Die Schlacht bei Zusmarshausen am 17. Mai 1648 war die letzte große Feldschlacht des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648), die auf deutschem Boden ausgetragen wurde. Die Truppen des Kaisers Ferdinand III. und des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. wurden von der vereinten französischen und schwedischen Armee geschlagen und zum Rückzug gezwungen. In der Folge wurde Bayern von den Schweden und Franzosen verwüstet.

Vorgeschichte

Die Armeen Frankreichs und Schwedens hatten sich im April 1648 zum dritten Mal vereinigt. Ihr Heer bestand nun aus etwa 30.000 Mann: 18.000 Reitern, 11.000 Fußsoldaten sowie der Artillerie. Kaiserliche und Bayern waren zahlenmäßig erheblich schwächer; zudem verhinderten Rivalitäten zwischen dem kaiserlichen Generalissimus Melander von Holzappel und Graf Gronsfeld, dem Anführer des besser ausgerüsteten bayerischen Heeresteils, zunächst eine koordinierte Gesamtstrategie.

Demgegenüber hatten sich die gegnerischen Feldherren Wrangel und Turenne bereits vorher auf einen gemeinsamen Feldzugsplan geeinigt: Man wollte zunächst das Südufer der Donau gewinnen, dann das Kurfürstentum Bayern erobern und schließlich von Bayern aus entlang der Donau einen Stoß gegen Wien führen. Die Voraussetzung für das Gelingen des Feldzugs war allerdings, das vereinigte kaiserlich-bayerische Heer so zu schlagen, dass es diesen Plänen keinen Widerstand mehr entgegensetzen konnte.

Noch im April 1648 hatten Melander und Gronsfeld vergeblich versucht, die Schweden und Franzosen zu stellen, indem sie ihnen den Weg nach Westen verlegten. Nun wollte Melander seinem Heeresteil zwischen Ulm und Augsburg eine Ruhepause gönnen, gleichzeitig aber auch Bayern gegen die Feinde decken.

Am 1. Mai 1648 überschritt die kaiserliche Armee die Donau über die Brücke von Donauwörth nach Süden, in der Nacht zum 2. Mai 1648 folgte die bayerische Armee. Die Truppen plünderten Zusmarshausen, Burgau und umliegende Ortschaften, Klöster und Schlösser, ohne dass die Kommandeure einschritten. Erst am 6. Mai, nachdem das Hauptquartier in Günzburg eingenommen und dort ein Lager aufgeschlagen worden war, hörten die Plünderungen auf.

Am 11. Mai 1648 brachen Wrangel und Turenne mit ihren Armeen direkt zur Donau auf. Am 12. Mai marschierten sie nach Langenau und am 13. Mai griffen sie die Brücke von Günzburg an, doch den Anschlag konnte Melander abwehren, indem er die Brücke „abwerfen“ ließ und sich schon am 14. Mai mit seinem Heer auf den Weg nach Burgau machte. Zwischen Burgau und Augsburg kam es am 17. Mai 1648 zu mehreren Gefechten, die als Schlacht bei Zusmarshausen in die Geschichte eingingen.

Das Gelände

Das ehemalige Schlachtfeld erstreckt sich über eine etwa 25 km lange Strecke bis in die Nähe von Augsburg. Im Westen wird das Gelände durch die Zusam begrenzt, die wie der Lech von Süd nach Nord verläuft und in die Donau mündet. Im Osten bilden Wertach, Lech und die ehemalige Reichsstadt Augsburg die Grenze. Die als Achse der Gefechte benutzte Straße entspricht in ihrem Verlauf etwa der ehemaligen Bundesstraße 10. Ab Zusmarshausen, von West nach Ost, stieg jene Straße leicht an und schnitt dann zunächst rechter Hand das Tal des Rothbaches, anschließend sein Quellgebiet. Auf dem Weg ins Tal des Flüsschens Schmutter fiel die Gefechtsstraße langsam ab, tangierte in ihrem weiteren Verlauf Biburg und das Dorf Schlipsheim, das sich links der Biburger Mühle befindet, und schnitt, auf ihrem Weg zu den Toren Augsburgs, schließlich die Schmutter.

Das Rothtal war versumpft und morastig. Der Sumpf reichte teilweise bis zur Straße östlich von Horgau und umschloss sie an einigen Stellen. Der Streitheimer Forst, nördlich der Straße zwischen Horgau und Zusmarshausen, bestand aus dichtem Wald, der für Kavallerie und Fuhrwerke kein Durchkommen bot. Hinter Horgau, in östliche Richtung nach Schäfstoß, wo die nördliche mit den südlichen Quellen des Rothbaches zusammenfließt, ging das Sumpfgebiet beiderseits der Straßen in einen Wald über. Dieser Wald war die Wassergrenze zwischen dem Rothbach, der im Westen in die Zusam mündet, und dem Biberbach, der im Osten in die Schmutter fließt. Ausläufer dieses Waldes reichten noch bis zu den steilen Hängen bei Schlipsheim und der Biburger Mühle. Das Ostufer der Schmutter war freier und übersichtlicher. Wiesen und leicht ansteigende Äcker wechselten sich ab, bis hin zum flussabwärts gelegenen Gelände gegenüber von Hainhofen. Hier war das Gelände für alle Truppen gut zugänglich. Erst auf Höhe des Sandberges im Süden nahm die Waldfläche des rauen Forsts wieder zu, die nur zu Fuß erreichbar und passierbar war.

Der Aufmarsch

Am 16. Mai verblieb Melander mit dem gesamten kaiserlich-bayerischen Heer und dem Tross in Zusmarshausen. Feldmarschall Wrangel und Feldmarschall Turenne jedoch gönnten ihren Truppen keine Pause. Sie waren über die Günzburger Brücke nach Langenau und von dort aus zu ihrer Basis nach Lauingen marschiert.

Von dort aus schickten sie noch am 16. Mai eine kampfstarke Abteilung von neun Kavallerieregimentern (sechs schwedischen und drei französischen) mit insgesamt 8.000 Pferden nach Südosten. Als diese Abteilung den Feind sichtete, rückten die Verbündeten unverzüglich nach und überschritten ohne Tross in der Nacht vom 16. zum 17. Mai die Donau nach Süden. Holzappel, der von einem Bauern und seiner Aufklärung vor dem Gegner gewarnt worden war, sprach sich umgehend mit Gronsfeld ab, da er einen Weitermarsch nach Augsburg für dringend notwendig hielt.

Die Zugordnung des 17. Mai 1648

Die überlieferte Zugordnung, welche Melander für den Aufbruch nach Augsburg ausarbeitete, lautet wie folgt: "Ein Kur Bayrischer Haubtmann mit 50 Mußquetierern neben allen Kurbayrischen bruckmaistern, Schanzgräbern unnd Zimmerleuthen." "Ebersteinisch treffen." "Kur Bayrisch Fußvolkh." "Kur Bayr. Stückh." "Kays. Fußvolckh." "Kays. Stückh." "Kur Beyr. Zeug- und Hoffstatt." "Kays. Zeug- und Hoffstatt." "Kur Bayr. Troß und Wagen." "Kays. Troß und Wagen." "Vier kleine kaiserl. Stückh." "Ein ordtnung Kays. Fußvolck." "Montecuccoli Treffen." "Kays. Kroaten." "All quartiermeister sollen sich im vorzug finden lassen."

Verzögerungsgefechte

Die Derrièregarde (Nachhut) aus 800 kaiserlichen Musketieren und 1.500 Reitern übergab Melander dem bewährten Feldmarschallleutnant Grafen Montecuccoli. Assistenz leisteten ihm die Feldmarschallleutnante Pompei und Sporck, die Musketiere kommandierte Oberst Graf Starhemberg. Am 17. Mai um 7:00 Uhr meldeten die von Montecuccoli zur Aufklärung angesetzten Kroaten, dass sich feindliche Kavallerie nähere. Gegen 7:30 Uhr hatte Montecuccoli das erste Zusammentreffen nördlich von Zusmarshausen und des Rothbaches mit dem schwedischen Vortrab unter Oberst Krucke.

Der Italiener wehrte den ersten feindlichen Angriff aus seinen gut verschanzten Stellungen ab und warf durch den Gegenangriff eines verdeckt bereitgestellten Reitertreffens den schwedischen Kavallerievortrab zurück; dabei wurden zahlreiche Gefangene gemacht. Kurz darauf benachrichtigte Montecuccoli Melander, dass die gesamte feindliche Reiterei im Vormarsch sei, worauf dieser das Ausweichen seiner Nachhut befahl. Montecuccoli selbst ließ zunächst sein Fußvolk und die Artillerie ausweichen: Pompei führte sie bis an den Westrand von Herpfenried und ließ sie dort beiderseits der Marschstraße eine erhöhte Stellung beziehen, die die Feuerkraft der Artillerie und Musketiere voll zur Geltung brachte und zugleich eine Umgehung durch den Feind verhinderte: Rechts und weiter ansteigend breitete sich der dichte und nicht durchreitbare Streitheimer Forst aus, links fiel das Terrain in die sumpfige Rothniederung ab.

Unterdessen bestand Montecuccoli mit seiner Reiterei einen neuen Abwehrkampf gegen die inzwischen erheblich verstärkte schwedisch-französische Kavallerie unter Turenne, der an diesem Tag die Arrièregarde (Vorhut) des „Heeres der beiden Kronen“ befehligte: Die kaiserliche Reiterei ging hinter die Stellungen ihres Fußvolkes und ihrer Artillerie zurück und es gelang Montecuccoli aufgrund ihrer überlegenen Feuerkraft, den Reiterangriff Turennes noch westlich von Herpfenried aufzuhalten. Auch die neue Absetzbewegung der kaiserlichen Fußtruppen und der Artillerie nach Osten verlief geordnet. Obwohl die Verluste Montecuccolis nach über vierstündigen Gefechten noch gering waren – das Fußvolk, die Reiterei und die Artillerie seiner Nachhut waren fast noch völlig intakt – und obwohl die zweite Absetzbewegung planmäßig anlief, wurde die Lage für ihn schwierig. Turenne warf neue Kavallerieverbände, darunter auch sein Leibregiment, zwischen Montecuccolis Fußvolk und die Artilleriestellungen.

In dieser kritischen Phase zwischen zweiter und dritter Verzögerungsstellung führte Melander selbst frische Truppen vor: 400 Reiter unter Oberst Boccomayor, 500 Musketiere unter Oberst Hauser sowie zwei leichte Feldkanonen; diese und die Musketiere ließ er bei Horgau eine gut gewählte Anfangsstellung beziehen, nämlich direkt an der Enge zwischen Horgau und Schäfstoß, gebildet durch die Sumpfniederung des nördlichen Quellzuflusses des Rothbaches und in Anlehnung an das enge Waldstück, durch das hier die Straße verlief. Wie vor einem engen Rohr sollte sich hier der feindliche Angriff stauen. Melander ließ den natürlichen Geländevorteil noch durch einen in aller Eile angelegten Baumverhau verstärken. Zunächst stand auch das dritte Verzögerungsgefecht längere Zeit recht günstig für die Kaiserlichen. Montecuccolis abgekämpftes Fußvolk rückte durch offengelassene Lücken in den Baumsperren in die angewiesenen Stellungen ein. Der Oberkommandierende ritt noch einmal eine kurze Strecke zurück, nachdem er einen ersten unmittelbaren Eindruck vom Kampfgeschehen bei seiner Nachhut gewonnen hatte, um an seinen Generalfeldzeugmeister Freiherrn von Fernemont und an Gronsfeld den Befehl abzufertigen, das Gros des kaiserlich-bayerischen Heeres an einem geeigneten Ort in Schlachtordnung aufzustellen. Er seinerseits wolle zunächst Montecuccoli beistehen. Danach ritt er über die Enge hinaus vor, wahrscheinlich mit einigen Reitern Boccomayors. Der Nachtrab Montecuccolis wurde derweil von allen Seiten angegriffen und vermischte sich mit dem Feind. Melander wurde mitten ins Kampfgetümmel gerissen. Aus naher Entfernung traf ihn etwa gegen 12:00 Uhr ein Schuss in den Oberkörper. Dem Oberstwachtmeister Major Spubnac von den Capaunischen Reitern gelang es mit zwei Soldaten seines Regimentes, Melander hinter einen Baum zu schaffen; er wurde unverzüglich nach Augsburg gebracht. Montecuccoli, der inmitten seines Nachtrabs kämpfte, nahm sein Pferd am Zügel, durchquerte den Morast und rettet sich hinter die eigene Feuerlinie.

Inzwischen waren die Bollwerke verschlossen und wurden gegen die frontalen Angriffe der Dragoner Turennes verteidigt. Aus der Tiefe starteten schwedische Kavallerieregimenter unter General Königsmarck einen Umfassungsangriff gegen Montecuccolis rechte Flanke; Turenne setzte eine Umfassung in kürzerem Bogen links an. Montecuccoli erkannte die Gefahr und befahl das Ausweichen der sechs Geschütze sowie seines Reitertreffens auf die Straße, den einzigen durch den Wald führenden Rückweg. Die Musketiere hatten ihre Stellungen gegen den zusätzlich frontal drückenden Turenne vorerst zu halten.

Der Rückzug drohte zeitweilig zur Flucht auszuarten. Die Geschütze mussten auf der verstopften Straße bald wieder ausgespannt werden; sie und ein großer Teil der kaiserlichen Gepäckwagen gingen dabei verloren. Das Reitertreffen Montecuccolis traf noch einigermaßen geschlossen, aber stark gelichtet am Ostufer der Schmutter ein, wohingegen sich die Musketiere Starhembergs und Hausers in Einzeltrupps – einer davon immerhin 100 Mann stark – durchschlagen mussten und noch Stunden nach der Reiterei auf Umwegen bei ihren Fahnen eintrafen.