Manitoba Wappen Flagge 120px|Wappen von Manitoba(Details) 140px|Flagge von Manitoba(Details) Wahlspruch: Gloriosus et Liber „Glorreich und frei“ Lage Basisdaten Amtssprache Englisch, FranzösischRaymond M. Hebert (2005): Manitoba’s French-Language Crisis: A Cautionary Tale. McGill-Queen’s University Press, S. xiv–xvi, 11–12, 30, 67–69 Hauptstadt Winnipeg Größte Stadt Winnipeg Fläche 540.310,19 km² (8.) Einwohner (2021) 1.342.153 (5.) Bevölkerungsdichte 2,5 Ew./km² BIP in CAD (2020) Gesamt: 60,243 Mrd. (6.)Pro Kopf: 43.435 (8.) Zeitzone UTC −6 ISO 3166-2 CA-MB Postalische Abkürzung MB Website www.gov.mb.ca Politik Beitritt Konföderation 15. Juli 1870 Vizegouverneurin Anita Neville Premierminister Wab Kinew (NDP) Sitze im Unterhaus 14 Sitze im Senat 6
Manitoba [] ist die östlichste der Prärieprovinzen Kanadas. Sie grenzt im Westen an Saskatchewan, im Osten an Ontario, im Norden an Nunavut und im Süden an die US-Bundesstaaten North Dakota und Minnesota. Der Name leitet sich von dem Cree-Wort „Manitou bou“ („Der Engpass des Großen Geistes“) ab und bezieht sich auf den Manitobasee, der in der Mitte nur knapp einen Kilometer breit ist.Wie es auf der Homepage der kanadischen Botschaft heißt: „Wenn an seinem Nordufer die Wellen gegen lose Felsen schlagen, bringen sie diese zum Klingen. Für die ersten Ureinwohner, die hier lebten, waren diese Geräusche die Klänge der Trommel des Geistes Manitou.“ ().
Geographie Einen großen Teil der Fläche nehmen Seen wie der Winnipegsee ein. Landschaftlich dominieren im Süden hügeliges Ackerland sowie das Red River Valley, welches sich in Manitoba von der US-Grenze bis zum Winnipegsee in einer Breite von bis zu 80 km erstreckt. Durch seine sehr guten Tonböden wird, trotz klimatischer Nachteile, ein intensiver Ackerbau ermöglicht. Angebaut und exportiert werden Sommerweizen (Manitoba-Hartweizen), Sommerraps, Flachs, Sonnenblumen, Kartoffeln, Sommergerste und Hafer. Nördlich des 51. Breitengrades geht das kultivierte Acker-Weideland in einen extensiven Buschwald mit Birken und Koniferen über. Noch weiter nördlich erstreckt sich die Tundra bis zur Hudson Bay.
Klima mini|Elie, Tornado der Klasse F 5 im Juni 2007
Manitoba weist kontinentales Klima auf, wobei die Temperaturen und die Niederschläge von Süden nach Norden sinken, die Niederschläge zudem von Ost nach West. Die nicht von Gebirgszügen geschützte Provinz, die auch nicht in Form großer Wasserflächen einen Ausgleich findet, weist vor allem im Januar und Februar extrem niedrige Temperaturen auf, während im Sommer die Hitze von Süden weit nordwärts dringt. In Carman wurde dabei mit 53,0 °C die höchste Temperatur gemessen.
Im Süden kommt es dabei häufig zu Tornados, so allein 15 im Jahr 2006. Am 22. Juni 2007 wütete in Elie ein F5-Tornado. Er war der stärkste, der jemals in Kanada gemessen wurde.
+ Durchschnittstemperaturen einiger Städte (mittl. Tagesmax./Tagesmin.)StadtJuliJanuarWinnipeg 26/13 °C −13/−24 °CBrandon 27/12 °C −12/−24 °CThompson 23/9 °C −20/−31 °CPortage la Prairie 26/14 °C −12/−22 °CSteinbach 26/13 °C −13/−23 °CDauphin 25/12 °C −13/−24 °CThe Pas 23/12 °C −16/−27 °C
Geschichte Frühgeschichte Paläo-Indianer Das Gebiet von Manitoba wurde nach dem Ende der letzten Eiszeit von indianischen Gruppen besiedelt, deren älteste Spuren im Riding-Mountain-Nationalpark 9500 Jahre alt sind.Dies und das Folgende nach: Paleo Period, Manitoba Archaeological Society 1998. Während sich Speerspitzen aus der Clovis- und Folsom-Phase nur selten und nur im äußersten Süden fanden, entwickelte sich die Plains-Kultur (vgl. Great Plains) in drei verschiedenen lokalen Ausprägungen. Diese stellten Anpassungen an waldreiche Gegenden dar, oder an Gras- oder Tundrenlandschaft.Zur Übergangszone vgl. Beverley Alistair Nicholson: Human Ecology and Prehistory of the Forest/Grassland Transition Zone of Western Manitoba, PHD, Simon Fraser University 1987.
Die Schmelzwässer des riesigen Eisblocks, der den überwiegenden Teil der Provinz bedeckte, bildeten den so genannten Agassizsee (benannt nach dem Naturwissenschaftler Louis Agassiz) zwischen 10.000 und 6000 v. Chr. Nur bis zu seinen Ufern konnten die Bewohner jeweils nordwärts wandern. Weiter im Süden basierte die Clovis-Kultur auf der Jagd auf Säugetiere, die heute ausgestorben sind, wie Mammute. Die Folsom-Waffen sind bereits an die Jagd auf Bisons angepasst, die besonders die Plano-Kulturen prägte.
Die westliche Plano-Kultur wird auf etwa 8000 bis 4500 v. Chr. datiert. Sie bediente sich bei der Jagd bereits der Buffalo Jumps, bei denen man ganze Herden über Klippen jagte um sie nach dem Absturz leicht erlegen zu können. Zugleich weisen einige der äußerst zerbrechlichen Steinklingen darauf hin, dass sie eher zu Ritualen benutzt wurden, als zur Jagd. Wichtige Fundstellen dieser Kultur sind Duck River und TeePee Site in der Region Swan River Valley. Unterschieden wird eine ältere Phase bis etwa 7000 v. Chr., der Horner oder Cody Complex, und eine jüngere, der Sister Hills Complex. Deren Angehörige wohnten in der südlichen Hälfte Manitobas und nutzten Klingen vom Typ Agate Basin und Hell Gap. Die Zahl der Lager vergrößerte sich, zugleich folgten die Gruppen dem sich zurückziehenden Südufer des Agassiz-Sees. Der Nomadismus wurde durch einen Turnus saisonaler Wanderungen abgelöst, die von Vegetationszyklen abhingen.
Zwischen 6000 und 4000 v. Chr. dehnten sich die Wälder dank einer langen Warmphase nordwärts aus, bis zu 300 km jenseits der heutigen Waldgrenze. Die als Nördliche Plano-Kultur bezeichnete Gruppe kam wohl um 8500 v. Chr. aus Saskatchewan und dehnte ihre Wanderungen weiter nord- und ostwärts aus, folgte bald auch Karibuherden. Der Agassizsee begann zu verschwinden. Hier, wo kaum noch Holz zu gewinnen war, ist auch ein äußerst sparsamer Umgang mit Werkzeugen erkennbar, der sich in Wiederverwertung und Umnutzung niederschlug. Außerdem entwickelten sie an die nördlichen Bedürfnisse angepasste Werkzeuge. Möglicherweise spezialisierte sich jede Gruppe auf eine bestimmte Karibuherde, die ihr gewissermaßen „gehörte“.
Das Östliche Plano reichte vom Agassiz-See bis zum Oberen See. Sein Hauptfundort liegt am Caribou Lake. Es war eine Kultur, die stärker an Wälder angepasst war. Steinringe, die ehedem der Befestigung von Zelten dienten, gehören zu den ältesten Relikten von Siedlungsstrukturen in der Provinz.
Archaische Phase (ca. 6000 v. Chr. bis Chr. Geb.) Manitoba liegt im Bereich der westlichen Plano-archaischen Kulturen und der nördlichen und östlichen Shield-archaischen Kulturen.
Die Plano-Kulturen lassen sich zeitlich und räumlich deutlich unterscheiden. Gemeinsam ist ihnen, dass das Klima milder wurde. Der Agassizsee verschwand, und die Fauna veränderte sich. An sie wurden die Jagdtechniken angepasst, so erschien etwa die Speerschleuder (Atlatl). Gleichzeitig verdrängte das heutige Bison bison das Bison antiquus mit seinen längeren Hörnern. Erstmals lassen sich Grabbeigaben, wie etwa Harpunen nachweisen. Innerhalb des Archaic werden eine jüngere und eine ältere Phase unterschieden, mit einem Übergang um 3500 v. Chr. Funde der Logan Creek und Mummy Cave Complexes weisen auf Einwanderung von Westen und Süden her. Die in Alberta und Saskatchewan verbreiteten Medicine Wheels sind in Manitoba sehr selten.
Der Oxbow Complex dominierte im Südwesten,Vgl. Oxbow Complex doch fanden sich auch Artefakte am Winnipeg Lake und am Southern Indian Lake. Die Gruppen bestanden wohl aus 40 bis 60 Individuen. Eine der wichtigsten Stätten dieses Komplexes ist Kuypers Site am Ufer des Assiniboine River. Allerdings wurden keine Gräber in Manitoba gefunden, im Gegensatz zu Saskatchewan, wo an der Gray Site eine 2000 Jahre in Gebrauch befindliche Stätte freigelegt wurde.
Ausläufer des McKean Complex aus Wyoming, die auf heißerem und trockenerem Klima basierte, fanden sich im Tal des Swan River im Südwesten und am Rock Lake im zentralen Süden. Hier ist der wichtigste Fundort die Cherry Point site am Oak Lake im Südwesten, der nächste bei Winnipeg ist die Kuypers Site. Anscheinend war pflanzliche Nahrung bei ihnen von geringerer Bedeutung, dafür wurden auch Reptilien gejagt.
Der Pelican Lake Complex weist deutliche Unterschiede auf und deutet auf die Zuwanderung neuer ethnischer Gruppen hin. So wurden die Toten in Vertiefungen beigesetzt, Knife River Flint wurde bevorzugt, und durch Fernhandel erworbene Grabbeigaben.
mini|Schneeschuhtanz der Assiniboine, George Catlin 1835
Das Shield Archaic (ca. 4500 bis 1500 v. Chr.) war in den südlichen Nordwest-Territorien, also im Keewatin-Distrikt verbreitet, und erstreckte sich über den Norden von Saskatchewan und Manitoba, reichte weiter über den Osten Manitobas bis in den Nordwesten von Ontario. Die wahrscheinlich einzigen Möglichkeiten, sich in den sumpfigen Regionen zu bewegen, waren Kanus im Sommer und Schneeschuhe im Winter. Da die Gruppen von Karibu und Elch abhingen, dürfte ihnen dies eine hohe Beweglichkeit abgefordert haben. Vermutlich waren es die Vorfahren der heutigen Algonkinstämme, die die Region noch heute bewohnen. Zwar wurden Sommer- und Herbstlager entdeckt, die der Karibujagd bzw. dem Fischfang dienten, doch Winterlager fehlen. Daher ist es möglich, dass diese Gruppen auf den zugefrorenen Seen überwinterten. Die größte Begräbnisstätte dieser Kultur wurde am Three Point Lake entdeckt. Diese Victoria Day Site reicht bis etwa 2300 v. Chr. zurück.
Die als Alte Kupferkultur (Old Copper Culture) bezeichnete Phase reicht von 4000 bis 1000 v. Chr. Das namengebende Metall wurde im Becken des Oberen Sees gefunden, am Nordufer des Sees, auf der Keweenaw Peninsula, einer Halbinsel, die von Süden her in den See ragt, und auf der Isle Royale, einer großen Insel im See. Von dort wurde das feRohkupfer über hunderte von Kilometern transportiert. Die daraus gefertigten Klingen ähnelten denen der Steinwerkzeuge, doch wurden sie, durch Hämmern und Erhitzen formbar gemacht, bald entsprechend den Möglichkeiten des Materials verbessert. Aus dem Metall wurden bald auch Messer, Ahlen, Nadeln, Schmuck und dergl. hergestellt. In Manitoba wurde an über fünfzig Stellen Kupfer gefunden, im Nopiming Provincial Park in Ost-Manitoba auch eine Stätte der Verarbeitung. Möglicherweise fallen die Verbreitung von Kupfer und Wildreis mit entsprechenden saisonalen Wanderungen zusammen.
Taltheilei-Kultur (200–1000) Die Taltheilei CultureTaltheilei Culture 750 B.C. – A.D. 1000. University of Manitoba 1998. kannte weder Keramik noch Kupfer. Ihre Träger waren wohl die Dene-Stämme, deren Wanderungen bis nach Mexiko reichten. Der Name der Kultur geht auf die Taltheilei Narrows am Großen Sklavensee zurück. Ihre frühe Phase ist in Manitoba allerdings nicht vertreten, ihre mittlere Phase (200 bis 700) an nur wenigen Stellen. Die Taltheilei lebten von den Karibuherden, wobei sie sich an Eskern entlang bewegten, die auch den Herden einen Weg durch das unwegsame Gelände boten. In der mündlichen Tradition blieb diese Phase in Erinnerung als eine, in der die Menschen wie Wölfe den Herden folgten. Wie Berichte aus dem 18. Jahrhundert belegen, waren die Dene in der Lage, große Distanzen zu Fuß zu überwinden.
Woodland (200 v. Chr. bis 1750) Die Funde am Wanipigow LakeBoreal Forest Woodland Period, Wanipigow Site, EgKx-1 östlich des Winnipegsees reichen etwa 6000 Jahre zurück. Dort wurden auch Tonscherben gefunden, die zu den ältesten in der Provinz gehören. Diese als Laurel bezeichnete Schicht datiert etwa auf ein Alter von 2000 Jahren. Die Laurel-Leute sind Repräsentanten einer Kultur, die nicht mehr auf Graslandschaft basierte, sondern auf der Nutzung von Wäldern und auf Fischerei. In dieser Zeit wurde hier auch erstmals wilder Reis gepflanzt. Die an derselben Stätte gefundene Keramik von den Typen Blackduck, Selkirk und Sandy Lake reicht in die Zeit zwischen 700 und 1640 zurück.