Stift Tepl () ist eine Abtei des Ordens der Prämonstratenser in Tschechien. Diese wurde im 12. Jahrhundert von dem Gaugrafen Hroznata von Ovenec nach einem Gelübde als Ersatz für die Teilnahme an einem Kreuzzug nach Jerusalem gestiftet. Sie bildet zugleich den Ortsteil Klášter der Stadt Teplá (Tepl) in Westböhmen. mini|Stift Tepl
Überblick Das Kloster war durch seine Lage im Siedlungsgebiet der westslawischen Choden an der Grenze zum Egerland und dem ehemaligen Nordgau Bayern mit den immer wiederkehrenden Kriegen und Auseinandersetzungen in einer schwierigen Mission für die Römisch-katholische Kirche. Es wurde mehrfach geplündert und zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Das Kloster Tepl und seine amtierenden Äbte begleiteten durch die Jahrhunderte des Mittelalters die deutsche Kolonisation in Westböhmen, überstanden vor dem Dreißigjährigen Krieg die Reformation und die Zugehörigkeit des Klosters zum evangelisch-lutherischen Glaubensgebiet, erhielten Förderung durch die Gegenreformation und die nach 1621 einsetzende Rekatholisierung in Böhmen mit den besitzrechtlichen und sozialen Veränderungen. Nach den zwei Weltkriegen des 20. Jahrhunderts, der Zugehörigkeit zum Reichsgau Sudetenland in den Jahren 1938 bis 1945, der anschließenden Vertreibung Enteignung und Ausweisung der Sudetendeutschen durch die Beneš-Dekrete der Tschechoslowakei wurde es nach dem Februarumsturz 1948 während der Herrschaft der kommunistischen Regierung in Prag als Kaserne genutzt. Ab 1978 war ein Leerstand mit beginnendem Verfall zu verzeichnen. Nach der Samtenen Revolution 1990 wurde wieder ein Ordenskloster der Prämonstratenser mit einer angeschlossenen Herberge errichtet. Seit dem 1. Juli 2008 ist Stift Tepl ein Nationales Kulturdenkmal Tschechiens.radio.cz
Umgebung Das Stift Tepl liegt an der Teplá in einem Ortsteil der Stadt Teplá im Tepler Hochland. Der Ausbau der Ansiedlung Teplá im nahen Umfeld der westslawischen Burg Schwanberg-Krasikov durch erbuntertänige und frondienstpflichtige Bauern begann im 12. Jahrhundert. Im Jahr 1385 wurden Tepl die Stadtrechte verliehen und ein regelmäßiger Wochenmarkt gestattet. Die Stadt Teplá liegt 40 km südlich von Karlsbad und 14 km östlich von Marienbad, das durch Initiative des Klosters Tepl als Kurbetrieb ausgebaut wurde.
Geschichte des Klosters Anfänge Das Kloster Tepl wurde der Legende nach im Jahr 1193 von dem böhmischen Gaugrafen Hroznata von Ovenec als Ersatz für die Beteiligung an einem Kreuzzug von Kaiser Heinrich VI. nach dem Vorderen Orient gegründet, um die dortigen Andersgläubigen dem christlichen Glauben zuzuführen. Im März des Jahres 1188 gelobte Hroznata, sich an diesem Kreuzzug zu beteiligen, wurde aber im April des Jahres 1191 von Papst Innozenz III. zusammen mit weiteren Adeligen seines Gelübdes von der Teilnahme am Kreuzzug entbunden und stiftete als Ersatz die Klöster Chotieschau und Tepl im Siedlungsgebiet der Choden in Westböhmen.
Um das Kloster Tepl zu besiedeln, berief Gaugraf Hroznata zwölf Prämonstratenser des heiligen Norbert von Xanten aus dem Kloster Strahov bei Prag, die unter dem Abt Johann in das Kloster Tepl zogen. Der römisch-katholische Orden der Prämonstratenser war 1143 aus dem Kloster Steinfeld in der Eifel nach Strahov gekommen, um dort religiös und kulturell zu wirken. Der Orden der Prämonstratenser war für seinen Einsatz in Westböhmen zur Verbreitung des christlichen Glaubens, der Verwaltung der Einnahmen aus den erbuntertänigen Orten und dem Ausbau des Schulwesens in praxisbezogener Ausrichtung prädestiniert. Er galt zu dieser Zeit als eine der fortschrittlichsten Ordensgemeinschaften. Hroznata von Ovenec war der Überlieferung nach ein pragmatischer und sachbezogener Charakter und wählte vermutlich deshalb diese Ordensgemeinschaft für seine Klostergründungen aus. Die Prämonstratenser wurden zu einem wichtigen Faktor der wirtschaftlichen und kulturellen Kolonisation in Westböhmen. Bereits im Mittelalter befand sich im Kloster eine Lateinschule. Es stand in seinen Bestrebungen in Nachbarschaft zu dem Kloster Waldsassen für den Nordgau und dem Kloster Sankt Emmeram in Regensburg.
Im Jahr 1202 zog Gaugraf Hroznata von Ovenec, nachdem er im Jahre 1198 nach dem frühen Tod seiner Ehefrau und seines Sohnes in Rom in den Prämonstratenserorden eingetreten sein soll, ins Kloster und sorgte als Verwalter für die Einkünfte der Klostergüter aus erbuntertänigen Ortschaften der umgebenden Grundherrschaft. Sein Leben – zu welchem es unterschiedliche Interpretationen der Quellen gibt – endete, als er entweder von den Hohenberger Rittern entführt wurde, mit denen er wegen ungeklärter Besitzverhältnisse um das Dorf Untersandau schon seit geraumer Zeit Auseinandersetzungen hatte, oder er wurde in einer Fehde mit dem Ministerialengeschlecht der Reichsritter von Künsberg gefangen genommen. Der Legende nach wurde er auf der Burg Hrozňatov, dem späteren Schloss in Altkinsberg am Muglbach eingekerkert und hat dort um das Jahr 1200 den Tod erlitten. Es soll versucht worden sein, ein Lösegeld für seine Freilassung zu erpressen, was er abgelehnt haben soll, um die Finanzen seiner Klostergründungen nicht zu belasten. Dies ist einer der Gründe, warum er am 16. September 1897 als Märtyrer seliggesprochen wurde. An seinem Sterbetag, dem 14. Juli, wird im Stift Tepl seiner gedacht.
In den historischen Forschungen zu dem Sterbeort des Klostergründers Hroznata von Ovenec gibt es Vermutungen, dass nicht die Burg Kinsberg am Muglbach oder die Burg in Königsberg an der Eger (Kynsperk nad Ohri) sein Sterbeort war, sondern die Burg Hohenberg im Fichtelgebirge.Siegfried Röder: Die Freistatt. Monographien aus Hohenberg a.d.Eger. Band XVII. Hohenberg a.d.Eger 2002, S. 6–14. Das Testament des Gaugrafen Hroznata von Ovenec gilt als das älteste Schriftstück des ehemaligen Klosterarchivs des Stift Tepl. In ihm wurde der Überlieferung nach festgehalten, dass ein umfangreicher Teil seines Stammbesitzes und die daraus zu erzielenden Einkünfte nach seinem Tode seinen Klostergründungen zukommen sollen. Das Original oder Abschriften des Testamentes sind nicht mehr erhalten.
Nach dem Tod von Hroznata wurde unter Abt Johann I. (bis 1233) am 20. Juni 1232 die Klosterkirche im Beisein des böhmischen Königs Wenzel I. und des Prager Bischof Johann II. von Dražice geweiht. danach entwickelte sich das Kloster Tepl zu einer bedeutenden Niederlassung des Prämonstratenserordens. Als um das Jahr 1380 die Seuche der Pest in Europa wütete, wurden auch das Kloster Tepl und seine erbuntertänigen Städte und Ortschaften erfasst und fast vollständig entvölkert. Nach 1384 siedelte der damalige Abt des Klosters Tepl, Bohus Edler von Otoschitz (1384–1411), deutsche Kolonisten in den fast ausgestorbenen Orten an, erteilte den Ortschaften Teplá und Enkengrün (Jankovice, heute ein Ortsteil von Teplá) am 17. Juli 1385 und Lichtenstadt 1387 das Stadtrecht, gestattete die Abhaltung von Wochenmärkten und lockerte die Bedingungen für die Ansiedlung von Handwerksbetrieben. Neue deutschsprachige abgabe- und frondienstpflichtige Dörfer, mit Ortsnamen mit der Endung -grün, -schlag, -brand, -bach, -berg und ähnlich, entstanden neben den Siedlungen der Choden. Nach dem Jahr 1945 und der Enteignung und Ausweisung ihrer deutschsprachigen Haus- und Grundbesitzer als Sudetendeutsche durch die Beneš-Dekrete der Tschechoslowakei erhielten die Orte tschechischsprachige Ortsnamen, wurden durch Neusiedler in Besitz genommen oder sind verödet.
Stift Tepl stand unter der Oberhoheit des Papstes in Rom. Abt Hugo erhielt von Papst Gregor X. eine Bulle, in der alle Besitzungen, Freiheiten und Rechte des Stiftes Tepl aufgezählt und pro forma bestätigt wurden. Die Lateinschule des Stifts Tepl wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von Johannes von Tepl besucht, der die erste neuhochdeutsche Prosadichtung Der Ackermann aus Böhmen verfasst hat.
Aufstieg und Blüte mini|Parkanlage mit Teichen hinter dem Kloster
Während der Kriegszüge der Hussiten wurde das Kloster Tepl geplündert, und der nahe gelegene Ort Tepl brannte teilweise nieder. Unter Abt Sigismund von Hausmann (1458–1506) kam es zu einer wirtschaftlichen Erholung, als in der Region Silber gefunden und erfolgreich abgebaut wurde. Unter seiner Leitung wurden elf Fischteiche angelegt, baufällige Teile des Klosters renoviert, Zerstörtes neu aufgebaut und die Klosterbibliothek erweitert.
Im Verlauf der Gegenreformation schloss sich das Kloster Tepl dem Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg an, um der Lehre der aufkommenden Evangelisch-Lutherischen Kirche entgegenzuwirken. Das Kloster entwickelte sich unter den Äbten Johannes Kurz (1535–1585), Mathias Göbl (1585–1596) und Andreas Ebersbach (1596–1629) zu einem religiösen Zentrum der Gegenreformation, da Chorherren des Stifts zahlreiche Pfarreien in Westböhmen besetzten. Nach dem Prager Fenstersturz fanden Kanzler Wilhelm Slavata und Erzbischof Jan Lohelius auf ihrer Flucht nach Bayern vorübergehend Aufnahme im Kloster.
Kloster Tepl wurde im 16. und 17. Jahrhundert, vor allem während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648), mehrfach ausgeplündert. Evangelisch-lutherische Truppenverbände des letzten evangelischen Königs von Böhmen, Friedrich V., plünderten das römisch-katholische Kloster siebzehn Tage; 1641 und 1648, zu Ende des Krieges, überfielen schwedisch-evangelische Truppen das Kloster und verwüsteten es. Nach dem Krieg, während der Rekatholisierung in Westböhmen, brannten am 19. April 1659 zunächst das Kloster und nachfolgend im Jahr 1677 die Konventgebäude, vermutlich durch Brandstiftung oder Fahrlässigkeit, fast bis auf die Grundmauern nieder. Sie wurden notdürftig wieder in instandgesetzt. Die Spuren der Flammen sollen bis heute an den südlichen Außenmauern der Klosterkirche sichtbar sein. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts festigte sich der Bestand des Klosters Tepl wieder.
Die heute vorhandenen Gebäude der Klosteranlagen in Teplá wurden unter Abt Raimund Wilfert (1688–1724) saniert und erweitert, der Innenausbau der Stiftskirche neu gestaltet, das Konventgebäude und die Prälatur von Christoph Dientzenhofer im Barockstil erneuert. Die Fresken stammen zum Teil von Christoph Maurus Fuchs. Der von Abt Wilfert geschaffene Meierhof „Hammerhof“ diente nachfolgend den ersten Kurgästen der Marienbader Kurquellen als Unterkunft. Abt Wilfert erhielt für seine Verdienste den Titel Kaiserlicher Rat.
In den Jahren 1690 bis 1724 hatte das Kloster Tepl in wissenschaftlicher und seelsorgerischer Hinsicht eine bedeutende Zeit. Seit dem 16. Jahrhundert bestand im Kloster Tepl eine Philosophisch-theologische Lehranstalt mit angeschlossenem Priesterseminar zur Ausbildung der Ordenspriester. Zu den Schülern gehörte u. a. Raimund Johann Wilfert (* Tepl 1671, † Prag 1741), Chorherr des Klosters Strahov und Stadtdechant in Saaz. Das Gebäude der ehemaligen Klosterschule, eine der wenigen Lateinschulen in Westböhmen, hat sich im nahen Dorf Haber-Kladrau bis heute erhalten hat.
Die Schlesischen Kriege brachten dem Kloster Not und Verwüstung. Abt Hieronymus Ambrosius (1741–1767) gelang es, die Landwirtschaft in den erbuntertänigen Ortschaften ertragreich zu gestalten und die wirtschaftliche Situation zu stabilisieren. Kloster Tepl entwickelte sich zu einem Mittelpunkt der Kunst, Wissenschaft und Kultur der Region. Die Bibliothek wurde vergrößert, eine Sammlung von Mineralien und ein Physikalisches Kabinett wurden angelegt.