Ohorn ist eine Gemeinde in Sachsen und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Pulsnitz.
Geographie und Verkehr Die Gemeinde befindet sich etwa zwei Kilometer südöstlich von Pulsnitz und 30 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Dresden. Die Bundesautobahn 4 verläuft durch das Gemeindegebiet und ist über den Anschluss Ohorn zu erreichen. Ohorn liegt an den Ausläufern des Westlausitzer Berglandes, im Tal der Pulsnitz, die auch hier, am Westhang des Tannebergs auf ca. 360 Metern Höhe, entspringt. Der Tanneberg gehört zur Hochstein-Bergkette. Der Hochstein selbst erreicht eine Höhe von 449 Metern.
Ortsgliederung Ohorn besteht aus den Ortsteilen: Fuchsbelle Gickelsberg Mitteldorf Oberdorf Röderhäuser
Geschichte und Entwicklung Es waren deutsche Ritter um 1110, die Bauern und Handwerker aus Thüringen, Hessen, Franken und Bayern in die Gegend des Pulsnitztales riefen. Dadurch entstand am Südwesthang des Schleißbergs eine kleine Siedlung von etwa 20 Hektar Größe. Die Pulsnitz galt als eine wichtige Lebensgrundlage. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte allerdings erst im Jahre 1349 im Lehensbuch Friedrichs des Strengen als Ahorn,Ernst Eichler: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M–Z. Akademie-Verlag, Berlin 2001, S. 132 der heutige Ortsname bezeichnet also eine „Siedlung zu/bei dem Ahornbaum oder -gehölz“.
1537 wird das Ohorner Rittergut als Vorwerk Pulsnitzer Herrschaft erwähnt. Heute stehen vom Gut nur noch das Herrenhaus (in welchem heute ein Pflegeheim untergebracht ist) und einige zu Wohnhäusern umgebaute Rittergutsgebäude, sowie der Park im englischen Stil. Da durch Ohorn die Grenze des Bistums Meißen und des Königreichs Böhmens verlief, war der Ort den immer wiederkehrenden Kriegsereignissen und Raubzügen der Jahrhunderte ausgeliefert. Zudem verringerten häufig auftretende Seuchen die Einwohnerzahl. Allein im Jahre 1680 starb ein Fünftel der Ohorner Bevölkerung an der Pest.
1661 wurde von der Rittergutsherrschaft der Bau eines Schulhauses genehmigt. Der erste belegte Schulbau stammt aus der Zeit um 1750. Ab 1745 setzte in Ohorn ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel ein, nachdem Michael Prescher die Bandweberei in Ohorn einführte. Nach 1800 entwickelte sich Ohorn zu einem industriell geprägten Ort, was sich auch in der Bevölkerungsentwicklung widerspiegelte. 1885 lebten hier bereits 2000 Menschen.
Bis zum Jahr 1607 bestand Ohorn aus zwei Gemeinden: Böhmisch-Ohorn (rechts der Pulsnitz) und Meißnisch-Ohorn (links der Pulsnitz). Gemäß der Landgemeindeordnung gab es ab 1838 vier Ortsteile: Ohorn, Lausitzer Seite, Rusticalanteil (bäuerlicher Grund und Boden im Ober- und Mitteldorf rechts der Pulsnitz), Ohorn, Lausitzer Seite, Dominalanteil (herrschaftlicher Grund und Boden; Fuchsbelle und Gickelsberg), Ohorn, Meißner Seite, Rusticalanteil (Ober- und Mitteldorf links der Pulsnitz und Röderhäuser), Ohorn, Meißner Seite, Dominalanteil (Waldhäuser). Erst 1857 erfolgte der endgültige Zusammenschluss der Einzelgemeinden zu einem Ort. Entwicklung - Böhmisch-Ohorn und Meißnisch-Ohorn (abgerufen am 10. Juli 2023)
Der heute noch bestehende Turnverein wurde 1865 gegründet. Im gleichen Jahr entstand auch ein Gesangsverein, der inzwischen nicht mehr existiert. 1895 wurde die Pflichtfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr Ohorn. Die vielen neuentstandenen Hausweber benötigten bessere Maschinen, deshalb gründete sich 1873 der Betrieb C. H. Schäfer, der zur damaligen Zeit Webstühle produzierte. Heute erzeugt dieser Betrieb Industriegetriebe mit einer Masse zwischen 1 Kilogramm und 12,5 Tonnen und ist einer der größten Arbeitgeber Ohorns.
1827 und 1879 wurde jeweils ein größeres Schulhaus in Ohorn erbaut. Die erste Busverbindung schuf der Schmied Bernhard Mocke 1912, indem er den ersten Postautobus in Sachsen baute. Die Linie verband die Städte Pulsnitz und Königsbrück. 1925 entstand aus dem Obergasthof das Rathaus des Ortes. Fünf Jahre später wurde in der ehemaligen Dampfmühle des Rittergutes der Betsaal errichtet. Bereits 1939 wurde Ohorn an die von Dresden bis nach Breslau geplante Autobahn, heute die Bundesautobahn 4, angeschlossen.
Politik
Gemeinderat
Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 14 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: CDU: 4 Sitze AfD: 4 Sitze BSW: 2 Sitze Freie Liste Sport (FLSp): 1 Sitz Wählervereinigung Ohorn: 1 Sitz SPD: 1 Sitz FDP: 1 Sitz +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU432,1529,2639,7AfD430,4322,1––BSW213,4––––Freie Liste Sport18,5215,4424,0Wählervereinigung Ohorn17,119,0––SPD14,4–2,7––FDP14,1211,9110,3Linke––19,8217,6Haufe––––18,4Wahlbeteiligung71,6 %66,5 %48,9 %
Bürgermeister Am 31. August 2025 wurde André Kämpfe (parteilos) mit 50,57 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. Er löste damit Sonja Kunze (parteilos) ab. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %) 2025 André Kämpfe parteilos 50,572020Sonja Kunzeparteilos 77,8 2013 66,9 2008Frank JägerFreie Liste Sport72,2200171,2
Sehenswertes mini|Ortsteil Gickelsberg mit Schwedenstein vom Schleißberg aus mini|Kirchlehn
Schleißberg mit Schleißbergbaude (geschlossen) Schwedenstein mit Aussichtsturm und Bergwirtschaft Tannebergaussicht mit Schutzhütte Heimatmuseum Kirchlehn Buschmühlenteich (zum Gondeln)
Wirtschaft und Infrastruktur Ohorn war bis 2015 staatlich anerkannter Erholungsort.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.de2015 kein Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 des Sächsischen Kurortegesetzes vom 5. Februar 2015 (SächsABl. 2015 S. 256–259) auf: web.archive.org
Heute gibt es in Ohorn noch zwei produzierende Bauern und eine Agrargenossenschaft. Webereien existieren im Ort nur noch wenige.
Die Gemeinde Ohorn verfügt über eine Grundschule und einen Kindergarten.
Söhne und Töchter der Gemeinde Johann Christian Kayser (1750–1813), Orgelbauer Jürgen Haufe (1949–1999), Grafiker und Maler
Literatur
Weblinks
Website der Gemeinde Ohorn http://ohorn.info/
Einzelnachweise
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