mini|Christoph Wilhelm Hufeland, Lithographie von Adolf Kunike, 1819 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage

Christoph Wilhelm Hufeland (* 12. August 1762 in Langensalza; † 25. August 1836 in Berlin) war ein deutscher Arzt, königlicher Leibarzt und Sozialhygieniker sowie klinischer Lehrer, Professor der Medizin in Jena und Berlin. Er wird wegen seiner Lebenskraft-Theorie als Vertreter des Vitalismus (ein dem damals modischen Brownianismus entgegenstehendes Konzept) bezeichnet. Er wird auch als Begründer der Makrobiotik gesehen. Sein berühmter Ausspruch „Vorbeugen ist besser als Heilen“ ist zu einem Motto der Krankheitsprävention geworden.

Herkunftsfamilie Christoph Wilhelm Hufeland wurde in eine christlich-lutherisch geprägte Familie hineingeboren,Vgl. Selbstbiographie 1863, S. 9, 29f. und 39. in der es seit drei Generationen viele Ärzte gab.

Die Hufelands waren ursprünglich eine Familie von Fleischermeistern in Tennstedt. Tobias Hufeland (1632–1675) war zudem Kastenherr (Verwalter der kirchlichen Armenkasse). Sein Sohn Polycarp Elias Hufeland (1665–1714) studierte in LeipzigDie iüngere Matrikel der Universität Leipzig 1559‒1809, II. Band, 1909, S. 198. und wurde Archidiakon in Stolp in Hinterpommern. Polycarp verehelichte sich dreimal: 1692 mit Ursula Watson, 1700 mit Concordia Wolff, und 1702 mit Barbara Neveling.W. Friedrich, Stammbaum, in Hufelands Selbstbiographie, S. 139ff. Sein Sohn Johann Christoph Hufeland (* 1695 in Stolp; † 1767 in Weimar) aus der ersten Ehe studierte MedizinEingeschrieben am 22. April 1723 (Matrikel der Universität Jena 1696‒1723, S. 120v). und kehrte zurück nach Tennstedt, war dort Stadtphysikus und Bürgermeister und heiratete 1725 (in zweiter Ehe) Victoria Müller (1707–1750). Ihr Vater Johann Caspar Müller (* 16. April 1675 in Jena; † 8. Mai 1753 in Weimar) war Leibarzt des Herzogs Wilhelm Ernst († 1728) in Weimar und des Erbprinzen Ernst August II. (1737–1758); er folgte ihm 1748 an den Gothaer Hof.Vgl. Trauerfeier 1753, TrauerRede, S. 12. Auch zwei Söhne des Johann Caspar waren Ärzte: Der älteste Gottfried Wilhelm Müller (1709‒1799) war Arzt in Frankfurt am Main; der jüngste Friedrich Gottlieb Müller (1721–1772) war (spätestens ab 1753) Hofmedikus in Weimar sowie Stadt- und Landphysikus.Vgl. Trauerfeier 1753, Denkmaale, S. 9; gestorben am 10. September 1772 (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 16. September 1772, S. 303f.).

Johann Christoph Hufeland wurde 1753 Nachfolger seines Schwiegervaters als Leibarzt des Erbprinzen, folgte ihm 1755 nach WeimarW. Huschke, Genealogische Streifzüge usw. 1977, S. 64. und blieb nach dessen Tod erster Leibarzt am dortigen Hof.Vgl. Hochfürstl. Sachsen-Weimar- und Eisenachischer Hof- und Addreß-Calender, auf das Jahr 1758, S. 96, und auf das SchaltJahr 1760, S. 75. Auch zwei seiner Söhne wurden Arzt. Der älteste Johann Friedrich Hufeland (1730‒1787) war zunächst Leibarzt bei Friederike von Sachsen-Weißenfels in Langensalza und wurde 1765 als zweiter Leibarzt nach Weimar berufen.Weimarische Wöchentliche Frag- und Anzeigen auf das Jahr 1765 vom 3. April, S. 105; Hochfürstl. SachsenWeimar- und Eisenachischer Hof- und Addreß-Calender, auf das Jahr Christi 1766, S. 42. Nach dem Tod des Vaters Johann Christoph am 25. Oktober 1767Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 28. Oktober 1767, S. 338. wurde dessen jüngster Sohn Christian Gottlieb Hufeland (1742–1781) Arzt in Weimar, später auch Hofmedikus und Stadt- und Landphysikus.Hochfürstl. SachsenWeimar- und Eisenachischer Hof- und Addreß-Calender, auf das SchaltJahr 1768, S. 43f.

Leben Ärztliche Laufbahn Studium Christoph Wilhelm Hufeland war der erste Sohn von Johann Friedrich Hufeland (1730‒1787) und seiner Ehefrau Dorothea Maria geb. Pen(t)zigDie Eheschließung von J. F. Hufeland und D. M. Penzig war am 11. Januar 1757 (Wöchentliche Weimarische Anzeigen vom 15. Januar, S. 11). (1737‒1782Beigesetzt am 16. Dezember 1782 (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 18. Dezember, S. 403).), einer Tochter des Weimarer Stadtrichters und Vize-Bürgermeisters Johann Andreas Pen(t)zigZur Person vgl. Wolfgang Huschke: Die Ratslisten der Stadt Weimar von 1348 bis 1810. 1986, ISBN 3-7686-4114-7, S. 108.. Zu den Paten gehörte der Frankfurter Arzt Gottfried Wilhelm Müller als Onkel des Vaters.H. Petzsch: Christoph recte usw. 1963. Christoph Wilhelm besuchte keine öffentliche Schule, sondern wurde durch Privatunterricht ausgebildet.Selbstbiographie 1863, S. 10‒19. Im Frühjahr 1780 nahm er in Jena ein Medizinstudium auf, in dem er insbesondere die Vorlesungen des Chirurgen und Anatomen Justus Christian Loder besuchte; nach einem Jahr wechselte er nach GöttingenEingeschrieben als „Christophorus Wilhelmus Hufeland, Vinariensis, med., ex ac. Jenensi“ am 2. Mai 1781 (Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen 1734‒1837. 1937, S. 258)., wo auch Georg Christoph Lichtenberg zu seinen Lehrern zählte. 1783 wurde Hufeland in Göttingen zum Doktor der Medizin promoviert und Freimaurer in der Göttinger Loge „Augusta zu den drei Flammen“.

Weimar mini|hochkant|Christoph Wilhelm Hufeland

Christoph Wilhelms Vater litt unter stark zunehmenden Altersproblemen, und nach dem Tod seines jungen Bruders Christian GottliebWeimarische Wöchentliche Anzeigen vom 20. Januar 1781, S. 23. waren seine ärztlichen Aufgaben kaum noch zu bewältigen. Christoph Wilhelm trat deshalb sofort nach dem Studium in die Praxis des Vaters ein, ab Juni 1784 als Hofmedicus.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 10. Juli 1784, S. 217. 1784 wurde er auch in den Bund der Illuminaten aufgenommen.Selbstbiographie 1863, S. 25; H. Schüttler: Die Mitglieder des Illuminatenordens. In Weimar wohnte er im Haus seines Vaters, zusammen mit vier Schwestern und dem zwölf Jahre jüngeren Bruder Friedrich Hufeland.Die Mutter war bereits im Dezember 1782 gestorben (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 18. Dezember 1782, S. 403). Zu seiner Verantwortung gehörte die ärztliche Versorgung der Stadt Weimar, aber auch der umliegenden Dörfer als Landarzt, wobei er teilweise auch die Arzneien als Apotheker selbst zubereiten musste. Er war deshalb ständig unterwegs und kam spätabends erschöpft nach Hause. Anders als sein Vater war Hufeland zwar auch als Hofarzt am Hof des Herzogs tätig, aber nicht dessen Leibarzt. Zu seinen Patienten in Weimar zählten auch Goethe (von 1783 bis 1793Vgl. Hufelands Nachschrift (zum Bericht über Goethes letzte Krankheit) in Journal der practischen Heilkunde 1833, S. 30‒32; Frank Nager: Der heilkundige Dichter. Goethe und die Medizin. 4. Auflage 1992, ISBN 3-7608-1043-8, S. 176.), Schiller, Herder, Wieland und Heinke.Selbstbiographie Hufelands, Abschnitt Arzt in Weimar 1783–1793

Hufelands Vater starb im März 1787;Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 17. März 1787, S. 86. der Sohn führte die Praxis weiter. Im November heirateteWeimarische Wöchentliche Anzeigen vom 21. November 1787, S. 372. er die soeben 16-jährige Juliane Wilhelmina Friedericka Amelung(* 10. Oktober 1771 in Weißenbach in der Rhön, † 18. Februar 1845 in Bonn); Tochter des Pfarrers Gotthelf Hieronymus Amelung und seiner Ehefrau Helene Juliane geb. Thon. (Eintrag Bischoff, Theodor in Hessische Biographie (LAGIS).) Helene Juliane war eine Schwester von Christian Friedrich Gottlieb Thon und Johann Carl Salomo Thon. (Heinz-Jürgen Thon: Geschichte der Familie Thon. 2006. ISBN 3-87707-677-7, S. 44f.) – ein „junges, unschuldiges, heiteres, höchst liebenswürdiges Landmädchen“, das „aus fernem Gebirge“ stammte.Selbstbiographie 1863, S. 28f.

Im Februar 1790 wurde er zum Mitglied der Leopoldina mit dem Beinamen Hicesius III. gewählt; 1795 erhielt er die Cothenius-Medaille der Leopoldina.Geschichte der Kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Jena 1860, S. 237 und 103. Auf Anregung von Hufeland und nach seinen Plänen wurde ab 1790 in Weimar der Bau des ersten Leichenhauses Deutschlands betrieben.Der Bau wurde allerdings erst Ende 1794 fertig (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 28. Januar 1795, S. 29).Biografie: Christoph Hufeland Wissenschaftliche Sammlungen an der Humboldt-Universität zu Berlin Um 1792 hat sich Hufeland – wie Johann Peter Frank – für den Bau von Leichenhäuser sowie für Vorschriften über Zeitpunkt der Beerdigung bzw. Verbrennung eingesetzt, wodurch die Möglichkeit des Begrabens Scheintoter praktisch ausgeschlossen wurde.Tankred Koch: Medizingeschichtliche Aspekte des »Scheintods«. In Tankred Koch: Lebendig begraben. Geschichte und Geschichten vom Scheintod. Edition Leipzig, 1990, ISBN 3-361-00299-0; Neudruck (Lizenzausgabe mit dem Titel Scheintod. Lebendig begraben) Tosa Verlag, Wien 2002, S. 48–68, hier: S. 53.

Jena Auf Veranlassung des Herzogs Karl August erhielt Hufeland zum Sommersemester 1793 eine Honorarprofessur an der Universität Jena und zugleich den Titel Rat.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 13. März 1793, S. 81.Christoph Wilhelm Hufeland wurde im Hofkalender von Anfang bis 1794 fälschlich als Wilhelm Friedrich Hufeland geführt.(Vgl. die handschriftlichen Nachträge in den Hofkalendern 1783 nach S. 44 und 1784 vor S. 43, den Druck 1785 S. 44 und 1794 S. 51, und die korrekte Namensform 1795 S. 53.) Seine Vorlesungen wurden von bis zu 500 Zuhörern begeistert aufgenommen.Selbstbiographie Hufelands, Abschnitt Professor in Jena 1793–1801 In diesen Vorlesungen stellte er bereits sein Lebenskraft-Konzept dar,Vgl. seine Ideen über Pathogenie usw. 1795, Vorrede. das der damaligen Brownschen Lehre entgegenstand, gegen die sich Hufeland schon früh erhoben hatte.G. Fischer: Chirurgie vor 100 Jahren. 1876, S. 377. In Jena wirkte er zudem als Nachfolger von Justus Christian Loder für die medizinische Praxis und medizinischer Direktor des Klinikums.G. Fischer: Chirurgie vor 100 Jahren. 1876, S. 83 und 133. Im Jahr 1793 wurde er in die gerade von August Batsch gegründete Naturforschende Gesellschaft zu Jena als Ehrenmitglied aufgenommen.Almanach für Aerzte und Nichtärzte auf das Jahr 1795, S. 246. In Jena kam er in Kontakt mit Persönlichkeiten wie Schiller, Fichte, Schelling, dem Arzt Justus Christian Loder sowie den Theologen Johann Jakob Griesbach und Heinrich Eberhard Gottlob Paulus. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem der Würzburger Medizinprofessor Johann Bartholomäus von Siebold (Hufeland wurde später Präsident des 1812 gegründeten Vaterländischen Ärztlichen Kunstvereins, der von Johann Bartholomäus von Siebold und elf weiteren Direktoren geleitet wurde).Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 125 und 133. 1796 wurde Hufeland vom Rat zum Hofrat und Leibarzt befördert.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 13. August 1796, S. 257. 1798 erblindete er auf dem rechten Auge. Lukrative Angebote aus Kiel, Leipzig und Pavia, eine Professur zu übernehmen, lehnte er ab, ebenso ein Angebot, Leibarzt von Kaiser Paul von Russland zu werden. Im Jahr 1800 wurde er an den königlichen Hof nach Berlin berufen.Selbstbiographie 1863, S. 34; G. Fischer: Chirurgie vor 100 Jahren. 1876, S. 104. Sein Nachfolger in Jena wurde Karl Gustav Himly.

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