mini|hochkant=1.5|Blick nach Nordosten über den zugefrorenen See auf das Neue Rathaus und rechts das Verwaltungsgebäude der Nord/LB, 2011 Der Maschsee ist ein künstlich angelegter, 2,4 km langer und 180 bis 530 m breiter See südlich des Stadtzentrums von Hannover. Mit einer Fläche von 78 HektarMaschsee-Infotafel (Tafel-Nr. 133; ), Pavillion am Maschsee, auf Stadthistorie Hannover ist er das größte Gewässer in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Der See ermöglicht zahlreiche Wassersportarten und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet.
Name Der Name des Sees leitet sich von der „Leinemasch“ oder einfach „Masch“ ab. Dies ist die historische Flurbezeichnung für das Gebiet, in dem der See angelegt wurde. Es ist ein tiefergelegenes Überschwemmungsgebiet der Leine. Die Entstehung des Begriffs Masch steht im Zusammenhang mit dem Landschaftstyp der Marsch.
Geschichte bis 1933 Im breiten Flusstal der Leine nahe Hannover einen See zu schaffen, wurde schon im späten 19. Jahrhundert erwogen. Dies bot sich an im Zusammenhang mit der notwendig gewordenen Eindeichung von Leine und Ihme, die nach der Schneeschmelze im Harz regelmäßig zu Frühjahrsüberschwemmungen in der Stadt führten. Zudem ermöglichten die überfluteten Bereiche schon damals Freizeitnutzung: froren diese im Winter zu, wurde die Masch als Eisbahn genutzt. Entscheidend für die Realisierung des Seeprojektes war dessen Verbindung mit der Leine- und Ihme-Regulierung. Dadurch ließ sich die Hochwassergefahr reduzieren und das Leinetal besser nutzen. Im Laufe der Jahrzehnte gab es mehrere, sehr unterschiedliche Entwürfe: Kleine Lösungen und große, die den Schützenplatz als Insel im See vorsahen. Im September 1925 beauftragte der neu gewählte Oberbürgermeister Arthur Menge den Wasserbauingenieur und Professor der Technischen Hochschule Hannover Otto Franzius, gemeinsam mit dem Stadtbauamt ein Projekt für den Bau eines Maschsees auszuarbeiten. Franzius zeichnete für den wasserbaulichen und wasserwirtschaftlichen Teil verantwortlich, das Stadtbauamt unter der Leitung von Karl Elkart für den städtebaulichen. Im Januar 1926 bewilligte der Magistrat der Stadt 14.000 Reichsmark für Dichtungsversuche. Diese waren notwendig, weil das Projekt erstmals den Gedanken aufbrachte, den See nicht in die Masch einzugraben und von der durchfließenden Leine zu speisen. Vielmehr sollte der Maschsee schüsselartig auf die Masch und damit über den Pegel der Leine gebaut und durch ein Pumpwerk gespeist werden. Dies löste auch das Problem einer drohenden Verschlammung durch im Flusswasser mitgetragene Schwebstoffe.Städtisches Presseamt Hannover (Hrsg.): Hannovers Maschsee. Zu seiner Eröffnung am 21. Mai 1936, Hannover 1936, S. 19 Damit schuf Otto Franzius letztlich den Entwurf, der sich als tragfähig und finanzierbar erwies.
Dennoch dauerte es noch rund acht Jahre, bis Anfang der 1930er Jahre drei starke Gründe für die Schaffung eines künstlichen Sees in der Leinemasch sprachen und die Arbeiten aufgenommen wurden: Eindämmung des Hochwasserbettes der Ihme Schaffung eines stadtnahen Naherholungsgebietes mit Möglichkeiten für Wassersportler Beseitigung der hohen Arbeitslosigkeit (1932 waren 58.000 Hannoveraner ohne Beschäftigung) durch ein öffentliches Arbeitsbeschaffungsprogramm
Gegen die Anlage des Sees an dieser Stelle sprach die 1904 fertiggestellte und etwa 20 m hohe Bismarcksäule in der Mitte der zukünftigen Wasserfläche. An ihr fanden paramilitärische Aufmärsche und 1933 die Bücherverbrennung in Hannover statt. Die Säule wurde 1935 im Zuge der Bauarbeiten für den Maschsee vollständig abgerissen.
Zeit des Nationalsozialismus mini|Schatten des Fischereiwissenschaftlers und Oberfischmeisters Friedrich Schiemenz im September 1935 auf dem Grund des im Bau befindlichen Maschsees
In den 1930er Jahren zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise verfügte die Stadt Hannover nicht über ausreichende Finanzmittel zur Verwirklichung des Maschseeprojektes. Für die NSDAP kam das Seeprojekt wie gerufen, um die Arbeitslosenzahlen zu reduzieren. Sie hatte es sich sprichwörtlich auf die Fahnen geschrieben und machte es bei Aufmärschen zum Thema ihrer Propaganda. Am 28. November 1933 stand es auf der Tagesordnung einer Stadtratssitzung. Am 21. März 1934 erfolgte in der Leinemasch der erste Spatenstich für den Maschsee. Trotz der ungeklärten Finanzierung fanden viele Menschen Arbeit am See. Unter schlechten Arbeitsbedingungen und geringer Entlohnung, die nicht viel höher als die Arbeitslosenunterstützung lag, mussten die Arbeiter ihr eigenes Werkzeug mitbringen. Zum Bau wurden 14 Lokomotiven mit 365 Kipploren auf etwa 15 km Gleisanlagen sowie Bagger und 5 Raupenschlepper eingesetzt. Anfänglich waren 100 Arbeiter, zum Schluss 1650 Arbeiter beteiligt. Sie hoben rund 780.000 m³ Boden für das Seebecken aus.Waldemar R. Röhrbein: Maschsee in Stadtlexikon Hannover, S. 430 ff.
Im Frühjahr 1936 war das Maschseeprojekt vollendet. Die Einweihung fand am Himmelfahrtstag, dem 21. Mai 1936 statt. Hunderttausende von Hannoveranern und Gästen verfolgten rund um den See ein buntes Programm. Die Veranstaltung begann mit einem zeittypischen Massenaufmarsch der NSDAP. Außerdem waren 6000 Sportler an einem Sternmarsch sowie Abordnungen von Behörden und der Wehrmacht beteiligt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der See mit Planen und künstlichen Landschaftsnachbildungen auf Schwimminseln abgedeckt, um den alliierten Bomberpiloten bei den Luftangriffen auf Hannover die Orientierung zu erschweren.
Wasserhaushalt Durch Sickerwasser und Verdunstung fällt der Wasserspiegel um maximal 1,3 cm täglich, was einer Menge von 10.000 Kubikmetern Wasser entspricht. Um den Pegel konstant zu halten, sorgt für den Wasserhaushalt des Maschsees ein Pumpwerk an den Ricklinger Kiesteichen. Es hat drei Pumpen mit einer Leistung von zusammen 1000 l/s. Von dort führt eine über 800 Meter lange Leitung, die das Wasser in der Nähe der „Maschseequelle“ in den See einleitet. Je nach Witterungsverlauf müssen jährlich ein bis zwei Millionen m³ Wasser ergänzt werden. Von November bis Februar wird nicht gepumpt; während dieser Zeit sinkt der Wasserspiegel um durchschnittlich 45 cm ab. Die Abflussregulierung geschieht über eine unterirdische Hauptauslass-Rohrleitung am Nordwestufer nahe dem Courtyard-Hotel (Arthur-Menge-Ufer) und über einen Sicherheitsüberlauf am Südufer – jeweils in die am See vorbeifließende Leine.
Maschseequelle mini|Maschseequelle mit leerem Wasserbecken
Bis 1960 wurde vom Pumpwerk „Maschseequelle“ dem Maschsee Wasser zugeführt, da sich der Wasserspiegel durch Verdunstung im Sommer senkt. Das Pumpen- und Filterhaus wurde als eines der ersten Bauwerke am See im November 1935 in Betrieb genommen. Das Werk verfügt über zwei Pumpen, die pro Sekunde 500 Liter Wasser aus dem nur wenige Meter entfernten Fluss Leine heben können. Da das Leinewasser stark durch Schwebstoffe verunreinigt ist, begann der See schneller zu verlanden, als ursprünglich angenommen. Daher entschied sich die Stadtverwaltung Hannover im Jahre 1960 dazu, ein neues Pumpwerk an den Ricklinger Kiesteichen zu bauen, um den Maschsee von dort mit Grundwasser zu versorgen. Das alte Pumpenhaus ist nur noch aktiv, wenn der Sauerstoffgehalt im Wasser zu niedrig ist, da das Wasser dort über eine dreistufige offene Kaskade in den See geleitet wird. Auch während des Maschseefestes wird zeitweise das alte Pumpwerk mit seiner Kaskade in Betrieb gesetzt.
Heute wird das alte Pumpenhaus vom Sport Club Hannover e. V. als Vereinsheim und Bootshaus genutzt.
Maschseefontäne
mini|hochkant=0.7|Maschseefontäne Die Maschseefontäne entstand 1986 zum 50. Jahrestag der Erbauung des Maschsees und wurde in dem Jahr zu den Maschseetagen in Betrieb genommen. Sie war ein Geschenk der Stadtwerke, dem Vorläufer der enercity AG, an die Stadt. Die Hauptfontäne und die vier kleineren Fontänen am Nordufer des Sees erreichen eine Höhe von 10 bis 17 Meter. Die Wartungs- und Stromkosten werden von enercity im Rahmen von Sponsoring getragen.
Freizeitbetrieb Für Fußgänger ist der in relativer Innenstadtnähe gelegene Maschsee ein willkommenes Naherholungsgebiet. Einmal im Jahr im Sommer findet rund um den See das mehrwöchige Maschseefest statt, das inzwischen jährlich rund zwei Millionen Besucher anzieht. Geboten werden dabei Kleinkunst, Gastronomie, Musikdarbietungen sowie Feuerwerke.
Boote und Schiffe mini|Drachenboot Festival, 2012 mini|Fahrgastschiff, hier während des Maschseefests als Piratenschiff Üstralala ausstaffiert
Während des Sommers führen die hannoverschen Verkehrsbetriebe üstra auf dem See Fahrgastschifffahrt mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen durch, darunter ein Solarboot als Katamaran. Das Anlegen an den Haltepunkten erfolgt durch Elektromagneten statt der üblichen Taue. Am Ufer wird Gastronomie betrieben. Rund um den Maschsee sind zahlreiche Vereine für Wassersportarten (vor allem Rudern und Segeln) beheimatet. Im Verlauf des Jahres finden auf dem Gewässer diverse Wettbewerbe statt, allen voran das alljährliche Drachenboot Festival Hannover.
Segelboote können bei zwei Bootsverleihen geliehen werden, die auch Kurse zum Erwerb eines Segelscheins anbieten.
Von 1952 bis 1990 fanden auf dem See regelmäßig Motorbootrennen statt. In dieser Zeit wurde viermal ein Weltmeistertitel vergeben, fünf Rennen zählten zur Weltmeisterschaftsserie der 2-Liter-Klasse und zehnmal wurde ein Europameister gekrönt.
Um eine Beschädigung der Abdichtung zu verhindern, ist das Ankern auf dem gesamten See nicht gestattet. Diese und weitere Regeln sind in der sogenannten Maschseeordnung geregelt.
Rudern Am Maschsee sind das Schülerbootshaus der Stadt Hannover, das Bootshaus des Hannoverschen Ruder-Clubs von 1880 e. V. und des 1. Frauen-Ruder-Club-Hannover 1928 e. V. Jedes Jahr finden zahlreiche Regatten des Schülerruderverband Niedersachsen und der Ruder-Bundesliga auf dem Maschsee statt.
Baden Im Süden des Sees befindet sich das Strandbad Maschsee. Das ehemalige städtische Freibad wurde 2005 von der Stadt an einen privaten Investor (Strandbad Maschsee GmbH) übergeben. Es begannen Bauarbeiten zu einem aufwändigen kommerziellen Wellness-Park, wobei dieses Projekt ins Stocken geriet. 2007 wurde es von der Investorengruppe Aspria übernommen, die die Arbeiten fortsetzte. Im Frühjahr 2009 eröffnete die „Aspria Hannover GmbH“ auf dem Grundstück in den Gebäuden des alten Strandbades und einigen neuen Anbauten einen privaten Spa- und Sport-Club. Auch der Betrieb des öffentlichen Strandbades wurde an die Aspria GmbH übergeben. Seit der Badesaison 2009 steht mehr als die Hälfte der Fläche des Strandbades nur noch den Mitgliedern des Aspria-Clubs zur Verfügung.
Laufen und Inline-Skaten Die Runde um den Maschsee ist eine bei Joggern beliebte Laufstrecke. Im Jahr 2005 wurde eine 6,0 km lange Strecke um den Maschsee vom Deutschen Leichtathletik-Verband im Auftrag der Stadt Hannover mit dem Jones-Counter vermessen. Diese Strecke verläuft auf dem unbefestigten Fußweg, also näher am Wasser als der asphaltierte Radweg. Um das Laufen über Treppenstufen zu vermeiden, verläuft die Strecke an der Löwenbastion auf dem breiten Fußweg und am Pumpenhaus auf dem Radweg. Im Juni 2007 wurde die Strecke alle 500 m mit sogenannten Meilensteinen versehen.
Seit Mai 2003 ist der Radweg rund um den Maschsee offiziell für Inline-Skating freigegeben.
Am traditionellen Maschseelauf nehmen jährlich mehrere tausend Starter aus hannoverschen Schulen und Sportvereinen teil.Karl-Heinz Grotjahn: Maschseelauf. In: Stadtlexikon Hannover, S. 432
Eislaufen mini|hochkant=1.5|Fußgänger und Eishockeyspieler auf dem See, Januar 2009