Tefnut (auch Tefnet; weitere Beinamen: „Nubische Katze“, „Wahrheit“) ist eine altägyptische Göttin, die zu den neun Schöpfergottheiten der heliopolitanischen Kosmogonie (Enneade von Heliopolis) gehört. Sie symbolisierte das Feuer. Frühere Annahmen, dass Tefnut die Feuchtigkeit darstelle, wurden in der Ägyptologie inzwischen verworfen.Jan Assmann: Tod und Jenseits im alten Ägypten. München 2001, S. 30; Susanne Bickel: La cosmogonie égyptienne. Göttingen 1994, S. 169; Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne. Das sogenannte Nutbuch. Kopenhagen 2007, S. 192–194.
Etymologie In den Pyramidentexten ist für Tefnut im Zusammenhang des Himmelsaufstiegs vom König (Pharao) neben ihrem Namen Die Waise das Epitheton Die Wahrheit belegt. Außerdem sieht sich der König als Osiris, der das Wasser verkörpert:
In den Sargtexten des Mittleren Reichs wird auf den Beinamen der Tefnut Bezug genommen, wobei das theologische Schöpfungskonzept auf den Pyramidentexten fußt: Da sagte Atum: Tefnut ist meine lebendige Tochter, sie ist zusammen mit ihrem Bruder Schu. „Leben“ ist sein Name, „Wahrheit“ ist ihr Name…„Leben“ schläft mit meiner Tochter „Wahrheit“.
Abstammung Zusammen mit ihrem Bruder, dem Luftgott Schu, war sie die erste, die aus dem Körper der Schöpfergottheit Atum hervorgegangen ist, und somit entstand die Zweigeschlechtlichkeit. Über die Abstammung Tefnuts existiert noch eine weitere Version, in der sie und Schu Kinder der Isis sind und in Chemmis geboren wurden. Im Planetenkapitel des Nutbuches wird die Geburt der Tefnut im Zusammenhang der Geburt von Horus beschrieben:
Neben der mythologischen Vorstellung, dass Atum die Götter Schu und Tefnut durch Masturbation erzeugte, beschreibt das Nutbuch eine abweichende Schöpfungsversion. Tefnut wird als Kat und somit als Vulva definiert. Das Ausführungen des Nutbuches spielen auf die Pyramidentexte anPT 1653 und PT 2065., wo Atum seine Arme in Form der Hieroglyphe KakA um Schu und Tefnut legt, um beide zu beseelen. Während das Ka in Atum noch zweigeschlechtlich ist, trennt Atum durch diesen Schöpfungsvorgang das Ka in das männliche (Ka) und weibliche (Kat) Prinzip. Die Bezugnahme auf die Geburt des Horus verweist auf Haroeris als kosmischer Horus. Sein linkes Horusauge symbolisiert den Mond und Tefnut; das rechte Horusauge die Sonne und Schu.Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne. Das sogenannte Nutbuch. Kopenhagen 2007, S. 192–193. Bei Atum handelt es sich aufgrund von anderen Aussagen in den Pyramidentexten wahrscheinlich um eine Gleichsetzung mit dem kosmischen Horus als Haroeris,Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne. Das sogenannte Nutbuch. Kopenhagen 2007, S. 194. der öfter auch als 10. Gott der Neunheit von Heliopolis benannt ist.
Bedeutung Schu und Tefnut bildeten das Paar, das die Götter erzeugt hat: Sie gelten als Eltern des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut. Überall, wo Tefnut erwähnt wird, geschieht dies zusammen mit Schu, sie sind die Zwillinge schlechthin. Auch wird Tefnut nicht als Löwin, sondern als nubische Katze beschrieben. Wenn aber Zorn sie packt, verwandelt sie sich immer wieder in eine „wilde Löwin“. Tefnut ist die Uräusschlange, die zugleich als Sonnenauge wirkt. Im Mythos Die Heimkehr der Göttin heißt es:
Die ungebändigte Kampfeslust der Löwin entlädt sich nun in ihrer Macht als Stirnschlange des Re. Der Papyrus Harris sagt: „Wenn Re den Himmel jeden Morgen durchfährt, dann ruht Tefnut auf seinem Haupt und sendet ihren Feuerhauch gegen seine Feinde“. Die Doppelseitigkeit ihres Wesens kommt auf einer Inschrift in Philae zum Ausdruck: „Als Sachmet ist sie zornig, als Bastet fröhlich“. Beide, Sachmet, die grimmige Löwin, und Bastet, die heitere Katze, sind in Tefnut vereint. Nach der späteren Verschmelzung der Götter Atum und Re zu „Atum-Re“ wurden Schu und Tefnut damit auch zu Kindern des Re.
Darstellung Dargestellt wurde Tefnut menschengestaltig mit einem Löwenkopf oder in ihrem Hauptkultort Leontopolis (Löwenstadt) als Löwe. Sie trägt eine Sonnenscheibe auf dem Kopf, die von zwei Schlangen umringt ist. Daher trägt Tefnut auch den Beinamen „Herrin der Schlange“ oder „Stirnschlange am Haupte aller Götter“. In Buto kennt man sie als flamingogestaltiges „Kind des unterägyptischen Königs“, in Elkab erscheint sie in Gestalt eines Geiers.
Siehe auch Liste ägyptischer Götter
Literatur Jan Assmann: Tod und Jenseits im alten Ägypten. Beck, München 2001, ISBN 3-406-46570-6. Susanne Bickel: La cosmogonie égyptienne: Avant le nouvel empire. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, ISBN 3-7278-0950-7. Christian Leitz u. a.: Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen. (LGG) Band 1: A – i (= Orientalia Lovaniensia Analecta. Band 110). Peeters, Leuven 2002, ISBN 90-429-1146-8, S. 405–408. Ursula Verhoeven: Tefnut In: Wolfgang Helck: Lexikon der Ägyptologie. Band 6: Stele-Zypresse. Harrassowitz, Wiesbaden 1986, ISBN 3-447-02663-4, S. 296–304. Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne. Das sogenannte Nutbuch. The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies (u. a.), Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5.
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Einzelnachweise
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