mini|Kupferstich von Pieter Holsteyn (1660) Johann Weyer oder Johannes Weyer (auch: Johann/es Weier, Weiher, Wier, Wijr; latinisiert Johannes Wierus; genannt auch Piscinarius;Die latinisierte Form Piscinarius bedeutet wörtlich „Fischzüchter“ und geht auf piscina „Fischteich, Weiher“ zurück, woraus geschlossen werden kann, dass auch Schreibweisen wie „Wier“ u. ä. am Niederrhein und anderswo zu [] umgelautet und nicht als [] ausgesprochen wurden. geboren kurz vor dem 29. Februar 1516, nach dem 24. Februar 1515,Nach Jacobus Augustus Thuanus: Historiarum sui temporis continuatio. LVIII Libris nunc primum in lucem prodeuntibus comprehensa, Bd. IV. Pierre de la Rouière, Genf 1620, S. 265, starb Weyer 1588 „prid. Kal. Mart. septuagesimum secundum aetatis annum paulum supergressus (= am 29. Februar, als er das zweiundsiebzigste Jahr seines Alters nur wenig überschritten hatte)“ (deutsche Ausgabe 1622 fehlerhaft: „ein wenig älter als sieben und achzig Jahr alt“). Auf einem „1576“ datierten Holzschnitt (De praestigiis Daemonum, Basel 1577, S. 2) war Weyer 60 Jahre alt. in Grave an der MaasVgl. De praestigiis Daemonum, deutsche Ausgabe Basel 1565, S. 542: „in einem stettlein Grauen, so an der moß inn anstössen Brabant gelegen vnnd mein liebs Vatterlandt ist“ (Google-Books). in Noord-Brabant; gestorben am 24. Februar oder 29. FebruarZugrunde liegt hier oder dort eine Verwechselung der ähnlichen Ziffern „4“ und „9“. 1588 in Tecklenburg) war ein niederländisch-niederrheinischer Arzt, wirkte vor allem in Düsseldorf und war als Gegner des Hexenglaubens einer der ersten Bekämpfer der neuzeitlichen Hexenverfolgung.
Leben mini|Wappen der Familie Weyer, 1593 Herkunft Johannes Weyer (van Grave) stammte nach der von seinen Söhnen gesetzten GrabinschriftGrabinschrift überliefert bei Joannes Franciscus Foppens: Bibliotheca Belgica, Sive Virorum In Belgio Vitâ, Scriptisque Illustrium Catalogus, Librorumque Nomenclatura, Bd. II. Pierre Foppens, Brüssel 1739, S. 754 (Digitalisat der Österreichischen Staatsbibliothek Wien) = Heinrich Eschbach: Dr. med. Johannes Wier, der Leibarzt des Herzogs Wilhelm III. von Cleve-Jülich-Berg. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 1 (1886), S. 57–174, bes. S. 169 f. aus einer adeligen Familie, die ursprünglich aus „Zelandia inundata (= dem überfluteten Zeeland)“Jacobus Augustus Thuanus: Historiarum sui temporis continuatio. LVIII Libris nunc primum in lucem prodeuntibus comprehensa, Bd. IV. Pierre de la Rouière, Genf 1620, S. 265. kam.Vgl. Pieter de la Ruë (1695–1770): Geletterd Zeeland. Callenfels, Middelburg 1741, S. 557–559 (Google-Books) u. a. Zeeland war unter anderem bei der Cosmas-Flut 1509, der Sankt-Felix-Flut 1530 oder der Allerheiligenflut 1532 überspült worden und hatte schwere Landverluste erlitten.Jan J. B. Kuipers (Hrsg.): Sluimerend in slik. Verdronken dorpen en verdronken land in zuidwest Nederland. Den Boer, De Ruiter, Middelburg / Vlissingen 2004. Bei einer Überschwemmung von Noord-Beveland ist dort der Ort Wieringerland untergegangen.Mitteilung von Jacob Verheye van Citters (1753–1823) und Johan de Kanter (1762–1841) bei Johannes Wier, beschouwd als den ijsbreker tegen de leer der vooroordeelen, wegens dem Duivel, de Duivelskunsten, Tooverijen en Heksenprocessen. In: Jacobus Scheltema (Hrsg.): Geschied- En Letterkundig Mengelwerk 4,1 (1825), S. 177–251, bes. S. 207 (Digitalisat der Österreichischen Nationalbibliothek Wien) Nach anderen stammte die Familie aus der Bauerschaft Zeeland (Gelderland) in der Gemeinde (Berg en Dal)-Millingen aan de Rijn, ca. 30 km von Grave entfernt an der niederländisch-deutschen Grenze im Überschwemmungsgebiet des Rheins bzw. der Waal.Leonhard Dooren: Doctor Johannes Wier. Leven en werken. (Diss. Utrecht 1940). De Graafschap, Aalten 1940, S. 30. Weyer verfügte dort 1582 in der Nähe über Landbesitz in Spijk. Mit dem Besitz der nahegelegenen Herrschaft (Berg en Dal)-Leuth, lange ein brabantisches Lehen der Familie „von dem Weyer“,Lehenfolge der von Weyer und von Vlodorp in der Herrlichkeit Leuth, ca. 1500; Gelders Archief Arnhem (Geldern, Justizhof Nr. 97). war das Erbmarschallamt der Grafschaft Valkenburg verbunden.Ernst von Oidtman: Die Herren von Vlodorp, Erbvögte zu Roermond In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 8 (1886), S. 125–147, bes. S. 135f (Google-Books); Ernst von Mirbach-Harff: Geschichte der Familie Merode, Bd. II. Dominicus, Prag 1881 S. 34 u. ö.
Als Johannes Weyers Eltern gelten der Kaufmann Theodor (Dirk) Wier (Wierus) und dessen Frau Agnes Rhordam (beide † vor 1566).Vgl. Carl Binz: Doktor Johann Weyer, ein rheinischer Arzt, der erste Bekämpfer des Hexenwahns. Ein Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 21 (1885), S. 1–171, bes. S. 6, u. a.Melchior Adam: Ioannes VViervs. In: Vitae Germanorum medicorum. Jonas Rosen, Frankfurt am Main; Georgius Geyder, Heidelberg 1620, S. 218 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Mannheim), nennt nach De praestigiis Daemonum, Basel 1563, S. 88; Basel 1566, S. 100 (Google-Books; deutsche Ausgabe Basel 1565, S. 137 (Google-Books) nur die Vornamen Theodorus und Agneta der Eltern; der Vater handelte mit Hopfen (lupulus; Basel 1563, S. 88; Basel 1565, S. 137). Allerdings benennt die Grabplatte seines Sohnes Dietrich († 1604) in Beischriften die Wappen der vier Großeltern mit den Namen „Weier, Wintgen, Bocksmer“ und „Denholt“,Vgl. Rüdiger Fuchs: Die Inschriften der Stadt Worms. (Deutsche Inschriften. Mainzer Reihe 2). Reichert, Wiesbaden 1991, Nr. 609, S. 434 f., vgl. S. 574 und S. 577. so dass der Name der Großmutter „Agnes Boxmeer“ oder „Agnes ten Holt“Vgl. den Hof ten Holt und den Ten Holtweg in der Gemeinde Gassel bei Grave. lautete und Theodor Wier eine weitere Ehe geschlossen hat.
Johann Weyers Geschwister waren Arnt (Arnold) Wyer († nach 1577)Vgl. Brief von Arnt Wier an Maria von Nassau vom 18. Dezember 1568; Archief Huis Bergh (Regest Nr. 5979).Vgl. Johann Weyer: Tractatus de commentitiis ieiuniis. Oporinus, Basel 1577 = De lamiis, Ausgabe Basel 1582, Sp. 109–137, bes. Sp. 116 f. (Google-Books); deutsche Ausgabe Frankfurt am Main 1586, S. 78 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). in Moers, Küchenmeister (nicht „Koch“) von Graf Hermann von Neuenahr (1520–1578),Vgl. Regest einer Urkunde vom 12. Oktober 1562 in: Ottomar Friedrich Kleine, Heinrich Averdunk: Das Stadtarchiv zu Duisburg. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das Alte Erzbistum Köln 59 (1894), S. 171–229, bes. S. 227 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); Carl Binz: Doctor Johann Weyer, ein rheinischer Arzt, der erste Bekämpfer des Hexenwahns. Ein Beitrag zur Geschichte der Aufklärung und der Heilkunde. Hirschwald, Berlin 1896, 2. Aufl., S. 178 f. der Kaufmann und Mystiker Mathijs Wier (* 1520/21; † 1560)Vgl. De praestigiis Daemonum, Basel 1566, S. 100: „cum fratribus Arnoldo & Matthia“; deutsche Ausgabe Basel 1565, S. 137 (Google-Books). in Wesel und Anna Wier (* vor 1540; † nach 1582), die zweite Frau von Karl von Utenhove d. Ä. (* um 1500; † 1580), des Herrn von Merckeghem,Vgl. Leonard Wilson Forster: Charles Utenhove and Germany (1971). In: Kleine Schriften zur deutschen Literatur im 17. Jahrhundert (Beihefte zum Daphnis 1). Rodopi, Amsterdam 1977, S. 88 (Google-Books): „apparently a relation of Johannes Wierus “. die dieser vor 1562 geheiratet hatte.Vgl. Brief von Karl von Utenhove d. Ä. an Jan van Utenhove (1516–1566) vom 4. September 1562 aus Friemersheim. In: Jan Hendrick Hessels: Epistvlae et tractatvs cvm Reformationis tvm Ecclesiae Londino-Batavae historiam illvstrantes (1544–1622), Bd. II. (Ecclesiae Londino-Batavae Archivum 3). Typis Acodemiae, Cambridge 1897, Nr. 67, S. 205–207, bes. S. 206 (Digitalisat): „Vxor mea … salutem optat plurimam“. Dietrich, der Sohn Johann Weyers, bezeichnete 1573 den „Her von Merckhem“ als seinen „Ohem“.Brief vom 31. Mai 1573 aus Wesel an die Grafen Johann VI. (1536–1606) und Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538–1574). In: Jacob van Wesenbeeck (Hrsg.): Archives ou correspondance inédite de la maison d’Orange-Nassau, Bd. I/4, 1572–1574. S. und J. Luchtmans, Leiden 1837, S. 133–143, bes. S. 143 (Google-Books). 1574 wurden „Anna Wyer, Frau des Herrn von Merkegem“ Grundstücke im Gericht Kellen übertragen,Regest einer Urkunde vom 31. August 1574; Landesarchiv NRW Abt. Rheinland Duisburg (Familienarchiv Haus Aldenhoven, Urkunde 13). und 1582 wurde ein Hof in Waldniel an „Anna Wijer, Witwe van Merchgem“, verpfändet.Vgl. Nationaal Archief Den Haag (Sammlung „Matenesse, van“, Eigendommen en bezittingen, Niel, o. Nr.). Mathijs Wier verfasste mehrere Literaturbriefe an seinen Bruder, den „lieue Johan“, bzw. „aen zijn Broeder D. Jan W.“,Den 17, 21.–22., 29., 35. Brief und acht volgende cleyne Brieue. In: Mathijs Wijer: Grondelijcke Onderrichtinghe van veelen hoochwichtighen Articulen. 2. Aufl., Dirck Mullem, o. O. [Vianden] 1584, S. 34 f., 41–45, 52 und 57–60 (Google-Books). und an die Schwester „A…“.Den 10. Brief und Brief vom 16. April 1560. In: Mathijs Wijer: Grondelijcke Onderrichtinghe van veelen hoochwichtighen Articulen. Dirck Mullem, o. O. [Vianen] 1584, S. 25 f. und S. 60; vgl. Sjouke Voolstra: Beeldenstormer uit bewogenheid. Verloren, Hilversum 2005, bes. S. 95–103.
Ausbildung und Studium