mini|Fernmeldeturm südwestlich von Schnittlingen

Böhmenkirch ist eine Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg.

Geographie Geographische Lage Böhmenkirch liegt in einer Höhe von 495 bis Höhe auf dem Albuch genannten Teil der Hochfläche der Schwäbischen Alb zwischen Oberem Brenz- und Kochertal im Ostnordosten und dem großen Talbogen der Fils im Westsüdwesten. Das namensgebende Dorf der Gemeinde ist in Luftlinie etwa 21 km von der Kreisstadt Göppingen im Westen entfernt und etwa 32 km von der Großstadt Ulm im Süden.

Gemeindegliederung Zu Böhmenkirch gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Schnittlingen, Steinenkirch und Treffelhausen. Zur Gemeinde Böhmenkirch in den Grenzen vom 31. Dezember 1972 gehören das Dorf Böhmenkirch und der Weiler Heidhöfe sowie die abgegangenen Ortschaften Schönenberg, Neuhausen, Boxweiler, Hoebert und Siggenweiler. Zur ehemaligen Gemeinde Schnittlingen gehören das Dorf Schnittlingen und die Häuser Berg (Funkstelle) und Ziegelhütte sowie die abgegangenen Ortschaften Wintereswanc und Winterreute. Zur ehemaligen Gemeinde Steinenkirch gehören das Dorf Steinenkirch, der Weiler Trasenberg, das Gehöft Lindenhof und die Häuser Obere Roggenmühle und Ravenstein. Zur ehemaligen Gemeinde Treffelhausen gehört das Dorf Treffelhausen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 279–282.

Nachbargemeinden An das Gemeindegebiet von Böhmenkirch grenzen reihum die Gemeinden Bartholomä im Norden im Ostalbkreis; Steinheim am Albuch im Osten und Gerstetten im Südosten, beide im Landkreis Heidenheim; sowie die Städte Geislingen an der Steige im Südwesten, Donzdorf im Westen und Lauterstein im Nordwesten, alle drei im eigenen Landkreis Göppingen.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Böhmenkirch.

Geschichte Mittelalter Böhmenkirch wurde im Jahre 1225 in einem vatikanischen Register erstmals als Bominwirche urkundlich erwähnt. 1302 befand sich Böhmenkirch als Pfand des Reiches im Besitz der Grafen von Helfenstein. Graf Ulrich III. von Helfenstein war 1307 auf Grund seiner Verschuldung gezwungen, Gebiete an Albert I. von Rechberg zu verpfänden, darunter auch Böhmenkirch. 1476 verfügte Böhmenkirch nachweislich über das Stadtrecht mit hoher Gerichtsbarkeit, was in der Neuzeit offenbar verloren ging.

Neuzeit Böhmenkirch war Reichsgut, wenngleich dauerhaft an das Haus Rechberg verpfändet, und genoss besondere Rechte, die beim Böhmenkircher Bauernaufstand von 1580 bis 1582 gegen Haug (Hugo) von Rechberg eine Rolle spielten.

Die ritterschaftliche Herrschaft der Rechberger verlor in der napoleonischen Zeit ihre Reichsunmittelbarkeit. Dabei fiel Böhmenkirch mit der Herrschaft Weißenstein 1806 zunächst an das Königreich Bayern. 1810 wurde Böhmenkirch auf Grund des Grenzvertrags von 1810 an das Königreich Württemberg abgetreten und dem Oberamt Geislingen zugeordnet.

Brandkatastrophe 1910 Am 14. April 1910 ereignete sich, verschärft durch Wassermangel und durch Strohdächer, eine Brandkatastrophe, bei der 74 Wohnhäuser zerstört und 372 Personen obdachlos wurden.

Entwicklung seit 1918 Nach dem Ende der Monarchie gehörte Böhmenkirch zum Volksstaat Württemberg. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte die Gemeinde 1938 zum Landkreis Göppingen. 1945 bis 1952 befand sich Böhmenkirch im Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war. 1952 gelangte die Gemeinde zum jetzigen Bundesland Baden-Württemberg. Am 26. September 2021 stimmten die Bürger Böhmenkirchs mit 71,53 Prozent der Stimmen dafür, einen Landkreiswechsel zum Ostalbkreis, Landkreis Heidenheim oder Alb-Donau-Kreis zu prüfen.

Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1973 Treffelhausen und Schnittlingen sowie am 1. Januar 1974 Steinenkirch eingemeindet.

Wappen der eingemeindeten Orte 80px|TreffelhausenTreffelhausen 80px|SchnittlingenSchnittlingen 80px|SteinenkirchSteinenkirch

Einwohnerentwicklung Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1961 Datum Einwohner 1837 2565 1907 2671 17. Mai 1939 2683 13. September 1950 3906 6. Juni 1961 4018 27. Mai 1970 4510 31. Dezember 1983 4576 Datum Einwohner 25. Mai 1987 4633 31. Dezember 1990 4902 31. Dezember 1995 5427 31. Dezember 2000 5620 31. Dezember 2005 5601 31. Dezember 2010 5515 31. Dezember 2015 5512 Datum Einwohner 31. Dezember 2020 5509

Politik

Gemeinderat In Böhmenkirch wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten 21 (2019: 20) ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem ErgebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums.

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWGFreie Wählergemeinschaft Böhmenkirch55,251155,9811FBV/CDUFreie Bürgervereinigung/Christlich Demokratische Union Deutschlands47,90944,029AfDAlternative für Deutschland2,541––gesamt100,021100,020Wahlbeteiligung68,85 %54,17 %

Bürgermeister Bürgermeister in Böhmenkirch ist seit 2010 Matthias Nägele (parteilos). Zuvor amtierte von 1978 bis 2010 Jürgen Lenz (CDU).

Wappen Die Blasonierung des Gemeindewappens von Böhmenkirch lautet: In Rot eine goldene Holzkirche. links|80px Für das Jahr 1924 ist für Böhmenkirch ein Baum als Siegelbild belegt. Später änderte sich dieses in eine Kirche. Nach einem Vorschlag der Archivdirektion in Stuttgart nahm die Gemeinde 1957 das heutige „redende Wappen“ an: Der Ortsname Böhmenkirch leitet sich von Baumenkirche ab, was durch eine aus Baumholz bestehenden Kirche versinnbildlicht wird. Die Farben Gelb und Rot weisen auf die Herrschaft Rechberg hin. Das Wappen und die gelb-rote Flagge wurde am 4. September 1958 vom Innenministerium verliehen.

Gemeindepartnerschaften Böhmenkirch unterhält partnerschaftliche Beziehungen zur Marktgemeinde Böheimkirchen im Mostviertel in Niederösterreich.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Böhmenkirch ist durch die Bundesstraße 466 (Süßen–Heidenheim) an das überregionale Straßennetz angeschlossen. Im ÖPNV ist die Gemeinde ein Kreuzungspunkt der Busverbindungen zwischen Göppingen, Geislingen an der Steige und Heidenheim an der Brenz.

Der Schwäbische-Alb-Radweg führt als Fernradweg durch Böhmenkirch; er führt vom Bodensee nach Donauwörth und dabei aus Süßen kommend über Donzdorf und Lauterstein (Nenningen und Weißenstein) nach Böhmenkirch und weiter über Steinheim am Albuch Richtung Heidenheim.

Auch der Albtäler-Radweg verläuft durch die Gemeinde; es handelt sich um einen Rundkurs zwischen Römerstein und Sontheim an der Brenz. Er führt von Geislingen kommend in die Ortsteile Treffelhausen und Steinenkirch und weiter über Gerstetten ins Brenztal.

Bildung In Böhmenkirch und im Ortsteil Treffelhausen gibt es jeweils eine reine Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Touristische Routen Böhmenkirch liegt an der Schwäbischen Albstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Genauso liegt Böhmenkirch am Fränkisch-Schwäbischen Jakobsweg, einem Pilgerweg, der nach Ulm und weiter nach Spanien führt.

Radwege Böhmenkirch liegt am Alb-Crossing, einem Fernradweg geeignet für Mountainbiker oder Gravel-Biker, der in sechs Etappen von Aalen bis nach Tuttlingen führt.

Bauwerke mini|St.-Vitus-Kirche in Treffelhausen Fernmeldeturm Schnittlingen Windpark beim Fernmeldeturm Obere Roggenmühle St.-Patriz-Kapelle St. Vitus-Kirche in Treffelhausen Lourdes-Grotte in Treffelhausen Burgrest Ravenstein in Steinenkirch

Naturdenkmäler Mordloch im Roggental, mit 4,3 km die drittlängste Höhle der Schwäbischen Alb Magentäle mit den Felsen Roggenstein und Roggennadel Eybquelle unterhalb von Treffelhausen

Energie mini|Eine Windkraftanlage im Windpark nordöstlich von Böhmenkirch

Nordöstlich von Böhmenkirch befindet sich ein Windpark, in dem 4 Windkraftanlagen der 1,5-MW-Klasse installiert sind.

Söhne und Töchter der Gemeinde Anna Meder (1606–1649), Buchdruckerin Remigius Kleesattel (1717–1783), Benediktiner im Kloster St. Blasien, Priester, Theologe und Komponist Francis Long, geboren als Franz Joseph Lang (1852–1916), deutsch-US-amerikanischer Polarforscher und Meteorologe Georg Grupp (1861–1922), Theologe, Historiker und Bibliothekar Georg Schall (1886–1966), Steinenkirch, Bezirksapostel der Neuapostolischen Kirche in Württemberg (1938–1965) Bernhard Heinzmann (1903–1942), katholischer Priester und Gegner des NS-Regimes Hermann Färber (* 1963), Politiker (CDU)

Literatur

Böhmenkirch und das Land zwischen Messelberg und Albuch, Teil 1, 1990, Eugen Lang und Karl Oßwald, Anton H. Konrad Verlag, ISBN 3-87437-306-1. Böhmenkirch und das Land zwischen Messelberg und Albuch, Teil 2, 1994, Eugen Lang und Karl Oßwald, Anton H. Konrad Verlag, ISBN 3-87437-356-8. Bertram Fink: Die Böhmenkircher Bauernrevolte 1580-1582/83. Herrschaft und Gemeinde im 'langen 16. Jahrhundert' (1476 - 1618) (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 51). DRW-Verlag Weinbrenner, Leinfelden-Echterdingen 2004, ISBN 3-87181-751-1.

Weblinks

Internetpräsenz der Gemeinde Böhmenkirch

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Göppingen

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