Die Familien-Partei Deutschlands (Kurzbezeichnung: Familie, Eigenschreibweise: FAMILIE) ist eine Kleinpartei in Deutschland, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Familie befasst.

Bei der Europawahl 2014 konnte die Partei erstmals ein Mandat auf überregionaler Ebene erringen, 2019 und 2024 gelang dies erneut.

Inhaltliches Profil Die Familien-Partei sieht sich selbst als freiheitlich-demokratische Partei der politischen Mitte. (PDF; 476 kB)

Die Partei lässt sich nur schwer eindeutig im herkömmlichen Links-Rechts-Spektrum verorten. Sie wird als bürgerlich-konservativ im Gesellschaftsbild beschrieben, da sie die Familie als Keimzelle der Gesellschaft betont. In vielen sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen vertritt sie jedoch auch Forderungen, die als progressiv oder sozial verstanden werden können, wie etwa die Forderung nach dem Erziehungsgehalt und weiteren Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Partei definiert Familie als Lebensgemeinschaft von Eltern mit Kindern, wobei nicht-eheliche Partnerschaften sowie Getrennterziehende ausdrücklich miteingeschlossen werden.

Die Einordnung als bürgerlich-konservativ im Parteienspektrum wird neben der Betonung der Rolle der Familie für Staat und Gesellschaft auch durch die Bündnispolitik mit der konservativ-ökologischen ÖDP, der Mitgliedschaft in der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament sowie durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Christlichen Politischen Partei gestützt. Traditionelle Begrifflichkeiten des Konservativismus, das traditionelle Familienbild, die intrafamiliäre Subsidiarität und Bezüge zu Religion und Kirche fehlen allerdings im Parteiprogramm. Im April 2021 trat der einzige Abgeordnete der Partei im Europäischen Parlament, Helmut Geuking, wegen der fehlenden Abgrenzung der EKR zur AfD und der zunehmend EU-kritischen Haltung aus der Fraktion aus und wurde Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei.

Die Einordnung als klassische Ein-Themen-Partei greift insofern zu kurz, als die Partei ein umfassendes Programm vertritt. Da sie Familienpolitik als Querschnittsaufgabe definiert, leitet sie aus diesem Kernfokus eigenständige Positionen für andere Politikfelder ab und deckt somit ein breites Themenspektrum ab.

Europapolitisch ist die Familien-Partei als pro-europäisch zu verorten mit dem Ziel einer fortschreitenden europäischen Integration, insbesondere auch im außen- und sicherheitspolitischen Bereich. Nichtsdestotrotz kritisiert sie ein zunehmendes Defizit in der strukturellen Arbeitsweise der Europäischen Union und setzt sich für eine Stärkung des Europäischen Parlaments und mehr direkte Bürgerbeteiligung ein.

Parteiprogramm Für die Bundespartei liegt ein mehrfach überarbeitetes Programm vor., auf wählefamilie.de, abgerufen am 13. Oktober 2020.

Für die Europawahl in Deutschland 2019 hat sich die Partei ein aktuelles Wahlprogramm gegeben.2019 Familien-Partei Deutschlands (PDF), auf wählefamilie.de, abgerufen am 13. Oktober 2020.

Geschichte 1981 bis 2013 Die Familien-Partei wurde 1981 in Bayern unter der Bezeichnung Deutsche Familien-Partei e. V. (FP) gegründet. Sie war aus dem Verein Mutter als Beruf hervorgegangen, der Ende der 1970er Jahre versucht hatte, bessere wirtschaftliche Verhältnisse für Mütter zu schaffen. 1989 wurde die Partei von dem Kinderarzt Franz-Josef Breyer aus St. Ingbert/Saarland, der von 1989 bis 2006 auch Bundesvorsitzender der Partei war, wieder belebt. Die Kurzbezeichnung wurde später in Familie geändert. Der Parteiname lautete seit Mitte der 1990er Jahre Familien-Partei Deutschlands – Familie und wurde 2006 in Familien-Partei Deutschlands geändert. Ende 2006 übernahm Arne Gericke das Amt des Bundesvorsitzenden.

Mitte 2004 gab es erste Kooperationsgespräche mit der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). Bei der saarländischen Landtagswahl am 5. September 2004 kandidierten ÖDP-Mitglieder auf der Liste der Familien-Partei, die 3,0 Prozent erreichte. Bei der Landtagswahl in Brandenburg erreichte die Partei 2,6 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2005 verzichtete die ÖDP zugunsten der Familien-Partei auf eine Kandidatur. Gegen die vorgezogene Bundestagswahl 2005 reichten ÖDP und Familien-Partei Klage vor dem Bundesverfassungsgericht ein, da die Frist zur Sammlung von Unterstützungsunterschriften drastisch verkürzt wurde. (PDF) Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 2006 verzichtete die Familien-Partei zugunsten der ÖDP. Ende 2006 beschloss die Familien-Partei jedoch, keine Fusion mit der ÖDP anzustreben, wodurch die Zusammenarbeit der Parteien beendet wurde.

Im Saarland verfügt die Partei über 19 kommunale Mandate. Bei der Landtagswahl im Saarland 2009 verlor die Partei einen Prozentpunkt und wurde mit 2,0 % Stimmenanteil stärkste Partei außerhalb des Landtags.

Im November 2010 wurde auf dem Bundesparteitag in Kassel der Bundesvorstand neu gewählt. Erhard Lahni löste als Bundesvorsitzender Arne Gericke ab. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2011 erreichte die Familienpartei 1,5 Prozent der Stimmen.

mini|hochkant|Hans Wagner bei seiner Amtseinführung 2012 Im November 2011 wurde Hans Wagner als unabhängiger Kandidat zum Oberbürgermeister der Stadt St. Ingbert gewählt und trat im Juli 2012 das Amt an.Unabhängiger Kandidat Wagner löst CDU-OB in St. Ingbert ab. In: Saarbrücker Zeitung. 7. November 2011, S. A1. Er war bis September 2015 Mitglied der Familien-Partei.Oberbürgermeister ist nicht mehr Mitglied der Familien-Partei. saarbruecker-zeitung.de, 17. September 2015.

Bei der Landtagswahl im Saarland 2012 erreichte die Familien-Partei 1,7 Prozent der Stimmen. Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2012 verfehlte die Familien-Partei mit 0,96 % die auf Landesebene geltende Ein-Prozent-Hürde für Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung. 2012 schloss sich die Partei Soziale Gerechtigkeit – Nordrhein-Westfalen, eine Abspaltung der WASG, der Familien-Partei an. Auf dem Bundesparteitag im November 2013 wurde Maria Hartmann von den Mitgliedern als Bundesvorsitzende bestätigt, nachdem sie das Amt kommissarisch übernommen hatte.

2014 bis 2016 Bei der Europawahl 2014 wurde Arne Gericke erneut zum Spitzenkandidaten gewählt und erhielt das Listenmandat seiner Partei zum Europäischen Parlament, nachdem die zuvor geltende Sperrklausel durch das Bundesverfassungsgericht aufgehoben worden war.Dreiprozenthürde bei Europawahl ist verfassungswidrig, auf zeit.de Im Europaparlament schloss sich Gericke der europakritischen Fraktion der Europäischen Konservative und Reformisten um die Dänische Volkspartei, die polnische Recht und Gerechtigkeit von Jarosław Kaczyński, die rechtspopulistischen Finnen, die britische Conservative Party sowie bis April 2016 die AfD an. März 2016 beantragte der Europaabgeordnete der Familien-Partei Arne Gericke beim EKR-Vorstand seiner Fraktion den Ausschluss der beiden AfD-Abgeordneten.Bringt er die AfD in Brüssel zu Fall? Im Mai 2014 konnten bei der Kommunalwahl im Land Brandenburg wieder Mandate errungen werden. Knut Leitert zog in den Ortsbeirat, in die Gemeindevertretung sowie in den Kreistag Havelland ein. In der folgenden Landtagswahl kandidierte Leitert auf der Liste der Freien Wähler, die bekanntlich in den Landtag einzog. Zum Bundesparteitag im November 2014 wählten die Mitglieder der Familien-Partei einen neuen Vorstand. Roland Körner konnte sich im ersten Wahlgang gegen die bisherige Bundesvorsitzende Maria Hartmann und einen weiteren Herausforderer durchsetzen und übernahm das Amt des Bundesvorsitzenden.

Auf dem Parteitag vom März 2015 verabschiedete die Partei mit großer Mehrheit, dass man die Abkommen TTIP, CETA und TISA ablehnt. Von September 2015 bis Juni 2018 hatte die Familien-Partei durch Übertritt des Stadtrats Julien Ferrat von der Partei Die Linke ihr erstes kommunales Mandat in Baden-Württemberg im Gemeinderat von Mannheim.

Im März 2016 trat der fraktionslose (bis 2015 AfD danach ALFA) Thüringer Landtagsabgeordnete Siegfried Gentele in die Familien-Partei ein. Damit ist die Partei erstmals in einem Landtag vertreten. Am 25. Juni 2016 machte der Bundesvorstand von seinem satzungsgemäßen Vetorecht Gebrauch und annullierte die Mitgliedschaft. Im Juli 2016 fasste der Bundesparteitag als oberstes Organ der Partei den Beschluss, dass Gentele weiterhin als Parteimitglied zu führen sei. Wenige Tage später stellte Gentle Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Verleumdungh2294096.stratoserver.net und forderte den Rücktritt des Bundesvorsitzenden.

Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2016 erlangte die Familien-Partei ihr erstes kommunales Mandat in Niedersachsen in Wolfsburg. Zum Bundesparteitag im November 2016 in Offenburg wählten die Mitglieder der Familien-Partei einen neuen Vorstand. Arne Gericke wurde zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt.Familienpartei - Michel neu im Bundesvorstand, auf wolfsburger-nachrichten.de Roland Körner kandidierte nicht mehr.

Bei der Landtagswahl 2017 im Saarland erreichte die Partei 0,8 % der Stimmen (zuvor 1,7 %) und verlor hier den Anspruch auf staatliche Parteienfinanzierung.

Im Mai 2017 erklärte der Bundesvorsitzende und Europaabgeordnete Arne Gericke seinen Rücktritt und seinen Austritt aus der Partei.Gericke von der Familienpartei wechselt zu Freien Wählern, auf abendblatt.de Kommissarisch übernahm der 1. stellvertretende Vorsitzende Helmut Geuking den Bundesvorsitz der Partei, bis ein neuer Vorsitzender gewählt wird. Danach lösten sich die Landesverbände Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf.Familienpartei in Wolfsburg vor dem Aus, auf waz-online.de

Seit 2017 Zur Bundestagswahl 2017 trat die Partei mit einem Direktkandidaten an, der 506 Erststimmen erhielt.

Auf einem Bundesparteitag im April 2018 wurde der kommissarische Bundesvorsitzende Helmut Geuking zum Spitzenkandidaten zur Europawahl in Deutschland 2019 gewählt.

Die Partei Die Bürgerlobby löste sich 2018 auf und schloss sich der Familien-Partei an.Die Bürgerlobby schließt sich der Familien-Partei an Die Familien-Partei beschloss 2018, den Mitgliedern der Partei Demokratische Bürger Deutschland (DBD) eine begrenzte Doppelmitgliedschaft einzuräumen. Auf dem Bundesparteitag Ende September in Billerbeck wurde der Bundesvorstand neugewählt und Geuking als Bundesvorsitzender bestätigt.

Bei der Europawahl in Deutschland 2019 erreichte die Partei bundesweit 0,7 % der Stimmen und erreichte ein Mandat. Im Juni 2019 löste sich die Partei Demokratische Bürger Deutschlands auf und schloss sich der Familien-Partei an. Der bisherige Vorsitzende der DBD Ralf Piekenbrock wurde zum Generalsekretär der Familienpartei berufen.PARTEITAG DER DBD UND DER FAMILIENPARTEI IN BILLERBECK Auf dem Bundesparteitag im September 2019 wurde mit großer Mehrheit beschlossen, der europäischen Partei European Christian Political Movement (ECPM, seit 2025 European Christian Political Party (ECPP)) beizutreten. Geuking trat wie zuvor Gericke der EKR-Fraktion bei.

Im Juli 2020 wurde der Landesverband in Hamburg gegründet.Landesverband in Hamburg gegründet Auf dem Bundesparteitag im September 2020 in Billerbeck wurde der Europaabgeordnete und bisherige Bundesvorsitzende Helmut Geuking mit großer Mehrheit bestätigt. Im November 2020 wurde der Landesverband in Thüringen gegründet. Im April 2021 wechselte Geuking von der EKR zur EVP-Fraktion. Als Grund gab Geuking fehlende Abgrenzung der Fraktion zur AfD und zur polnischen PiS (die der Fraktion selbst angehört) an. mini|Europaabgeordneter Niels Geuking (2024)