Die Königspitze (auch Königsspitze, ) ist mit Basemap auf maps.civis.bz.it, abgerufen am 14. Oktober 2025. (nach anderen Angaben Franzisco-Josephinische Landesaufnahme 1:25.000 auf maps.arcanum.com, abgerufen am 14. Oktober 2025 (angegeben sind 2032,4 Klafter à 1,8965m = 3.854m)., Franzisco-Josephinische Landesaufnahme 1:75.000 auf maps.arcanum.com, abgerufen am 14. Oktober 2025. oder Alpenvereinsführer S. 237.) der zweithöchste Gipfel der Ortler-Alpen in Italien. Der für seine auffallende Form bekannte, stark vergletscherte Dolomitberg liegt an der Grenze zwischen Südtirol und der Lombardei. Dass Stephan Steinberger im Jahre 1854 die Erstbesteigung gelungen sein soll, wurde lange Zeit angezweifelt und sorgte jahrzehntelang für Kontroversen. Während des Ersten Weltkriegs war die Königspitze von hoher strategischer Bedeutung und bis in die Gipfelregion stark umkämpft. Im 20. Jahrhundert lag die alpinistische Bedeutung des Berges vor allem in seiner Nordwand und der als Schaumrolle bekannten, mittlerweile nicht mehr existierenden Wechte am Gipfelgrat. Durch den starken Gletscherschwund und das Auftauen des Permafrostes ist das Bergsteigen an der Königspitze heute beeinträchtigt.

Lage und Umgebung Die Königspitze liegt an der südwestlichen Grenze Südtirols zur lombardischen Provinz Sondrio. Sie ist Teil der nördlichen Ortler-Alpen, genauer des Ortler-Hauptkamms. Nordwestlich von ihr liegen der Monte Zebrù () und der Ortler (). Der Ortler-Hauptkamm trennt hier das Südtiroler Suldental mit dem Ort Sulden () im Nordosten vom Valle di Cedec im Südosten und dem Val Zebrù im Südwesten, die beide in der Lombardei liegen. Dieses Gebiet liegt vollständig innerhalb des Nationalparks Stilfserjoch.

Nach Norden hin fällt die Königspitze mit steilen, großteils vereisten Wänden zum Königswandferner hin ab, einem steilen Gletscher, der in den darunterliegenden Suldenferner mündet. Westlich des Königswandferners verläuft der Lange Suldengrat, auch Mitschergrat. Westlich davon fließt mit dem Payerferner ein weiterer Gletscher zum Suldenferner. Der Westgrat – eigentlich Nordwestgrat – der Königspitze wird Kurzer Suldengrat genannt und verläuft zum hohen Suldenjoch, dem Übergang zum Monte Zebrù. Im Westen dieses Passes liegt der nach Süden zum Zebrùtal abfließende Zebrùferner. Ein Seitengrat des Suldengrats verläuft zur hohen Cima della Miniera und trennt den Zebrùferner von der Vedretta della Miniera. Südwestlich der Königspitze, am Beginn des vom Hauptkamm hier abzweigenden Confinale-Kamms, liegt der Vorgipfel der Pale Rosse (), in deren Norden der Pass Col Pale Rosse () die Vedretta della Miniera mit der unterhalb der felsigen Südwand gelegenen Vedretta del Gran Zebrù verbindet. Dieser Gletscher fließt nach Südosten ins Valle di Cedec ab. Der breite, verfirnte Südostrücken der Königspitze fällt zum hohen Königsjoch ab, von dort setzt sich der Ortler-Hauptkamm weiter in Richtung Osten zur hohen Kreilspitze fort. Die steile Ostwand der Königspitze verläuft nördlich dieses Rückens hinab zum östlichen Teil des Suldenferners.

Geologie mini|hochkant|Magmatischer Gang, als rötliche Linie im grauen Dolomitfels erkennbar (Kreis), oberhalb der Mündung des Königswandferners in den aufgrund der Brüchigkeit des Dolomits schuttbedeckten Suldenferner mini|hochkant|Moränenschutt am Suldenferner: Links Kristallin von der Kreilspitze, Mitte rötlicher Magmatit vom Königsjoch, rechts heller Dolomit von der Königspitze

Der Gipfelaufbau der Königspitze besteht wie der von Ortler und Monte Zebrù im Wesentlichen aus Hauptdolomit, einem Flachwasser-Sedimentgestein der Obertrias, genauer des Noriums. Er weist die typische, meist waagrechte, hier aber auch verfaltete Bankung auf, wie sie auch in den nahegelegenen Dolomiten auftritt. Im Unterschied zu den dortigen Gesteinen ist der hiesige Dolomit jedoch schwach metamorph überprägt, das heißt, er wurde in der Oberkreide vor etwa 90 Millionen Jahren unter hohem Druck und bei etwa 400 °C (obere Grünschieferfazies) in einen Dolomitmarmor umgewandelt. Modernen Ansichten über die Entstehung der Alpen zufolge geschah dies bei der nordwärts gerichteten Verschiebung der heutigen Nördlichen Kalkalpen über die Ortler-Alpen hinweg.Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen. S. 25. Das Gestein zeichnet sich daher außer durch seine dunklere, graue Farbe vor allem durch das Fehlen von Fossilien aus, da diese während der Metamorphose zerstört wurden.Wolfgang Pusch: Ortler – Königspitze – Zebrù. S. 15.

Außerdem liegt der Dolomit der Königspitze deutlich höher als in den meisten anderen Verbreitungsgebieten dieses Gesteins und unterliegt daher in deutlich höherem Ausmaß der Frostverwitterung als der Fels der Dolomiten, der von fließendem Wasser geprägt ist. An der Königspitze weist das Gestein glattere Oberflächen und eine große Brüchigkeit auf, wodurch es sich schlechter zum Klettern eignet. Eingelagert in den Hauptdolomit finden sich neben einigen mehrere Meter dicken Olisthostromen auch Schichten von Kalkschiefer. Insgesamt erreicht die Dolomitschicht hier eine Mächtigkeit von bis zu 1000 Metern, weshalb häufig vermutet wird, durch mehrfache Überschiebung habe sich hier eine ursprünglich dünnere Sedimentschicht zu solcher Dicke aufgestapelt. Diese Frage gilt jedoch bis heute als nicht ganz geklärt, da die Ortlergruppe immer noch ungenügend geologisch untersucht ist. Geologische Forschungen waren aufgrund der Gletscherbedeckung lange Zeit schwierig, erst in den letzten Jahrzehnten wurde durch den Gletscherschwund mehr Gestein freigelegt.Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen. S. 26.

Die Königspitze bildet den südöstlichen Abschluss dieses Dolomitmassivs. Schon die benachbarte Kreilspitze besteht ebenso wie das Fundament der Königspitze aus Veltliner Basiskristallin. Dieses Kristallin hat vor der kreidezeitlichen schon weitere Umwandlungen erlitten, vor allem während der Kaledonischen und der Variszischen Orogenese. Es handelt sich hauptsächlich um Gneis, Glimmerschiefer und Phyllit. Zwischen Kristallin und Dolomit sind Sedimente (Konglomerate, Sandsteine und Gips) aus der Untertrias sowie Alpiner Verrucano aus dem Perm zu finden, diese Schichten sind aber nur wenige Meter mächtig.

Eine Besonderheit an der Königspitze sind tertiäre Ganggesteine, genauer basalt- und dioritähnliche Magmatite, die hier aufgrund der Nähe zur Periadriatischen Naht den Dolomit durchsetzen. Sie sind hauptsächlich an der Ostseite der Königspitze zu finden und setzen sich nicht im darunterliegenden Kristallin fort. Das deutet darauf hin, dass die Dolomitschicht der Königspitze von einer späteren Verschiebung betroffen war, welche diese Gänge abgeschnitten hat.Manfred Reichstein, Geologie der Ortlergruppe, in:Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen. S. 28. Während die meisten dieser Gänge äußerst schmal sind, ist das Gebiet um das Königsjoch großteils aus solchen Intrusivgesteinen aufgebaut. Hier stand auch das markante Königsmandl oder Kinimandl, ein 30 Meter hoher Felsturm aus dioritischen und tonalitischen Gesteinen. 1994 stürzte das Kinimandl großteils in sich zusammen.

Klima und Vergletscherung mini|Vergletscherung der Königspitze 1917 und 2000 (Von Osten)

Das Klima der Ortler-Alpen ist deutlich vom Mittelmeerklima beeinflusst und daher trockener und milder als das in den nahegelegenen Zentralalpen, welche die Ortler-Alpen vor den Niederschlägen der Alpennordseite abschirmen. Die Jahresniederschläge übersteigen kaum 1000 Millimeter pro Jahr. Die Schneegrenze liegt hier deutlich höher als in den Zentralalpen.

Das hohe Ausmaß an Vereisung an der Königspitze ist daher nur zum Teil auf die in der Höhe niedrigen Temperaturen zurückzuführen. Die Entstehung der tiefer liegenden Gletscher um den Berg, insbesondere des Suldenferner, ist eher eine Folge der topographischen Verhältnisse. Diese Gletscher besitzen nur kleine Niederschläge akkumulierende Nährgebiete und werden großteils von Eis- und Schneelawinen gespeist, die über die steilen Flanken abgehen. Im flacheren Gelände unterhalb der Steilwände können sich diese Schnee- und Eismassen zu Gletschern sammeln. Durch den anhaltenden Steinschlag aufgrund des brüchigen Dolomitgesteins kommt es hier zu einer besonders starken Schuttbedeckung, insbesondere am Suldenferner, der teilweise komplett unter Gestein verborgen liegt.Wolfgang Pusch: Ortler – Königspitze – Zebrù. S. 16. alternativtext=Schwarz-weiß Fotografie eines spitzen Berggipfels mit Schnee und Eismassen auf dunklem Fels|mini|Bild der Königspitze vom August 1909 vom Eisseepass aus gesehen Der Rückgang der Gletscher nach der Kleinen Eiszeit unterschied sich in der Ortler-Alpen auffallend von den meisten anderen Alpengletschern, die etwa um 1860 ihren Höchststand erreichten. Am Suldenferner kam es deutlich früher, zwischen 1817 und 1819, zu einem äußerst raschen Vorstoß, der sogar das Siedlungsgebiet von Sulden bedrohte. Von einem kleineren, weiteren Vorstoß Mitte des 19. Jahrhunderts abgesehen ging er seither ebenso wie die anderen Gletscher der Region fast ständig zurück. Ende des 20. Jahrhunderts nahm der Gletscherschwund zu. Die Gründe liegen dabei nicht in einem stärkeren Abschmelzen in der Zehrzone der Gletscher, sondern in einem Rückzug der Nährgebiete bis in eine Höhe von über aufgrund der höheren Sommertemperaturen. In den tieferen Regionen bildet die mächtige Schuttbedeckung einen Schutz gegen das Abschmelzen, so dass der Gletscher hier nach wie vor bis etwa , also etwa 300 Meter tiefer als auf der anderen Talseite des Suldentals, hinabreicht. Das Zurückgehen des Eises hat große Auswirkungen auf den Alpinismus an der Königspitze, da viele klassische Routen schwieriger und durch die erhöhte Steinschlaggefahr auch gefährlicher werden, so dass sie teilweise kaum noch begehbar sind.

Eine Besonderheit der Königspitze war die Schaumrolle, eine große, weit über die Nordwand hinausragende, zu einem Hängegletscher vereiste Wechte am Gipfel. Eiswechten dieser Art bilden sich ansonsten in den Alpen kaum und sind eher aus dem Himalaya bekannt. Schon öfter brachen hier ähnliche Wechten ab und bildeten sich neu, die Schaumrolle der 1950er Jahre galt als größte Wechte der Alpen. Um 1960 brach die Schaumrolle ab, bildete sich in den nächsten Jahren jedoch neu, wobei diese neue Wechte zwar weniger ausladend, aber voluminöser als die alte war. In der Nacht zum 5. Juni 2001 brach die neue Schaumrolle wiederum ab, wobei die Menge des abgebrochenen Eises auf 7000 m³ geschätzt wird. Seither bilden sich nur langsam wieder neue Wechten, es wird vermutet, dass die durch die Globale Erwärmung heute weniger vereiste Nordwand nicht mehr die Voraussetzungen zur Bildung einer neuen Schaumrolle bieten könnte.Wolfgang Pusch: Ortler – Königspitze – Zebrù. S. 17–19.Peter Holl: Alpenvereinsführer Ortleralpen. S. 237–238, 243.

Flora und Fauna mini|hochkant|Frühlingsküchenschelle auf den alpinen Matten des Valle di Cedec südlich der Königspitze