mini|Rohr (Mittelfranken)

Rohr (, fränkisch: RoaE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 62. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: rǫuɘ.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Roth.

Geographie Lage Die Schwabach durchzieht das Gemeindegebiet in West-Ost-Richtung auf dessen gesamter Länge. Sie gehört zum Wassereinzugsgebiet der Rednitz und nimmt in der Gemeinde mehrere kleine Nebenbäche auf. Im Norden fließt der Zwieselbach am Zwieselhof vorbei durch Hengdorf und Nemsdorf und mit seinem Nebengewässer, dem Regelsbach, durch den Gemeindeteil Regelsbach. Die Flusstäler und die am Südwestrand des Gemeindegebietes südlich von Gaulnhofen auf dem Hohbuck bis auf aufsteigenden Hügel prägen die Gemeindelandschaft, deren tiefster Punkt am Ausfluss der Schwabach auf liegt.

Geologie und Naturraum Im Gebiet der Gemeinde steht überwiegend der Sandsteinkeuper an, in den Mulden der großen Gewässer der Gipskeuper (Grabfeld-Formation). Es liegt auf den Bibert-Schwabach-Rezat-Platten im Unter-Naturraum Südliche Mittelfränkische Platten des Mittelfränkischen Beckens, die sich deutlich über dessen Unternaturraum Nürnberger Becken mit Sandplatten erheben, in dem Nürnberg und Fürth liegen.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Roßtal im Landkreis Fürth, im Nordosten an Stein (ebenfalls im Landkreis Fürth) und Nürnberg, im Osten an Schwabach, im Süden an Kammerstein und Windsbach im Landkreis Ansbach und im Westen Heilsbronn (ebenfalls im Landkreis Ansbach).

Gemeindegliederung Es gibt 16 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Einöde Untere Mühle zählt zum Gemeindeteil Rohr, der Weiler Unterprünst zum Gemeindeteil Prünst.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Gustenfelden, Prünst (Gemarkungsteil 1), Regelsbach und Rohr. Die Gemarkung Rohr hat eine Fläche von 11,388 km². Sie ist in 1697 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6710,71 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Christenmühle und Weiler.

Geschichte Frühzeit und Mittelalter Auf dem Gebiet der Gemeinde reichen Siedlungsspuren bis in die Mittlere Steinzeit zurück. Die damaligen Menschen waren allerdings Jäger und Sammler ohne festen Wohnsitz.

Bis ins 15. Jahrhundert sind aus der Gegend um Rohr nur vereinzelte Dokumente überliefert, so dass geschichtliche Ereignisse aus dieser Zeit nicht bekannt sind. Aus Urkunden und Testamenten sind aber zum Teil genaue Informationen über die Entstehungsgeschichte der Gemeindeteile ersichtlich.

Die erste nachweisliche geschichtliche Erfassung des Gebietes um Rohr befindet sich als „Mark des heiligen St. Emmeram“ um das Jahr 800 in einer Niederschrift des Abtes Richolt des Klosters Sankt Emmeram in Regensburg. Rohr war im Mittelalter der Hauptort der Emmeramer Klostermark. Die erste genauer datierbare Erwähnung stammt aus den Jahren 1166 und 1168. Bischof Otto aus Eichstätt weihte damals eine neue Kirche in Rohr („in Rore“). Der Ortsname Rohr leitet sich von Rohr ab, zurückzuführen auf den Schilfrohrbewuchs am Ufer der Schwabach.E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 62 f.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 192. Wahrscheinlich gab es bereits eine Siedlung auf der nördlichen Bachseite, bevor Rohr gegründet wurde. Der alte Name der Siedlung „Am Sande“ ist nicht bekannt. Adelige Grundherren (de Rore) sind zwischen 1265 und 1412 nachgewiesen. mini|Kreuzstein bei Rohr Erst während der Markgrafenkriege (1449 und 1552) sind wieder genauere Zeugnisse über das Gemeindegebiet um Rohr vorhanden. Viele ländliche Anwesen wurden Opfer von Plünderungen und Zerstörungen. 1632 flüchteten fast alle Gemeindebürger wegen der Plünderungen im Zusammenhang mit der Schlacht bei der Alten Veste nach Nürnberg. Dort raffte die Pest einen großen Teil der Flüchtlinge dahin. Bereits sieben Jahre später ereignete sich bei einem Brand in der Ortschaft Rohr die größte Katastrophe in der Geschichte der Gemeinde. Am 14. März 1639 brannte ein Großteil von Rohr nieder, als eine Bewohnerin das Unkraut in ihrem Garten verbrennen wollte. Aus Berichten geht hervor, dass mindestens achtzig Häuser, die Kirche, Wirtsstuben, das Pfarrhaus und die Schule (Mesnerhaus) dem Feuer zum Opfer fielen. Wegen des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf mindestens zehn Jahre nicht wieder aufgebaut und drohte zu verfallen. Erst nach dem Zuzug von österreichischen und oberpfälzischen Glaubensflüchtlingen konnten die Dörfer und die Kirche wieder aufgebaut werden.

Rohr in der Neuzeit Im 18. Jahrhundert war die Gemeindepolitik überwiegend von den Streitigkeiten der zahlreichen Grundherren geprägt, die sich die Fluren der Gemeinde teilten. Gegen Ende des Heiligen Römischen Reiches (Ende des 18. Jahrhunderts) gab es in Rohr 52 Anwesen. Das Hochgericht südlich der Schwabach übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Schwabach aus und nördlich der Schwabach das Richteramt Roßtal. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Schwabach. Grundherren waren das Fürstentum Ansbach (32 Anwesen; Kastenamt Schwabach: 2 Ganzhöfe, 1 Halbhof mit Zapfenwirtschaft, 2 Köblergüter, 1 Gut mit Wirtschaft, 4 Gütlein, 1 Leerhaus; Kirche Rohr: 1 Halbhof, 1 Köblergut, 1 Gut mit Schmiede, 2 Gütlein; Spital Schwabach: 1 Ganzhof, 4 Köblergüter, 1 Gut mit Tafernwirtschaft, 1 Gut mit Gastwirtschaft, 3 Leerhäuser; Klosterverwalteramt Heilsbronn: 1 Ganzhof, 2 Halbhöfe, 2 Köblergüter, 1 Gütlein), das Hochstift Eichstätt (Kastenamt Abenberg: 1 Gütlein; Kastenamt Spalt: 1 Halbhof; Kollegiatstifte St. Emmeram und St. Nikolaus zu Spalt: 1 Gütlein), die Deutschordenskommende Nürnberg (2 Ganzhöfe, 1 Gütlein), die Reichsstadt Nürnberg (St. Klara-Klosteramt: 1 Gütlein, 1 Gütlein mit Zapfenwirtschaft; Landesalmosenamt: 1 Ganzhof, 1 Zweidrittelhof, 1 Köblergut, 2 Gütlein), Nürnberger Eigenherren (von Grundherr: 1 Mahlmühle; von Nützel: 1 Köblergut, 1 Gut mit Schmiede; von Scheurl: 1 Ganzhof, 1 Halbhof, 1 Gütlein; von Stromer: 1 Gütlein). Neben den Anwesen gab es noch die Pfarrkirche, den Pfarrhof und kommunale Gebäude (Hirtenhaus, Schule).F. Eigler: Schwabach, S. 419 f.

Rohr wurde wie das Fürstentum Ansbach ab 1792 von Preußen verwaltet. Nach mehreren Jahrhunderten unter markgräflicher Herrschaft fiel die Gemeinde Rohr 1797 an die Kreisdirektion Schwabach, als die preußischen Verwalter eine neue Ämterordnung einführten. Damit wurde auch die Teilung des Gemeindegebietes beendet. Seit der Auflösung des Ämterwesens im Jahr 1806 gehörte Rohr zum Königreich Bayern.

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Rohr gebildet. Zu der I. Sektion gehörten Christenmühle, Rohr und Weiler, zu der II. Sektion Dechendorf, Gaulnhofen, Leuzdorf und Prünst. 1818 entstand die Ruralgemeinde Rohr, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt Sektion I. war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schwabach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Schwabach (1919 in Finanzamt Schwabach umbenannt). Ab 1862 gehörte Rohr zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Schwabach (1879 in Amtsgericht Schwabach umbenannt).F. Eigler: Schwabach, S. 483 f. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 11,396 km².

Historische Einwohnerzahlen Gemeinde Rohr (jeweiliger Gebietsstand) Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 Einwohner 467 501 635 662 622 627 622 616 630 594 599 591 582 577 586 621 646 633 888 904 727 796 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 71 86 99 101 105 106 107 124 129 Quelle Für die Gemeinde Rohr zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Christenmühle (S. 16) und Weiler (S. 101). Rohr: 415 Einwohner, 74 Häuser; Untere Mühle: 16 E., 2 H. Rohr: 544 Einwohner; Untere Mühle: 8 E. Rohr: 534 Einwohner, 87 Wohngebäude; Untere Mühle: 7 E., 1 Wgb. Rohr: 519 Einwohner, 93 Wohngebäude; Untere Mühle: 8 E., 1 Wgb.

Ort Rohr mit Untere Mühle Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 407 431 586 552 541 527 547 789 660 733 901 Häuser 60 76 88 94 95 112 117 239Quelle

Eingemeindungen Am 1. Mai 1978 wurden die Gemeinden Gustenfelden, Prünst und Regelsbach im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Rohr eingemeindet.

Von 1978 bis 1997 war die Gemeinde Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Schwabachtal.

Einwohnerentwicklung

Dargestellt wird hier die summarische Entwicklung der Hauptwohnsitze aller heutiger Ortsteile Rohrs. Zwischen 1987 und 2024 wuchs die Einwohnerzahl der Gemeinde Rohr von 2.809 auf 3.733 um 924 Einwohner bzw. um 32,9 %.

Quelle: 1840–2015 / 2020–2024

Gebäudeverteilung Gebäude- und Wohnungsbestand am 31.12.2024Anzahl der Wohngebäude1.204Anteil der Gebäude mit 1 Wohnung71,8 %Anteil der Gebäude mit 2 Wohnungen20,6 %Anteil der Gebäude mit 3 oder mehr Wohnungen7,6 %Anzahl der Wohnungen in Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden1.732Durchschnitt Einwohner je Wohnung2,16Durchschnittl. Wohnfläche je Wohnung126,4 m²

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat von Rohr setzt sich aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister zusammen. CSU SPD FW DUW* Gesamt 2026 5 3 4 4 16 Sitze 2020 5 5 4 2 16 Sitze 2014 5 5 4 2 16 Sitze *Die Unabhängigen Wähler

Bürgermeister Felix Fröhlich (SPD), der seit Mai 2014 im Amt ist, wurde in der Wahl vom 8. März 2026 mit 88,7 % der gültigen Stimmen im ersten Wahlgang wiedergewählt. Ein Direkter Gegenkandidat trat in der Wahl nicht an. In der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats am 6. Mai 2026 wurde Klaus Popp (FW) als zweiter Bürgermeister im Amt bestätigt. Zum Dritten Bürgermeister wurde Klaus-Dieter Gugel (DUW) gewählt.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß-rot.

Kommunale Allianz KABS Rohr ist Teil der Kommunalen Allianz KABS, die 2007 von den politischen Gemeinden Kammerstein, Abenberg, Büchenbach und Spalt gegründet wurde und der Rohr im Dezember 2014 beigetreten ist. Neben einer intensiven Zusammenarbeit der Verwaltungen und gemeindlichen Einrichtungen, insbesondere auch der Betrieb eines Wertstoffhofes in Büchenbach, ist die Sicherung der gemeindlichen Schulstandorte ein wichtiges Thema.Kommunale Allianz KABS

Bildung Grundschule Regelsbach Volkshochschule Rohr Evangelischer Kindergarten Rohr

Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater Amateurtheatergruppen der Gemeinde Rohr: Theatergruppe Rohr e. V. (seit 1979) Theatergruppe Regelsbach

Baudenkmäler

mini|hochkant=0.8|Kirche St. Emmeram Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Emmeram im Gemeindeteil Rohr aus dem Jahre 1493 Im Jahre 1192 weihte Bischof Otto von Eichstätt in Rohr eine Steinkirche, die einen früheren Bau aus Holz ersetzte. Nach dem Dorfbrand von 1639 wurde die Kirche erst nach dem Krieg innerhalb weniger Monate im Jahre 1650 wieder (notdürftig) aufgebaut. Die benötigten Gelder stammten von den verbliebenen Bewohnern der Gemeinde und den umliegenden Amtsstädten. Der Turm und das Glockenhaus wurden erst im Jahre 1655 wieder aufgebaut. Neue Glocken erhielt die Rohrer Kirche am 19. Januar 1667. Als sie am 23. Januar zum ersten Mal erklangen, war Rohr beinahe 28 Jahre ohne Kirche gewesen. Die Form der Kirche ist unverändert erhalten geblieben. Während das Langhaus der Kirche im barocken Stil errichtet wurde, stammen Chor und Turm aus der Gotik. Es ist anzunehmen, dass das Langhaus dem Feuer zum Opfer gefallen, der Chor jedoch verschont geblieben war. Für den Turm wurde die Kirche St. Johannes Baptist in Eibach als Vorlage verwendet. Im Inneren dominiert eine weitläufige Emporenanlage an der Ost- und Nordostseite, die 1697 eingebaut wurde. Um diese Zeit wurde die Inneneinrichtung dem Stil der Zeit angepasst. 1696 wurde die Kanzel geschaffen, 1715 kam der Hochaltar hinzu, der vom Ansbacher Hofbildhauer Fischer und dem Maler Johann Roßbach entworfen wurde.