Malchow [] ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Lichtenberg. Der 1985 von Malchow abgetrennte und seit der Verwaltungsreform 2001 so bezeichnete Ortsteil Stadtrandsiedlung Malchow liegt im angrenzenden Bezirk Pankow.
Geographie Malchow liegt im Nordwesten des Bezirks Lichtenberg und grenzt an die Ortsteile Stadtrandsiedlung Malchow, Wartenberg und Neu-Hohenschönhausen.
Der Torfstich, der Malchower See und der Hechtgraben bilden den Wasserreichtum des Ortsteils. Der Malchower See dient auch als Angelgewässer.
Geschichte Beginn der Besiedlung bis zum Mittelalter Bereits in der Mittelsteinzeit (um 5000 v. Chr.) nutzten Jäger, Sammler und Fischer das Gebiet um Malchow als Rastplatz. Aufgrund des Fischreichtums und der fruchtbaren Böden begann fortan die Besiedlung. Das bezeugen archäologische Funde wie Feuersteingeräte und herzförmige Pfeilspitzen. In der jüngeren Bronzezeit (ca. 1200 v. Chr.) wurde das Gebiet dann intensiver besiedelt und genutzt. Auch aus der vorrömischen Eisenzeit und dem slawischen Frühmittelalter stammen Funde von Malchower Boden.Museum Lichtenberg im Stadthaus (Hrsg.): Faszination Archäologie. Funde aus Ur- und Frühgeschichte in Lichtenberg und Hohenschönhausen. Begleitbroschüre zur Ausstellung, Berlin 2012.
Während des 13. Jahrhunderts gründeten deutsche Bauern das Dorf Malchow, vermutlich um 1230, wie die meisten Dörfer im Berliner Raum auf dem Barnim. Ihr relativ sorgfältig gequadertes Feldsteinmauerwerk zeigt, dass die frühgotische Dorfkirche in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde (1945 durch Wehrmachtsangehörige gesprengt). 1344 wurde der Ort Malchow in einer Schenkungsurkunde von Ludwig dem Älteren (Markgraf von Brandenburg) erstmals als Malchowe erwähnt. Im Landbuch Karls IV. von 1375 wurde das Dorf mit 52 Hufen erwähnt, davon vier Pfarrhufen. Es hatte einen Krug (taberna). Im Dorf wohnten neben den Hufenbauern 28 Kossäten. Bereits vor 1375 war das Dorf im Besitz des Malchower Nebenzweigs des Adelsgeschlechts von Barfus. Sie verkauften es 1684 an Paul von Fuchs, einen brandenburgisch-preußischen Staatsminister.
Erweiterung im 17. Jahrhundert mini|hochkant=0.9|Karte des Malchower Gutshofes mit Lustgarten und Orangerie um 1750 mini|Heimstätte Malchow: vermutlich eine frühere Lungenheilanstalt aus dem Jahr 1887 mini|Gemeinde und Gutsbezirk Malchow in den Grenzen von 1919 Im Dreißigjährigen Krieg lagerten im Jahr 1629 die kaiserlichen Regimenter unter Wallenstein in Malchow. Der Ort erhielt im Jahr 1642 eine Schmiede und eine Bockwindmühle. Paul von Fuchs tauschte 1684 seinen Blankenburger Besitz gegen das Malchower Gut. Die nachfolgenden Jahre werden als Malchows Blütezeit bezeichnet, da Paul von Fuchs den Ort zu seinem „Edelsitz“ ausbaute. Unter seiner Führung wurde ein Predigerwitwen- und Waisenhaus errichtet und die Kirche erneuert. Im 18. Jahrhundert erwarben nacheinander König Friedrich I. und dann Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt das Gut. Neben dem Anlegen von neuen Alleen wurde auch der Lustgarten erweitert.
Ab 1734 wurde Malchow von Niederschönhausen verwaltet, bis es – nachdem es im 19. Jahrhundert noch einmal unter privater Führung stand – 1882 von der Stadt Berlin erworben wurde, die große Flächen als Rieselfelder nutzte. Zu dieser Zeit begann gezielte Zucht von Speisefischen im Malchower See, die bis in die 1960er Jahre betrieben wurde.
Malchow als Ortsteil Berlins Die Landgemeinde und der Gutsbezirk Malchow wurden 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet und dem Bezirk Weißensee zugeordnet. Ende der 1920er Jahre bekam der Ort eine Omnibusverbindung nach Weißensee und rückte so näher an die Stadt Berlin heran. In den 1930er Jahren expandierte Malchow durch die Entstehung der Siedlung Margaretenhöhe und der von den Niles-Werken errichteten Niles-Siedlung südöstlich des Malchower Sees.
Um 1955 wurde das frühere Gut in Malchow in Volkseigentum umgewandelt. Das Volkseigene Gut (VEG) Malchow diente nun der Futterproduktion. Durch die Abspaltung des neuen Bezirks Hohenschönhausens von Bezirk Weißensee im Jahr 1985 wurde Malchow aufgeteilt. Der Dorfkern sowie die Siedlung Margaretenhöhe gehörten seitdem zum Stadtbezirk Hohenschönhausen, der westliche Teil Malchows mit der Stadtrandsiedlung verblieb dagegen im Stadtbezirk Weißensee.
Malchow ab 1990 Seit der Bezirksreform im Jahr 2001 und der daraus resultierenden Auflösung der Bezirke Hohenschönhausen und Weißensee gehört Malchow zum Bezirk Lichtenberg, die Stadtrandsiedlung zum Bezirk Pankow. Die Grenzen von Malchow wurden ebenfalls neu geschnitten; die Siedlung Margaretenhöhe wurde dem Ortsteil Wartenberg und die Niles-Siedlung dem Ortsteil Neu-Hohenschönhausen zugeschlagen. Nach der Einwohnerzahl ist Malchow mit 616 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2025) der kleinste der 97 Ortsteile Berlins.
Bevölkerung Jahr EinwohnerOrtschafts-Statistik des Regierungsbezirks Potsdam, Richard Boeckh, Berlin 1861, S. 761871–1919 Gross-Berlin: Geographie der Weltstadt, Friedrich Leyden 1933; 1925–1946 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre); 1950 und 1963 Statistisches Jahrbuch der DDR 1964 1858 446 1871 498 1890 736 1900 874 1910 821 1919 844 1925 812 1935 2.239 1939 3.179 1946 3.968 1950 4.013 1963 2.814 Jahr Einwohner 2007 470 2010 488 2015 560 2020 643 2021 602 2022 615 2023 623 2024 612 2025 616
Quelle ab 2007: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)
Die Einwohnerzahlen bis 1919 umfassen die Landgemeinde und den Gutsbezirk Malchow. Die Einwohnerzahlen von 1925 bis 1963 beziehen sich auf den damaligen Ortsteil Malchow, zu dem auch der heutige Ortsteil Stadtrandsiedlung Malchow sowie die Niles-Siedlung (heute zu Neu-Hohenschönhausen) und die Siedlung Margaretenhöhe (heute zu Wartenberg) gehörten.
Sehenswürdigkeiten mini|Gedenkstätte in den Ruinenresten der Dorfkirche Malchow mini|Herrenhaus des Gutshofes Malchow
Ruine der Dorfkirche Malchow im alten Dorfzentrum, stammte aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört und ist nicht wieder aufgebaut worden. Erhalten sind noch einige Reste der Umfassungsmauern. In der Ruine stehen einige Inschriftgrabsteine der Pfarrerfamilie Neander vom Ende des 17. Jahrhunderts. Ehemaliges Malchower Herrenhaus an der Dorfstraße 9. Es war von 1682 bis 1705 im Besitz des Ministers Paul von Fuchs, der es zu einer barocken, schlossähnlichen Anlage umgestaltete. In der Folgezeit wurden zahlreiche Veränderungen durchgeführt. Der zweigeschossige Putzbau mit zwei pavillonartigen Seitenflügeln erhielt seine heutige Gestalt 1865 bis 1866 im Stil der Schinkel-Nachfolge.Horst Ulrich, Uwe Prell, Ernst Luuk: Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt. FAB-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-927551-27-9, S. 795. Von 1951 bis 2004 wurde das Gebäude von der landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität genutzt. Der westlich des Schlosses angelegte barocke Lustgarten ist nur noch in Ansätzen erkennbar. Zahlreiche Gutsarbeiterhäuser des ausgehenden 19. Jahrhunderts Kinderbauernhof Knirpsenfarm Naturschutzstation, organisiert das jährlich stattfindende Storchenfest. Naturschutzgebiet Malchower Aue, liegt etwas abseits des Sees. Es ist als Brut- und Durchzugsgebiet für Vögel als auch für die Erhaltung heimischer Amphibienarten von Bedeutung. Das Luch an der Margaretenhöhe ist ein Moorgebiet. Landschaftsschutzgebiet Wartenberger und Falkenberger Feldflur mit dem Malchower See.
Verkehr Malchow wird in Nord-Süd-Richtung von der Bundesstraße 2 durchquert, die die Berliner Innenstadt mit den Autobahnen A 10 (Berliner Ring) und A 11 sowie mit Bernau in Brandenburg verbindet. Von ihr abzweigend führt der Blankenburger Pflasterweg nach Blankenburg und der Wartenberger Weg nach Wartenberg.
Die Buslinien 154 und 259 befahren den Ortsteil.
Bildung Grüner Campus Malchow (Gemeinschaftsschule), Malchower Chaussee 2
Persönlichkeiten des Ortsteils Paul von Fuchs (1640–1704), brandenburgisch-preußischer Minister, Gutsbesitzer in Malchow Martin Hosemann (1876–1928), Vizeadmiral der Reichsmarine, in Malchow geboren Paul Gerhard Hosemann (1879–1958), Chirurg, in Malchow geboren Max Naujocks (1894–1963), Gerechter unter den Völkern, lebte in Malchow Erich Oese (1926–2012), Pferdesporttrainer im Reit- und Fahrverein Kleeblatt in Malchow
Siehe auch Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Malchow Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Malchow Liste der Gedenktafeln in Berlin-Malchow
Weblinks
Internetseite des Vereins „Wir für Malchow e. V.“
Einzelnachweise
Malchow
Kategorie:Gemeindeauflösung 1920 Kategorie:Ersterwähnung 1344