Landeck ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Oberinntal in Tirol (Österreich). Landeck ist die Bezirkshauptstadt des Bezirks Landeck, der tourismusintensivsten Region Österreichs und als Sitz des Bezirksgerichts Landeck auch Zentrum des Gerichtsbezirks Landeck.

Geografie Geografische Lage Landeck liegt an einer Biegung des Inns, der hier die von Westen aus dem Stanzer Tal kommende Sanna aufnimmt. Das Oberinntal bildet hier einen Talkessel, in dem östlich von Landeck auch Zams liegt. Landeck ist die westlichste Stadt Tirols.

Geologie Nördlich der Stadt erheben sich die Gipfel der Lechtaler Alpen, Teil der Nördlichen Kalkalpen. Höchster Berg ist die Parseierspitze mit , bestehend aus Hornstein- und bunten Aptychenkalken. Vorherrschend ist Dolomitgestein, kennzeichnend ein vielfältiger, oft kleinräumig wechselnder Gesteinsaufbau überwiegend aus Sedimentgesteinen, der zu einem sehr abwechslungsreichen Landschaftsbild mit brüchigen, stark zergliederten, schuttreichen und dicht aneinander gereihten Bergen führt. Die Täler sind eng und tief eingeschnitten, zu den wildesten kalkalpinen Schluchten zählen das Larsenn- und Starkenbachtal sowie das Zammer Loch.

An die Kalkalpen schließt sich, getrennt durch eine ca. 50 m breite Störungszone, das Kristallin des Landecker Quarzphyllit an, der zu plastischer Verformung neigt. Geomechanisch stellt er eine Pufferzone zwischen den Kalkalpen und der Silvrettamasse dar. Hier stehen der stark geschieferte Quarzphyllonit, der stabilere Gneisphyllonit und Schiefergneis im Vordergrund. In dieser Zone liefen Stauchungen in der Nord-Süd-Richtung ab, aber auch seitliche Verschiebungen in der Ost-West-Richtung. Der Landecker Quarzphyllit wurde dabei allmählich phyllitonisiert und begann sich plastisch zu deformieren. Die Grenzfläche zwischen Kalkalpen und Quarzphyllit ist seismisch aktiv, im Landecker Talkessel sind immer wieder Epizentren kleinerer Erdbeben aufgetreten. Das Gestein ist leicht verwitterbar, der Glimmerreichtum befördert den mechanischen Zerfall, das Eindringen von Wasser und damit die Frostsprengung. In seinem Bereich runden sich die Bergformen, die Böden erleichtern die Bildung einer zusammenhängenden Pflanzendecke: Dazu zählen beispielsweise die Strengener Berghöfe wie die Fluren von Grins und Stanz und die Höfe am Pitztaler Teil des Venetbergs. Allerdings bilden sich auch leicht Wildbacheinrisse, z. B. der Thialgraben bei Landeck, der Dawingraben oder der Bereich oberhalb des Zappenhofes bei Tobadill. Der Bergstock des Venet ist mit seinem Mittelgebirgscharakter Teil dieser Quarzphyllitzone. Durch seine von Gletschern der Eiszeit rund geschliffene Oberfläche fehlt eine stark ausgeprägte Felsstruktur, sodass er eine gute Grundlage für Alm- und Waldboden darstellt.

Der im Raum Landeck zu den Zentralalpen zählende Teil wird der Samnaungruppe mit Furgler, Hexenkopf und Vesulspitze sowie den Ötztaler Alpen, der größten Massenerhebung in den Ostalpen, zugerechnet. Die beiden Gebirgszüge werden durch den Inn getrennt, der erst nach der letzten Eiszeit den Durchbruch durch den Quarzphyllit südlich von Landeck schaffte – vor der Eiszeit verlief das Inntal über den Piller. Als das Eis am Ende der Würmeiszeit, beginnend vor 21.000 Jahren, zu schmelzen begann, war der Weg über den Piller durch glaziale Ablagerungen blockiert. Das Schmelzwasser suchte sich den Weg des geringsten Widerstands, staute sich südlich von Landeck auf und durchbrach schließlich das harte Quarzphyllit-Gestein im Bereich der Enge von Pontlatz. Dominieren auch überall ostalpine Decken, so treten im Bereich vom Unterengadiner Fenster zwischen Giarsun im Engadin und Prutz penninische Decken mit Bündner Schiefer zutage.

Seine größte Mächtigkeit und Ausdehnung erreichte der Inn-Gletscher in der Mindel-Kaltzeit (vor 450.000–400.000 Jahren) und in der Riß-Kaltzeit (350.000–120.000 Jahre vor heute). Während der letzten Eiszeit, der sogenannten Würm-Kaltzeit, die vor 115.000 Jahren einsetzte, lag die Eisobergrenze auf dem Höhepunkt vor ca. 25.000 Jahren bei 2.500 m Seehöhe, d. h. im Venet-Bergstock lag der Krahberg mit seinen 2.212 m darunter, die Glanderspitze (2.512 m) ragte mit dem höchsten Teil gerade noch heraus. Über dem heutigen Landeck türmten sich somit rund 1.700 m Eis, der Raum fungierte als zentraler Talknoten, an dem sich die mächtigen Eismassen aus dem Oberinntal, dem Paznaun, dem Stanzertal, dem Pitztal und dem Ötztal vereinten. Zeugnisse dieser enormen Eisdicke finden sich bis heute in Form von Gletscherschliffen und Findlingen weit über dem heutigen Talboden. Der weiche, schiefrige Quarzphyllit wurde vom Eis stark erodiert, was die Entstehung des tief gelegenen Talknotens begünstigte.https://www.zobodat.at/pdf/Arbeitstagungen-geologischen-Bundesanstalt_1993_0187-0203.pdf Der Talboden und die tiefergelegenen Hänge sind von mächtigem Geschiebemergel (Mix aus Ton, Sand und Steinen) bedeckt, der die Grundmoräne bildete. An den Hängen über Landeck, sowohl in Perfuchsberg und dem Fließer Hochplateau, lagerten die schmelzenden Eisränder Seitenmoränen ab. Beim raschen Abschmelzen vor rund 19.000 Jahren war der übertiefte Talkessel von Landeck zeitweise ein großer Eisstausee. Bohrungen im Stadtgebiet zeigen mächtige Schichten von eiszeitlichem Beckenschluff, Sanden, Tonen und Kiesen, die diesen See später auffüllten.https://opac.geologie.ac.at/ais312/dokumente/144_Landeck.pdf Die Temperaturen waren im Jahresdurchschnitt um 10–12 Grad kälter als heute und es herrschte extreme Trockenheit. Das faszinierendste Phänomen in Landeck ist der Gesteinstransport über geologische Grenzen hinweg. So gibt es z. B. Findlinge auf Kalkstein: Auf den Hängen der Nördlichen Kalkalpen oberhalb von Landeck liegen zentnerschwere Urgesteinsblöcke (Zentralgneis, Granit) aus den Ötztaler Alpen oder der Silvretta. Sie wurden kilometerweit auf dem Rücken der Gletscher transportiert und blieben nach dem Schmelzen einfach liegen. Auf den Wiesen und in den Waldstücken von Perfuchsberg stößt man immer wieder auf metergroße, rundliche Felsblöcke, die farblich und strukturell nicht zum schiefrigen Quarzphyllit passen, es handelt sich vor allem um extrem harte Zentralgneise und Granite. Diese wurden vom Inngletscher und den Seitenströmen kilometerweit aus den Zentralalpen (Ötztal oder Silvretta) herantransportiert und beim Abschmelzen des Eisstromnetzes am Perfuchsberg „fallengelassen“.http://www.dr-dapunt.at/bergwanderfuehrer/tourenvorschl%C3%A4ge/winter/weiherb%C3%B6den.html Überall dort, wo das Eis über harte Gesteinsrippen strömte, hinterließ es glattpolierte Felsrücken (Rundhöcker) mit tiefen Kratzspuren (Schrammen). Diese Schrammen zeigen Geologen noch heute exakt die Fließrichtung des damaligen Eisstromnetzes an. Vor ca. 21.000 Jahren begann das Eis zu schmelzen, vor ca. 18.000 Jahren waren die großen Alpentäler bereits eisfrei. Als der natürliche Damm des Eisstausees brach und der Inn sich nach dem vollständigen Abschmelzen der Gletscher immer tiefer in den Talboden einschnitt, räumte der Fluss den Großteil der Ablagerungen im See wieder aus. Nur in den geschützten Hangbereichen blieb der mächtige Schuttkörper erhalten: Zurück blieb die flache, sonnenseitige Terrasse, auf der heute die Orte Grins und Stanz liegen. Auch südlich von Landeck schwemmte der Inn enorme Wassermassen Richtung Nordosten. Mit dem Rückgang der transportierten Sedimente verstärkte sich die Tiefenerosion. Der Inn grub sich im Laufe der Jahrtausende tief in die weichen, eiszeitlichen Schottermassen ein. Die Ränder dieser alten Beckenfüllung blieben links und rechts an den Talflanken stehen. Zurück blieb eine markante Inntalterrasse, auf der Fließ heute etwa 200 Meter über dem heutigen Flussbett liegt.https://opac.geologie.ac.at/ais312/dokumente/JB0783_357_A.pdf

Die rapide Erwärmung führte zur Wiederbewaldung der Flächen, die vorher vom Eis bedeckt waren. Die Kaltzeit endete endgültig vor ca. 11.700 Jahren.https://www.uibk.ac.at/de/geologie/geoklimalab/schausammlung/vitrine-quartaer/ibk-eis/ Die Trogform des Inntals und die sedimentären Ablagerungen aus dieser Zeit wie Sand und Kies stellen eine wertvolle Rohstoffquelle dar, etwa im Bereich der Gemeinde Zams.https://geoweg.achensee.com/vergletscherung-in-den-alpen/

Klima Laut Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik war das Klima in Landeck im Zeitraum 1991–2020 durch folgende Gesetzmäßigkeiten gekennzeichnet:

Eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,8 °C. Im Juli wurde der Höchstwert mit 18,3 °C erreicht, im Jänner der Tiefstwert mit −1,0 °C. Die jährlichen Niederschläge sind aufgrund der Abschirmung durch die Nördlichen Kalkalpen mit 812 mm gering; das Maximum liegt im Sommer (August 125 mm und durchschnittlich 13 Tage mit Niederschlag), das Minimum im April mit 37,6 mm. Es gab im Schnitt 112,3 Niederschlagstage pro Jahr und 112,4 cm Schnee. Es wurden 1606,4 Sonnenscheintage verzeichnet, 191,5 davon im August.

Stadtteile Die Stadtgemeinde und einzige gleichnamige Ortschaft bzw. Katastralgemeinde Landeck gliedert sich in die fünf Stadtteile Angedair, Perfuchs, Perfuchsberg, Perjen und Bruggen.

Die zwei Gemeinden Angedair und Perfuchs wurden im Jahr 1900 zur neuen Gemeinde Landeck vereinigt. Diese erhielt 1904 das Marktrecht und wurde im Jahr 1923 zur Stadt erhoben. Die beiden heutigen Ortsteile Bruggen und Perjen waren ursprünglich der Gemeinde Perfuchs zugeordnet, die zur Gänze links des Inn gelegen war. Angedair umfasst noch heute das gesamte Landeck rechts des Inn.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft 1939 bis 1945 wurde Landeck mit der Nachbargemeinde Zams vereinigt und sollte zu einer Großstadt an der Südgrenze des Großdeutschen Reiches ausgebaut werden. Nach 1945 war die Zwangsehe nicht mehr aufrechtzuerhalten, die Bewohner von Zams hatten sich nie damit abfinden wollen.

Nachbargemeinden Alle sieben Nachbargemeinden liegen im Bezirk Landeck.

Geschichte Urgeschichte und Antike mini|Landeck um 1890. Blickrichtung flussaufwärts: Inn, links Burg Landeck Aus der Fritzens-Sanzeno-Kultur des 5. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. wurden im Jahr 1886 in Perjen mehrere Gebäudereste gefunden, Begräbnisplätze, Tierknochen und ein Eisenmesser. Im Jahr 2018 entdeckte man eine mehr als 10 cm große Bronzefigur, die als Opfergabe diente, daneben fand man eine Gewandspange und einige Eisenobjekte, verbrannte Tierknochen und Keramikscherben. Es handelte sich demnach um einen Brandopferplatz, wo Köpfe und Füße von Haustieren den Göttern geopfert wurden. Die Rückstände (Knochen und Asche) waren sakrales Gut und gehörten den Göttern. Die vorgefundenen Keramikreste dienten als Behältnis für Speiseopfer, konnten aber auch bei Kultmahlen Verwendung finden.Rundschau. Ausgabe Landeck 2018/Nr. 28, S. 22.

Die Sprachwissenschaftler Peter Anreiter und Marialuise Haslinger führen die Ortsbezeichnungen Zams („durch ein feuchtes Land fließender Fluss“) und Angedair („Ort, wo es eine Biegung gibt“) auf eine vorrömische Schicht zurück. Der heutige Ortsteil der Bezirkshauptstadt bedeute im Wortsinn damit letztlich nichts anderes als die heutige Ortsbezeichnung „Landeck“. Der auf der linken Innseite befindliche Stadtteil Perjen wird als Siedlung „bei der Brücke“ gedeutet, der Landecker Hausberg Thial als „Ort, wo eine Alphütte steht“. Gemeint sei damit ursprünglich das almwirtschaftlich genutzte Gebiet unterhalb des Berggipfels, von dem der Name dann „aufgewandert“ sei.Stadtgemeinde Landeck: Stadtbuch Landeck. Landeck/Innsbruck 1998, S. 67.