mini|300px|Nonnenhorn 1900 mini|Blick aus dem Zeppelin auf Nonnenhorn (2020) mini|Blick vom Bodensee auf Nonnenhorns Schiffslände und Segelhafen Nonnenhorn ist eine Gemeinde am Bodensee im Landkreis Lindau (Bodensee) im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Das gleichnamige Pfarrdorf ist die einzige Siedlung. Der Luftkurort und bekannte Weinort liegt zwischen Wasserburg und Kressbronn an der Grenze zu Baden-Württemberg. Nonnenhorn liegt auf der gegenüberliegenden Seite des Bodensees von Rorschach in der Schweiz.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt im bayerischen Teil des Nordufers (Sonnenseite) des Bodensees. Flächenmäßig ist sie die drittkleinste und zugleich südwestlichste Gemeinde des Freistaates Bayern. Im Westen grenzt Nonnenhorn an Baden-Württemberg. Es gibt nur die Gemarkung Nonnenhorn. Die Seeuferlänge misst 3,8 km. Das Hinterland ist von eiszeitlichen Moränenhügeln (Drumlins) mit botanisch bemerkenswerten Mischwaldbeständen geprägt.
Nachbargemeinden Die im Westen angrenzende Gemeinde, die bereits in Baden-Württemberg liegt, ist Kressbronn. Nach Osten schließt sich Wasserburg an. Die vier bayerischen Seegemeinden Nonnenhorn, Wasserburg, Bodolz und die Stadt Lindau liegen im Bereich „Bayerischer Bodensee“.
Geschichte Die Geschichte von Nonnenhorn am Bodensee beginnt bereits in der Frühzeit mit keltischen Siedlungsstrukturen, wobei der Ortsname wahrscheinlich nicht von Nonnen, sondern vom keltischen Volksstamm der „Nunen“ abgeleitet wird. Unterstützt wird diese Deutung durch weitere historische Ortsnamen in der Bodenseeregion mit dem Grundwort „-horn“, wie Romanshorn um 780 oder Buchhorn um 838, was auf eine vorrömische Siedlungstradition hinweist.
Die erste urkundliche Erwähnung Nonnenhorns erfolgte im Jahr 910, obgleich der Ort bereits seit dem 9. Jahrhundert zur Herrschaft Wasserburg gehörte. Diese Eingliederung basierte auf der Organisationsstruktur des Klosters St. Gallen, dessen Verwaltungssystem seit der ersten Erwähnung Wasserburgs als „wazzarburuc“ im Jahr 784 die Region prägte. In den St. Galler Chroniken wird für das Jahr 1430 erstmals ein Klusner in Nonnenhorn erwähnt, was auf religiöse Aktivitäten an der späteren Kapelle St. Jakobus hindeutet.
Die mittelalterliche Entwicklung Nonnenhorns war durch wechselnde Herrschaftsverhältnisse über die übergeordnete Herrschaft Wasserburg geprägt. Nach dem Ende der St. Galler Dominanz gingen die Besitzrechte 1280 an die Herren von Kisslegg über, gefolgt von den Herren von Schellenberg bis 1358 und anschließend von den Herren von Ebersberg bis 1386. Ab 1386 etablierte sich die Herrschaft der Grafen von Montfort-Rothenfels-Wasserburg, die das Gebiet bis 1592 kontrollierten.
Ein entscheidender Wendepunkt in der Ortsgeschichte war der Erwerb der Herrschaft Wasserburg durch die Grafen Fugger von Kirchberg-Weißenhorn im Jahr 1592 für 63.000 Gulden. Die Fuggerherrschaft manifestierte sich architektonisch durch den Bau des monumentalen Weintorkels im Jahr 1591, einer der größten und ältesten Baumpressen im gesamten Bodenseeraum, deren dreiteiliges Balkenlager aus Eichenholz rund 400 Zentner wog und deren Errichtung etwa 30 Pferde und 40 Arbeiter erforderte. Während der Fuggerschen Periode entwickelte sich Nonnenhorn zu einem bedeutenden Weinbauort, wobei um 1825 nicht weniger als 16 Gemeinschaftstorkel und fünf private Pressen auf der Gemarkung standen.
Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges brachte erhebliche Verwüstungen mit sich. 1635/36 forderte eine Pestepidemie über 600 Todesopfer in der Herrschaft Wasserburg, die in Massengräbern beigesetzt wurden. 1647 suchten schwedische Truppen die Gegend heim und richteten besonders im Weinbau schwere Schäden an. Nach dieser Krisenzeit erfolgte teilweise eine Wiederbesiedelung durch Schweizer Zuwanderer, was durch Einträge in den Kirchenbüchern und Familienstandesregistern dokumentiert ist.
1763 verkauften die verschuldeten Fugger die Herrschaft Wasserburg für 300.000 Gulden an das Erzhaus Österreich, wodurch Nonnenhorn bis 1805 zu Vorderösterreich gehörte. Der Übergang zu Bayern erfolgte durch den Pressburger Frieden vom 26. Dezember 1805, als das Gebiet zunächst zum Kurfürstentum und ab 1. Januar 1806 zum Königreich Bayern kam.
Die kommunale Selbständigkeit erlangte Nonnenhorn schrittweise nach den bayerischen Verwaltungsreformen. 1811 erhielt der Ort eine eigene Schule, 1817 entstand durch Teilung Wasserburgs die selbständige Gemeinde Nonnenhorn, und im Zuge des bayerischen Gemeindeedikts von 1818 wurde die heutige Gemeindestruktur etabliert.Verordnung über die künftige Verfassung und Verwaltung der Gemeinden im Königreich vom 17. Mai 1818. In: Bayerisches Gesetzblatt für das Königreich Bayern. Hübschmann, München 1818. Sp. 49.
Die Verkehrserschließung vollzog sich in zwei wichtigen Etappen: Am 1. Oktober 1899 erhielt Nonnenhorn mit der Eröffnung der Bahnstrecke Friedrichshafen–Lindau, einem Teilabschnitt der Bodenseegürtelbahn, einen Bahnhof, wobei das Empfangsgebäude im württembergischen Baustil errichtet wurde. 1912 folgte die Inbetriebnahme der Dampfschiffslände, als am 1. September der Schaufelraddampfer „Rupprecht“ als erstes Linienschiff in Nonnenhorn anlegte.
Eine bedeutsame kulturelle Bereicherung erfuhr Nonnenhorn 1846 durch den Schuhmachergesellen Johannes Königer, der den Münchner Schäfflertanz in den Ort brachte und die Schäfflergesellschaft gründete. Diese Tradition wird bis heute alle sieben Jahre gepflegt und stellt einen wichtigen Bestandteil der Ortsidentität dar.
Die Zeit der französischen Besatzung von August 1945 bis Januar 1948 verlief für Nonnenhorn glimpflich, da der Major der Reserve Peter Wilhelm Alexander Bullrich einen Tag vor dem Einmarsch der französischen Truppen den etwa 300 Mann starken Volkssturm auflöste und somit die kampflose Übergabe des Ortes durch Bürgermeister Guido Haag ermöglichte. Nonnenhorn fungierte während dieser Zeit als Hauptquartier der französischen Bodensee-Flottille „Flottille du Lac de Constance“.
In der Nachkriegszeit entwickelte sich Nonnenhorn zu einem modernen Tourismus- und Weinbauort. 1961 wurde die neue Kirche St. Christophorus eingeweiht, 1973 erhielt der Ort den Status eines Luftkurortes, und 1957 nahm die staatliche Fischbrutanstalt ihren Betrieb auf. Der historische Weintorkel wurde 1955 letztmalig genutzt und 1978 unter Denkmalschutz gestellt, womit ein bedeutendes Zeugnis der jahrhundertealten Weinbautradition für die Nachwelt bewahrt wurde.
Einwohnerentwicklung EinwohnerentwicklungStatistik kommunal 2012 Nonnenhorn (PDF; 1,3 MB) Jahr 1840 1900 1939 1950 1970 1987 1995 2000 2005 2010 20152023 Einwohner 647 573 782 1119 1270 1450 1517 1503 1568 1663 17261844
Politik Gemeinderat und Bürgermeister Der Gemeinderat setzte sich nach der Kommunalwahl vom 2. März 2008 zusammen aus je fünf Mitgliedern der Dorfgemeinschaft Nonnenhorn und der Freien Bürgerschaft Nonnenhorn. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,7 %.
Seit der Kommunalwahl 2014 hat der Gemeinderat zwölf Mitglieder, drei Frauen und neun Männer. Erster Bürgermeister ist Rainer Krauß (Dorfgemeinschaft). Er wurde 2008 als Nachfolger von Michael Hornstein (CSU/Dorfgemeinschaft/Freie Bürgerschaft/Aktive Liste) gewählt, der im Jahr 2002 Nachfolger von Josef Hornstein wurde und 2008 bei den Kommunalwahlen nicht mehr angetreten war. Rainer Krauß ist der erste hauptamtliche Bürgermeister von Nonnenhorn. Zuvor war er Büroleiter des Landrats im Landratsamt Lindau. Partei/Liste202020142008%Sitze%SitzeSitzeFreie Bürgerschaft u. Dorfgemeinschaft99,21298,212–Ohne Wahlvorschlag0,801,80Dorfgemeinschaft Nonnenhorn––5Freie Bürgerschaft Nonnenhorn––5Gesamt100,012100,01210Wahlbeteiligung (in %)60,357,973,7
Gemeindefinanzen Die Steuereinnahmen lagen im Jahr 2009 bei 1.245.000 Euro, der Anteil der Gewerbesteuer hieran lag bei rund 105.000 Euro (netto). Hauptsteuereinnahme ist der Einkommenssteueranteil mit rund 695.000 Euro.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Es gab 2009 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft elf, im produzierenden Gewerbe 46 und im Bereich Handel und Verkehr 114 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 47 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 499. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keinen Betrieb mit mehr als 20 Beschäftigten, im Bauhauptgewerbe zwei Betriebe. 2007 gab es 18 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von zwei ha oder mehr, die insgesamt 123 ha bewirtschafteten; davon waren drei ha Dauergrünland und hiervon ein ha Ackerfläche.
Wein- und Obstanbau mini|Obstgärten und Weinrieden in Nonnenhorn Der Weinbau sowie der Tourismus am Bayerischen Bodensee spielen eine wichtige Rolle. Das milde Seeklima und das sonnige Nordufer des Bodensees begünstigen hier besonders den Wein- und Obstanbau. Rebanlagen und Obstbäume durchziehen das Ortsbild des idyllischen Weindorfs. Die Großlagen der bekannten Weine nennen sich „Sonnenbichl“ und „Seehalde“. Beliebteste Rebsorten sind Müller-Thurgau, Bacchus, Grauburgunder, Spätburgunder sowie in letzter Zeit auch wieder die alte Rebsorte Elbling. Spätburgunder, in geringerem Umfang auch Dornfelder, werden häufig als Weißherbst ausgebaut und stehen im Angebot der meisten hier ansässigen Winzer. Organisiert sind viele Winzer im Weinbauverein bayerischer Bodensee.
Fischerei Von der Staatlichen Fischbrutanstalt in Nonnenhorn wurden 2002 über 37 Millionen Blaufelchen, 17.500 Seesaiblinge und 691.500 Seeforellen im See ausgesetzt. 34 essbare Fischarten kann man im See finden. Am häufigsten sind der Bodenseefelchen und der Flussbarsch, der hier Kretzer oder Egli genannt wird. Mit der zunehmenden Oligotrophisierung des Sees gehen die Fangerträge in letzter Zeit zurück, sodass einige Berufsfischer ihren Geschäftserwerb aufgegeben haben.
Tourismus und Gastronomie Es gibt ca. 1000 Gästebetten in Hotels, Gästehäusern, Pensionen, Ferienwohnungen und Privatzimmern. Die touristische Saison dauert etwa von April bis Oktober. Für Freizeitaktivitäten stehen ein beheiztes Strandbad (26 °C), Kegelbahnen, ein Tennisplatz, ein Minigolfplatz mit Bodenseemotiven, ein Bootsverleih, eine Freiluftschachfläche, ein Obst- und Weinwanderweg und ein Kinderspielplatz zur Verfügung. In der Gemeinde gibt es sieben verschiedene Restaurants und Gaststätten mit unterschiedlicher Küche. Zudem gibt es im Ort auch drei „Rädlewirtschaften“. Der Begriff „Rädle“ steht für Hof- oder Gutsausschank. Dort lebt der alte Brauch wieder auf, dass Winzer den hauseigenen Wein in geselliger Runde ausschenken. In anderen Regionen werden ähnliche Lokalitäten auch als „Buschenschank“, „Straußenwirtschaft“ oder „Besenwirtschaft“ bezeichnet.
Verkehr Da die Bundesstraße oberhalb des Ortes verläuft, fließt durch Nonnenhorn nur Ortsverkehr. Seit März 2007 wird die Gemeinde auf württembergischer Seite offiziell nicht mehr ausgeschildert, was dem Tourismus schadet. Grund hierfür sind die seit Öffnung der Umgehung B31 geschlossenen Abfahrten Rickatshofen und Schönau. Aufgrund der fehlenden Abfahrten fließt der gesamte Verkehr in bayerische Ferienorte durch die württembergische Gemeinde Kressbronn. Bis eine Lösung der bayerischen Regierung vorliegt und die Schilder wieder montiert werden, müssen Touristen, die der Beschilderung folgen, so einen Umweg von bis zu 40 Kilometer in Kauf nehmen. mini|Bahnhof Ab dem im Ortskern gelegenen Bahnhof an der Bahnstrecke Friedrichshafen–Lindau verkehren stündlich Regionalbahnen in beide Richtungen. Vom Schiffsanleger aus befördert die „Weiße Flotte“ der Bodensee-Schiffsbetriebe in der Saison täglich Gäste nach Lindau, Bregenz oder Friedrichshafen, Meersburg, Mainau und Konstanz. Vom benachbarten Wasserburg und von Friedrichshafen gelangt man per Schiff auch in die Schweiz (Rorschach).