Das Panzerschiff Deutschland bzw. Lützow war ein Kriegsschiff der deutschen Reichs- und Kriegsmarine. Sie war das Typschiff der ursprünglich „Panzerschiffe“ genannten Deutschland-Klasse. Über den Bau des Schiffes unter der Bezeichnung „Panzerkreuzer A“ wurde im Wahlkampf zur Reichstagswahl 1928 heftig gestritten. Die Zustimmung der SPD entgegen eigener Wahlversprechen machte den Bau jedoch möglich. Das Schiff lief 1931 bei den Deutschen Werken in Kiel vom Stapel und wurde zwei Jahre später in Dienst gestellt. Im November 1939 wurde der Name in Lützow geändert, und im Februar 1940 wurden die Lützow und das zweite verbliebene Schiff der Klasse, die Admiral Scheer, in Schwere Kreuzer umklassifiziert.

Die Namensänderung erfolgte, da Hitler die Propagandawirkung einer eventuellen Versenkung eines Schiffes mit Namen Deutschland vermeiden wollte.Henry Picker (Hrsg.): Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier. Ullstein, Frankfurt/M. – Berlin 1989, S. 411. Der Schwere Kreuzer Lützow, das letzte Schiff der Admiral-Hipper-Klasse, wurde im Herbst 1939 unvollendet an die Sowjetunion verkauft. Der dadurch vakant gewordene Name wurde auf das bisherige Panzerschiff Deutschland übertragen. Namensgeber der Lützow war der preußische General Adolf von Lützow, nach dem auch schon der in der Skagerrakschlacht versenkte Große Kreuzer Lützow der Kaiserlichen Marine benannt gewesen war.

Einsätze und Geschichte Kontroverse um den „Panzerkreuzer A“ ab 1927 Nach dem Ersten Weltkrieg verfügte Deutschland über keine modernen größeren Kriegsschiffe mehr. Der Versailler Vertrag gestand der Marine lediglich sechs veraltete Linienschiffe der Braunschweig- und Deutschland-Klasse zu, 1920 wurden zwei weitere als Reserveeinheiten genehmigt. Außerdem wurde seitens der Alliierten festgelegt, dass diese schweren Einheiten nach 20 Jahren durch Schiffe mit 10.000 Tonnen Verdrängung ersetzt werden durften, wobei nicht näher erläutert wurde, wie die Verdrängung zu berechnen sei. Nachdem bereits 1920 erste Überlegungen zum Ersatz der Linienschiffe durch Neubauten angestellt worden waren, kam es ab 1926 zu konkreten Planungen.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 2, S. 247f. 1927 tauchten erstmals Pläne für den Bau eines „Panzerkreuzers A“ im Wehretat des Reichstages auf. Über das Thema wurde im Wahlkampf zur Reichstagswahl 1928 heftig gestritten, die SPD und KPD traten mit der Losung „Für Kinderspeisung – gegen Panzerkreuzerbau!“ an und konnten beide erhebliche Stimmenzuwächse verbuchen. Bei der Regierungsbildung stimmten jedoch die Minister der SPD Rudolf Hilferding, Carl Severing und Rudolf Wissell sowie der neu gewählte Reichskanzler Hermann Müller unter dem Druck der DVP dem Bau zu.Wolfgang Plat: Panzerkreuzer A. Online auf ZEIT.de, 20. Mai 1994 Nr. 21. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rudolf Breitscheid rechtfertigte das Stimmverhalten der sozialdemokratischen Minister mit den Worten:

Die KPD bezichtigte die SPD daraufhin des Verrats an ihren Wählern und begann eine Volksabstimmung gegen SPD und Panzerkreuzer. Die notwendigen Stimmen kamen jedoch nicht zusammen. Im Oktober 1928 titelte ein Extrablatt der KPD „Hurra der Panzerkreuzer A ist da – schwerer als 9 Millionen Stimmzettel.“Extrablatt der KPD von 1928, illustriert mit einer Karikatur von John Heartfield, https://heartfield.adk.de/node/2154

Die Anfangszeit mini|links|Stapellauf am 19. Mai 1931 mini|links|Reichspräsident Hindenburg auf dem Weg zur Schiffstaufe. Ganz rechts Admiral Erich Raeder.

Bereits vor seiner Indienststellung sorgte das Schiff für ein Kuriosum: Beim Stapellauf machte es sich (wegen eines zu früh gelösten Ablaufblocks) selbständig. Es ließ sich selbst vom Stapel, was allgemeine Heiterkeit unter den Taufgästen auslöste. Der Taufpate Reichspräsident Paul von Hindenburg kommentierte dies mit den Worten: „Ich glaube, der Kahn ist Abstinenzler“. Nach der Indienststellung wurde an Bord des Panzerschiffs im Rahmen mehrerer Auslandsreisen mit der Ausbildung des Marinenachwuchses begonnen.

mini|links|Adolf Hitler und Erich Raeder (rechts unter dem Geschützrohr) an Bord der Deutschland, 1934

Spanischer Bürgerkrieg Als 1936 in Spanien der Bürgerkrieg ausbrach, wurde die Deutschland zur Seeraumkontrolle in spanische Gewässer beordert. Beim vierten Spanieneinsatz wurde sie am 29. Mai 1937 auf der Reede von Ibiza von republikanischen Flugzeugen angegriffen. Zwei Bombentreffer forderten 31 Tote und 75 Verwundete. Die Toten wurden zunächst in Gibraltar beerdigt, dann aber auf Befehl Hitlers exhumiert und mit dem Panzerschiff nach Deutschland gebracht. Die Gräber und ein Ehrenmal befinden sich auf dem Ehrenfriedhof der Marine im Wilhelmshavener Stadtpark. Zum Gedenken an den Angriff waren an allen öffentlichen Gebäuden des Reichs vom 31. Mai bis 2. Juni die Flaggen auf halbmast zu setzen.Ottmar Prothmann Chronik von Altendorf und Ersdorf, Hrsg. vom Ortsausschuss Altendorf-Ersdorf, Meckenheim 2005, ISBN 3-00-017109-6

Als Vergeltungsaktion ließ Hitler am 31. Mai den Kreuzer Admiral Scheer und vier Zerstörer die Stadt Almería beschießen; 200 Geschosse töteten 19 oder 20 Zivilisten und zerstörten 35 Gebäude.Antony Beevor: The Battle for Spain. The Spanish Civil War, 1936–1939. ISBN 9780143037651.Gabriel Jackson: The Spanish Republic and the Civil War, 1931–1939. Princeton University Press, 5. Auflage 1972 (1965), ISBN 9780691007571, S. 425.

Sudetenkrise Im September 1938, während der Sudetenkrise, wurde das Schiff in eine Warteposition im Seegebiet zwischen den Azoren und den Kanaren beordert, um von dort aus im Falle des Ausbruchs von Feindseligkeiten Handelskrieg zu führen. Zur in diesem Falle notwendigen Versorgung wurde das Trossschiff Samland hinzubefohlen. Beide Schiffe kehrten im Oktober nach der Beilegung der Krise wieder nach Deutschland zurück.

Wiederbesetzung des Memelgebietes Am 23. März 1939 schiffte sich Reichskanzler Adolf Hitler auf der Deutschland ein, um den Hafen von Memel anzulaufen. Dies war als Machtdemonstration gegenüber Litauen gedacht, das im Januar 1923 anlässlich der sogenannten Klaipėda-Revolte das Memelgebiet annektiert hatte.

Zweiter Weltkrieg Vorstoß in den Nordatlantik Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Deutschland am 24. August von Wilhelmshaven aus in den Nordatlantik gesandt, um nach dem Kriegsausbruch Handelskrieg zu führen. Unterstützt wurde sie vom Trossschiff Westerwald, das die Deutschland achtmal versorgte. Am 25./26. September erlaubte die Seekriegsleitung per Funk die Handelskriegsführung. Am 6. Oktober versenkte die Deutschland den britischen Dampfer Stonegate (5.044 BRT), am 14. Oktober die norwegische Lorentz W. Hansen (1.918 BRT), die Holz für Großbritannien geladen hatte. Obwohl die Vereinigten Staaten ihre Neutralität erklärt hatten, ließ der Kommandant am 9. Oktober den alten US-Frachter City of Flint (4.963 BRT), der Schmieröl transportierte, südwestlich von Neufundland als Prise beschlagnahmen und schickte ihn mit einer Prisenmannschaft nach Deutschland. Am 22. Oktober traf das Schiff ungehindert in Tromsø ein. Die norwegischen Behörden internierten die Prisenmannschaft und schickten die City of Flint zurück in die USA. Am 15. November 1939 kehrte die Deutschland nach Kiel zurück, wo sie auf Führerbefehl den neuen Namen Lützow erhielt und zum Schweren Kreuzer umklassifiziert wurde. Die Umbenennung erfolgte, um den Alliierten einen propagandistischen Erfolg bei der möglichen Versenkung eines Schiffs namens Deutschland zu verwehren. Am 17. November erreichte sie Gotenhafen. Am 24./25. November war sie Flaggschiff eines von Wilhelmshaven aus operierenden Verbandes zur Handelskriegführung im Skagerrak. Das Unternehmen blieb erfolglos. Danach ging sie zur Grundüberholung in die Danziger Werft, wobei sie auch statt des bisherigen senkrechten Bugs einen Atlantik- oder Klipperbug erhielt. Im März 1940 lag sie wieder auslaufbereit in Wilhelmshaven.

Unternehmen Weserübung mini|Die Lützow nach dem Torpedotreffer des britischen U-Boots Spearfish, April 1940

Im April 1940 nahm der nunmehrige Schwere Kreuzer Lützow an der Besetzung Norwegens teil, wo er der Gruppe 5 zugeteilt war, die Oslo einnehmen sollte. Die Lützow lief am 7. April durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Kiel. Sie schloss sich der aus Swinemünde kommenden Gruppe 5 an und stand am 9. April vor dem Oslofjord. Nachdem das Flaggschiff der Gruppe, der Schwere Kreuzer Blücher, in der Drøbak-Enge versenkt worden war und die Lützow drei Treffer erhalten hatte, die sechs Tote und 25 Verwundete kosteten, wobei unter anderem das Schiffslazarett völlig ausbrannte, beschloss Kapitän zur See Thiele, die Gebirgsjäger weiter südlich in Sonsbukten auszuschiffen. Erst als mit Unterstützung durch die Luftwaffe schließlich die Gebirgsjäger die Landbatterien ausgeschaltet hatten, liefen die Lützow und die übrigen Schiffe der Gruppe 5 am 10. April Oslo an.

mini|Die Lützow nach dem Torpedotreffer im Kieler Hafen

Sie fuhr darauf nach Horten, wurde aber zur sofortigen Instandsetzung in die Heimat zurückbeordert. Ohne Geleitschutz fahrend, erhielt sie am 11. April um 1:29 Uhr auf dem Rückmarsch nach Kiel beim Kap Skagen einen Torpedotreffer durch das britische U-Boot Spearfish. Hierbei knickte das gesamte Heck weg. Es gab 15 Tote. Die Propellerwellen und das Ruder wurden zerstört, so dass der Kreuzer antriebslos und manöverierunfähig trieb. Schiff und Mannschaft hatten aber Glück: Der Torpedo war der äußerste eines Fächers, der gerade noch eben das Heck getroffen hatte. Das U-Boot hatte seine letzten vier Torpedos auf die Lützow abgeschossen und konnte keinen weiteren Angriff fahren. Mit Hilfe von drei herbeigerufenen Kuttern der 19. Minensuchflottille konnte das Schiff nach einem vorübergehenden Festlaufen mit 1300 t Wasser im Rumpf nach Kiel geschleppt werden, das am Abend des 13. April erreicht wurde.

Unternehmen Sommerreise Während der langen Reparaturzeit im Dock VI der Deutschen Werke in Kiel erhielt sie am 9. Juli 1940 bei einem Luftangriff einen Treffer durch einen Blindgänger. Im Zuge der Reparatur wurde der gerade Bug in eine leicht sichelförmige Form gebracht. Erst ab 31. März 1941 war die Lützow wieder einsatzbereit. Am 10. Juni lief sie in Begleitung von fünf Zerstörern aus Kiel aus, um im Atlantik Kreuzerkrieg zu führen. An der Südwestspitze von Norwegen erhielt sie am 12. Juni durch eine Bristol Beaufort einen Torpedotreffer an der Backbordseite mittschiffs. Der Treffer hatte den Ausfall der Antriebsanlage zur Folge, doch gelang es schließlich, mit eigener Kraft den Rückmarsch anzutreten. Am Nachmittag des 14. Juni wurde Kiel erreicht. Die Reparatur im Trockendock dauerte bis zum 17. Januar 1942. Dabei wurde die bisherige Schornsteinkappe durch eine wesentlich höhere ersetzt. Auf die Haube des Vormars-Basisgeräts kam eine veränderte Funkmesseinrichtung.

Unternehmen Rösselsprung Vom 18. bis 26. Mai 1942 wurde die Lützow unter starkem Begleitschutz über Kristiansand und Trondheim nach Narvik in Norwegen verlegt. Am 3. Juli um 0:30 Uhr lief sie als Flaggschiff eines Flottenverbandes aus dem Ofotfjord aus, um den Nordmeergeleitzug PQ 17 anzugreifen. Im Tjeldsund hatte sie um 2:45 Uhr eine Grundberührung und riss sich den Heizölbunker X auf, so dass sie nach Narvik zurückkehren musste. Die Lützow kehrte nach einer Notreparatur im Lofjord im August nach Kiel zurück und wurde vom 28. August bis zum 30. Oktober bei den Deutschen Werken repariert.

Unternehmen Regenbogen Nach einer Ausbildungsphase in der Ostsee verlegte der Kreuzer am 8. Dezember 1942 von Gotenhafen unter Begleitung durch Zerstörer wieder nach Norwegen. Am 16. Dezember erreichte er den Altafjord, wo er zur dortigen Kampfgruppe trat. Im weiteren Verlauf dieses Unternehmens kam es zu der Schlacht in der Barentssee. Die Lützow erhielt keine Schäden und blieb weiterhin in Norwegen.

Ostsee