Die Bahnstrecke Gera Süd–Weischlitz (auch: Elstertalbahn) ist eine eingleisige Hauptbahn in Thüringen und Sachsen, die ursprünglich durch die Sächsisch-Thüringische Eisenbahngesellschaft erbaut und betrieben wurde. Sie verläuft im Tal der Weißen Elster von Gera über Greiz und Plauen nach Weischlitz.
Im Netz der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen war die Verbindung Gera–Weischlitz mit ihren insgesamt acht Tunneln die tunnelreichste Strecke.
Geschichte
Planung Vor dem Bau der Elstertalbahn war das ostthüringisch-sächsische Vogtland nur durch die Strecke Leipzig–Hof und durch eine kurze Stichbahn von Brunn nach Greiz durch Eisenbahnen erschlossen gewesen. Insbesondere die Strecke Leipzig–Hof führte dabei großräumig über die Höhenrücken und damit weitab von den sich entwickelnden Industrien im Tal der Weißen Elster. 1868 gründete sich darum in Greiz der „Thüringisch Vogtländische Eisenbahnverein“, der das Projekt einer direkten Verbindung von Gera durch das Elstertal nach Plauen vorantrieb. Die Strecke sollte auch dem überregionalen Nord-Süd-Verkehr dienen und war damit auch eine direkte Konkurrenz zur sächsischen Staatsbahn Leipzig–Hof. Für den Bau sprachen hingegen auch strategische Gründe, weshalb der sächsische Landtag und die Regierung dem Bau schließlich zustimmten. Preußen hatte zu diesem Zeitpunkt zudem schon eine Bahn Gera–Schleiz–Hof projektiert, die Sachsen im Nord-Süd-Verkehr nicht berührt hätte. Im Mai 1870 schlossen das Fürstentum Reuß ältere Linie und das Königreich Sachsen einen Staatsvertrag, der den Bau durch eine private Gesellschaft vorsah. Dem Thüringisch Vogtländischen Eisenbahnverein gelang es allerdings in der Folge nicht, die benötigten finanziellen Mittel einzuwerben.
Im Jahr 1872 legte die neu gegründete Sächsisch-Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft mit Sitz in Greiz den Plan erneut vor und erhielt von den beteiligten Staaten die Konzession für den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Wolfsgefährth über Berga, Greiz, Elsterberg und Plauen nach Weischlitz. Die Gesellschaft war zur Herstellung von direkten Anschlüssen an die Strecken Gera–Eichicht, Greiz–Brunn und Plauen–Eger verpflichtet. Zudem bestand das Recht zum Erwerb der Greiz-Brunner Eisenbahn-Gesellschaft, bei Zustimmung derselben war sie dazu verpflichtet.
Bau mini|links|Schlossbergtunnel in Greiz, das Profil ist für zweigleisigen Betrieb ausgelegt (2014) Am 15. November 1872 begannen die Bauarbeiten durch die Firma Plessner & Co. Ausgangspunkt war der Bahnhof Wolfsgefärth an der schon vorhandenen, heutigen Bahnstrecke Leipzig–Probstzella. Die Trasse im Elstertal erforderte insgesamt acht längere Tunnel und fast 30 größere Brücken zur Querung der Weißen Elster. Nach dem Konkurs der Eisenbahnbaugesellschaft im Januar 1875 infolge der Wirtschaftskrise von 1873 musste die Sächsisch-Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft den Bau allein zu Ende führen.
Der Abschnitt von Wolfsgefärth bis Greiz ging am 17. Juli 1875 in Betrieb. Als zweiter Abschnitt wurde die Strecke von Greiz bis Plauen unterer Bahnhof am 8. September in Betrieb genommen, der letzte Abschnitt bis Weischlitz folgte am 20. September desselben Jahres, hier mündet die Strecke in die Bahnstrecke Plauen–Eger ein.
Die enormen Kosten für die Ingenieurbauwerke und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise trieben die Sächsisch-Thüringische Eisenbahngesellschaft 1876 in den finanziellen Notstand, so dass die Strecke am 1. Juli 1877 an die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen verkauft werden musste. mini|links|Liebschwitzer Viadukt (2013) Die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen eröffneten am 1. Dezember 1892 eine eigene Trasse vom sächsischen Bahnhof Gera (Reuß) Sächs Stsb (heute Gera Süd) über Gera Ost und Gera-Liebschwitz nach Wünschendorf. Die ursprüngliche Anbindung an den preußischen Bahnhof Wolfsgefärth wurde gleichzeitig aufgegeben. Die neue Trasse machte bei Liebschwitz eine aufwändige neue Brückenkonstruktion über die weiße Elster und ihre Überflutungsflächen notwendig.
Nachkriegszeit Die Elstertalbahn ist durchgängig für den zweigleisigen Betrieb trassiert (Tunnel, Brückenwiderlager). Tatsächlich verlegt wurde das zweite Gleis nur zwischen Gera Süd und Wünschendorf (in Betrieb ab 29. April 1911) und zwischen Plauen (Vogtl) Chrieschwitz und Plauen (Vogtl) unt Bf (in Betrieb ab 1. Juni 1923). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es 1945/46 als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert und später nie wieder aufgebaut.Daten auf sachsenschiene.net
Am 16. April 1945 wurde die Elstertalbrücke der Bahnstrecke Leipzig–Hof von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Die Trümmer unterbrachen auch die Elstertalbahn bei Barthmühle. Erst im Herbst 1945 konnte der durchgehende Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg besaß die Strecke für den Güterverkehr eine große Bedeutung, da die Städte an der Weißen Elster wichtige Industriestandorte waren. Es verkehrten außerdem einige Fernzüge in die Tschechoslowakei, da noch bis in die 1970er Jahre die Strecke Leipzig–Hof nach den Demontagen der Nachkriegszeit eingleisig und wenig leistungsfähig war. Analog dazu wurde auch die Bahnstrecke Werdau–Mehltheuer als Entlastungsroute genutzt, allerdings für Verbindungen nach Süddeutschland. Nachdem die Verbindung Leipzig–Plauen (Vogtl) ob Bf ab 1980 wieder komplett zweigleisig war, ließ auch die Auslastung der Elstertalbahn nach. Trotzdem wurde zu Beginn der 1980er Jahre mit dem Ex 68 Karola (Leipzig–Gera–Karlsbad) nochmals eine hochwertige Fernverbindung mit Dieseltriebzügen über die Elstertalbahn geleitet. Möglich wurde dies, als der Vindobona (Berlin–Wien) 1979 auf lokbespannte Züge umgestellt wurde und die vorher dort eingesetzten Schnelltriebwagen anderweitig verfügbar waren. Ab 1981/82 verkehrten auf der Elstertalbahn nur noch Züge des Güter- und Nahverkehrs. Nach der Deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 ging die Bedeutung der Strecke weiter zurück. Im Fahrplan 1992/93 war lediglich je ein Eilzug-Paar Greiz–Erfurt(–Fulda) bzw. Gera – Adorf (Vogtl) vorgesehen. Der Güterverkehr beschränkte sich schon bald auf wenige Züge nach Greiz–Dölau und einige Durchgangsgüterzüge nach Tschechien. Die abzweigende Strecke Greiz–Neumark wurde 1999 stillgelegt und abgebaut.
Neue Entwicklungen mini|links|Situation im Süden von Gera im Jahr 2017. Die Strecke Gera–Weischlitz zweigt in Wolfsgefärth aus der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella ab, die seit 1892 bestehende parallele Trasse Gera Süd–Wolfsgefärth über Gera-Liebschwitz ist seit 2016 stillgelegt. Am 24. Februar 2014 begann der Bau des neuen Haltepunkts Plauen (Vogtl) Mitte im Rahmen des Projektes „ÖPNV/SPNV-Verknüpfungsstelle Reichenbacher Straße“. Damit soll wieder eine bessere Verknüpfung der Strecke an die Plauener Straßenbahn hergestellt werden. Während der Baumaßnahmen war die Strecke zwischen Plauen-Chrieschwitz und Weischlitz bis 2. November voll gesperrt, sodass in diesem Abschnitt Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde. Pressemitteilung Verkehrsverbund Vogtland, 17. Juni 2014. Die Eröffnung fand am 7. September 2015 statt. Plauen (Vogtl) unt Bf und der Haltepunkt Plauen (Vogtl) Zellwolle werden seitdem nicht mehr bedient.
Aufgrund des sanierungsbedürftigen Zustandes des Liebschwitzer Viadukts (Langsamfahrstelle mit 10 km/h) prüfte die DB verschiedene Varianten für den zukünftigen Verkehr in Richtung Weischlitz. Im Jahr 2016 stellte die DB Netz AG die bis 1892 bestandene Verbindung im ehemaligen Bahnhof Wolfsgefärth (seit 1953 Gera-Röppisch, nicht zu verwechseln mit dem seit dem Jahr 2000 bestehenden neuen, weiter südlich befindlichen Haltepunkt Wolfsgefärth) wieder her, wobei anstelle des zwischenzeitlich aufgegebenen Bahnhofs nur eine Abzweigstelle errichtet wurde. Mit der Inbetriebnahme wurde nunmehr die seit 1892 bestehende sächsische Trasse über Gera Ost und Gera-Liebschwitz mit der Elsterbrücke stillgelegt und somit der weitgehend parallele Streckenabschnitt der Elstertalbahn außer Betrieb genommen. Die Züge fahren nunmehr ab Wolfsgefärth über die Bahnstrecke Leipzig–Probstzella nach Gera.
Im Rahmen des Schnellläuferprogramms der Deutschen Bahn wird die Bahnstrecke Gera Süd–Weischlitz bis Dezember 2025 mit digitaler Stellwerktechnik ausgerüstet. Die zwölf Stellwerke der Strecke werden dabei durch ein digitales Stellwerk am unteren Bahnhof in Plauen und 7 Gleisfeldkonzentratoren an der Strecke ersetzt. Der Umbau hat im Juli 2023 begonnen.
Nach Abschluss des Ausbaus der Bahnstrecke Weimar–Gera wird die Linie RB4 in das Ostthüringennetz übergehen und die zweistündlichen Fahrten des heutigen RE3 aufnehmen. Damit wird ca. 2030 die Erfurter Bahn die Verkehre auf der Bahnstrecke Gera Süd – Greiz übernehmen.
Heutiger Betrieb Personenverkehr
Der Reisezugverkehr wird seit dem 9. Dezember 2012 anteilig von der Vogtlandbahn und der DB Regio Südost betrieben. Die Vogtlandbahn betreibt Regionalbahnen zwischen Adorf bzw. Weischlitz und Gera, die Deutsche Bahn den Regional-Express im Abschnitt Greiz–Gera.
Auf der gesamten Strecke gibt es einen Zweistundentakt mit Kreuzung in Barthmühle zur vollen Stunde. Dieser wird zwischen Greiz und Gera auf einen Stundentakt mit Kreuzung in Berga/Elster kurz vor der halben Stunde verdichtet. Die Deutsche Bahn bindet einige dieser Züge bis Erfurt, Würzburg und Göttingen durch. Zu bestimmten Zeiten verkehren zwischen Greiz und Weischlitz Verstärkerleistungen der Vogtlandbahn, die Anschluss zum Regionalexpress in Greiz haben.
Sonderfahrten mit Dampflokomotiven finden meist an Wochenenden und Feiertagen im Herbst zwischen Gera und Cheb als „Elstertalexpress“ statt. Der „Halloren-Express“ fuhr erstmals im Frühjahr 2018 von Greiz nach Halle (Saale).
Güterverkehr
Im nördlichen Abschnitt der Strecke findet von Montag bis Freitag täglich Güterverkehr statt. Dabei werden zwei Betriebe in Wünschendorf und Greiz-Dölau an der Strecke bedient. Von und nach Wünschendorf befahren dabei mit Dolomit beladene Trichterwagen-Ganzzüge aus Caaschwitz die Strecke. Der Abtransport der Produkte erfolgt zum Teil ebenfalls über die Schiene. Der Abschnitt nach Greiz-Dölau wird montags, mittwochs und freitags bedient, wobei Kesselwagen zum Einsatz kommen. Die dabei transportierten Güter kommen aus Russland, Tschechien, Deutschland und den Niederlanden.
Weiterhin finden Übergaben zwischen Weischlitz und Plauen-Chrieschwitz statt. Die betreffenden Güterzüge kommen aus Zwickau und befahren die Strecke nach Plauen. Ab Plauen ob Bf verkehren die Züge auf der Bahnstrecke nach Cheb und wechseln in Weischlitz die Fahrtrichtung.
In unregelmäßigen Abständen findet auch überregionaler Güterverkehr über die gesamte Strecke statt.
Streckenbeschreibung Streckenverlauf mini|Strecke im Elstertal bei Berga (2014) mini|Elsterbrücke km 40,277 im Steinicht, mit Reisezug der Vogtlandbahn (2009)