mini|hochkant=1.1|Lage des Kilimandscharo in Tansania

Der Kilimandscharo (auch Kilimandscharo-Massiv, von 1902 bis 1964 Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe, oder Mount Kilimanjaro; Chagga: kilima ndjaro, „Berg des Wassers“)P. C. Spink: Further Notes on the Kibo Inner Crater and Glaciers of Kilimanjaro and Mount Kenya. In: The Geographical Journal. Band 106, Nr. 5/6, November – Dezember 1945, S. 213. ist ein Bergmassiv im Nordosten Tansanias. Der höchste Berg des Massivs ist mit Höhe der Kibo. Der Kibo ist der höchste Berg Afrikas und gehört damit zu den Seven Summits, den jeweils höchsten Bergen der sieben Kontinente.

Im Jahr 1987 wurde die Landschaft von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Bereits seit 1973 gibt es den Kilimandscharo-Nationalpark. Die Eiskappe des Kilimandscharo ist stark und in zunehmendem Maße von der globalen Erwärmung betroffen: So hat sich zwischen 1912 und 2020 die Eisschicht bereits um 85 Prozent verringert und wird bis 2030 voraussichtlich vollends verschwunden sein.Ilona Eveleens: Kilimandscharo in Flammen: Brand an Gottes Haus. TAZ, 15. Oktober 2020, abgerufen am 16. Oktober 2020.

Geographie mini|hochkant=1.1|Satellitenaufnahme des Kilimandscharo-Massivs (April 2009) Rund 350 km südlich des Äquators befindet sich das Kilimandscharo-Massiv im Nordosten von Tansania, etwa 500 km nordwestlich der Stadt Daressalam und nahe der kenianischen Grenze (Kenias Hauptstadt Nairobi liegt 200 km nordwestlich). Die Mitte des Viktoriasees liegt knapp 560 km im Nordwesten.

Während das 750 bis 1000 m hohe Gelände um das Kilimandscharo-Massiv in Richtung Osten nach dem hohen Pare-Gebirge allmählich zum Indischen Ozean hin abfällt, geht es nach Westen und Norden in die Gebirgswelten und Hochländer von Tansania und Kenia über sowie nach Süden in die Massai-Steppe. Ungefähr 70 km südwestlich des Bergmassivs ragt der 4562 m hohe Mount Meru auf.

Der höchste Gipfel des Massivs und damit höchster Punkt Afrikas ist mit 5895 m der Kibo. Vom Batian, dem im Mount-Kenya-Massiv befindlichen zweithöchsten Berg des Kontinents, ist der Kibo 325 km südlich davon entfernt. Bis zum Margherita Peak im Ruwenzori-Gebirge sind es 900 km nach Nordwesten.

Das Massiv erstreckt sich über ein Gebiet von rund 80 km × 60 km.

Geologie Das Kilimandscharo-Massiv ist vulkanischen Ursprungs. Es befindet sich auf der östlichen Grabenschulter des Ostafrikanischen Grabenbruchsystems. In Verbindung mit kontinentalen Grabenbrüchen besteht meist vulkanische Aktivität, was mit dem Aufstieg von Asthenosphärenmaterial (oft auch Manteldiapire) und der dadurch einhergehenden Lithosphärenausdünnung zu begründen ist. Im Gegensatz zum Roten Meer und dem Golf von Aden, die von einem mittelozeanischen Rücken durchzogen werden, ist der Ostafrikanische Grabenbruch keine Plattengrenze. Allerdings stellt ein kontinentaler Grabenbruch das Anfangsstadium des Auseinanderbrechens kontinentaler Lithosphärenplatten dar. Dabei muss es nicht zwingend zum vollständigen Auseinanderbrechen und der damit verbundenen Bildung von mittelozeanischen Rücken kommen. Ein Beispiel für einen Grabenbruch, der nicht zum vollständigen Bruch zweier kontinentaler Lithosphärenplatten führte, ist die Oberrheinische Tiefebene.

Am Kilimandscharo-Massiv, das etwa 2 bis 3 Millionen Jahre alt ist, fand die vermutlich größte Eruption vor rund 360.000 Jahren statt. Zuletzt soll der Kibo um 1700 ausgebrochen sein, seitdem verharrt die vulkanische Aktivität auf einem niedrigen Niveau (Fumarolen und Solfataren), ist jedoch keineswegs erloschen.

Unklar bleibt, wieso in den Eisschichten der Kilimandscharo-Gletscher keine nennenswerten Ascheablagerungen vergangener Ausbrüche gefunden wurden. Der Ausbruch von 1700 gilt als wissenschaftlich nicht erwiesen, sondern stammt aus mündlichen Überlieferungen der Chagga, die am Berg siedeln. Bergsteiger berichten aktuell immer wieder von starkem Schwefelverbindungsgeruch am Reusch-Krater. Der Schwefelverbindungsgeruch aus den nach wie vor aktiven Fumarolen des „Ash Pit“ kann je nach Windrichtung gelegentlich auch am Uhuru-Peak wahrgenommen werden.

Landschaft Neben Gletschern beherbergt das felsige Gebirge Firn- und Schneefelder, Frostschuttwüsten, zahlreiche Gebirgsbäche und eine üppige Vegetation, die in den tieferen Gebirgsregionen in den urwaldartigen Regenwald übergeht.

Höchste Gipfel mini|hochkant=1.65|V. l. n. r.: Kilimandscharo-Massiv mit Shira, Kibo und Mawenzi Das Kilimandscharo-Massiv besteht im Wesentlichen aus drei erloschenen Vulkanen, deren höchster der Kibo („der Helle“) ist. Der auf liegende Gipfel des Kibo wird Uhuru Peak genannt. Das Gipfelplateau beinhaltet den 1,9 km × 2,4 km großen Kibo-Krater. In diesem liegt der Reusch-Krater (etwa 800 m Durchmesser; bis 200 m tief), an dessen Kraterrand wiederum liegt ein kleiner Krater, der Inner Cone ().

10 km östlich des Kibo und durch einen weiten, durchschnittlich etwa hohen Sattel mit ihm verbunden, ragt der felsige, hohe Mawenzi („der Dunkle“) auf, der keinen Gletscher hat. Über einen circa hohen Sattel ist 15 km westlich des Kibo der Shira () erreichbar.Pointdexter, Joseph: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 94. Der Shira ist ein flacher Gipfel und ebenfalls ohne Gletscher.

Gletscher Obwohl sich das Kilimandscharo-Massiv in den tropisch-heißen Regionen der Erde befindet, ist es neben dem Ruwenzori-Gebirge und dem kaum noch vergletscherten Mount-Kenya-Massiv, die ebenfalls in Äquatorial-Ostafrika liegen, der dritte vergletscherte Hochgebirgszug des Kontinents.

Die jüngere Vergletscherung am Kilimandscharo beschränkt sich auf den Kibo. Zwischen 1912 und 2009 schrumpfte die Eiskappe von 12 km² auf 1,85 km², was einem Verlust von 85 Prozent der Fläche entspricht. Hauptgrund für diesen Rückgang ist ein regional trockeneres Klima seit Ende des 19. Jahrhunderts.Brian Vastag: The melting snows of Kilimanjaro. In: Nature. 2009, doi:10.1038/news.2009.1055.Georg Kaser, Douglas R. Hardy u. a.: Modern glacier retreat on Kilimanjaro as evidence of climate change: observations and facts. In: International Journal of Climatology. 24, 2004, S. 329, doi:10.1002/joc.1008.Thomas Mölg: Solar-radiation-maintained glacier recession on Kilimanjaro drawn from combined ice-radiation geometry modeling. In: Journal of Geophysical Research. 108, 2003, doi:10.1029/2003JD003546.Thomas Mölg: Ablation and associated energy balance of a horizontal glacier surface on Kilimanjaro. In: Journal of Geophysical Research. 109, 2004, doi:10.1029/2003JD004338.N. J. Cullen, P. Sirguey, T. Mölg, G. Kaser, M. Winkler, S. J. Fitzsimons: A century of ice retreat on Kilimanjaro: the mapping reloaded. The Cryosphere Discuss, 2012, 6, 4233–4265, doi:10.5194/tcd-6-4233-2012.

Am Gipfelplateau bildeten das Nördliche und das Südliche Eisfeld die größten Einheiten, das Östliche Eisfeld mit dem Rebmann-Gletscher und der Furtwängler-Gletscher waren bedeutend kleiner. Die Hanggletscher befanden sich vorrangig am Südhang des Kibo, zudem waren an der Westflanke noch Überbleibsel der einst mächtigen Vergletscherung zu sehen.

Die von verschiedenen Medien oftmals zitierten Satelliten-FotosNASA Earth Observatory: Snow and Ice on Kilimanjaro. aus den Jahren 1993 und 2000, die den Rückgang illustrieren sollten, sind bezüglich des Gletscherschwunds nur bedingt aussagekräftig. Das 1993er Foto zeigt die Situation unmittelbar nach einem Neuschneefall, während im 2000er Foto kaum Neuschnee zu erkennen ist. Der markante Unterschied zwischen den beiden Bildern basiert also auf der räumlichen Ausdehnung der saisonalen Schneedecke.

Klima Das typische Klima in der Region um das Kilimandscharo-Massiv folgt einem ausgeprägten Jahresgang des Niederschlags mit zwei Regenzeiten (März bis Mai, Oktober bis Dezember) und zwei Trockenzeiten, wobei die kleine Trockenzeit (Januar und Februar) in einzelnen Jahren ebenfalls niederschlagsreich sein kann. Die mittlere Monatstemperatur an der Basis des Berges erreicht ganzjährig mehr als 20 °C. Am Massiv selber ändert sich das Klima vor allem in vertikaler Richtung stark, was sich in der Abfolge verschiedener Vegetationszonen widerspiegelt. Die tiefer gelegenen Gebiete (bis ca. 3000 m) sind feucht, oftmals in Wolken gehüllt und von üppiger Regenwaldvegetation bedeckt. Mit der Höhe wird der Bewuchs immer karger, Temperatur und Niederschlag nehmen ab. Am Gipfelplateau des Kibo sind die beiden Regenzeiten zwar noch ausgeprägt, allerdings beträgt die jährliche Niederschlagsmenge nur mehr ein Zehntel jener im Regenwaldgürtel. Die Temperatur steigt selbst in den Nachmittagsstunden nur selten über den Gefrierpunkt. Dies gestaltet den Gipfelbereich zu einer trockenen, eisigen Umgebung.

Gewässer Am Kilimandscharo-Massiv entspringen zahlreiche Gebirgsbäche, die beispielsweise am vergletscherten Gipfel des Kibo entstehen und durch die dichten Wälder die Berghänge hinab rauschen. Sie streben vom Massiv in alle Himmelsrichtungen davon. Aus der Vereinigung von solchen teils reißenden Bächen und kleinen Flüssen entstehen später der Pangani und der Galana.

Wegen der steil abfallenden Berghänge gibt es am Kilimandscharo-Massiv nur kleine Seen. Doch befindet sich an seinem Südostfuß der Chala-See (auch Dschalasee genannt; ; 4 km²) und etwas weiter südlich liegt der Jipe-See (; 46 km²). Beide Stillgewässer befinden sich auf der Grenze von Tansania und Kenia. Am Südwestfuß des Massivs, bereits im Arusha-Nationalpark, liegen die Momella-Seen.

Flora mini|Riesenlobelien wachsen bis ca. 4000 m Höhe auf dem Kilimandscharo mini|Riesensenecien auf dem Kilimandscharo, Wachstum bis auf ca. 4500 m Höhe Unterhalb der Gletscher, Schneefelder und Frostschuttwüsten schließt sich teils üppig sprießendes Grasland an, das in Strauchland übergeht. Im Süden reicht die Baumgrenze bis auf maximal 3500 m Höhe, durchschnittlich liegt sie bei 2700 bis 3000 m über dem Meeresspiegel.

Bedingt durch das feucht-heiße Klima hat sich nicht nur in den unteren Regionen der Gebirgswelt eine einzigartige Flora im feuchtheißen Urwald entwickelt, in dem ungezählte Pflanzenarten mit prachtvollem Wuchs gedeihen – sie werden zumeist größer als anderswo. Der Regenwald befindet sich zwischen 1400 und 3000 m Höhe, maximal reicht er bis 3300 m Höhe. In der Umgebung des Bergriesen gibt es Gras- und Baum-Savannen sowie Sümpfe.

Zur Flora am Kilimandscharo-Massiv und in dessen Umgebung gehören unter anderem: Akazien Baumheide Farne Flechten Erika-Sträucher – bis 10 m hoch Koniferen Kreuzkraut – 5 bis 6 m hoch Lianen Lobelien Moose Olivenbäume Orchideen Palmen Riesen-Senecien (Dendrosenecio) Wacholder Zedern

Fauna mini|Eine Herde Elefanten im Amboseli-Nationalpark im Südwesten Kenias, am Fuß des Berges. Der Park liegt un­mittelbar an der Grenze zu Tansania. Die Gebirgswelt des Kilimandscharo-Massivs und seine Umgebung birgt eine artenreiche Fauna.

Beispiele für Säugetiere: Affen (Anubispavian, Schwarz-weiße Stummelaffen und Diademmeerkatze) Afrikanische Striemen-Grasmäuse Büffel Buschböcke Ducker Elefanten – Bestandsentwicklung: 1197 (1976), 756 (1981), 1000 (1987), ca. 900 (1990)Wally und Horst Hagen: Die afrikanischen Nationalparks als Lebensräume der Elefanten. In: Vitus B. Dröscher: Rettet die Elefanten Afrikas. Goldmann Verlag, München 1992, ISBN 3-442-12322-4, S. 237. Hyänen Leoparden Löwen Nashörner (wahrscheinlich noch einzelne Spitzmaulnashörner) Riesenwaldschwein Zebras

Beispiele für Vögel: Enten Flamingos Gänse Ibisse Kuckuckarten Pelikane Reiher Störche Wasserhuhn Zugvögel

Geschichte Vorkoloniale Zeit mini|Johannes Rebmann