mini|Wappen Herzog Albrechts II., der »Mecklenburgische Stierkopf« (1349) Der erste erwähnte Herrscher in der Region Mecklenburg nach der Völkerwanderung ist Witzan, ein Kriegsfürst der Obotriten, der 780 einen Vertrag mit dem Frankenkönig Karl dem Großen schloss und mit Hilfe der Franken Schwerin eroberte. Damit begründete dieser eine Dynastie slawischer Samtherrscher, legalisiert durch den fränkischen König. Aus fränkischer Sicht sind die Abotriten Vasallen, denen der fränkische König alle Slawen an der Ostsee unterstellt. Das sind nach dem Vertrag alle Stämme östlich des Limes Saxoniae also Ranen, Wilzen, Polaben, Lutizen, Dänen, Nordalbingier und Wagrier, die in der Mehrzahl mit reichlich fränkischer Unterstützung unterworfen werden.
Überblick Die Samtherrscher werden von den fränkischen Chronisten abwechselnd als reguli („kleine Könige“), duces („Führende, Herzöge“), principes („Erste, Fürsten“), meliores („Bessere“), praestantiores („Vorzügliche“) oder primores („Vornehmere“) bezeichnet und sind zu Tribut und Heerfolge verpflichtet. Der Begriff Samtherrscher ist ein Kunstbegriff, da die tatsächliche Position der slawischen Fürsten im Frankenreich nicht immer klar war.
Nach der Reichsversammlung 826 brach Ceadrag den Vasallenvertrag und wendete sich den heidnischen Dänen zu. In der Folge wurde aus dem Abotritenland das dänische Wendland, das trotz mehrerer erfolgreicher Heerzüge unter dem ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen nicht in das Vasallenverhältnis zurück gezwungen werden kann. Zwischen 862 und 955 galt das Wendland als Teil des Dänischen Reiches, und dementsprechend entstand eine Überlieferungslücke in den fränkischen Chroniken. Dabei verstanden die Dänen unter Wendland die gesamte Küste des heutigen Mecklenburg-Vorpommern.
Erst 955 gelang es, in der Schlacht an der Raxa das Abotritenland wieder unter fränkische Kontrolle zu bringen. In der Folge herrschte die christliche Dynastie der Nakoniden bis 1071. Dabei war sie seit 936 dem Heerführer und Stellvertreter des Königs Hermann Billung und dessen Nachfahren den sächsischen Stammesherzögen unterstellt.
1071 wurden die Nakoniden durch den Wagrier Kruto mit Hilfe der Ranen und Dänen geschlagen. Unklar ist, ob Kruto das ganze Abotritenland erobern und beherrschen konnte und ob der Name auf die dänische Knýtlinga saga zurückgehen könnte. 1093 wurde der gealterte Kruto von dem letzten Nakonidenspross Heinrich von Alt-Lübeck geschlagen. Diesem gelang es in den folgenden 30 Jahren wieder, die Herrschaft über Rügen und Vorpommern zu erlangen. 1127 wurden er und seine Nachkommen von Heiden erschlagen, womit er als christlicher Märtyrer starb. Knud Lavard, dänischer Jarl von Schleswig erkaufte sich 1129 das Abotritenland als Lehen vom römisch-deutschen König Lothar III., der 1106 die Nachfolge des kinderlos gestorbenen sächsischen Stammesherzogs Magnus angetreten hatte und 1125 zum König geworden war. Knud hatte nur wenig Zeit, sein Lehen zu beherrschen, denn schon zwei Jahre später starb er.
Mit Lubimar und seinem jüngeren Bruder Niklot traten 1131 zwei Herrscher ins Licht, deren Geschlecht künftig mit der Geschichte Mecklenburgs verknüpft ist. Ihre Herkunft ist unbekannt. Das Haus Mecklenburg stammt in gerader Linie von Niklot ab, dem letzten Samtherrscher des slawischen Stammes der Abodriten im engeren Sinn. Dieser fiel vermutlich zusammen mit seinem Bruder Lubimar 1160 gegen den sächsischen Stammesherzog Heinrich den Löwen. Niklot hatte seinen Ursprungssitz auf der Burg Mecklenburg in der Nähe von Wismar. Lubimar wurde als Herr der Burg Werle benannt, gegen die der Angriff von Heinrich dem Löwen geführt wurde.
Seit 1167 in deutschrechtlichem Lehnsverband – zunächst unter den Sachsen – wurde Mecklenburg 1348 reichsunmittelbares Territorium und das Herrschergeschlecht als Herzöge zu Mecklenburg tituliert. Trotz der drei Mecklenburgischen Hauptlandesteilungen blieb das Land bis zum Ende der Monarchie ein Gesamtstaat. 1234 kam es zum ersten Bruch, und das Fürstentum wurde aufgeteilt. So entstanden die Teilherrschaften Werle, Parchim-Richenberg, Rostock und Mecklenburg. In der Neuzeit erfolgten Teilungen in zwei Teil-Herzogtümer – 1348 bis 1471 in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Stargard, 1555 bis 1694 in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow und 1701 bis 1918 in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Die Dynastie wurde jedoch weiterhin stets als Gesamtensgemeinschaft belehnt, und die Regenten beider Landesteile führten stets identische Titel, was zu diplomatischen Verwirrungen führte.
Durch den Wiener Kongress 1814/15 erfuhren beide regierenden Herzöge eine Rangangleichung mit dem Titel Großherzog von Mecklenburg und der persönlichen Anrede Königliche Hoheit. Beide Landesteile wurden fortan als Großherzogtümer bezeichnet. Neben beiden Regenten, beiden Thronfolgern und den jeweils zugehörigen Ehefrauen führten alle anderen Mitglieder der Fürstenfamilie weiterhin den Titel von Herzögen (Herzoginnen) zu Mecklenburg, abweichend von der allgemeinen Üblichkeit auch die Prinzen und Prinzessinnen. Die mecklenburgischen Regenten titulierten als „Herzog zu (ab 1815: Großherzog von) Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr“.
Am Ende der Monarchie zählte das Haus Mecklenburg zu den ältesten regierenden Fürstengeschlechtern in Deutschland. In der Weimarer Republik wurde der frühere Fürstentitel in den bürgerlichen Familiennamen „Herzog zu Mecklenburg“ bzw. „Herzogin zu Mecklenburg“ umgewandelt.
Namensliste Zu den Namen der Herzöge und dem Verwandtschaftsverhältnis zum Vorgänger ist die Herrschaftszeit angegeben. Da besonders im Mittelalter die Teilung in Herrschaften eine Rolle spielt, deren Verwaltung häufiger wechselte, sind eventuelle Herrschaftszeit/Regierungszeiten gesondert für den jeweiligen Herrscher vermerkt.
Herren im Obotritenland Erste Samtherrscher der Obotriten
Name (Lebensdaten) Regierungszeit AnmerkungenWitzan(* unbekannt; † 795)780–795Warlord und erster Samtherrscher der Obotriten, auch Visan benannt, 780 Bündnis mit Karl dem Großen bei Wolmirstedt, fiel in der Schlacht von Bardowieck 795 gegen NordalbingierDrasco(* vor 789; † 810)de facto 795; 804–810Samtherrscher der Obotriten, auch Thrasco benannt, Vasall Karls des GroßenSclaomir(* vor 789; †821)810–821Samtherrscher der Obotriten, Bruder des Drasco, Vasall Karls des GroßenCeadrag(* vor 789; † vermutlich 839)819–nach 826Samtherrscher der Obotriten, Sohn des Drasco, Geisel am dänischen Hof von Göttrik, Vasall Ludwig des Frommen, dann Vasall Göttriks, Ludwig entsendet 838/839 ein Heer gegen die abtrünnigen ObodritenGoztomuizli(* unbekannt; † 844)nach 826–844Jarl der Obotriten, auch Gotzomuizli, Gozzomiul, Gozzomuil, Gestimulus oder Gostomysl genannt, Vasall des dänischen Königs Horik I., Ludwig der Deutsche entsendet 844 ein Heer und Goztomuizli wird getötet.Tabomuizli(* unbekannt; † nach 844)nach 844– um 862Regent der Obotriten, Ludwig der Deutsche setzte keinen Samtherrscher ein, sondern teilt das Slawenland in vier Stammesbereiche und bestimmt Stammesfürsten reguli in civitate zu deren Landeshegern (slaw. piast=Heger, Pfleger).
Etwa zeitgleich wird Piast zum Regent der Polanen und Rastislav zum Regent von Mähren bestimmt. Tabomuizli wird 862 als Samtherrscher der Obotriten erwähnt.
In der Folge wird das Obotritenland zwischen 862 und 955 als Wendland Teil des Dänischen Reiches von Gorm der Alte (dänisch Gorm den Gamle) und aus slawischen Fürsten werden dänische Jarls. Daraus ergibt sich eine Überlieferungslücke in den fränkischen Aufzeichnungen. Der Polanen-Herzog Mieszko I. koaliert mit Harald Blauzahn, mit dem er die Pomoranen unterwirft, dann lässt er durch Palnatoki von Fünen die Jomsburg auf der Insel Wollin errichten.
Dynastie der Nakoniden
Name (Lebensdaten) Regierungszeit AnmerkungenStoignew(* unbekannt; † 955)931–955Fürst der Obotriten, auch Stoinef, Stoinnegus und Ztoignav benannt, älterer Bruder Nakon, fiel in der Schlacht an der Raxa 955 gegen Otto I. und dessen Heerführer Hermann BillungNakon(* unbekannt; † 965)955–965Fürst der Obotriten, Vasall des Markgrafen Hermann Billung, auch als Nacco oder Naqun bezeichnet und 931 zusammen mit Mieszko I. aus dem Geschlecht der Piasten und Fürst der Polanen getauft.Mistiwoj(* unbekannt; † 995)967–995Fürst der Obotriten, Vasall von Bernhard I. (Sachsen), verlor die Herrschaft über die Liutizen im Slawenaufstand von 983Mistislaw(* unbekannt; † 1028)995–1018Fürst der Obotriten, getauft als Udo, auch Uto, Mistizlavus und Missizla genanntVasall des Bernhard I. (Sachsen), floh 1018 nach einem Angriff der Liutizen aus Mecklenburg in den BardengauPribignew(auch Udo)(* unbekannt; † 1028)1020–1028christlicher Fürst der Obotriten, ev. getauft als (Pribi-)Gneus, um 1036 als Vasall Bernhard II. (Sachsen), gleichzeitig wird Anadrog als Fürst zu Mecklenburg und Ostholstein und Sederich als Fürst von Wangria genannt.Ratibor(* um 1000; † 1043) 1028–1043christlicher Fürst der Obotriten und Polaben, auch Ratse oder Rettibur, Sohn Mstivojs und Vasall von Bernhard II. (Sachsen), wurde von Dänen in der Schlacht auf der Lürschauer Heide 1043 erschlagenGottschalk der Wende(* um 1000; † 1066 in Lenzen)1043–1066christlicher Fürst der Obotriten, Vasall von Bernhard II. (Sachsen), zu seiner Zeit erstarkte der Widerstand gegen Christianisierung und die Nakoniden-Herrschaft, Ausbau der Burg Liubice (Alt-Lübeck), wurde mit Schwager Blusso erschlagenBudivoj von Liubice(* unbekannt; † 1066)um 1066–1071christlicher Fürst der Obotriten, Bruder des Heinrich, auch Butue oder Buthue genannt,vom nach Unabhängigkeit strebenden Fürsten Kruto auf der Inselburg Plön oder Plune getötet
Wechselnde Herrscher
Name (Lebensdaten) Regierungszeit AnmerkungenKruto von Starigard und Werle(* unbekannt; † um 1090)1066–ca. 1090Jarl der Obotriten, auch Crito genannt, Sohn eines Grin (oder Grimmus) von Starigard, getötet in der Schlacht bei Schmilau 1093 durch Heinrich von LiubiceHeinrich von Liubice(* vor 1066; † 22. März 1127)1093–1127Samtherrscher der Obotriten, letzter Nakonide, formaler Vasall der Dänen und Deutschen, kämpft erbittert gegen Krutos Sohn Wartislaw von RügenKnud Lavard(* um 1100; † August 1160)1129–1131dänischer Samtherrscher der Obotriten, Jarl in Süderjütland, Sohn des dänischen Königs Erik I. Ejegod, erkauft sich das Lehen bei Lothar III. Die slawischen Fürsten Mitzlaw von Gützkow und Race werden 1128 Jarls von Knud.
Dynastie der Niklotiden
Name (Lebensdaten) Regierungszeit AnmerkungenLubemar(* um 1100; † August 1160)1131–1160(älterer Bruder Niklots) Jarl im Lande Werle in Wangria und dänischer Vasall, 1138 und 1150 sind Race und Roche zwei Enkel Krutos als konkurrierende Herrscher erwähnt.Niklot(* um 1100; † August 1160)1131–1160Fürst der Obotriten, fiel durch Heinrich den Löwen 1160 an der Burg Werle, Mecklenburg wird wieder Teil des römisch-deutschen ReichesWertislav(* unbekannt; † 1164)1160–1164(Sohn Niklots), Fürst der Obotriten, Herr der Burg Werle, 1162 in Geisel am sächsischen Hof, 1164 gehenkt durch Heinrich I. beim Aufstand PribislavPribislav(* unbekannt; † 30. Dezember 1178)1167–1178(Sohn Niklots), Fürst der Obotriten, Herr von Mecklenburg, Vasall des römisch-deutschen Reiches
Linie Pribislaw
Name (Lebensdaten) Regierungszeit AnmerkungenHeinrich Borwin I.(† 28. Januar 1227)1178–1219(Sohn von Pribislav)Nikolaus I.(* vor 1164, † 25. Mai 1200)1183–1200(Sohn von Wertislav), Herr von RostockHeinrich Borwin II.(* um 1170; † 5. Juni 1226)1219–1226(Sohn von Heinrich Borwin I.), Herr von RostockNikolaus II.(* vor 1180; † 28. September 1225)(Sohn von Heinrich Borwin I.), Herr von Mecklenburg
Linie Johann I. (Mecklenburg)