Die Kassel Huskies (aktuelle Bezeichnung: EC Kassel Huskies) sind eine Eishockeymannschaft aus Kassel, die derzeit in der DEL2 antritt. Die zugehörige Marke ist auf die KSE Kassel Sport & Entertainment GmbH registriert.
Die Huskies steht in der Tradition der am 14. August 1967 gegründeten und 1987 in Insolvenz gegangenen Eissport-Gemeinschaft Kassel e. V. (ESG) sowie des 1987 gegründeten Nachfolgevereins Eissport-Club Kassel e. V. (EC). Ab 1994 war der Spielbetrieb dann in der EC Kassel Huskies Sportmanagement GmbH organisiert, die zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Eishockey Liga gehörte.
Die größten Erfolge feierte der Club im Jahre 1997 als deutscher Vizemeister und 2004 als deutscher Vizepokalsieger.
Nach der Saison 2009/10 fand der Profisport durch Lizenzentzug infolge eines Insolvenzantrags ein vorläufiges Ende.
Zur Saison 2010/11 wurde die vormalige Profimannschaft daraufhin vom 2001 gegründeten Eishockey Jugend Kassel e. V. (EJK) unter dem Namen EC Kassel Huskies in der Hessenliga neu aufgebaut. Die vorrangig aus (ehemaligen) Nachwuchsspielern zusammengestellte Mannschaft konnte gleich in ihrer ersten Saison die Meisterschaft erreichen und stieg zur Saison 2011/12 in die Oberliga West auf. Zwei Jahre später schaffte man mit dem Aufstieg in die DEL2 die Rückkehr in den Profi-Betrieb zur Spielzeit 2014/15.
Fortan wurde der Spielbetrieb in die vom damaligen Hallenbetreiber Simon Kimm und Joe Gibbs neu gegründete KSE Kassel Sport & Entertainment GmbH überführt, an der der EJK e. V. nicht beteiligt ist. 2017 ging die Eigentümerschaft über Eissporthalle Kassel und KSE GmbH auf Joe Gibbs allein über, ab 2021 erfolgte die schrittweise Übertragung von Halle und Club an den Investor Paul Sinizin als Eigentümer bzw. alleinigem Gesellschafter. Entgegen der bisweilen selbst genutzten Bezeichnung „Verein“ handelt es sich bei den Kassel Huskies damit um ein Wirtschaftsunternehmen in 100 % Privatbesitz.
2016 konnten die Kassel Huskies die DEL2-Meisterschaft erringen.
Geschichte Eishockey in Kassel vor und nach Vereinsgründung (bis 1980) mini|Schlittschuhlaufen auf dem Schlossteich, Winter 1900–1901 mini|Karlsaue Die Karlsaue war bereits im 19. Jahrhundert ein beliebter Ort zum Schlittschuhlaufen im Winter.Abhandlungen u. Bericht des Vereins für Naturkunde zu Kassel, 1900, S. 2. Schlittschuhlaufen wurde in Kassel „Schrittschuhlaufen“ genannt.Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte, J.J. Bohné, 1911, S. 302. Ein Foto des Hoffotografen Carl Eberth aus dem Jahr 1926 zeigt, wie Jugendliche Eishockey auf der zugefrorenen Fulda spielen. 1966 kam Helmut Spohr (ein ehemaliger Fußballspieler des KSV Hessen Kassel) auf die Idee Eishockey in Kassel einzuführen, dieser Gedanke entstand während des Schlittschuhlaufens auf dem gefrorenen Teich in der Karlsaue.
Spohr stellte daraufhin zusammen mit Viktor Klement das Tennisgelände des ESV Jahn Kassel im Aschrottpark zur Verfügung, auf dem anschließend mit Wasserschläuchen im Winter für die entsprechende Eisfläche gesorgt wurde.EISHOCKEY-FINALIST KASSEL IN DER AUSSENSEITERROLLE Die Huskies sind jetzt die Underdogs Kurze geschichtliche Wiedergabe Durch die unregelmäßigen Wetterbedingungen wurde dieses Vorhaben jedoch erschwert und nur an Wintertagen ermöglicht.
Die in der Freizeit ausgetragenen Eishockeyspiele erlangten großes Interesse, sodass ebenso die Geschichte des ersten Eishockeyvereins aus Kassel nicht lange zurückreicht. Die damals noch als ESG Kassel bekannte Eissportgemeinschaft wurde am 19. Februar 1977 gegründet, als im selben Jahr die Kasseler Eissporthalle von Edith und Simon Kimm, den damaligen Geschäftsführern, in Betrieb genommen wurde. Mit der Eröffnung der Eissporthalle wurde somit eine überdachte Spielstätte für den Eishockeysport geschaffen.
Eine Sportart auf dem Eis in einer überdachten Halle war im Jahre 1977 etwas ganz Neues in Kassel. Noch im Jahr der Eröffnung startete die ESG Kassel in der Saison 1977/78 ihre erste Spielzeit in der Regionalliga, der damals vierthöchsten Spielklasse, und trug am 30. Oktober 1977 unter dem kanadischen Trainer Danny Coutu das erste offizielle Heimspiel aus. Vor respektablen 900 Zuschauern verlor die Eissportgemeinschaft aus Kassel dieses Spiel jedoch mit 2:5 gegen den SV Brackwede. Da das Interesse an dieser in Nordhessen neuen Sportart offensichtlich groß war, kamen trotz anfänglicher Niederlagen teilweise bis zu 3.000 Zuschauer und Kassel etablierte sich obgleich der ersten Vereinssaison im Mittelfeld der Liga.
Saison Liga Vorrunde Endrunde 1977/78 RL 5. Platz keine 1978/79 RL 5. Platz keine 1979/80 RL 1. Platz 3. Platz
Um überhaupt eine Eishockeymannschaft aufstellen zu können, liefen für das Team anfangs ebenso Spieler auf, die zuvor in anderen Sportarten tätig gewesen waren. Dessen ungeachtet trat der Verein in seiner Anfangsphase überwiegend nur mit zwölf oder 13 Spielern an. Ein Beispiel stellt der damalige Stürmer Willy Kurrat dar, der mit seinen 52 Jahren zuvor die Fußballmannschaft des KSV Hessen Kassel trainiert hatte. Mit ihm belegte der Verein in seinen ersten beiden Spielzeiten den fünften Platz in der Vorrunde.
Für den ersten sportlichen Erfolg sorgte die ESG Kassel zusammen mit Gerry Hoag und Eric Wolf, die beide in der Regionalliga-Saison 1979/80 die erste kanadische Sturmreihe in der Geschichte des Vereins bildeten. Vor dem VERC Lauterbach und dem EC Nordhorn wurde die Eissportgemeinschaft im Jahre 1980 Meister der Regionalliga Süd-West und stieg bereits drei Jahre nach Vereinsgründung in die Oberliga auf, als sie die Aufstiegsrunde mit dem 3. Platz erfolgreich absolvierten.
Aufstieg in die 2. Eishockey-Bundesliga und Konkurs der ESG (1980–1987) Auch in der dritthöchsten Spielklasse etablierte sich der Aufsteiger schnell. Mit Herbert Heinrich und Shane Tarves – den bis heute einzigen Spielern, deren Trikotnummern in Kassel gesperrt wurden – verzeichneten sie ebenso in der Oberliga erste Erfolge. Bereits in den ersten beiden Jahren spielte der Verein als eine der besten drei Mannschaften der Vorrunde um den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Saison Liga Vorrunde Endrunde 1980/81 OL 3. Platz 4. Platz ↑ 1981/82 OL 2. Platz 2. Platz ↑ 1982/83 OL 1. Platz 5. Platz ↑ 1983/84 2. BL 7. Platz 1. Platz ↓ 1984/85 2. BL 6. Platz 1. Platz ↓ 1985/86 2. BL 3. Platz 5. Platz ↑ 1986/87 2. BL 2. Platz 7. Platz ↑ ↑ ↓ Auf-/Abstiegsrunde der jeweiligen Liga
Der Aufstieg wurde dennoch in der Endrunde 1980/81 knapp verpasst. In der darauf folgenden Spielzeit war Kassel zwar aus sportlicher Sicht aufgestiegen, jedoch konnte aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel der Einzug in die 2. Bundesliga nicht erfolgen. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt Kassel erlangte die Mannschaft dessen ungeachtet in der Saison 1982/83 unter Jorma Siitarinen, dem damaligen Trainer, nach drei Jahren Drittligazugehörigkeit den Oberliga-Meistertitel und stieg in die 2. Eishockey-Bundesliga auf.
Erfolgreich verzeichnete die „ESG“ in den ersten beiden Jahren den Klassenerhalt mit dem jeweils ersten Platz in den Relegationsrunden der Saison 1983/84 und 1984/85 und etablierte sich in der zweiten Liga. Bereits in der dritten Saison nach dem Aufstieg konnte die „ESG“ in der Saison 1985/86 um die Qualifikation zur ersten Bundesliga spielen.
Der schnelle Aufstieg der Mannschaft wurde in den ersten Jahren der Zweitklassigkeit finanziell nicht bewältigt, denn trotz des sportlichen Erfolges des Kasseler Eishockeyvereins mangelte es am finanziellen Hintergrund. Zwar investierte der Verein in viele Neuzugänge wie Dave O’Brien und Miroslav Dvořák – dem Zugang von den Philadelphia Flyers aus der NHL – doch fehlten dann in der Relegationsrunde 1985/86 zwei Punkte und drei Tore für den Aufstieg in die erste Eishockey-Bundesliga. Ein ausschlaggebendes Aufeinandertreffen in dieser Saison war das Spiel gegen Eintracht Frankfurt – den heutigen Löwen Frankfurt und Erzrivalen der „Huskies“ – in dessen Verlauf aus einer 3:0-Führung noch eine 3:4-Niederlage wurde.
Auch in der darauf folgenden Saison 1986/87 verpasste der Verein trotz seiner kostenintensiven Spieler in der Relegationsrunde den Aufstieg in die 1. Eishockey-Bundesliga, was eine finanzielle Krise bedeutete. Wegen der hohen Kosten der Mannschaft musste der Verein 1987 Konkurs anmelden.
Vom Neubeginn als EC Kassel bis zum Gründungsmitglied der DEL (1987–1994) Am 16. Mai 1987 erfolgte der wirtschaftliche Neubeginn des Eishockeyvereins. Als Nachfolger der in Konkurs gegangenen „ESG“ wurde der Eissport-Club Kassel e. V., kurz EC Kassel (ECK) gegründet. Durch die hohen Kosten in der 2. Bundesliga entschloss sich der Club zum Ende des Spieljahrs 1987/88 aus der zweiten Liga zurückzuziehen und freiwillig in die Oberliga abzusteigen. Zusätzlich mussten viele Neuzugänge aus den letzten Jahren den Verein wieder verlassen. Richard Piechutta, der neue Trainer des „ECK“, versuchte demzufolge zur neuen Spielzeit mit Shane Tarves und zwölf Spielern aus der Jugendabteilung eine neue Mannschaft aufzustellen. Dieses Vorhaben gelang dem Trainer unerwartet und bereits in der Saison 1988/89 schaffte es der Verein, erneut um die Qualifikation zur 2. Bundesliga mitzuspielen.
Saison Liga Vorrunde Endrunde 1987/88 2. BL 3. Platz 6. Platz ↑ 1988/89 OL 4. Platz 9. Platz ↑ 1989/90 OL 3. Platz 6. Platz ↑ 1990/91 2. BL 6. Platz 1. Platz ↓ 1991/92 2. BL 1. Platz 7. Platz ↑ 1992/93 2. BL 5. Platz Viertelfinale 1993/94 2. BL 2. Platz Vizemeister
Mit der Hilfe von Martin Lepper, dem beauftragten Konkursverwalter, schrieb der Eishockeyclub Kassel wieder „schwarze Zahlen“ und konnte sich infolgedessen ohne Geldsorgen weiterhin auf den sportlichen Erfolg konzentrieren. Mit einem neunten Platz in der Qualifikation verpassten sie gleichwohl im Jahre 1989 den direkten Wiederaufstieg in die zweithöchste Spielklasse, im Anschluss daran gelang dennoch im Spieljahr 1989/90 die Rückkehr in die zweite Liga. Der Verein spielte somit wieder in der Liga, in der er drei Jahre zuvor noch um die Qualifikation zur höchsten deutschen Eishockeyliga mitwirkte.
Während der erneuten Zweitklassigkeit musste der Verein im ersten Jahr zwar noch um den Klassenerhalt spielen, schloss die Qualifikation zur 2. Bundesliga ungeachtet dessen mit einem ersten Platz ab und sicherte sich dadurch den Verbleib in dieser Liga. Die folgenden drei Spielzeiten wirkte die Mannschaft in der oberen Tabellenhälfte mit, wodurch Anfang der 1990er Jahre die erneute Möglichkeit bestand, an der Qualifikationsrunde zur 1. Bundesliga teilzunehmen. In der Endrunde 1992/93 scheiterte die Mannschaft gleichwohl schon im Viertelfinale der neu eingeführten Play-offs gegen den ES Weißwasser knapp mit 2:3-Spielen und musste sich im letzten Spiel der Best-of-Five-Serie nach Verlängerung mit 6:7 geschlagen geben.
Nachdem sich die Kasseler daraufhin in der Saison 1993/94 erneut für die Play-offs qualifiziert hatten, erreichten sie mit Siegen gegen den ES Weißwasser und den EHC 80 Nürnberg die Finalrunde und spielten um die Meisterschaft der 2. Bundesliga. Im Finale der Play-offs mussten sich die Nordhessen zwar gegen den Augsburger EV mit 1:2-Spielen geschlagen geben, erlangten trotz der Niederlage mit dem damaligen Trainer Ross Yates letztendlich den Zweitliga-Vizemeistertitel. Mit diesem bis dahin größten Erfolg für den Verein, schaffte es die Mannschaft zur Spielzeit 1994/95 eines der Gründungsmitglieder der neuen Deutschen Eishockey Liga zu werden.
Ausschlaggebend für die Gründung der neuen Eishockeyliga waren die vielen Insolvenzen der zweiten Bundesliga, wodurch aus insgesamt 18 Mannschaften der ersten und zweiten Liga die eigenständige Deutsche Eishockey Liga entstand. Die meisten Vereine benannten sich daraufhin aus Vermarktungsgründung um und benutzten Pseudonyme aus der Tierwelt. Die National Hockey League aus Nordamerika diente hierbei zum Teil als Leitbild. mini|links|Der Namensgeber der Kassel Huskies: Der Siberian Husky