Landkreis Hoyerswerda Wappen 100px|zentriert Preußische ProvinzSchlesien (1825–1919, 1938–1941)Niederschlesien (1919–1938, 1941–1945) RegierungsbezirkLiegnitz Kreisstadt Hoyerswerda Fläche 869 km² (1939) Einwohner 59.303 (1939) Bevölkerungsdichte 68 Einwohner/km² (1939) Gemeinden 77 (1939) 320px Lage des Kreises Hoyerswerda

Der Landkreis Hoyerswerda (ursprünglich Kreis Hoyerswerda) war ein Landkreis, der in Preußen, in der SBZ und in der DDR von 1825 bis 1952 bestand. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute zum brandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz sowie zu den sächsischen Landkreisen Bautzen und Görlitz.

Geographie Der Landkreis lag in der nördlichen Oberlausitz und war bis 1945 der westlichste Landesteil von Schlesien. Er grenzte im Westen an den Kreis Liebenwerda der preußischen Provinz Sachsen, im Norden an die brandenburgischen Kreise Calau und Spremberg, im Osten an den schlesischen Kreis Rothenburg (Ob. Laus.) und im Süden an die sächsischen Amtshauptmannschaften Bautzen und Kamenz.

Geschichte Der Kreis Hoyerswerda entstand am 1. August 1825 aus dem südlichen Teil des 1816 gegründeten Kreises Spremberg-Hoyerswerda, der zur preußischen Provinz Brandenburg gehörte. Die Dörfer um Hoyerswerda gehörten zuvor schon zur Standesherrschaft Hoyerswerda. Der neue Kreis Hoyerswerda wurde dem Regierungsbezirk Liegnitz der Provinz Schlesien zugeordnet. Das Landratsamt war in Hoyerswerda. 1919 wurde die Provinz Schlesien aufgelöst und aus den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz die neue Provinz Niederschlesien gebildet. Diese Teilung Schlesiens wurde 1938 wieder rückgängig gemacht und 1941 erneut vollzogen.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Da der nunmehr Landkreis Hoyerswerda genannte Kreis westlich der Oder-Neiße-Linie lag, wurde er nicht wie der größte Teil von Schlesien nach dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. Er wurde Teil der Sowjetischen Besatzungszone und in das Land Sachsen eingegliedert, mit dem er seit 1949 zur DDR gehörte. Bei der Verwaltungsreform von 1952 wurden die Länder in der DDR aufgelöst und durch Bezirke ersetzt. Die Landkreise erhielten nun wieder die Bezeichnung Kreis. Der Westteil des Landkreises Hoyerswerda mit der Stadt Ruhland sowie den Gemeinden Arnsdorf, Biehlen, Burkersdorf, Frauendorf, Grünewald, Guteborn, Hohenbocka, Hosena, Jannowitz, Kroppen, Lindenau, Niemtsch, Peickwitz, Schwarzbach, Tettau und Hermsdorf b. Ruhland kam zum neuen Kreis Senftenberg. Aus dem verbleibenden Kreisgebiet wurde der Kreis Hoyerswerda gebildet, der dem Bezirk Cottbus zugeordnet wurde. Nach der Wiedervereinigung bestand dieser Kreis im Freistaat Sachsen bis 1996 als Landkreis Hoyerswerda fort.

Landräte 1826–1848von Goetz 1848–1861Adolph Hans Georg von Götz († 23. November 1861) 1862–1881Hans von Götz-Hünerbein 1881–1886Alfred von Loebenstein-Lohsa (1837–1896)Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Walter v. Hueck, Friedrich Wilhelm Euler, Johann Georg v. Rappard et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel) 1954. Band I, Band 9 der Gesamtreihe GHdA (1951 bis 2015), C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee)1954, S. 268–269. 1886–1891Ernst von Gersdorff-Hermsdorf 1891–1899Friedrich von Lucke 1899–1906Willy Schwarz 1906–1919Friedrich Hegenscheidt 1919–1928Egon Lenoir 1928–1933Max Saling 1933–1937Fritz Schmige (1880–1974) 1937–1939Herbert Matzke 1933–1944Wilhelm Behr 1944–Heinrich Korte

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1846 28.362 1871 31.138 Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung 1871 1885 33.061 Gemeindelexikon für die Provinz Schlesien 1885 1900 36.778 1910 43.067 1925 54.259 1939 59.303 Nach der Statistik von Arnošt Muka sprachen 1884 19.377 Einwohner des Kreises Hoyerswerda Sorbisch, das entsprach einem Anteil von 58,2 % an der Gesamtbevölkerung. Die amtliche preußische Statistik zählte dagegen im Jahr 1890 nur 15.201 sorbische Muttersprachler (45,1 %), wobei zu beachten ist, dass nur solche Personen gezählt wurden, die Sorbisch als alleinige Muttersprache angaben.

Von insgesamt 36.778 Einwohnern im Jahr 1900 waren 32.141 evangelisch (87,4 %) und 4.625 katholisch (12,6 %), letztere vor allem rund um Wittichenau.

Gemeinden Der Kreis Hoyerswerda umfasste 1939 drei Städte und 74 weitere Gemeinden. Einige Ortsnamen sorbischen Ursprungs wurden im Jahre 1936 politisch motiviert eingedeutscht. 1945 erhielten diese Orte ihre historischen Namen zurück. Städte Hoyerswerda/Wojerecy Ruhland Wittichenau/Kulow

Landgemeinden Arnsdorf Bärwalde Bernsdorf Biehlen Bluno/Bluń, 1936–1945 Blunau Brischko, 1936–1945 Birkenheim Bröthen/Brětnja Burg/Bórk Burghammer/Bórkhamor Burkersdorf Dörgenhausen/Němcy Drehna/Tranje, 1936–1945 Grünhain Driewitz/Drěwcy Dubring/Dubrjenk, 1936–1945 Eichhain Frauendorf Friedersdorf Geierswalde/Lejno Groß Neida, 1936–1945 Groß Weidau Groß Partwitz Groß Särchen/Wulke Ždźary Grünewald/Zeleny Gozd Guteborn/Wudwor Hermsdorf b. Ruhland Hermsdorf/Spree Hohenbocka/Bukow Hosena/Hóznja Hoske/Hózk, 1936–1945 Elsterode Jannowitz Keula, 1936–1945 Runddorf Klein Partwitz Neudorf Klösterlich Koblenz Kotten Kroppen/Kropnja Kühnicht Laubusch/Lubuš Leipe Liebegast/Lubhozdź Lieske Lindenau Lippen/Lipiny Litschen/Złyčin Lohsa/Łaz Maukendorf/Mučow Merzdorf/Łućo Michalken/Michałki Mönau/Manjow Mortka/Mortkow, 1936–1945 Grube Ostfeld Nardt/Narć, 1936–1945 Elsterhorst Neustadt/Nowe Město Neuwiese/Nowa Łuka Niemtsch/Němješk Peickwitz Rachlau/Rachlow, 1936–1945 Wiesdorf Riegel/Roholń Saalau/Salow Sabrodt/Zabrod, 1936–1945 Wolfsfurt Schöpsdorf/Šepšecy Schwarzbach Schwarzkollm/Čorny Chołmc Seidewinkel/Židźino Sollschwitz/Sulšecy Spohla/Spale, 1936–1945 Brandhofen Spreewitz/Sprjejcy Steinitz/Šćeńca Tätzschwitz/Ptačecy, 1936–1945 Vogelhain Tettau Uhyst/Delni Wujězd, 1936–1945 Spreefurt Wartha/Stróža Weißkollm/Běły Chołmc Werminghoff, am 27. Januar 1950 in Knappenrode umbenannt Wiednitz/Wětnica Zeißholz/Ćisow Zeißig/Ćisk In den 1930er Jahren wurden mehrere Gemeinden eingemeindet: Bergen, am 1. April 1938 zu Neuwiese Buchwalde, 1931 zu Groß Särchen Burgneudorf, am 1. April 1938 zu Burghammer Dreiweibern, am 1. April 1938 zu Lohsa Heinersdorf, am 1. April 1938 zu Kroppen Burgneudorf (bis 1931 Königlich Neudorf), am 1. April 1938 zu Burghammer Lipsa, am 1. April 1938 zu Hermsdorf b. Ruhland Neida bei Lohsa, am 1. April 1938 zu Lohsa Ratzen, am 1. April 1938 zu Lohsa Rauden, am 1. April 1938 zu Mönau Scheibe, am 1. April 1938 zu Riegel Sella, am 1. April 1938 zu Grünewald Weißig, am 1. April 1938 zu Hermsdorf/Spree Zerre, am 1. April 1938 zu Spreewitz

Preußische Kommunalverfassung Der Kreis Hoyerswerda gliederte sich zunächst in die Stadtgemeinden Hoyerswerda, Ruhland und Wittichenau, in Landgemeinden und Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881. mini|hochkant=0.5|Kreiswappen

Wappen Der Kreis führte seit 1935 ein Wappen mit der Blasonierung Über silbernen Wellen, in denen ein blauer Fisch schwimmt, eine goldene Mauer mit drei Zinnen, über die im blauen Feld ein silberner Eichbaum mit goldenen Eicheln hervorwächst.

Das Wappen basierte mit der goldenen, dreigezinnten Mauer auf blauem Grund auf dem Wappen der Stadt Bautzen und stellte so eine Verbindung des Landkreises zur Oberlausitz her. Die Eiche war ein Rückgriff auf das erste bekannte Siegel der Stadt Hoyerswerda, während der Fisch stellvertretend für die beiden großen Flüsse im Kreisgebiet, die Spree und die Schwarze Elster, stand.

Literatur Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 284–289. (Digitalisat) Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 231–232, Ziffer 19. (Digitalisat) Schlesisches Güter-Adreßbuch. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke, sowie solcher größeren Güter, welche innerhalb des Gemeindeverbandes mit einem Reinertrag von etwa 1500 Mark und mehr zur Grundsteuer veranlagt sind. Fünfte Ausgabe, Wilhelm Gottlob Korn, Breslau 1894, S. 261–265. (Digitalisat), ff. 15. Ausgabe, Breslau 1937 (PDF).

Scholz: Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda. Verlag Ziehlke, Bad Liebenwerda 1925. (Digitalisat) Hoyerswerdaer Geschichtshefte, erschienen zwischen 1955 und 1989. Neue Hoyerswerdaer Geschichtshefte, Hrsg. Stadtverwaltung Hoyerswerda. U. a. Jubiläumsausgabe zu 750 Jahre Stadtgeschichte 2019. ff. 2020, 2021, (Nr. 25) 2023. (DNB)

Weblinks

Kreis Hoyerswerda Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 27. Juli 2013. Der Kreis Hoyerswerda bei genealogienetz.de

Einzelnachweise

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