Baumschulenweg (Betonung auf der letzten Silbe) ist ein Berliner Ortsteil des Bezirks Treptow-Köpenick. Name und Geschichte des Ortsteils sind eng verbunden mit der seinerzeit weltweit bekannten und bis heute bestehenden Späth’schen Baumschule.
Geografie Baumschulenweg befindet sich im nordwestlichen Teil des Bezirks Treptow-Köpenick und liegt an der Bezirksgrenze zum Bezirk Neukölln. Im Bezirk Treptow-Köpenick grenzen im Norden der Ortsteil Plänterwald und im Osten von Nord nach Süd die Ortsteile Oberschöneweide, Niederschöneweide und Johannisthal an Baumschulenweg. Im Bezirk Neukölln bilden von Nord nach Süd die Ortsteile Neukölln, Britz und Rudow die Nachbarortsteile.
Auf einem kurzen Abschnitt bildet im Nordosten die Spree die Grenze (zu Oberschöneweide), die südwestliche Grenze (zu Britz und Rudow) verläuft entlang des Teltowkanals. Verbunden wird die Spree mit dem Teltowkanal durch den Britzer Verbindungskanal; dessen südliches Ufer bildet im Westen von Baumschulenweg die Grenze zu Neukölln, dann nach Osten hin im Bereich der Königsheide die Grenze zu Johannisthal, schließlich im Nordosten (zwischen Köpenicker Landstraße und Spree) die Grenze zu Niederschöneweide.
Der Ortsteil liegt vollständig im Urstromtal der Spree:Datei:Berliner Urstromtal.png in einer Höhe von 33–.stadtentwicklung.berlin.de Der Untergrund besteht aus Talsanden, die nach Westen in Richtung Teltowkanal zunehmend humos und anmoorig werden.
Der Ortsteil Baumschulenweg besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilgebieten, die im Bereich der Brücke der Baumschulenstraße über den Britzer Verbindungskanal durch eine schmale Engstelle miteinander verbunden sind (siehe Karte des Ortsteils). Der nordöstliche Teil Baumschulenwegs ist ein dicht bebautes Wohngebiet um das Ortsteilzentrum Baumschulenweg mit seinen Dienstleistungs- und kommunalen Einrichtungen; die Wohngebäude reichen von Reihenhäusern über herrschaftliche Häuser und Mietskasernen bis hin zu Q3A-Wohnhäusern. Dieser Teilraum Baumschulenwegs umfasst aber auch das große Friedhofsareal mit dem Krematorium sowie einige Sportanlagen und kleinere Grünflächen. Der südwestliche Teil Baumschulenwegs ist mit den Ortslagen Daheim und Späthsfelde lockerer bebaut. Hier liegen Laubenkolonien, das ausgedehnte Areal der Späth’schen Baumschule sowie die Einfamilien- und Reihenhaussiedlungen von Späthsfelde.
Baumschulenweg ist erst seit 1940 ein eigener Ortsteil.Georg Türke: Baumschulenweg und Plänterwald in Berlin. Von der Krebsjauche zum geplänterten Wald. Aus der Geschichte zweiter Ortsteile im Südosten der Stadt. Hrsg.: Förderverein für das Heimatmuseum Treptow e. V., Berlin 2005, S. 28. Er wurde in jenem Jahr aus dem südlichen Teil des Ortsteils Treptow gebildet und ist dadurch auch Teil der Geschichte Treptows. Die Ortslage Späthsfelde wurde erst 1997 aus Johannisthal herausgelöst und dem Ortsteil Baumschulenweg zugeschlagen, bis 1938 gehörte dieses Gebiet zum Neuköllner Ortsteil Britz.Georg Türke: Baumschulenweg und Plänterwald in Berlin. Von der Krebsjauche zum geplänterten Wald. Aus der Geschichte zweiter Ortsteile im Südosten der Stadt. Hrsg.: Förderverein für das Heimatmuseum Treptow e. V., Berlin 2005, S. 19
Geschichte Siedlungsbeginn Das Gebiet, auf dem das heutige Baumschulenweg liegt, war zunächst keine eigenständige Ortschaft, sondern gehörte als ihr südlichster Teil zur Landgemeinde Treptow. Die sogenannte Hinterheide war nur dünn besiedelt. Aus dem Jahr 1794 ist ein Forsthaus überliefert, in dem der Unterförster Ernst ab 1823 die Abholzung des Berliner Stadtforstes Köllnische Heide überwachte. Nach ihm ist seit 1894 eine Straße in Bahnhofsnähe benannt. Im Interesse einer günstigeren Haushaltsbilanz hatten die Kommunalbehörden die Abholzung beschlossen, um das urbar gemachte Land kommerziell zu verwerten. Bis auf einige wenige Morgen beim heutigen Schlesischen Busch und dem heutigen Gasthaus Zenner wurde die Köllnische Heide in den Jahren 1829–1840 fast komplett gerodet. Nachdem Treptow 1841 zum Gutsbezirk erklärt wurde und im Januar 1852 die Aufteilung des Gebietes in Parzellen und die Abfindung der Rixdorfer Gemeinde, der Treptower Kolonisten, Zeitpächter und anderer Grundbesitzer beendet war, konnte der Ausbau des Gebietes beginnen. Die durch die Rodung entbehrlich gewordene Försterei an der Kanner Chaussee (heute: Rixdorfer Straße) kam in den Besitz des Herrn Müßig und wurde zum Gut Marienthal umgewandelt. Zeitweise gehörte das Gut zu Rixdorf. Bis zur Gründung der Landgemeinde Treptow am 22. Januar 1876 war das Gut Marienthal die einzige Ansiedlung auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils Baumschulenweg.
Der wachsende Ort mini|hochkant=0.85|Kirche Zum Vaterhaus mini|Forsthaus Kanne an der Königsheide mini|Späth’sches Herrenhaus von 1874 auf dem Gelände des Arboretums
Die damals bevorstehende Allgemeine Deutsche Landwirtschaftliche Wanderausstellung im Jahr 1894 und die Berliner Gewerbeausstellung im Jahr 1896 lösten verstärkte Bauaktivitäten in ganz Treptow aus. Die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 errichtete beispielsweise in den Jahren 1894 bis 1896 eine Reihenhaussiedlung in der Behringstraße 13–19, 38–48, der Marientaler Straße 3–11, 17–23 sowie 6–20 und in der Ernststraße 10–18 und 11–23. Sie waren zwar als Zweifamilienhäuser für Arbeiter geplant worden, wurden aber nach ihrer Fertigstellung als Einfamilienhäuser verkauft. Die überwiegend mit gelben und roten Ziegeln erbauten Häuser stehen heute unter Denkmalschutz. Der Umzug der Gärtnerei L. Späth von der Köpenicker Straße (heute: Köpenicker Landstraße) auf die Britzer und Rudower Wiesen im Jahr 1863 war dann der Hauptanstoß für die Bildung des zukünftigen Ortsteils Baumschulenweg. Nachdem Franz Ludwig Späth 60 Besitzern ihre Wiesen abgekauft hatte, gründete er dort seine Baumschule, die er zu Weltruhm führte und zur weltweit größten Baumschule ausbaute. Obwohl die Baumschule durch den Umzug nicht mehr auf dem Gebiet Treptows lag, nahm Späth großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes. Das von Späth 1874 errichtete Herrenhaus umgab seit 1879 ein Hauspark, das heutige Späth-Arboretum. Der Park war im Stil englischer Landschaftsparks nach Plänen des ersten Berliner Stadtgartendirektors Gustav Meyer gestaltet und diente als Versuchs- und Schaugarten für zahlreiche Neueinführungen und Neuzüchtungen von Gehölzen. Zum Arboretum zählte neben den hohen Gehölzen ein Rosarium.
Beim Ausbau der Strecke der Görlitzer Bahn erhielt der außerordentlich schnell wachsende Ort 1890 eine Haltestelle am Ablageweg. Die Haltestelle wurde zunächst nach der Försterei Kanne benannt. Der Ablageweg, die Zufahrtsstraße von der Köpenicker Straße zur Baumschule durch den Ort, wurde auch als Baumschulenweg bezeichnet. Dieser Name wurde für den 1902–1906 zum Vorortbahnhof ausgebauten Haltepunkt übernommen. Der Ablageweg wurde danach auf Initiative von Franz Späth gepflastert und in Baumschulenstraße umbenannt. Die kommunalen Vertreter Treptows hätten gern mit der Bezeichnung „Treptow-Süd“ die Zugehörigkeit zur Gemeinde unterstrichen. Da jedoch im Ort bereits ein Post- und Telegrafenamt eingerichtet und die Haltestelle der Görlitzer Bahn benannt waren, setzten die Reichspost, die Königliche Eisenbahndirektion, der Landrat und Ökonomierat Franz Späth den Namen „Baumschulenweg“ als offizielle Bezeichnung für den Ort durch.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden kommunale Aufgaben in Angriff genommen und die Infrastruktur ausgebaut. So wurde unter anderen Treptow und damit auch Baumschulenweg 1903 an das Netz der Berliner Elektricitäts-Werke angeschlossen. Zwischen 1903 und 1906 wurde im Verbund mit Britz, Neukölln, Marienfelde und Mariendorf eine Kanalisation für die Brauchwässer gebaut. Die Straßen wurden ausgebaut und mit Beleuchtung versehen. 1901 entstand das erste Schulgebäude in der Mosischstraße und erleichterte den Kindern den Schulweg, die zuvor nach Alt-Treptow oder Niederschöneweide laufen mussten. 1908 wurde der Ort durch die Berliner Ostbahnen an das Berliner Straßenbahnnetz angeschlossen. Treptow beteiligte sich finanziell am Bau des Teltowkanals (1901–1906) und ließ dabei den Britzer-Kanne-Zweig-Kanal südlich des Ortes Baumschulenweg anlegen. Der Aushub wurde genutzt, um den Bahndamm der Stadtbahn bis Grünau aufzuschütten. Die dadurch entstandenen Unterführungen wirkten sich positiv auf den Verkehrsfluss und die Bebauung aus: Die ersten Häuser in Richtung Plänterwald entstanden. Allerdings zeigte sich auch nach Abschluss der Bauarbeiten am Teltowkanal, dass der Grundwasserspiegel sank und die Kanne versiegte. Die Bauern mussten die Wiesen zwischen Neukölln und Treptow aufgeben. Die Baumschule war ebenfalls betroffen und legte einen neuen Tiefbrunnen an, der das Problem verschärfte. Neben mehreren Schulen, die in Treptow entstanden, wurde 1909 in Baumschulenweg ein privates Lyzeum gegründet, das 1911 in Gemeindebesitz überging. In Baumschulenweg wurde 1911 mit der evangelischen Kirche Zum Vaterhaus das erste Gotteshaus in Treptow eingeweiht. Der Entwurf für die Kirche stammte von Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth, die auch das Rathaus Treptow entwarfen. Ein Problem, das noch einer Lösung bedurfte, war die Bestattung der Verstorbenen. Hierfür wurde 1912/1913 der Urnenhain an der Königsheide zum Friedhof Baumschulenweg ausgebaut. Gleichzeitig wurde auf diesem Gebiet das zweite Berliner Krematorium (nach dem im Ortsteil Wedding) nach Plänen von Erich Bienz und Mathias Bardenheuer gebaut.
Trotz des Wachstums und der großen Bemühungen um einen Ausbau städtischer Infrastruktur erschien Baumschulenweg vielen Berlinern als eine unwirtliche Gegend an der äußersten Peripherie der Stadt. Die Redaktion der Fachzeitschrift Berliner Architekturwelt beschrieb in einem Bericht über die 1910 mit beträchtlichem Aufwand veranstaltete, viele Besucher anziehende II. Ton-, Zement- und Kalkindustrie-Ausstellung deren Schauplatz mit ironischem Unterton:
Eingemeindung nach Berlin Am 1. Oktober 1920 trat das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin in Kraft. Als Bestandteil der ehemaligen Landgemeinde Treptow lag Baumschulenweg nunmehr im 15. Verwaltungsbezirk Treptow von Groß-Berlin. Die Späth’schen Baumschulen, die schon vorher nicht im Gebiet der Landgemeinde Treptow lagen, gehörten jetzt zum Bezirk Neukölln, Ortsteil Britz.
Die steigenden Schülerzahlen im Ort machten die Einführung von Parallelklassen im Lyzeum Baumschulenweg erforderlich. Zusätzlich wurden neue Schulen gebaut.
Um die Wohnungsnot zu lindern, kam es ab 1924 zum Bau verschiedener neuer Siedlungen. So entstand unter anderem zwischen der Baumschulenstraße, der Forsthausallee und dem Britzer Zweigkanal die Reichsbahnsiedlung. Auch zwischen Baumschulenstraße und Heidekampweg wurde die Randbebauung weitergeführt. In den Jahren 1927 bis 1932 baute der Ojoreila-Wohnungsverein nach Plänen von Walter Kaas die großräumige Wohnanlage in der Südostallee.
Zeit des Nationalsozialismus mini|hochkant=0.85|Stolperstein Rodelbergweg 12
Die Berliner Gebietsreform mit Wirkung zum 1. April 1938 hatte zahlreiche Begradigungen der Bezirksgrenzen sowie einige größere Gebietsänderungen zur Folge. Seitdem verläuft die neue Bezirksgrenze entlang des Britzer Verbindungskanals und des Teltowkanals. Die Späth’schen Baumschulen, vorher in Britz, lagen nun auf dem Gebiet von Baumschulenweg.