Der Sportverein Darmstadt 1898 e. V. – kurz SV Darmstadt 98 – ist der bekannteste Sportverein in Darmstadt. Er wurde am 22. Mai 1898 gegründet und wird aufgrund der Lilie im Vereinslogo, dem das Darmstädter Stadtwappen als Vorbild diente, auch Die Lilien genannt.
Bekannt wurde der SV Darmstadt 98 durch seine Fußballabteilung, die in den Spielzeiten 1977/78 und 1980/81 die Meisterschaft der 2. Bundesliga gewann. In den Saisons 2015/16, 2016/17 und 2023/24 trat der Verein in der Bundesliga an und nimmt seit 2024/25 an der 2. Bundesliga teil.
Der Verein, der mit seinen 16.000 Mitgliedern (Stand: 1. Juli 2026) zu den 50 größten Sportvereinen Deutschlands zählt, trägt seine Heimspiele im Stadion am Böllenfalltor aus.
Neben Fußball werden noch weitere Sportarten wie Tischtennis, Basketball, Futsal oder eSports angeboten.
Vereinsgeschichte 1898–1919: Entstehung eines Darmstädter Sportvereins mini|Die Ensgrabers (1898) Das mit dem 22. Mai 1898 notierte Gründungsdatum entspricht dem des FK Olympia 1898 Darmstadt, der von dem Professor Leopold Ensgraber, seinen Söhnen Bernhard, Karl, Wilhelm und Ernst sowie acht anderen Schülern, hauptsächlich Gymnasiasten, die sich mit den Ensgrabern gelegentlich zum Fußballspielen auf dem Schlossgartenplatz trafen, gegründet wurde. Da keiner seiner Söhne volljährig war, wurde der Verein jedoch nur von Leopold Ensgraber, Oberlehrer am alten Realgymnasium sowie Privatlehrer der großherzoglichen Familie, eingetragen. Die Vereinsfarben des FKO waren Schwarz-Weiß, das Logo zierte ein schwarzes O und der Verein wies insgesamt eine akademische Prägung auf. Mit Bezugnahme auf seinen Vorgängerverein zählt der SV 98 zu den ältesten Vereinen in der deutschen Fußball-Landschaft und im Rhein-Main-Gebiet.
Anfangs spielte die Mannschaft auf dem Platz der heutigen Elisabethenkirche. 1901 untersagten die höheren Darmstädter Schulen ihren Schülern das als englisch angesehene Fußballspielen. Doch die Verbreitung dieses Sports war auch in Darmstadt nicht mehr aufzuhalten, sodass das Verbot bereits 1903 wieder fallen gelassen wurde. Nach dem Baubeginn der Elisabethenkirche zog die Mannschaft zunächst nach Arheilgen auf den Platz an der Täubcheshöhe. Später zogen die Olympianer nach Weiterstadt auf den dortigen Exerzierplatz an der Riedbahn. Danach ließen sie sich auf dem „Exert“ in Darmstadt nieder, wo auch bereits andere Fußballvereine trainierten. Durch die Duelle mit anderen Mannschaften aus der Stadt gewann die Olympia 1905 gegen die international besetzte Mannschaft des Darmstadt Football Club 1897 mit 5:0. Der Verein galt in der Stadt viele Jahre als bester Verein. Kurz nach dem Spiel löste sich der Verein auf und mehrere Spieler schlossen sich der Olympia an. Überregional feierte er 1908 mit der Westkreismeisterschaft der B-Klasse den ersten Erfolg, unter anderem nach einem 14:1-Sieg gegen den amtierenden Saarmeister Völklingen 03. Bis 1913 spielten die „Olympier“ dann zwar in der obersten Spielklasse, konnten sich dort aber gegen die ambitionierteren Vereine aus Mannheim, Ludwigshafen und Kaiserslautern nicht durchsetzen; der fünfte Rang in der Spielzeit 1909/10 war die beste Platzierung. Das erste Match gegen einen internationalen Gegner fand im Jahr 1910 statt. Zu Gast in Darmstadt war der Pariser Meister Club Athlétique de Vitry. Das Spiel endete 5:0 für die Darmstädter Mannschaft.
Durch die Einberufung zahlreicher Spieler in die Armee während des Ersten Weltkriegs entstanden auch in Darmstadt Spielgemeinschaften, sogenannte Kriegsmannschaften. Als Folge der positiven Erfahrungen in der Zusammenarbeit der Darmstädter Vereine während des Krieges fusionierte der FK Olympia mit dem Stadtkonkurrenten SC Darmstadt 1905, der ein proletarisches Milieu ansprach und dessen Wappentier einen roten Löwen zeigte, am 11. November 1919 letztendlich auch offiziell. Mit jetzt 1.000 Mitgliedern größter Sportverein Darmstadts war der SV Darmstadt 1898 entstanden. Bei der Fusion entschied man sich, die Stadtfarben Blau-Weiß anzunehmen und ebenfalls die Lilie des Stadtwappens ins Logo zu übernehmen, um die Repräsentation der gesamten Stadt zu gewährleisten.
Der sportlichen Entwicklung Rechnung tragend, entstand in der Folge das Stadion am Böllenfalltor als neue Heimstatt des SV 98, wobei die Spiele zwischenzeitlich auch auf dem Gelände der Radrennbahn ausgetragen wurden.
1919–1945: Zwischen den Weltkriegen Saisondaten 1919–1945 Liga Saison Platz Tore Punkte Kreisliga 1919/20 9 20:60 8:24 Kreisliga 1920/21 9 16:57 7:29 Kreisliga 1921/22 3 26:17 18:10 Kreisliga 1922/23 8 10:32 4:24 Kreisliga 1923/24 1 67:15 31:5 Bezirksliga Rhein 1924/25 6 16:36 10:18 Bezirksliga Rhein 1925/26 6 23:25 11:17 Bezirksliga Rhein 1926/27 6 44:55 18:18 Bezirksliga Main/Hessen 1927/28 9 42:40 12:24 Kreisliga 1928/29 1 54:26 33:11 Bezirksliga Main/Hessen 1929/30 6 23:24 10:18 Bezirksliga Main/Hessen 1930/31 8 13:31 7:21 Bezirksliga Main/Hessen 1931/32 10 27:66 8:28 Kreisliga Starkenburg 1932/33 11 45:53 24:32 Bezirksklasse Südhessen 1933/34 4 41:37 23:17 Bezirksklasse Südhessen 1934/35 4 48:33 26:18 Bezirksklasse Südhessen 1935/36 3 52:31 25:19 Bezirksklasse Südhessen 1936/37 3 63:40 28:16 Bezirksklasse Südhessen 1937/38 8 51:39 21:23 Bezirksklasse Starkenburg 1938/39 5 62:57 28:24 Bezirksklasse Starkenburg 1939/40 1 59:17 23:5 1. Klasse Starkenburg 1940/41 1 45:19 27:5 Bereichsklasse Hessen-Nassau 1941/42 2 41:29 15:5 Bereichsklasse Hessen-Nassau 1942/43 10 26:64 8:28 Bezirksklasse 1943/44 1 k. A. k. A. Kein Spielbetrieb 1944/45 - - - mini|links|Zigarettenbild der Garbáty-Zigarettenfabrik aus der Saison 1930/31Nach der Fusion der Darmstädter Vereine im Jahre 1919 zum SV Darmstadt 1898 e. V. begann man sogleich mit den Bauarbeiten einer entsprechenden Spielstätte. Zwei Jahre später wurde das Stadion am Böllenfalltor feierlich eröffnet. Die Hoffnungen, sich durch den Zusammenschluss zu einer regionalen Spitzenkraft zu entwickeln, erfüllten sich allerdings zunächst nicht. Zwar konnte man sich zeitweilig in der obersten Liga etablieren, da die Spielklassen in der Weimarer Republik aber kaum über die regionale Ebene hinausreichten und zudem häufig umstrukturiert wurden, konnte der SV 98 überregional selten auf sich aufmerksam machen.
1923 stiegen die Fußballer in die Zweitklassigkeit ab, während die Handballer und die Leichtathleten durch ihre Leistungen in den Vordergrund rückten. Die Handballabteilung wurde insgesamt sechsmal Süddeutscher Meister und stand 1931 im Endspiel um die deutsche Handballmeisterschaft (4:7 gegen Polizei SV Berlin). In der Leichtathletik dominierte der spätere Olympia-Medaillengewinner Hermann Engelhard, der über die 800 Meter Süddeutscher Meister und Zweiter bei den deutschen Meisterschaften 1927 in Berlin wurde. Die Fußballer des SV 98 wirkten ab Ende der 1920er Jahre zwar vorübergehend wieder in der obersten Spielklasse, der Bezirksliga Main/Hessen, mit, kamen aber nie über das Mittelmaß hinaus und stiegen in der Saison 1932 wieder in die Zweitklassigkeit ab.
Von den Folgen der Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 blieb auch der Sport nicht verschont. Wie in der Politik wurden auch in den Vereinen demokratische Strukturen abgeschafft. An deren Stelle trat das sogenannte Führerprinzip. Bereits 1933 traten daraufhin die meisten sportlichen Funktionäre beim SV 98 von ihren Posten zurück. Dazu zählte auch der langjährige Präsident Karl Heß, der das Amt seit 1928 innehatte. Der Verein ging auf kritische Distanz zu den neuen Machthabern. Um die Gleichschaltung der Vereine voranzutreiben, wurde 1938 auch in Darmstadt auf Betreiben der örtlichen Nationalsozialisten der Großverein GfL Darmstadt gebildet, dem auch die Lilien beitreten sollten. Die Verantwortlichen des SV 98 leisteten jedoch erfolgreich Widerstand und so konnte der SV Darmstadt 98 als einziger Darmstädter Sportverein seine Eigenständigkeit bewahren. Allerdings mussten die Lilien in der Folge auf jegliche staatliche Förderung verzichten, was u. a. eine sportliche Stagnation nach sich zog. In den Kriegsjahren gelang immerhin zur Saison 1941/42 kurzzeitig der Sprung in die Gauliga Hessen-Nassau, aus der der Verein bereits 1943 wieder abstieg. Durch die zahlreichen Einberufungen der Spieler zur Wehrmacht änderte sich das Gesicht der Mannschaft oft von Spiel zu Spiel. Spätestens nach dem britischen Luftangriff auf Darmstadt im September 1944, bei dem fast 80 Prozent der Stadt zerstört wurden, war an einen geregelten Sportbetrieb auch bei den Lilien nicht mehr zu denken.
1945–1978: Die ersten Erfolge Saisondaten 1945–1978 Liga Saison Platz Tore Punkte Landesliga Hessen 1945/46 9 40:53 13:23 Landesliga Hessen 1946/47 3 58:43 30:14 Landesliga Hessen 1947/48 5 53:39 31:21 Landesliga Hessen 1948/49 3 56:35 32:20 Landesliga Hessen 1949/50 1 73:35 44:12 Oberliga Süd 1950/51 15 54:86 25:43 2. Liga Süd 1951/52 10 66:55 35:33 2. Liga Süd 1952/53 12 46:60 33:35 2. Liga Süd 1953/54 6 69:59 35:33 2. Liga Süd 1954/55 12 64:68 30:38 2. Liga Süd 1955/56 7 66:60 37:31 2. Liga Süd 1956/57 12 59:63 32:36 2. Liga Süd 1957/58 7 52:54 33:35 2. Liga Süd 1958/59 14 43:62 30:38 2. Liga Süd 1959/60 10 48:63 32:36 2. Liga Süd 1960/61 18 40:63 27:41 Amateurliga Hessen 1961/62 1 69:37 45:15 2. Liga Süd 1962/63 10 46:50 35:33 Amateurliga Hessen 1963/64 1 87:25 59:13 Regionalliga Süd 1964/65 14 49:66 33:39 Regionalliga Süd 1965/66 13 54:71 33:35 Regionalliga Süd 1966/67 14 45:55 26:42 Regionalliga Süd 1967/68 14 45:71 24:44 Regionalliga Süd 1968/69 8 50:54 35:33 Regionalliga Süd 1969/70 18 50:89 30:46 Amateurliga Hessen 1970/71 1 75:35 53:15 Regionalliga Süd 1971/72 7 49:44 36:36 Regionalliga Süd 1972/73 1 72:37 46:22 Regionalliga Süd 1973/74 4 64:38 46:30 2. Bundesliga Süd 1974/75 10 68:62 39:37 2. Bundesliga Süd 1975/76 7 76:64 43:33 2. Bundesliga Süd 1976/77 6 68:48 46:30 2. Bundesliga Süd 1977/78 1 90:43 58:18 Bereits ein halbes Jahr nach Kriegsende konnte der SV 98 neugegründet werden. In den nächsten Jahren kehrten immer mehr ehemalige Spieler aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Nach und nach stiegen damit auch die sportlichen Leistungen des Vereins wieder an. Allerdings beschlagnahmten die amerikanischen Besatzungstruppen das Böllenfalltorstadion für eigene Zwecke, weshalb die Lilien ihre Spiele wieder an der alten Spielstätte an der Radrennbahn und im Hochschulstadion austrugen. Die ersten Jahre nach dem Kriegsende waren vor allem von Lokalderbys gegen SG Arheilgen, VfR Bürstadt und SKV Mörfelden geprägt, die zahlreiche Zuschauer zu den Spielen anzogen. Unter Spielertrainer Adam Keck steigerten sich die spielerischen Leistungen der Lilien von Jahr zu Jahr. Die Saison 1949/50 wurde besonders erfolgreich abgeschlossen. Vor 12.000 Zuschauern im Hochschulstadion, welches heute zur Universität Darmstadt gehört, besiegte der SV 98 den größten Verfolger Viktoria Aschaffenburg mit 3:2 und qualifizierte sich damit für die Relegationsrunde um den Aufstieg in die Oberliga Süd, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Mit fünf Siegen aus sechs Spielen meisterten die als Außenseiter gehandelten Lilien ihre Aufgaben gegen den 1. FC Bamberg, Union Böckingen und den 1. FC Pforzheim siegreich und lösten ein in Darmstadt noch nie da gewesenes Fußballfieber aus. Gleich das erste Spiel in der neuen Spielklasse führte den deutschen Meister von 1949, den VfR Mannheim nach Darmstadt, der mit 5:4 geschlagen werden konnte. An diesen Erfolg konnte in der ersten Oberligasaison nicht angeknüpft werden. Am Ende stand, trotz Siegen u. a. gegen 1860 München, Bayern München und zweier Unentschieden gegen den amtierenden Deutschen Meister VfB Stuttgart, der unglückliche Abstieg als Viertletzter, da die Oberliga auf 16 Mannschaften reduziert wurde.