Sextus Pompeius Magnus Pius (* um 67 v. Chr. in Rom; † 35 v. Chr. in Milet) war ein römischer Feldherr und Politiker. Nach dem Tod seines Vaters Gnaeus Pompeius Magnus wurde er Führer der pompeianischen Partei. Als die Caesarianer im Zweiten Triumvirat 43 v. Chr. nach der Macht griffen, leistete er von Sizilien aus Widerstand und blockierte mit seiner Flotte Italien. Von der Propaganda Octavians wurde er als Pirat verunglimpft, doch durch die Rettung der von den Triumvirn verfolgten Senatoren und ihre im Vertrag von Misenum erzwungene Rehabilitierung leistete er einen entscheidenden Beitrag zur Wiederherstellung der Rechtssicherheit im Römischen Reich. Nach jahrelangen wechselvollen Kämpfen wurde er 36 v. Chr. von Marcus Vipsanius Agrippa besiegt.
miniatur|hochkant=2.2|Aureus des Sextus Pompeius, 42–40 v. Chr. geprägt in Sizilien (8,39g). Vorderseite mit Porträt des Sextus Pompeius im Kranz aus Eichenlaub und Aufschrift MAG(ni filius) PIUS IMP(erator) ITER(um). Revers mit Aufschrift PRAEF(ectus) CLAS(sis) ET ORAE MARIT(imae) EX S(enatus) C(onsulto) und Profilen des verstorbenen Vaters (links) und des verstorbenen Bruders (rechts). Links außen ein Lituus, rechts außen ein Dreifuß, zur Bekräftigung seines Anspruchs auf das Amt des Augurs.
Leben Kindheit und Jugend
Sextus Pompeius war der jüngste Sohn von Gnaeus Pompeius Magnus und dessen dritter Frau Mucia Tertia. Nach Appian soll er bei seinem Tod 40 Jahre alt gewesen sein, woraus das Jahr 75 als sein Geburtsjahr abzuleiten wäre.Appian, Bürgerkriege 5,144 (englische Übersetzung). Die fehlende militärische Verwendung bis zum Jahr 47 v. Chr. legt jedoch nahe, dass er erheblich später geboren wurde, unter Berücksichtigung der Feldzüge seines Vaters vielleicht 67 v. Chr.Vgl. Sein älterer Bruder von derselben Mutter war Gnaeus Pompeius der Jüngere. Zwischen den beiden Brüdern gab es noch eine Schwester, Pompeia.
Nach seiner triumphalen Rückkehr aus dem östlichen Mittelmeerraum ließ Pompeius sich von Mucia Tertia scheiden und heiratete zur Bekräftigung des später so genannten „Ersten Triumvirats“ Iulia, die Tochter Gaius Iulius Caesars, die ab 59 v. Chr. die Stiefmutter der Kinder des Pompeius war. Nach dem Tod Iulias im Jahr 54 v. Chr. und dem Tod des dritten Triumvirn, Marcus Licinius Crassus, in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr. kam es zur Entfremdung zwischen Pompeius und Caesar, da Pompeius sich wieder der Senatsfraktion um Marcus Porcius Cato den Jüngeren annäherte.
Als Caesar im Jahr 49 v. Chr. den Rubikon überschritt und damit den Bürgerkrieg begann, begleitete Gnaeus der Jüngere seinen Vater und die meisten konservativen Senatoren bei der Flucht in den Osten, wo er als Flottenkommandant eingesetzt wurde. Sextus war dazu offenbar noch zu jung und blieb unter der Obhut seiner neuen Stiefmutter Cornelia Metella zunächst in Rom. Gnaeus Pompeius floh nach seiner Niederlage in der Schlacht von Pharsalos im Jahr 48 v. Chr. zu Schiff nach Mytilene auf der Insel Lesbos, wo Cornelia und Sextus ihn erreichten. Von dort begleiteten sie ihn nach Ägypten, wo Sextus während der Landung am 29. September desselben Jahres vom Schiff aus Zeuge der Ermordung seines Vaters wurde.Florus 2,13,52 (online).
Nach dem Mord kehrte Cornelia nach Rom zurück, während Gnaeus und Sextus den Widerstand gegen Caesar in der Provinz Africa fortsetzten. Zusammen mit Metellus Scipio, Cato und anderen Senatoren bereiteten sie sich auf den Kampf gegen Caesar und seine Armee vor. Im Jahr 46 v. Chr. siegte Caesar gegen Scipio in der Schlacht bei Thapsus, woraufhin Cato in Utica Selbstmord beging. Nach der Niederlage floh Sextus mit der pompejanischen Flotte. Auf den Balearen trafen die Brüder wieder zusammen und setzten mit Titus Labienus, einem früheren General Caesars, nach Hispanien über, um eine neue Armee aufzustellen. Dabei erhielt der vielleicht 21-jährige Sextus unter dem Oberbefehl seines Bruders Gnaeus erstmals ein selbständiges Kommando in Corduba, das er zunächst auch gegen die anrückenden Legionen Caesars halten konnte.
Anfänge in Spanien miniatur|hochkant=1.2|Karte Hispaniens im Altertum Am 20. April 45 v. Chr. kam es in der Schlacht von Munda zur Entscheidung. Beide Armeen waren stark und wurden von fähigen Generälen geführt. Vermutlich brachte eine Kavallerieattacke Caesars ihm den Sieg. Titus Labienus und schätzungsweise 30.000 seiner Männer starben nicht nur in der Schlacht, sondern auch auf der anschließenden panikartigen Flucht. Gnaeus und Sextus gelang es erneut zu entkommen. Jetzt aber waren Unterstützer nur noch schwer zu finden, da nach dieser Schlacht der endgültige Sieg Caesars eindeutig war. Innerhalb einiger Wochen wurde Gnaeus Pompeius gefangen und wegen Verrats hingerichtet. Als Caesar erneut gegen Corduba vorrückte, verließ Sextus die Stadt und floh in das Land der Keltiberer, wo er freundlich aufgenommen wurde. Caesar sah in ihm offenbar keine Bedrohung mehr und kehrte mit dem größten Teil seiner Truppen nach Rom zurück, um einen Triumph zu feiern.
Daraufhin begann Sextus in Spanien mit kleineren Plünderungen, und nach den ersten Erfolgen erhielt er bald wieder Zulauf von ehemaligen pompejanischen Soldaten und von Arabios, Sohn des numidischen Königs Massinissa II. Im Sommer 44 befehligte er bereits sechs Legionen, denen die Legaten Caesars, Gaius Asinius Pollio und Marcus Aemilius Lepidus, nicht gewachsen waren.Cassius Dio, Römische Geschichte 45,10,3 (englische Übersetzung).
Am 15. März 44 v. Chr. wurde Caesar in Rom von einer Gruppe Senatoren unter Führung von Gaius Cassius und Marcus Iunius Brutus ermordet. Diese Tat provozierte einen erneuten Bürgerkrieg, diesmal zwischen Caesars selbsterklärten politischen Erben und seinen Mördern. Sextus Pompeius war inzwischen nach seinem Sieg über Asinius Pollio zum Imperator ausgerufen worden, und nachdem er von Baetica auf die Tarraconensis ausgegriffen hatte, rechnete man in Rom mit seinem Eingreifen. Sextus zeigte zunächst aber wenig Interesse an der politischen Auseinandersetzung und forderte in einem Schreiben an die Konsuln lediglich die Rückgabe des väterlichen Erbes und die Entlassung aller Heere. Der Konsul Marcus Antonius, der durch Scheinkauf die Güter des Gnaeus Pompeius erworben hatte, suchte nun einen Vergleich mit dem Sohn, der durch Vermittlung des Lepidus auch zustande kam und Sextus 700 Millionen Sesterzen Entschädigung und freie Rückkehr nach Rom zusicherte.Cicero, ad Atticum 14,22,2 (online) und 16,4,2 (online); sowie Appian, Bürgerkriege 3,4 (englische Übersetzung).
miniatur|hochkant=1.4|Denarius (3.85 g, 3h) des Sextus Pompeius, geprägt 44 bis 43 v. Chr. in Massilia anlässlich seiner Ernennung zum Präfekten der römischen Flotte. Auf der Vorderseite der Kopf des verstorbenen Vaters Gnaeus Pompeius Magnus mit Blick nach rechts, davor ein Dreizack, darunter ein Delphin und dahinter die Schrift NEPTUNI; auf der Rückseite eine Trireme unter Segeln und ein Stern; Signatur des Münzmeisters Q. NASIDIUS. Präfekt der Flotte
Pompeius ging nun mit seiner Flotte nach Massilia, wo er sich noch abwartend verhielt, während er von Marcus Tullius Cicero und der Senatspartei umworben wurde. Antonius suchte den jungen Pompeius auch weiter an sich zu binden und ließ ihn wenig später durch den Senat zum Flottenpräfekten (praefectus classis et orae maritimae) ernennen. Sextus nutzte die neue Position, um die römische Flotte in Massilia zusammenzuziehen.Appian, Bürgerkriege 4,84 (englische Übersetzung).
Nachdem Octavian, der Adoptivsohn Caesars, im August 43 trotz seiner Jugend Konsul geworden war und sich so als eigenständiger Führer der caesarianischen Partei etablieren konnte, war die Rivalität zwischen dem jungen Caesar und dem jungen Pompeius jedoch programmiert, und so wurde Sextus, obwohl er mit der Ermordung Caesars in keinerlei Zusammenhang gestanden hatte, durch die lex Pedia geächtet und seiner amtlichen Stellung für verlustig erklärt. Er hoffte wohl zunächst noch auf eine Revision, aber am 27. November 43 bildeten Octavian, Antonius und Lepidus das Zweite Triumvirat mit dem Ziel, Caesars Tod zu rächen und jegliche Opposition zu unterdrücken. Da auch Pompeius in den Proskriptionslisten der Triumvirn geächtet wurde, musste ihm nun die Unvermeidbarkeit des Kampfes klar werden.Cassius Dio, Römische Geschichte 46,48,4 (online) und 48,17,2 (online), sowie Orosius 6,18,19 (online).
Gestützt auf die vorgelagerten Inseln und die Flotte, gelang es ihm, seinen Anhang durch Überläufer, Piraten, entlaufene Sklaven und vor allem Proskribierte zu vermehren, indem er den Rettern der Verfolgten das Doppelte des von den Triumvirn ausgesetzten Preises versprach. Die Beherrschung des Tyrrhenischen Meeres erlaubte ihm bald auch Überfälle auf verschiedene Küstenorte, während seine Macht und sein Ansehen ständig zunahmen.Cassius Dio, Römische Geschichte 47,12,3 (online).
Eroberung Siziliens und Blockadekrieg
miniatur|hochkant=1.2|Karte Siziliens und Süditaliens in der Antike mit Syrakus und Golf von Neapel
Zur Gewinnung eines festen Stützpunktes wandte sich Sextus im Dezember 43 in richtiger Einschätzung der strategischen Verhältnisse gegen Sizilien, das er bis zum März 42 unter seine Kontrolle brachte. Den bisherigen Statthalter Pompeius Bithynicus, der Messana übergeben hatte unter der Bedingung, dass sie sich die Regierung teilen würden, ließ Sextus nach einer Anstandsfrist beseitigen. Durch die Eroberung Siziliens bekam der junge Pompeius die Zeit und die Mittel, erneut eine Armee aufzustellen, während seine Flotte von ihrer zentralen Position die Getreideversorgung Roms gefährdete.
Durch Abfangen der Seetransporte und Überfälle auf die Küste erreichte Sextus tatsächlich, dass in Rom eine Hungersnot ausbrach. Octavian entsandte daraufhin im Frühsommer 42 Quintus Salvidienus Rufus mit einer Flotte, die von Pompeius jedoch bei Scyllaeum in der Straße von Messina gestellt und zurückgetrieben wurde. Die Größe dieses Erfolges veranlasste Sextus, den jungen Caesar in einem Schaugefecht zu verhöhnen und sich als Sohn des Meeresgottes Neptun zu bezeichnen, wozu er seinen purpurnen Imperatorenmantel gegen einen blauen vertauschte.Cassius Dio, Römische Geschichte 48,18-19; Livius, periochae 123 (online); Appian, Bürgerkriege 5,100.
miniatur|hochkant=1.4|Denarius (3,5 g) des Sextus Pompeius, geprägt 42 v. Chr. anlässlich seines Sieges über die Flotte Octavians. Auf der Vorderseite eine Trireme mit Adler, Szepter und Dreizack vor dem Pharos von Messina mit der Statue Neptuns. Auf der Rückseite das Monster Skylla, das Octavian besiegt haben soll.
Nach der Doppelschlacht von Philippi und dem anschließenden Suizid der Caesarmörder Cassius und Brutus flohen die Überlebenden unter Lucius Staius Murcus mit beachtlichen Geldmitteln, zwei Legionen, 500 Bogenschützen und 80 Schiffen nach Sizilien. Auch mit dieser Verstärkung vermied Sextus eine eindeutige Frontstellung gegen Octavian und suchte lediglich eine Verbindung zu Antonius. Nach Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den Triumvirn bat Antonius um Unterstützung, und Sextus sandte seinen Flottenkommandanten Menodoros zum Angriff auf Sardinien und Korsika, die nach kurzem Kampf erobert wurden (wobei der Freibeuter Marcus Titius im Narbonensischen Meer gefangen genommen wurde), während Sextus selbst mit Flotte und Reiterei die Städte Thurii und Consentia in Bruttium angriff.Appian, Bürgerkriege 5,52 und 5,56.
Trotz dieser tatkräftigen Unterstützung wurde Sextus im Vertrag von Brundisium, mit dem die Streitigkeiten zwischen den Triumvirn im September 40 beigelegt wurden, von Antonius übergangen, weshalb er seine Eroberungen behielt und den Kaperkrieg fortsetzte. Die Versorgungsschwierigkeiten führten in Rom zu Sympathiekundgebungen für Pompeius, die schließlich in offenen Aufruhr übergingen. Diesem Druck der Straße musste Octavian schließlich nachgeben, so dass er Mucia Tertia, die Mutter des Sextus, nach Sizilien schickte und für den folgenden Sommer eine Zusammenkunft vereinbarte.Appian, Bürgerkriege 5,69.