003–2005), Mohammed Nabil Abdulazim (2005–2009), Hischam Abul Ola (2009–2014).
Die MJD war Mitglied des Forum of European Muslim Youth and Student Organizations (FEMYSO). Die FEMYSO kooperiert mit der Föderation Islamischer Organisationen in Europa. Nach Bewertung von Rita Breuer richtete sie „sich mit islamischen Bildungs- und Freizeitangeboten an muslimische Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 30 Jahren, denen auf diese Weise die Notwendigkeit der Abgrenzung von Andersgläubigen zur Einhaltung islamischer Normen vermittelt wird.“
Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) schreibt über die MJD:
„Die Muslimische Jugend in Deutschland [...] verstand sich von Anfang an nicht nur als deutschsprachige, sondern als deutsche Organisation. Sie wollte junge Muslim:innen vertreten, die Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt und ihre Heimat betrachten. Der muslimische Glaube und der Alltag in Deutschland stehen für die MJD nicht in Widerspruch zueinander. Die Eltern ihrer Mitglieder stammen vor allem aus vielen muslimisch geprägten Ländern in aller Welt und aus Deutschland. Die kulturelle Vielfalt unter den Mitgliedern ist aus Sicht des Verbandes eine Besonderheit der MJD und unterscheidet sie von allen anderen muslimischen Jugendorganisationen in Deutschland.“
Die MJD finanziert sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Einnahmen aus Veranstaltungen sowie aus staatlichen Projektmitteln. In: mjd-net.de, Stand 6. Oktober 2007 Im Fall der Vereinsauflösung soll das Vermögen der MJD komplett an die internationale Hilfsorganisation Islamic Relief fließen. Die MJD ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein, jedoch kein anerkannter Träger der außerschulischen Jugendbildung.
Vorwürfe & Kritik Die MJD war Mitglied des Forum of European Muslim Youth and Student Organizations. Die FEMYSO kooperiert mit der Föderation Islamischer Organisationen in Europa. Nach Bewertung der Islamwissenschaftlerin Rita Breuer richtet sie „sich mit islamischen Bildungs- und Freizeitangeboten an muslimische Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 30 Jahren, denen auf diese Weise die Notwendigkeit der Abgrenzung von Andersgläubigen zur Einhaltung islamischer Normen vermittelt wird.“
2015 gab eine Dokumentation des Wissenschaftlichen Dienstes des deutschen Bundestages die Einschätzung wieder, dass die MJD aufgrund personeller und organisatorischer Verflechtungen eine „Kaderschmiede“ des von der Muslimbruderschaft vertretenen „politischen Islam“ darstellt. Ähnliche Vorwürfe waren auch in 4 der insgesamt 17 Verfassungsschutzberichte zu lesen. Die MJD wehrte sich gegen Vorwürfe im Verfassungsschutzbericht juristisch. Das Verwaltungsgericht Berlin gab ihr insofern recht, als dass die im Verfassungsschutzbericht 2009 getätigte Bewertung, die Muslimische Jugend verbreite verfassungsfeindliche Aussagen in einem Schulungsleitfaden, unbelegt und der Bericht entsprechend zu überarbeiten sei. Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg bewertete die Aberkennung der Gemeinnützigkeit aufgrund der Einschätzung von Ämtern für Verfassungsschutz als rechtswidrig und hob sie nachträglich auf.
Die MJD selbst weist Vorwürfe in Bezug auf extremistische Verbindungen und die Muslimbruderschaft entschieden zurück. In einer Pressemitteilung vom 18. März 2023 erklärt die MJD, dass sie weder extremistisch sei noch Verbindungen zur Muslimbruderschaft habe. Der Verein betont seine Unabhängigkeit und sein Engagement für die Förderung von Jugendlichen innerhalb eines demokratischen und verfassungstreuen Rahmens (Pressemitteilung 2023).https://muslimischejugend.de/presseinfo-18-03-2023/
Die zuvor aberkannte Gemeinnützigkeit der MJD wurde im Jahr 2022 vom Finanzgericht Berlin-Brandenburg erneut bestätigt, womit ihre gemeinnützige Arbeit weitergeführt werden konnte (Gemeinnützigkeitsnachweis 2022).
Aktivitäten der MJD Die MJD veranstaltet neben zahlreichen Freizeitaktivitäten und Seminaren auch ein MJD Jahresmeeting. Sie vermittelte Stipendien für das islamische private „Institut Européen des Sciences Humaines“ in Château-Chinon und 2007 Arabischkurse nach Damaskus in Kooperation mit der FEMYSO.MJD 1.–31. August 2007 in Kooperation mit FEMYSO
Darüber hinaus initiierte und organisierte die MJD zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen und suchte dabei die Zusammenarbeit mit anderen Jugendverbänden, um so den interreligiösen und -kulturellen Dialog zu fördern. Vor allem mit der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend e. V. (aej) arbeitet sie seit vielen Jahren in verschiedenen Projekten zusammen. Im Projekt „Junge Muslime als Partner – FÜR Dialog und Kooperation! GEGEN Diskriminierung!“ (2015–2019) wurden muslimische Partnerverbände der aej dabei unterstützt, „sich weiter zu etablieren und Zugang zu jugendverbandlichen Strukturen zu erlangen. Mit der verstärkten Sichtbarmachung muslimischen Engagements in der Jugendarbeit sollte zugleich der wachsenden Tendenz von Islam- und Muslimfeindlichkeit entgegengewirkt werden.“ Seit 2020 bis voraussichtlich Ende 2024 ist die MJD zudem Kooperationspartner der aej im Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit.
Neben dem weiter unten erwähnten Projekt „Ta'ruf“ organisierte die MJD im November 2003 auch das Entimon-Dialogprojekt „Together in Difference“ zusammen mit der Katholischen jungen Gemeinde und dem BJSD (Bundesverband jüdischer Studenten in Deutschland).Together in Difference Together in Difference Projekt SeiteTogether in Difference Bericht. Muslimische Jugend (MJD) auf neuen Wegen: Veranstalter einer gemeinsamen Trialogveranstaltung mit Christen und Juden in Nürnberg, Positive Resonanz in der Öffentlichkeit. In: islam.de, 21. Oktober 2003 Außerdem führt die MJD auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den Katholischen Landesarbeitsgemeinschaften Kinder- und Jugendschutz sowie Offene Kinder- und Jugendarbeit das „Projekt Dialogbereit“ durch.DIALOGBEREIT – Eine Initiative zum interkulturellen und interreligiösen Dialog. Website des Projekts Dialogbereit
In der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Deutschen Bundesjugendring 2005 durchgeführten Initiative „Projekt P – misch dich ein“ wurde das politische Engagement von Kindern und Jugendlichen gefördert. Die MJD hat sich mit Beiträgen zum Bereich „Lebenswelten in Deutschland – Migration und Integration: Das Zusammenleben der Kulturen“ beteiligt. In: projekt-p.de. Mit dabei waren! Liste der am Projekt P beteiligten Organisationen, Initiativen und Vereine In: projekt-p.de, Hintergrundinformationen „Berlin 05 – Festival für junge Politik“ Die MJD organisierte 2007 zusammen mit dem Evangelischen Jugendwerk in Württemberg und der Katholischen Jungen Gemeinde Rothenburg ein interreligiöses Wochenendseminar zu Thema „Demokratie und Religion“.Berthold Frieß: Das Miteinander der Religionen braucht Bildung und Begegnung, 12. Februar 2007
Im Januar 2002 wurde die MJD – durch die damalige Bundesjugendministerin Christiane Bergmann und den Vorsitzenden des Bundesjugendrings – mit dem Heinz-Westphal-Preis ausgezeichnet. BMFSFJ-Pressemitteilungen – Bundesministerin Bergmann zeichnet ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit aus Heinz-Westphal-Preis an fünf Projekte verliehen In der Vergabebegründung heißt es, dass die Muslimische Jugend in Deutschland eine wichtige Anlaufstelle für jugendliche Muslime sei und sie aktiv dazu beiträgt, „das verzerrte Bild des Islams in der Öffentlichkeit zu verbessern und über den Islam als Lebensweg aufzuklären“. Zudem wurde das Engagement der Muslimischen Jugend im Bereich des interkulturellen Dialogs gelobt.Heinz-Westphal-Preis Bericht. Bundesministerin verleiht Muslimischer Jugend in Deutschland Heinz-Westphal-Preis. In: islam.de, 27. Januar 2002
Der Landesjugendring NRW hat der MJD am 24. März 2011 in Dortmund den Goldenen Hammer verliehen. Die Jugendministerin Ute Schäfer als Schirmherrin des Goldenen Hammers für die Preisträger betonte: „Diese jungen Preisträger gehören zu Recht ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Sie engagieren sich vorbildlich gegen Gewalt und Rassismus und für Demokratie, Menschenrecht und Toleranz“, so Ministerin Schäfer.
Vom 30. November bis 2. Dezember 2002 fand in Berlin ein interreligiöses Seminar statt, an dem 40 Jugendliche unterschiedlicher Religionen teilnahmen und das mit einer Podiumsdiskussion im Schloss Bellevue endete.MJD zu Gast im Schloss Bellevue. Muslimische Jugend (MJD) zu Gast im Schloss Bellevue – Vision von einer gemeinsamen Stadt – Staatssekretär des Bundespräsidialamtes zeigte sich beeindruckt. In: islam.de, 12. Dezember 2002
Der Hessische Landtag erhofft sich Unterstützung durch die Expertise der MJD in der Extremismusprävention und lud diese 2015 zu einer Stellungnahme mit Handlungsempfehlungen ein.Stenografischer Bericht der öffentliche Anhörung im hessischen Landtag 2015
Zudem ist die MJD ein Mitglied des Netzwerks der CLAIM-Allianz, die aus 51 muslimischen und nicht-muslimischen Organisationen besteht. Die CLAIM-Allianz engagiert sich in Form von Aufklärungsarbeit, Netzwerkarbeit und schaffen von effektiven Strukturen gegen Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus.
Unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Bundesjugendministerin Manuela Schwesig veranstaltete die MJD gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend (aej) ein interreligiöses Projekt namens TeaTime, welches Muslime in ganz Deutschland dazu motivieren wollte, ihre Nachbarn zu sich nach Hause u. a. zu einem Tee einzuladen und sich auszutauschen.
Förderung Bundesfamilienministerium Die MJD erhielt 2002 und 2003 vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Programms „Entimon – Gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus“ zugunsten seines Projektes „TA’RUF – Kennenlernen!“ Fördergelder.Erst prüfen, dann zahlen. Innen-Staatssekretär bestätigt Vorwürfe gegen Muslimische Jugend. Bundesjugendministerium will bei Förderung künftig vorsichtiger sein, Susanne Vieth-Entus. In: Der Tagesspiegel, 8. Dezember 2003 Das Projekt gewann junge Erwachsene unterschiedlicher Herkunft (muslimische und nicht-muslimische) als Moderatoren zwischen den Kulturen und fand sowohl unter Schulen als auch der Presse lobende Worte.Regina Köhler: In: Berliner Morgenpost, 5. Januar 2003 In: Berliner Morgenpost, 5. Januar 2003 Bundesverband Deutscher Kinder- und Jugendmuseen
Der Tagesspiegel berichtete jedoch am 7. November 2003 von einer Freitagsbotschaft der MJD („Freitagsnasiha“) und wertete diese Botschaft als indirekten Aufruf „zum Kampf gegen die USA“, der „Hass auf Juden“ werde geschürt. Chaban Salih, damaliger Schulprojektleiter der MJD, distanzierte sich von einer solchen Aussage der Botschaft, warb aber um Verständnis für die „sehr junge Gruppe“ der Autoren.