Schildesche (Aussprache: []) ist der Name eines Stadtbezirks der kreisfreien Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen sowie der Name des größten Ortsteils in diesem Stadtbezirk.
Geografie
Der Stadtbezirk Schildesche liegt im Ravensberger Hügelland nördlich des Teutoburger Waldes auf einer Höhe von . Der Teutoburger Wald nimmt an der südlichen Grenze des Stadtbezirks eine Höhe bis circa an. Fließgewässer im Stadtbezirk sind der Johannisbach, der Schloßhofbach und der Sudbrackbach. Der Johannisbach wird am nordöstlichen Rand des Stadtbezirks zum Obersee gestaut.
Im Norden beginnend grenzt der Stadtbezirk Schildesche im Uhrzeigersinn an die Bielefelder Stadtbezirke Jöllenbeck, Heepen, Mitte, Gadderbaum und Dornberg.
Stadtbezirksgliederung
Nur informell abgegrenzte Ortsteile im Stadtbezirk sind Schildesche, Gellershagen und Sudbrack. Daneben gibt es wie auch im Stadtbezirk Bielefeld-Mitte größere Gebiete, die im allgemeinen Sprachgebrauch keinem bestimmten Ortsteil zugeordnet werden. Die Bevölkerung verteilt sich auf die Ortsteile und Statistischen Bezirke wie folgt:Einwohnerzahl: Daten der Stadt Bielefeld Statistischer Bezirk Ortsteil Einwohner(31.12.2024)17 Vorwerk SchildescheSchildesche13.27818 Schildesche19 Johannesstift20 SudbrackSudbrack8.72121 Untertheesen–5.51922 Bültmannskrug–1.89623 GellershagenGellershagen6.58224 Bültmannshof–4.61925 Universität und Sieben Hügel–1.822
Geschichte Stift, Dorf und Bauerschaft Schildesche
Im Jahr 939 gründete die adlige und kinderlose Witwe Marswidis mit Einwilligung des Bischofs Dudo von Paderborn ein Frauenstift. Da sich um dieses Stift eine Siedlung bildete, wird dies als Gründung von Schildesche angesehen. König Otto I. und Kaiser Otto II. übernahmen den Schutz des Stifts. 1019 wurde die Reichsabtei von Kaiser Heinrich II. an Bischof Meinwerk von Paderborn übertragen.Hinweis im Kurzlebenslauf von Bischof Meinwerk im Portal Westfälische Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, abgerufen am 3. August 2010 Vor der Mitte des 13. Jahrhunderts brannte es ab. Im Jahr 1244 übertrug Bischof Bernhard IV. von Paderborn dem Grafen Ludwig von Ravensberg die Verwaltung und Gerichtsbarkeit über das Stift Schildesche um die neu erbaute gotische Stiftskirche. Im weiteren Verlauf des Mittelalters entwickelte sich Schildesche im Amt Sparrenberg der Grafschaft Ravensberg zum Kirchdorf des Kirchspiels Schildesche und zum Hauptort der Vogtei Schildesche. Rund um das Dorf Schildesche bestand außerdem die Bauerschaft Schildesche, die auch Altenschildesche genannt wurde.
Mit dem Beginn der Napoleonischen Zeit wurde Schildesche 1807 Hauptort des Kantons Schildesche im Distrikt Bielefeld des Königreichs Westphalen. 1810 endete die Existenz des Stifts. Es wurde gemäß den im Reichsdeputationshauptschluss festgesetzten Bestimmungen aufgelöst und sein Grundbesitz versteigert.
1811 kam es zu umfangreichen Änderungen der Verwaltungsgliederung im Raum Schildesche, da das Gebiet nördlich des Johannisbachs vom Königreich Westphalen von Frankreich annektiert wurde. Im nun verkleinerten Distrikt Bielefeld verblieben nur die südlich des Johannisbachs gelegenen Teile von Dorf und Bauerschaft Schildesche. Während der folgenden zwei Jahre gehörte das Schildescher Gebiet nördlich des Johannisbachs zum Kanton Enger des Distrikts Minden im französischen Departement der Oberen Ems.
Nach dem Ende der Franzosenzeit fiel das gesamte Ravensberger Land 1813 wieder an Preußen. Im Rahmen einer großen Verwaltungsreform wurde Preußen in neu eingerichtete Provinzen, Regierungsbezirke und Kreise gegliedert. Dorf und Bauerschaft Schildesche kamen zum 1816 gegründeten Kreis Bielefeld, während die bis 1811 zur Vogtei bzw. zum Kanton Schildesche gehörenden Dörfer Laar, Diebrock und Eickum dem Kreis Herford zugeschlagen wurden.
Durch die mit der zunehmenden Industrialisierung verbundene Ausdehnung der Stadt Bielefeld wuchsen Schildesche und Bielefeld in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammen. Zwischen der Bielefelder Innenstadt und dem Dorf Schildesche entstand ein großes Industriegebiet. Gleichzeitig entwickelte sich das zur Bauerschaft Schildesche gehörende Sudbrackgebiet zu einem dicht besiedelten Bielefelder Wohnvorort. In den Jahren 1900 bis 1902 erhielt Schildesche gleich zwei Meterspur-Bahnverbindungen nach Bielefeld. Ende 1900 eröffnete die Bielefelder Straßenbahn eine Linie von Brackwede bis zum Rettungshaus, dem heutigen Johannesstift, die im Mai 1902 über die Beckhausstraße bis in den Schildescher Ortskern verlängert wurde. Seit 1. April 1901 verbanden die Bielefelder Kreisbahnen Schildesche mit Bielefeld, Werther und Enger mit Anschluss an die Herforder Kleinbahn. Auf der Beckhausstraße bestand Parallelverkehr vom Rettungshaus bis zur heutigen Deciusstraße.
Die Einwohnerzahl von Dorf und Bauerschaft entwickelte sich zwischen 1799 und 1925 wie folgt:
Jahr Dorf Schildesche Bauerschaft Schildesche(Altenschildesche) 1799 1601 606 1843 2520 1075 1864 3006 1101 1910 8601 3391 1925 9028 4788 mini|Schildescher Viadukt am Ostufer des Obersees Am 1. Oktober 1930 kam es zu einer umfangreichen kommunalen Neuordnung. Das Dorf Schildesche wurde bis auf einige Parzellen, die an Vilsendorf fielen, nach Bielefeld eingemeindet. Der größte Teil der Bauerschaft Schildesche wurde ebenfalls nach Bielefeld eingemeindet. Der Rest der Bauerschaft fiel an Vilsendorf und Brake. Schildesche wurde am 26. November 1944 während des Luftkrieges durch einen Großangriff auf den Schildescher Viadukt schwer getroffen. Der Höhepunkt der Zerstörungen wurde am 14. März 1945 erreicht, als der Viadukt durch die erstmals eingesetzte Grand-Slam-Bombe, der mit 10 Tonnen schwersten Fliegerbombe die jemals in einem Krieg eingesetzt wurde, zerstört wurde. Als Folge der gewaltigen Detonation starben in Schildesche mindestens 50 Einwohner.
Die Bielefelder Kreisbahn wurde zwischen 1954 und 1956 phasenweise eingestellt. Im April 1968 wurde die Straßenbahnlinie 1 auf die ehemalige Kleinbahntrasse vom Johannesstift bis zur heutigen Endhaltestelle Schildesche verlegt.
Alte Schildescher nennen ihren Ortsteil heute noch „Schilske“ oder „Schildske“.
Stadtbezirk Schildesche
Im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Raums Bielefeld und der damit verbundenen Vergrößerung der Stadt Bielefeld wurden 1973 in Bielefeld Stadtbezirke eingerichtet. Dabei wurde aus den westlichen und nördlichen Teilen der alten Stadt Bielefeld der Stadtbezirk Schildesche gebildet.
Der Stadtbezirk Schildesche besitzt kein eigenes Bezirksamt. Die bezirklichen Verwaltungsaufgaben werden von der Stadtverwaltung Bielefeld wahrgenommen. Eine Filiale des Bürgeramts Bielefeld befindet sich im Ortsteil Schildesche am Margaretenweg 29.
Politik
Seit der Kommunalwahl 2025 (Wahlbeteiligung: 62,4 %) setzt sich die Bezirksvertretung Schildesche wie folgt zusammen:
Bauwerke mini|Stiftskirche mini|Platz vor der Stiftskirche mini|Altes Pfarrhaus von 1771
Die Evangelische Stiftskirche, ehem. Johannes Baptist, ist die Kirche eines bereits 939 gegründeten Frauenstiftes. Ein erster Kirchenbau wurde 960 geweiht. Das jetzige Kirchengebäude, eine kreuzförmige Saalkirche mit gerade geschlossenem Chor, entstand im 13. Jahrhundert unter Verwendung älterer Bauteile. Zur mittelalterlichen Ausstattung gehören ein großer spätgotischer Schnitzaltar und ein spätgotisches Sakramentshäuschen.
Die Alte katholische Pfarrkirche (jetzt Neuapostolische Gemeinde) ist eine turmlose Saalkirche, die im Inneren ein Kreuzrippengewölbe in gotisierenden Formen aufweist und deren Bau 1688 begonnen wurde. Die ursprüngliche barocke Ausstattung befindet sich jetzt großenteils in der neuen katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist (siehe dort).
Die Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist wurde 1911/1912 in neugotischen Formen erbaut. Der Erweiterungsbau stammt von 1967. In der Kirche finden sich einige ältere Ausstattungsstücke, darunter ein um 1700 geschaffener Beichtstuhl. Der etwa gleichzeitig entstandene, ursprünglich für die alte katholische Pfarrkirche gefertigte Hochaltar befindet sich seit 1951 als Leihgabe in der Paderborner Kapuzinerkirche. Die St.-Johannes-Baptist-Kirche wird von einer russisch-orthodoxen Gemeinde mitbenutzt, die dort jeden Samstagvormittag Gottesdienste feiert.
Im Ortskern von Schildesche sind noch mehrere ältere Fachwerkhäuser vorhanden, darunter An der Stiftskirche 5 – Das mit beschnitzten Knaggen und einer schöner klassizistischen Haustür ausgestattete Traufenhaus stammt wohl noch aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es ist damit der älteste Fachwerkbau Schildesches. An der Stiftskirche 10. Zweigeschossiger Fachwerkbau, errichtet 1781 durch den Stiftsküster Schwengeler. An der Stiftskirche 12 (Teil der Buchhandlung Welscher). Der speicherartige Bau, dessen Erdgeschoss massiv erneuert wurde, entstand 1708. Huchzermeierstraße 11 – Das zweigeschossige, ehemalige Pfarrhaus wurde 1771 durch den Pfarrer Heidsiek errichtet. Hermann-Schäffer-Straße 8 – Der Dreiständerbau mit altertümlichen Kopfbändern ist am Torbalken 1655 bezeichnet. Im Stift 1 – Dreiständerbau von 1769, dessen Außenwände zum Teil massiv erneuert sind. Im Stift 5 – Dreiständerbau von 1747, Gaststätte „Möpken“. Im Stift 6 – Dreiständerbau von 1636. 2011/12 saniert. Johannisstraße 9 – Dielenhaus von 1708. Johannisstraße 11 – Das als „Erbsenkrug“ bekannte zweigeschossige Traufenhaus stammt von 1711. An der Stiftskirche/Westerfeldstraße – Von den einst zahlreich vorhandenen Kurien hat sich lediglich die so genannte „Äbtissinnenkurie“, ein eingeschossiger verputzter Fachwerkbau aus dem späten 18. Jahrhundert erhalten. Am Kruge 12 – Zweigeschossiger Fachwerkbau aus dem Jahr 1778, der u. a. als Bethaus der Jüdischen Gemeinde genutzt wurde.
Gut Brodhagen – Im Ortsteil Gellershagen hat sich an der Schloßhofstraße das ehemalige Gutshaus Brodhagen erhalten (genannt „Schloßhof“), ein dreischiffiges Dielenhaus mit massiven Außenmauern und Inschrifttafeln am Tor. Es wurde 1686 durch die Witwe des Kurfürstlichen Rats und Landschreibers Johann Meinders errichtet. Das Gebäude wurde zur NS-Zeit als Arbeitslager für jüdische Mitbürger genutzt.
Meyer zu Sudbrack. An der Apfelstraße 77 befand sich bis 2012 das einstige Haupthaus des Hofes Meyer zu Sudbrack. Es wurde ursprünglich 1820 auf dem Hof Falkmann zu Ehrdissen (Kirchspiel Schötmar) errichtet und 1868 anstelle des alten, durch Brand vernichteten Haupthauses Sudbrack wiederaufgebaut. Es handelte sich um einen stattlichen Vierständer-Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach und reich beschnitztem Torständer. Im November 2012 wurde das Gebäude abgebrochen, nachdem alle Initiativen zu seiner Erhaltung gescheitert waren. Auf dem Gelände wurden in den Jahren 2014 und 2015 Seniorenwohnungen errichtet.
Johannesstift an der Schildescher Straße – Im Jahre 1852 gegründetes ehemaliges Rettungshaus für materiell und sozial gefährdete Kinder mit historischem Rundgang über das Anstaltsgelände, Sitz des Evangelischen Johanneswerks
Das größte Gebäude des Stadtbezirks Schildesche ist das Hauptgebäude der Universität Bielefeld. Markant ist die im Jahr 2020 errichtete Bielefelder Seeschlange am Kreisverkehr der Straßenkreuzung Schloßhofstraße/Voltmannstraße.
Verkehr