+ Nunavutᓄᓇᕗᑦ Flagge Wappen 140px|rand|Flagge von Nunavut(Details) 80px|Wappen von Nunavut(Details) Wahlspruch: ᓄᓇᕗᑦ ᓴᙱᓂᕗᑦNunavut Sannginivut(„Unser Land, unsere Stärke“) Lage Basisdaten Amtssprachen Inuktitut, Inuinnaqtun, Englisch und Französisch Hauptstadt Iqaluit Größte Stadt Iqaluit Fläche 1.877.778,53 km² (1.) Einwohner (2016) 39.797 Bevölkerungsdichte 0,02 Ew./km² BIP in CAD (2020) Gesamt: 3,247 Mrd. (11.)Pro Kopf: 83.202 (8.) Zeitzone UTC −4 bis −7 ISO 3166-2 CA-NU Postalische Abkürzung NU Website Regierung Nunavuts Politik Beitritt Konföderation 1. April 1999 Kommissar Eva Aariak Premierminister John Main Sitze im Unterhaus 1 Sitze im Senat 1 Nunavut (in der Silbenschrift der Inuit: ᓄᓇᕗᑦ, wörtlich „Unser Land“, eigentlich „Unser Heimatland“) ist ein Territorium im Norden Kanadas mit besonderen Rechten für die dort lebenden Inuit. Es grenzt im Westen an die Nordwest-Territorien, im Osten (auf gut 1 km Länge auf der Hans-Insel) an Grönland und im Süden an die Provinzen Manitoba, Ontario und Québec. Hauptstadt ist Iqaluit (früherer Name: Frobisher Bay), gelegen auf der größten kanadischen Insel, der Baffininsel.
Geografie Ausdehnung und Grenzen Das Territorium Nunavut umfasst Teile des kanadischen Festlandes, die meisten der arktischen Inseln Kanadas und alle Inseln der Hudson Bay, der James Bay und der Ungava Bay, die vormals zu den Nordwest-Territorien gehörten. Dadurch reicht Nunavut mit kleineren territorialen Gebieten sehr weit nach Süden – die südlichste Insel Stag Island liegt auf 51°39′01″N geographischer Breite.
Nunavut erstreckt sich über rund zwei Millionen Quadratkilometer und bedeckt somit etwa ein Fünftel des Gebiets von Kanada. Auf dem Festland grenzt Nunavut im Süden an die Provinz Manitoba und im Westen an die Nordwest-Territorien. Am Vierländereck Four Corners grenzt das Territorium außerdem an die Provinz Saskatchewan. Auch die Hudson Bay ist südliches Grenzgebiet – zu den Provinzen Manitoba, Ontario und Québec. Im Nordwesten verläuft zudem eine Grenze zwischen Nunavut und den Nordwest-Territorien auf den vier Inseln Victoria Island, Melville Island, King Island und Borden Island. Im Süden, auf Killiniq Island an der Nordspitze der Labrador-Halbinsel, besitzt Nunavut außerdem eine Grenze von nur etwa zehn Kilometern Länge zur Provinz Neufundland und Labrador.
Im Osten der zu Nunavut zählenden Baffininsel, Devon-Insel und Ellesmere-Insel verläuft die kanadische Staatsgrenze gegenüber Grönland in der Davisstraße, der Baffin Bay und der Nares-Straße. In der Mitte der Straße befindet sich die unbewohnte Hans-Insel, die seit 2022 zwischen Kanada und Grönland aufgeteilt ist.
Größere Teile von Nunavut sind als Nationalparks ausgewiesen. Trekkingexpeditionen mit einheimischen Führern werden bei Parks Canada angemeldet.
Geologie und Landschaftsgliederung Für Nunavut spielt der geologische Aufbau eine bedeutende Rolle. Auf der Borden- und der Ellef-Ringnes-Insel ist eine schmale, vom Hinterland deutlich abgesetzte arktische Küstenebene ausgebildet.
An diese Ebene schließt sich unter Ausdehnung nach Südosten über den nordkanadischen Archipel (vor allem Victoria-Insel, Prince-of-Wales-Insel, Somerset Island und den Nordwestteil der Baffin-Insel) das Arktische Tiefland an, das nach Süden durch den Kanadischen Schild begrenzt wird. Dieses Arktische Tiefland wird von flachem Sedimentgestein aus dem älteren Paläozoikum beherrscht. Es ist verhältnismäßig eben und senkt sich von rund 700 Metern ü. M. im Norden auf etwa 100 Meter ü. M. im Süden ab.
mini|Nunatakker der Osborn Range auf der Ellesmere-Insel Im Westen steigen auf Victoria Island die vulkanisch bestimmten Shaler Mountains wieder auf etwa 700 Meter an. Im Nordosten, wo sich die Küstenebene nicht mehr fortsetzt, erhebt sich die Gebirgsregion der Innuitians; sie erstreckt sich über alle Inseln nördlich des Parry Channels oder der Nordwestpassage. Die Innuitians, durch Faltung im Paläozoikum entstanden und auf mehr als 1000 Meter ü. d. M. ansteigend, bilden mit den Königin-Elisabeth-Inseln, also mit der Ellesmere-Insel, den Parry-Inseln und den Sverdrup-Inseln, den Nordabschluss zum Arktischen Ozean. Höchste Erhebung ist der Barbeau Peak im Nordteil der Ellesmere-Insel mit 2616 Metern. Die einzelnen Bergspitzen ragen nackt aus den dortigen weiten Eisfeldern als Nunatakker („Landspitze“) in die Höhe.
Ganz allgemein bezeichnet man das Gebiet nördlich des Polarkreises, im Wesentlichen also den dem Festland nördlich vorgelagerten Archipel, als „Hohe Arktis“.
mini|Polygon (Geodetic Hills auf der Axel-Heiberg-Insel) Die arktische Landschaft ist geologisch noch sehr jung. Vor rund 20.000 Jahren, während des Pleistozäns, hatte der Norden Kanadas ein Vereisungsmaximum erreicht und war bis auf wenige eisfreie Rückzugsgebiete noch ganz mit Gletschern bedeckt. Mit dem Ende der letzten Eiszeit (etwa 8000 v. Chr.) ging das Eis langsam zurück; die Nordregionen wurden mithin erst vor wenigen Jahrtausenden, teilweise sogar erst vor einigen Jahrhunderten weitgehend eisfrei. Dies ist neben den ohnehin rauen Wachstumsbedingungen der wesentliche Grund für die Artenarmut der dortigen Flora.
Infolge des wechselnden Auftauens und Gefrierens der Bodenoberfläche entstehen durch lockeres Steinmaterial besondere Frostmuster unterschiedlichster Ausformung, zum Beispiel die sog. Polygone. Andere Formen bilden sich durch das Hochpressen von Wasser, vor allem Erdhügel mit Eiskernen; zu den merkwürdigsten Formen dieser Art zählen die auf vielen hocharktischen Inseln vorkommenden Pingos, deren kegelförmige Hügel auf über 50 Meter Höhe und 300 Meter Durchmesser anwachsen können.
Klimatische Verhältnisse mini|Winterreise mit Schneemobil und Qamutik (Inuit-Schlitten) Die Niederschlagsmengen sind außerordentlich gering. In der Hohen Arktis, also nördlich des Polarkreises, fallen im Jahr nur 200 mm oder weniger Niederschlag, weshalb man diese Region als „Polarwüste“ bezeichnet. In den übrigen Teilen Nunavuts und der Nordwest-Territorien werden 400 mm kaum überschritten, nur die Gegend um Iqaluit auf der Baffin-Insel erreicht 600 mm im Jahr. In der Region Kivalliq werden im Winter gegen 75 cm, in Teilen der Baffin-Insel jedoch bis zu 200 cm Schneehöhe gemessen.
Trotz der geringen Niederschlagsmengen befinden sich auf dem Gebiet von Nunavut und der Nordwest-Territorien rund neun Prozent der Süßwasservorräte der Erde.
Während der langen Polarnacht bilden sich in der arktischen Region extrem niedrige Temperaturen aus, nicht selten um −50 °C. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen in Nunavut und den Nordwest-Territorien unter −20 °C.
In der Übergangszeit von April bis Mitte Juni nimmt zwar die Sonneneinstrahlung zu, jedoch werden bis zu 80 % der Strahlen vom Schnee reflektiert und gehen der Umsetzung in Wärme verloren (Effekt der Albedo). Erst nach der Schneeschmelze oder der Kälteverdunstung des Schnees erhöht sich die Wärmeaufnahmefähigkeit des Bodens; in der kurzen Sommerperiode von Mitte Juni bis August erreichen so die Bodentemperaturen den positiven Bereich. Durchschnittliche Julitemperaturen von +10 °C werden allerdings nur im Südteil Nunavuts und der Nordwest-Territorien überschritten.
Zu den tiefen Temperaturen kommen häufig starke Winde hinzu. Dadurch wird die Körperwärme bei Mensch und Tier viel rascher abgeleitet. Man bezeichnet diese durch Wind verursachte, einer viel tieferen als der gemessenen Temperatur entsprechende Kältewirkung als Windchill: −12 °C und eine Windgeschwindigkeit von 40 km/h wirken sich beispielsweise wie eine Temperatur von −34 °C aus und können daher zu schweren Erfrierungen führen. Allgemein wird der Windchillfaktor mit Hilfe von Erfahrungswert-Tabellen ermittelt. Während acht Monaten im Jahr herrscht in der Arktis Kaltluft aus dem Nordmeer vor, doch ist auch in den übrigen Monaten überall mit plötzlichem Temperatursturz und zusätzlich auftretenden auskühlenden Winden zu rechnen.
Permafrost Ein Faktor, der Einfluss auf die gesamte Infrastruktur der Arktisregion ausübt, ist der Permafrost, eine der bemerkenswertesten Folgen des arktischen Klimas. Man versteht darunter das ständige Gefrorensein des Bodens, „permanently frozen ground“, wobei zwischen diskontinuierlichem (sich allmählich auflösendem) und kontinuierlichem Permafrost unterschieden wird (als dritte Art wird noch sporadischer Permafrost beobachtet). Kontinuierlicher Permafrost ist in Kanada auf etwa drei Millionen Quadratkilometern, diskontinuierlicher Permafrost auf etwas über einer Million Quadratkilometern ausgebreitet. Seinen Ursprung hat der Permafrost noch in der letzten Eiszeit; er besteht also seit mehr als 10.000 Jahren. Der gefrorene Untergrund reicht zum Beispiel auf der Melville-Insel bis in eine Tiefe von mehr als 500 Metern. Geringe, weil tangentiale, Sonneneinstrahlung in den Sommermonaten und extreme Wintertemperaturen bei wenig Schnee lassen den Boden während der kurzen sommerlichen Erwärmungsphase nur oberflächlich auftauen; die Auftautiefe beträgt vielerorts allenfalls 50 Zentimeter oder ein wenig mehr. Permafrost wirkt sich infolgedessen sowohl auf die Struktur von Wohnsiedlungen und deren Ver- und Entsorgung als auch auf den wirtschaftlich wichtigen Bergbau und nicht zuletzt auf die Verkehrsmöglichkeiten aus.
Die südlichen Grenzen des zusammenhängenden Permafrosts und des als arktische Klimazone bezeichneten Bereichs, also des Gebiets baumloser Tundra, sind weitgehend deckungsgleich. Sie verlaufen von Nordwesten (nahe der Nordpolarmeerküste) quer durch die heutigen Nordwest-Territorien nach Südosten zur Südküste der Hudson Bay und von dort nach Nordosten zum Atlantik (nahe der Südküste der Baffin-Insel). Nunavut ist demzufolge nahezu ausschließlich von Tundra bedeckt. Nur im Südwesten an der Grenze zu den Nordwest-Territorien befindet sich eine kleinere boreale Zone (Taiga).
Fauna mini|Husky (Canadian Inuit Dog, Inuithund), „Tier des Territoriums Nunavut“ mini|Alpen-Schneehuhn, „Vogel des Territoriums Nunavut“ Für die in den Tundragebieten beheimateten Menschen spielte die Tierwelt eine entscheidende Rolle für das Überleben. Land- und Meerestiere lieferten Nahrung, Kleidung und Ausrüstungsmaterialien. Von Ausrottung durch die Ureinwohner der Arktis war dennoch keine Tierart bedroht; eine solche Bedrohung entstand erst als Folge des Vordringens von „Qallunaat“, also der „Weißen aus dem Süden“.
Von besonderer Bedeutung waren für die Inuit von jeher Karibus und auch Moschusochsen; teilweise gilt das noch heute. Die Gesamtzahl der Karibus ist im Laufe des 20. Jahrhunderts infolge starken Bejagens, vermehrten Auftretens von Wölfen und zunehmender Waldbrände, nicht zuletzt aber auch infolge vermehrter wirtschaftlicher und technischer Aktivitäten enorm zurückgegangen. Schätzte man die Zahl in den 1930er Jahren noch auf über zwei Millionen, so lag sie 40 Jahre später nur noch wenig über einer halben Million.
Ähnliches gilt für die Moschusochsen: Wegen übertriebenen Bejagens – auch durch Inuit – waren die Tiere fast ausgestorben, weshalb 1917 ein Jagdverbot unumgänglich wurde, das erst 1969 wieder vorsichtig gelockert werden konnte; man schätzt den heutigen Bestand auf etwa 15.000 Tiere.
Neben Karibus und Moschusochsen leben in der Tundra Eisbären, arktische Wölfe, Vielfraße, Polarfüchse, Polarhasen, Lemminge und verschiedene Hörnchenarten. Keines dieser Tiere wurde als territoriales Symbol ausgesucht; die gesetzgebende Versammlung wählte vielmehr als „Tier von Nunavut“ den kanadischen Husky (Canadian Inuit Dog, „Inuithund“).
Hinzu kommen riesige Vogelscharen, darunter die selteneren Gerfalken und Wanderfalken; in den Sommermonaten dürften etwa 80 Vogelarten in der Arktis nisten, vor allem auf Bylot Island (Sirmilik-Nationalpark).