Luby (deutsch Schönbach) ist eine Stadt im Okres Cheb im Karlovarský kraj in Tschechien. Die Stadt gehört zum Musikwinkel und ist ein Zentrum des Geigenbaus. Historisch gehörte es altböhmischen Elbogener Kreis.
Geographie mini|hochkant|Typische Landschaft in der Umgebung der Stadt, aufgenommen 2009 vom Aussichtsturm in Horní Luby (Ober Schönbach) Luby liegt im böhmischen Teil des Vogtlandes, an der Grenze zu Sachsen. Die Straße von Wernitzgrün nach Luby ist seit August 2008 auch im Bereich der Staatsgrenze wieder für Kraftfahrzeuge geöffnet.
Gemeindegliederung Die Stadt Luby besteht aus den Ortsteilen Dolní Luby (Unterschönbach), Horní Luby (Oberschönbach), Luby (Schönbach) und Opatov (Absroth). Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Luby, Flusárna (Flußhäuser), Horní Luby, Luby, Luby II, Opatov, Výspa (Dürrengrün) und Zálubí (Egetten).
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralgemeinden Dolní Luby, Horní Luby, Luby, Luby II, Opatov u Lubů und Výspa.
Nachbarorte
Geschichte mini|Rathaus mini|Stadtkirche neben dem Rathaus mini|Straße zum Stadtzentrum mini|Schulgebäude mini|hochkant|1927 enthülltes Denkmal für die Zunft der Instrumentenmacher der Stadt
Im Mittelalter galt Schönbach als Zentrum des Schönbacher Ländchens (vergleiche auch Ascher Ländchen). Als Besitzer waren das Kloster Waldsassen und die Familie von Sparneck mit dem Burggrafen von Eger Rüdiger von Sparneck bekannt.
Seit Mitte des 13. Jahrhunderts ist in Oberschönbach (Horní Luby) der Abbau von Quecksilbererzen, insbesondere von Zinnober, belegt. Schönbach wurde am 9. Januar 1319 durch König Ludwig IV. zur Stadt erhoben, erhielt einen Wochenmarkt und wurde mit dem Stadtrecht nach dem Vorbild von Eger ausgestattet.Rudolf Langhammer: Waldsassen – Kloster und Stadt. Waldsassen 1936, S. 131. Unter dem Zisterzienser-Abt Franz Kübel wurde es zusammen mit dem umgebenden Schönbacher Ländchen 1348 vom Kloster Waldsassen dem Burggrafen Rüdiger von Sparneck verkauft.
Vor allem um das 16. Jahrhundert galt die Lagerstätte als bedeutendste Mitteleuropas. Im Jahr 1536 arbeiteten über 200 Bergleute in mehreren Gruben, die Jahresproduktion betrug 13,5 Tonnen Zinnober. Während des Dreißigjährigen Krieges kam der Bergbau vollständig zum Erliegen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte der Ort zum Gerichtsbezirk Wildstein im Bezirk Eger. 1897 wurde Schönbach in einer Publikation als „Österreichs Cremona“ bezeichnet. 1929 waren im Instrumentenbau rund 1500 Einwohner beschäftigt.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Am 1. Dezember 1930 hatte die Stadt Schönbach 4770 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 4269 und am 22. Mai 1947 2176 Einwohner.
Aufgrund des Münchner Abkommens von 1938 wurde der Ort dem Deutschen Reich angegliedert und gehörte zum Landkreis Eger, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland. Als Adolf Hitler am 3. Oktober 1938 von seiner Fahrt durchs annektierte Sudetenland heimkehrte, benutzten er und sein Konvoi den aufgelösten Grenzübergang Schönbach/Wernitzgrün.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die überwiegend deutschböhmische Bevölkerung vertrieben. 1600 Schönbacher siedelten sich in Bubenreuth bei Erlangen an,Katja Auer: Als ein 400-Seelen-Dorf 2000 Vertriebene aufnahm. In: Süddeutsche Zeitung vom 6. Mai 2018. das seither als ein weiteres Zentrum des Geigenbaus neben Mittenwald in Oberbayern und Markneukirchen im vogtländischen Musikwinkel gilt.
In Luby wurden weiterhin Musikinstrumente hergestellt. 1968 wurde ein neues Werk hierfür fertiggestellt. Auch nach der Samtenen Revolution gab es in Luby Instrumentenbauer. Im Juni 2005 wurde die 1873 gegründete Geigenbauschule geschlossen und nach Cheb verlegt. Im Rathaus von Luby wurde 2019 eine Ausstellung mit historischen Musikinstrumenten eröffnet, die zum Museum Cheb gehört.
Einwohnerentwicklung Bis 1945 war Schönbach überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden. + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen1847 960 in 112 HäusernJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis, Prag 1847, S. 371, Ziffer 7.1869 2640 1880 2967 1890 3639 1900 4180 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig und Wien 1909, S. 947.1910 4890 1921 4511 davon 4421 DeutscheGenealogie-Netz Sudetenland 1930 4770 1939 4268
+ Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011 Einwohner 2244 2252 2551 2644 2509 2478 2197
Söhne und Töchter der Stadt Franz Thomas (1824–1883), Kaufmann und Politiker Karl Höfner (1864–1955), Gitarrenbauer und Gründer der Firma Höfner Ernst Volkmann (1902–1941), Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg Anton Lutz (1908–nach 1945), österreichisch-deutscher Politiker Willi Brandner (1909–1944), sudetendeutscher SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei, Politiker sowie Polizeigebietsführer Arnold Hoyer (? – 1967), Gitarrenbauer und Gründer der Firma Hoyer in Tennenlohe Ferdinand Schuster (1920–1972), deutscher Architekt Herta Huber (1926–2018), deutsche Schriftstellerin Gerold Karl Hannabach (1928–2015), deutscher Gitarrenbauer Walter Aue (1930–2024), deutscher Schriftsteller Karl Junger (* 1940), Hersteller von Gitarrensaiten der Marke Pyramid
Patenschaft und Partnerschaft 1956 übernahmen Heppenheim (Bergstraße) und Bubenreuth die Patenschaft. 2016 wurde dies von Bubenreuth, auch aufgrund der gemeinsamen musikalischen Geschichte, um eine Gemeindepartnerschaft erweitert.Festakt zur Partnerschaftsunterzeichnung auf Bubenreuth.de Abgerufen am 6. Dezember 2020
Literatur Rafael Engl: Österreichs Cremona: Ein kurzgefasster Überblick über die Entstehung, Weiter-Entwicklung, sowie über die gegenwärtige Bedeutung der Musikinstrumenten-Industrie in der Stadt Schönbach bei Eger in Böhmen. 1897, Digitalisat. Thomas Lang: Das Böhmische Erzgebirge. Ein unterhaltsamer Streifzug durch die Geschichte. Teil 1: Der Westen des Böhmischen Erzgebirges mit Elstergebirge. Verlag Tschirner & Co, Leipzig 2026, ISBN 978-3-9827881-1-1 (S. 66–82) Karl Mädler: „Die Musikinstrumenten-Industrie in Schönbach“, in: Unser Egerland, Heft 6–7, 1916, S. 53–56. Sonja Neudörfer: Tradiertes Erfahrungswissen und arbeitsteilige Produktionsnetzwerke: der Schönbacher Geigenbau im 19. und 20. Jahrhundert. Shaker, 2007, ISBN 978-3-8322-6285-3. Jiří Pátek (Hrsg.): Aus der Geschichte des Egerländer Geigenbaus, Odborná houslařská škola / Integrovaná střední škola - Houslařská škola, Cheb 2014, ISBN 978-80-260-7712-1. Sonja Petersen: „Von Schachtelmachern, Stegschnitzern und Wirbeldrehern. Rationalisierung des Geigenbaus im 19. und 20. Jahrhundert“, in: Technikgeschichte, Bd. 80 (2013) H. 2, S. 115–139, PDF
Weblinks
Homepage der Stadt Geigenbau im Ort Gitarrenbau im Ort
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im böhmischen Vogtland Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1319
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