Treuchtlingen ist eine Stadt im südlichen Teil des mittelfränkischen Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen. Die Eisenbahnerstadt bildete einstmals das zentrale Schnellzug-Streckenkreuz Bayerns. Sie ist auch durch den Treuchtlinger Marmor bekannt.
Geografie Geografische Lage Treuchtlingen liegt im Süden des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen in der Region Westmittelfranken im Naturpark Altmühltal am südlichen Ende des Hahnenkamms, einem Nebengebirge der Fränkischen Alb, und wird von der Altmühl durchflossen, die hier eine nach Süden gezogene Talaue bildet. Es ist ein staatlich anerkannter Erholungsort mit Heilquellen-Kurbetrieb (Altmühltherme). Im Südwesten bei Auernheim liegen Ausläufer der Monheimer Alb, im Norden der Weißenburger Alb. Im Osten führt die Bundesstraße 2 (B2) vorbei.
An der Altmühl liegen neben dem Kernort die Gemeindeteile Bubenheim, Zollmühle, Ziegelmühle und Dietfurt. Auf dem Gebiet der Stadt münden unter anderem der Lohgraben, die Östliche Rohrach, die wasserreiche Schambach, der mäandernde Möhrenbach und der Hungerbach in die Altmühl. Nördlich von Treuchtlingen trennt die Europäische Hauptwasserscheide die Einzugsgebiete von Rhein und Donau voneinander. Im Gemeindeteil Graben gibt es einen ansehnlichen Rest der Fossa Carolina, eines im Frühmittelalter von Karl dem Großen über die Wasserscheide gebauten Kanals. Im Stadtgebiet gibt es mehrere Feuchtgebiete, einige Steinbrüche mit Treuchtlinger Marmor und das Naturschutzgebiet Schambachried.
Während das nördliche Drittel des Gemeindegebiets von einer weiten Offenlandschaft mit Wiesen und Feldern eingenommen wird, liegen im Süden weite Wälder wie der Grottenhof und bewaldete Berge wie der Patrich, der Viersteinberg, der Mühlberg und der Uhlberg, der Kirschbühl, der Moselstein und der Nagelberg. Weitere bedeutende Erhebungen sind der Bubenheimer Berg, der Gehäubichel, der Geißberg, der Schmalenberg, der Schellenberg, der Ecklestein, der Hausberg, der Hirschberg, der Holzberg, der Kühberg, der Lämmerberg und der Lenzbühel. Treuchtlingen ist mit 103 Quadratkilometern die flächengrößte Gemeinde des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind:
Gemeindegliederung
Es gibt 54 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Außerdem gibt es folgende Wohnplätze: Melchershof, Maierhof, Untermühle, Hartschuster sowie die Siedlung Patrich.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Auernheim, Bubenheim, Dietfurt in Mittelfranken, Grönhart, Haag bei Treuchtlingen, Schambach, Treuchtlingen, Wettelsheim und Windischhausen. Die Gemarkung Treuchtlingen hat eine Fläche von 12,040 km². Sie ist in 3735 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 3223,68 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Eulenhof, Gstadt, Heunischhof, Kästleinsmühle, Möhrenberg, Sägmühle, Schmarrmühle, Siebeneichhöfe und Ziegelhütte.
Dialektgeographie Treuchtlingen liegt in einem Gebiet, in dem sich ostfränkische und bairische Dialektmerkmale mischen. Westlich von Treuchtlingen begegnen die ostfränkischen und bairischen Mundarten auch dem Schwäbischen, weshalb auch von der Dreistammesecke die Rede ist. Westlich von Treuchtlingen trafen sich allmählich in die Wälder hineinrodende Verkehrsgemeinschaften, deren sprachliche Eigenheiten im Prinzip erst nach der sogenannten Völkerwanderung im Mittelalter und in der Frühneuzeit entstanden waren.Werner König, Manfred Renn: Kleiner Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben. Augsburg 2007, S. 25 und 30
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Die Ortschaft zählt zu den ältesten Siedlungen im Treuchtlinger Raum. Kelten, Römer und Franken haben ihre kulturellen Spuren hinterlassen. Eine interdisziplinäre Forschung der Technischen Universität Berlin aus dem Jahr 2010 sieht das bei Claudius Ptolemäus historisch belegte Setuacotum als Vorgängerort Treuchtlingens. Unter karolingischer Herrschaft entstand 793 nördlich der Stadtmitte im Gemeindeteil Graben der Karlsgraben als erster Wasserweg zwischen Rhein / Main und Donau. Die Stadt selbst wurde zum ersten Mal im Jahre 899 (als Drutelinga) urkundlich erwähnt. 1044 wurde der Ort als Heiratsgut von Agnes mit Kaiser Heinrich III. erwähnt. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde die erste Burg errichtet, auch Obere Veste genannt. Die erhaltene Burgruine wird seit Mitte der 1970er Jahre durch die Fördergemeinschaft Burg Treuchtlingen e. V. betreut. Um das Jahr 1400 wurde Treuchtlingen zum Markt erhoben, 1495 durch einen Großbrand weitgehend zerstört. Nach dem Tod Gottfried Heinrichs Graf zu Pappenheim in der Schlacht bei Lützen 1632 und dem Erlöschen der Treuchtlinger Linie nach dem Tod seines Sohnes Wolf Adam im Duell mit Martin Maximilian von der Goltz fiel Treuchtlingen 1647 an die Markgrafen von Ansbach, nach der Mediatisierung 1809 wurde es Teil des Königreichs Bayern. mini|50 Pfennig-Notgeldschein, Treuchtlingen (1918), mit Unterschrift von Bürgermeister Emil Sommer († 1936) mini|Wrackteile einer Dampflokomotive, die beim zweiten Bombenangriff zerstört wurde Bis ins 19. Jahrhundert war Treuchtlingen ein handwerklich orientierter Marktflecken. Die Treuchtlinger Hafner waren bekannt, das „Treuchtlinger Geschirr“ war überregional von Bedeutung. Weiterhin gab es seit 1774 die „Leonische Tressen- und Seidenmanufaktur“, die ihre Waren weltweit vertrieb. Der Bau der ersten Bahnstrecke München-Ingolstadt-Treuchtlingen–Gunzenhausen im Jahr 1869 und der dazugehörigen Infrastruktur brachte einen rasanten Aufschwung und machte Treuchtlingen zur Eisenbahnstadt. Um 1875 wurde das erste Krankenhaus gebaut. Die Einwohnerzahl stieg von 2000 in diesem Jahr auf über 3000 im Jahr 1895.Der Aufbruch. In: Weißenburger Tagblatt, 4. August 2012 1898 erhielt Treuchtlingen durch Prinzregent Luitpold das Stadtrecht.
20. und 21. Jahrhundert Ab 1917 amtierte Emil Sommer als Bürgermeister. Er wurde 1933 wegen seines jüdischen Großvaters vertrieben. Am 23. Februar 1945 erfolgte gegen 11:00 Uhr ein Luftangriff (Operation Clarion) auf den Bahnhof Treuchtlingen, in dem gerade der Fronturlauberzug SF 2046 anhielt. Die Passagiere des Zuges flüchteten in die Bahnsteigunterführung, die einen Volltreffer erhielt. In der Bahnsteigunterführung starben 300 Menschen, insgesamt wurden im Bahnhof und der Umgebung fast 600 Menschen getötet und weitere 900 verletzt. Die meisten der Bombenopfer sind in der Gedenkstätte der Kriegsgräberfürsorge auf dem Nagelberg beigesetzt. In der Unterführung, die seit einem Bahnhofsumbau 2004 die Gleise jedoch an anderer Stelle untertunnelt, erinnert eine Marmortafel an die Opfer. Bei einem zweiten Angriff am 11. April 1945 wurden keine Menschen getötet, aber unter anderem eine Dampflokomotive vom Typ Bayerische G 3/4 H zerstört. Ein Teil des Wracks wurde im Verlauf des Umbaus gefunden und befindet sich mittlerweile im Bayerischen Eisenbahnmuseum in Nördlingen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. April 1971 die Gemeinden Bubenheim und Graben eingegliedert. Am 1. Juli 1971 kamen Grönhart und Schambach hinzu. Ein Teil der aufgelösten Gemeinde Haag bei Treuchtlingen folgte am 1. Januar 1972. Aus dem aufgelösten Landkreis Gunzenhausen kamen schließlich am 1. Juli 1972 noch Auernheim, Wettelsheim und Windischhausen sowie aus dem aufgelösten Landkreis Donauwörth Gundelsheim und Möhren hinzu. Dietfurt schloss die Reihe der Eingemeindungen am 1. Mai 1978 ab.
Zur Herkunft des Ortsnamens Nach einer älteren These steckt im Ortsnamen Treuchtlingen der Personenname Truhtilo. Die Grundschüler durften daher früher das Verslein lernen: „Von Truhtilo dem Alemannen (oder auch Alamannen) hat Treuchtlingen seinen Namen.“ Die Sage berichtet, dass sich nach dem Limes-Durchbruch der Alamannen um 233 n. Chr. alamannische Gruppen an einer Furt der Altmühl niedergelassen haben. Daraus wurde später „Das Dorf des Truhtilo“, Truhtiolingen und schließlich Treuchtlingen.
Dieser Personenname ist aber nirgends belegt. Nach Joachim Grzega ist vielmehr davon auszugehen, dass die ursprüngliche unbekannte Namensform schon früh an das Wort *truht ‘Bündnis’ und später an das Wort triu ‘treu’ angelehnt worden ist (derartige Formen von Volksetymologie finden sich auch bei anderen Ortsnamen).Joachim Grzega: Zur Geschichte des Ortsnamens Treuchtlingen in Mittelfranken. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung, 66, 2001, S. 1–8
Die jüdische Gemeinde mini|Jüdischer Friedhof in Treuchtlingen, 2011
In Treuchtlingen lebten Juden vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert (1939). Eine erste Erwähnung erfolgt im Zusammenhang mit der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49, von der auch die hiesigen Juden betroffen waren. Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand in Treuchtlingen eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Bayern. Die Zahl der jüdischen Einwohner erreichte 1837 mit 288 Personen (17,7 Prozent von insgesamt 1.590 Einwohnern) einen Höhepunkt. Um 1925 wurden noch 115 Gemeindeglieder gezählt. Mehrere jüdische Vereine prägten das Gemeindeleben. Den jüdischen Familien gehörten zahlreiche Handels- und Gewerbebetriebe mit einer erheblichen wirtschaftlichen Bedeutung für die Stadt. Heute erinnert fast nur noch der jüdische Friedhof an die jahrhundertelange jüdische Geschichte in der Stadt. 1990 wurde dort ein Gedenkstein für die jüdischen Opfer der Shoa aus dem Ort aufgestellt.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 195 Seit 2009 erinnert eine Gedenkstele neben dem ehemaligen Judenstadel, der heutigen Stadtbibliothek, an alle jüdischen Familien, die einst in Treuchtlingen lebten.
Gemeindeteile 50px|rechts|Auernheim Auernheim liegt auf dem Hahnenkamm () und hat etwa 700 Einwohner. Entstanden dürfte dieses ehemalige Freibauerndorf im 6. bis 8. Jahrhundert sein, die Ersterwähnung erfolgte allerdings erst 1057/75. Auernheim ist der höchstgelegene Ort Mittelfrankens. Die evangelisch-lutherische Kirche St. Georg auf dem Kirchberg, der eine Weitsicht zur Weißenburger Bucht, zur Altmühlalb, zum Ries und an Föhntagen bis zu den Alpen bietet, gilt als eine der schönsten Kirchen der Gegend. Sie weist außergewöhnliche bäuerlich-barocke Emporenmalereien mit Szenen aus dem Leben Jesu auf, die der Maler Johann Jakob Brenner 1680 geschaffen hat. Bubenheim liegt unmittelbar an der Altmühl (420 bis ) und zieht sich um den Bubenheimer Berg, auf dem Gesteinsarten aus dem Riesauswurf (Meteoriteneinschlag vor fünfzehn Millionen Jahren) zu finden sind. Der Ort hat rund 410 Einwohner. Er wurde bereits im 8. Jahrhundert erwähnt, denn 792 besuchte Karl der Große Bubenheim anlässlich des Baus der Fossa Carolina. In der Nähe des Dorfes befindet sich ein Fluggelände. Dietfurt in Mittelfranken hat rund 450 Einwohner, bildet den Eingang zum Altmühltal und liegt auf einer Höhe von . Der Ort wurde bereits 802 erstmals erwähnt, als Reginsind, die Tochter eines fränkischen Adeligen, ihre Besitzungen dem Kloster St. Gallen übergab. Im Mittelalter zählten zu den wichtigsten Grundherren die Marschälle von Pappenheim. Falbenthal liegt auf einer Höhe von und wurde erstmals 1250 als „Walwental“ im Besitz des Klosters Wülzburg erwähnt. Da sich die Ortsbezeichnung als Flurname („Siedlung ifdasm fahlen Tal“) erklären lässt, dürfte die Gründung nicht vor dem 12. Jahrhundert erfolgt sein. Mit dem Kloster Wülzburg gelangte der Ort Ende des 14. Jahrhunderts auch in den Besitz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. 1608 belehnten sie Hans von Buchholz zu Helfenberg mit Falbenthal. 1642 wurde das Gut vom Obristen Johann von Leubelfing erworben. Heute dient das einstige Gutsschloss nur noch als Wohngebäude.