mini|hochkant=1.333|Traditionelle Gliederung in 5 puna und 54 tapere:*Avarua (19 tapere)*Arorangi (9 tapere)*Takimutu (10 tapere)*Ngatangiia (11 tapere)*Matavera (5 tapere) Rarotonga (früher auch Oruruti Island, Roxburgh Island oder Armstrong’s Island) ist die bevölkerungsreichste und mit einer Fläche von 67,1 km² auch die größte der 15 Cookinseln im Südpazifik. Der Archipel bildet heute das unabhängige Territorium der Cookinseln, das in freier Assoziierung mit Neuseeland steht.

Geographie Rarotonga ist eine typische pazifische Vulkaninsel, mit einer zentralen Bergkette, deren Gipfel bis auf über 600 m emporragen. Die steilen Berge bilden eine Wasserscheide, und Fließgewässer haben tiefe Täler eingegraben, die von schroffen Felsgraten begrenzt werden. Aus der Luft hat die ovale Insel einige Ähnlichkeit mit Tahiti-Nui, ist jedoch mit 11 × 7 km Durchmesser bedeutend kleiner. Die basaltischen Gesteine haben ein Alter von 1,1 bis 3,64 Millionen Jahren.Valérie Clouard & Alain Bonneville: Ages of seamounts, islands and plateaus on the Pacific plate. In: Foulger, G. R., Natland, J. H., Presnall, D. C., and Anderson, D.L. (eds.): Plates, plumes, and paradigms, Geological Society of America Special Paper No. 388

Die höchste Erhebung ist der Te Manga mit einer Gipfelhöhe von 652 Metern. Die Bergregion ist dicht mit tropischer Vegetation bewachsen und wird von unbefestigten Wegen und Fußpfaden nur stellenweise erschlossen.

Die Küstenebene ist schmal, mit einer Breite von wenigen hundert Metern bis zu zwei Kilometern. Die Insel umgibt ein nahezu geschlossenes Saumriff, das eine türkisfarbene Lagune umfasst, mit lediglich sechs Durchlässen, die teilweise nur eingeschränkt passierbar sind. Im Süden ist die Lagune etwas breiter und schließt vier kleine, mit Palmen bewachsene Motu ein. Es sind dies von Nord nach Süd:

Motutapu (11,6 ha, im tapere Avana) Oneroa (10,4 ha, in den tapere Aroko (Nordteil) und Nukupure (Südteil)) Koromiri (4,7 ha, in den tapere Nukupure (Nordteil) und Areiti (Südteil)) Taakoka (1,8 ha, im tapere Vaii)

und im Nordwesten, am Flughafen, liegt innerhalb der Lagune das winzige

Motutoa (0,03 ha)

Sämtliche Siedlungen und die landwirtschaftlichen Anbauflächen befinden sich in dem schmalen Küstenstreifen. Typisch für das Landschaftsbild der Küstenregion sind abwechselnde Kulturflächen, Brachland und kultivierte Baumpflanzungen mit Mango, Brotfrucht, Zitrusfrüchten und der Tahitikastanie (Inocarpus fagifer). Angebaut werden außerdem Yams und Taro, überwiegend in den feuchten und fruchtbaren Seitentälern. Die sehr verbreitete Kokospalme ist die Grundlage für eine kleine Kopra-Produktion.

Das Klima ist tropisch feucht-heiß mit nur gering ausgeprägten Jahreszeiten und relativ gleich bleibenden Temperaturen um 25 °C. Die regenreichsten Monate sind Januar bis April. Die Regenschauer sind zwar meist heftig, dauern jedoch nie lange an.

Rarotonga liegt in der von Zyklonen heimgesuchten Region des Pazifiks. Im Jahr 2005, von Februar bis März, streiften gleich fünf Zyklone die Insel. Der Zyklon „Meena“ richtete Sachschäden in Millionenhöhe an.

Zur Volkszählung von 2021 hatte Rarotonga 10.863 Einwohner. Das sind 72,5 Prozent der Gesamtbevölkerung der Cookinseln. Im Gegensatz zu den anderen Inseln des Archipels leidet Rarotonga nicht unter Bevölkerungsschwund. In den vergangenen 30 Jahren wurde ein moderates Bevölkerungswachstum von insgesamt knapp 20 Prozent verzeichnet.

Avarua mini|links|Die Hauptstraße in Avarua Avarua, die Hauptstadt der Cookinseln, liegt an der Nordküste. Die Ansiedlung macht allerdings eher den Eindruck eines beschaulichen Dörfchens. Von der ursprünglichen Kolonialarchitektur sind nur einige wenige Gebäude übrig geblieben. Es dominieren nüchterne Zweckbauten, die von viel tropischem Grün eingerahmt sind. Avarua hat nur eine Hauptstraße, die als Küsten-Ringstraße rund um die Insel weiterführt. Die 31 Kilometer lange Straße erschließt alle anderen Ansiedlungen. Auf ihr verkehrt der Linienbus, das einzige öffentliche Verkehrsmittel, der stündlich abwechselnd rechts und links herum um die gesamte Insel fährt und dabei nach Wunsch der Fahrgäste anhält.

Bei Avarua gibt es zwei künstlich vertiefte, befahrbare Passagen im Korallenriff, sodass zwei Häfen, ein kleiner Frachthafen und ein Fischereihafen, entstehen konnten.

Flora Die Flora der Küstenregion wurde in den Jahrhunderten menschlicher Besiedlung völlig umgestaltet. Die nicht bebauten und kultivierten Flächen sind von überwiegend niedrig und buschig wachsendem Sekundärwald bedeckt sowie von verfilzten Farndickichten, dominiert von Dicranopteris linearis. Oberhalb der durch vielfache Brandrodung geschädigten Tieflandvegetation erhebt sich ein relativ ungestörter Bergregenwald, der sich großflächig in drei Vegetationszonen gliedern lässt.

Homalium-Wälder Diese Waldform bedeckt die steilen Abhänge und wird dominiert von der bis zu 20 Meter hohen Art Homalium acuminatum, deren eng stehende Stämme ein dichtes, nahezu geschlossenes Laubdach tragen. Dazwischen wachsen einige Elaeocarpus-Arten und Canthium barbatum (Synonym: Cyclophyllum barbatum). Auch die riesige Liane Entada phaseoloides findet sich häufig.

Fagraea-Fitchia-Wälder Die scharfen Felsgrate in mittleren Höhen werden von zwei niedrig wachsenden Bäumen beherrscht: Fagraea berteroana (Parfümbaum) und der prächtig rot blühenden Fitchia speciosa. Ihre ausgedehnten Wurzelsysteme geben ihnen trotz dünner Humusdecke festen Halt auf dem felsigen Boden.

Metrosideros-Wälder Weit verbreitet in den Höhenlagen der polynesischen Inseln sind Metrosideros-Wälder (Eisenhölzer). Auf Rarotonga kommen sie auf den steilen Hängen in über 400 Meter Höhe vor. Dominierend ist eine niedrige Wuchsform, bis etwa acht Meter, der Art Metrosideros collina. Niedrig wachsende Weinmannia und Pittosporum (Klebsamen) sind ebenfalls verbreitet.

Auf Rarotonga endemisch ist die Orchideenart Habenaria amplifolia.

Fauna Alle Säugetierarten auf Rarotonga wurden vom Menschen eingeführt, die Pazifische Ratte von den ersten polynesischen Siedlern und Schweine, Pferde, Ziegen sowie weitere Haustiere später von den Europäern.

An indigenen Landtieren kommen Insekten und Landschnecken vor. Unter den Vögeln sind die endemische Fruchttaube Ptilinopus rarotongensis und der Rarotonga-Monarch (Pomarea dimidiata) interessant.

Geschichte

Der Sage nach fand der Gott Tonga-iti die Insel Rarotonga auf dem Ozean treibend und seine Frau Ari fing sie mit einem Anker ein. Ari tauchte tief hinab ins Meer und befestigte die Fundamente am Meeresgrund. Tonga-iti gab ihr dann den Namen Nuku Tere, d. h. die schwimmende Insel.Peter H. Buck: Arts and Crafts of the Cook Islands, Bernice P. Bishop Museum Bulletin 179, Honolulu, 1944

Der Missionar John Williams schildert folgende Entstehungsgeschichte, die er von einem alten Mann gehört hatte: Die Insel sei einst ein südliches Anhängsel von Raiatea gewesen. Die Insulaner hätten eine gigantische Trommel gebaut, die zwei Priester als Geschenk für den Kriegsgott Oro zum Marae Taputapuatea brachten. Die Einwohner von Raiatea töteten die beiden Priester jedoch. Das habe Oro so erzürnt, dass er Rarotonga abspaltete und mitsamt seinen Bewohnern nach Süden versetzte.John Williams: A Narrative of Missionary Enterprises in the South Sea Islands with Remarks on the Natural History of the Islands, Origin Languages, Traditions and Usages of the Inhabitants, London, 1838 John Williams war es auch, der den Namen Rarotonga, der polynesischen Ursprungs ist, in Europa verbreitete.

Wann die Initialbesiedlung stattfand, ist umstritten. Wahrscheinlich erfolgte sie von Tonga und Samoa aus um 200 v. Chr.Patrick V. Kirch: On the Road of the Winds – An Archaeological History of the Pacific Islands before European Contact, Berkeley 2000, S. 230 Der neuseeländische Archäologe Geoffrey Irwin setzt die Besiedlung der südlichen Cookinseln sogar bereits um 700 v. Chr. an.Geoffrey Irwin: The Prehistoric Exploration and Colonisation of the Pacific, Cambridge 1992 Glaubt man den mündlich überlieferten Genealogien, hat es danach noch zwei weitere Siedlungswellen ausgehend von Raiatea und den Manuainseln gegeben.

Zunächst ließen sich die Kolonisten in der Küstenebene nieder. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte wuchsen jedoch die Siedlungen auch die Täler hinauf. Am Beispiel des Maungaroa-Tales im Westen von Rarotonga hat dies der australische Archäologe Peter Bellwood nachgewiesen. Er konnte kunstvoll angelegte Terrassen für den Taro-Anbau sichern und im unteren Talbereich Steinstrukturen und -pflasterungen sowie Reste steinerner Kultplattformen, die auf ein Dorf schließen lassen.Peter Bellwood: Archaeology on Rarotonga and Aitutaki, Cook Islands: A preliminary report, In: Journal of the Polynesian Society, Vol. 78, Nr. 4, 1969, S. 517–530,

Politisch zerfiel Rarotonga in drei Stammesgebiete oder Distrikte, Takitumu im Osten, Te Au o Tonga (oder Avarua) im Norden und Puaikura (oder Arorangi) im Westen, die miteinander in ständiger Fehde lagen, die Ursache für unzählige Stammeskriege.Henry Evans Maude & Marjorie Tuainekore Crocombe: Rarotongan Sandalwood – The Visit of Goodenough to Rarotonga in 1814; The Journal of Polynesian Society, Volume 71 (1) 1962, S. 32–56

Es ist möglich, dass Rarotonga bereits 1789 von den Meuterern der Bounty gesichtet wurde. Nach der Meuterei, die sich in der Nähe von Tofua ereignet hatte, segelte Fletcher Christian zunächst südwestwärts bis zur Insel Tubuai, die zum Austral-Archipel gehört.Caroline Alexander: Die Bounty, Berlin 2004, S. 26 Auf dem Weg dorthin sichtete er eine Insel, die Teehuteatuaenoa, genannt „Jenny“, eine der tahitischen Frauen der Meuterer, als „Purutea“ bezeichnete. Ob es sich um Rarotonga handelte oder um Mangaia oder eine andere Insel des Cook-Archipels, ist nicht mehr nachzuvollziehen.Alphons M. J. Kloosterman: Discoverers of the Cook Islands and the Names they Gave; Cook Islands Library and Museum Bulletin 1, 1976

Rarotonga wurde 1813 von Theodore Walker, Kapitän des Schoners Endeavour, für Europa entdeckt. Er ging jedoch nicht an Land. Die ersten Europäer, die Rarotonga betraten, waren die Besatzungsmitglieder des Schoners Cumberland ein Jahr später. Die Entdeckung der Insel ist eine spannende und abenteuerliche Geschichte:

Auf der Brigg Daphne hatte sich am 29. August 1813 bei den Palliser-Inseln eine Meuterei ereignet, bei der der tyrannische Kapitän Michael Fodger sowie drei weitere Besatzungsmitglieder von polynesischen Perlentauchern, die Fodger auf Tahiti und den Tuamotus rekrutiert hatte, ermordet worden waren. An der Bluttat beteiligt war auch ein Laskar, ein ostindischer Matrose mit Namen Amile, den Fodger zuvor auf der Insel Anaa aufgelesen hatte. Sechs Europäer kamen mit dem Leben davon und die Meuterer segelten mit der Daphne und den Gefangenen nach Tahiti. In der Matavai-Bucht trafen sie auf die Endeavour, die unter Kapitän Theodore Walker im Salzfleischhandel zwischen Tahiti und Australien engagiert war. Eine der europäischen Geiseln auf der Daphne sprang über Bord und rief um Hilfe. Walker setzte ein bewaffnetes Kommando aus, aber den Meuterern gelang die Flucht. Amile jedoch wurde gefangen. Walker zögerte nicht lange und ließ ihn am Mastbaum der Endeavour hängen. Am 9. November 1813 kehrte die Endeavour nach Sydney zurück und Kapitän Walker musste sich dort für die eigenmächtige Exekution verantworten.The Sydney Gazette and New South Wales Advertiser vom Samstag, 13. November 1813

Bei der Beweisaufnahme legte Walker sein Logbuch vor. Dort fand sich ein Eintrag, dass die Endeavour Ende Juli 1813 von Tahiti abgesegelt und auf dem Weg über Moorea nach Sydney nahe an einer bisher unbekannten Insel – wie wir heute wissen, war das Rarotonga – vorbeigesegelt war. Walker hatte die Insel durch das Fernrohr beobachtet, und festgestellt, dass sie dicht mit Bäumen – wie er annahm wertvolles Sandelholz – bewachsen war. Die Insel schien unberührt zu sein.