Die Schlacht um die Höhe 776 fand während des Zweiten Tschetschenienkriegs im Frühjahr 2000 ca. 3,5 km südöstlich der tschetschenischen Ortschaft Ulus-Kert statt. Es war eine militärische Auseinandersetzung zwischen einer Kompanie Fallschirmjäger der Russischen Föderation und den zahlenmäßig deutlich überlegenen Einheiten, die sich aus Resten der Truppen der selbsternannten Tschetschenischen Republik Itschkeria und sie unterstützender ausländischer Mudschaheddin gebildet hatten.

Im Zuge der Kampfhandlungen gelang es den Rebellen, unter hohen eigenen Verlusten eine russische Kompanie der Luftlandetruppen und sie unterstützende Einheiten zu besiegen, die Entsatzversuche anderer russischer Einheiten abzuweisen und schließlich ihrer geplanten Einkreisung durch russische Einheiten zu entkommen.

Obwohl das Gefecht nur eines von mehreren in der Umgebung von Ulus-Kert in diesem Zeitraum war, erlangte es infolge der hohen Verluste und durch widersprüchliche Schilderungen zum Ablauf ein hohes Maß an Bekanntheit in der russischen Öffentlichkeit.

Vorbereitungen für den Angriff auf Ulus-Kert Nach Berichten, dass sich nach der verlorenen Schlacht um Grosny aus der Hauptstadt vertriebene Kämpfer, dem Argun-Fluss folgend, bei Ulus-Kert – 20 Kilometer südsüdwestlich von Schali – sammelten, plante das russische Oberkommando eine Offensive, um die Kontrolle über das Gebiet zu gewinnen und die Rebellen auszuschalten. Der Plan sah vor, die gegnerischen Verbände einzuschließen, um sie anschließend zur Aufgabe zu zwingen.

Da sich die Region südöstlich von Ulus-Kert aus bergigem Gelände ohne Siedlungen oder ausgebaute Straßen zusammensetzt, sahen die Planungen des russischen Oberkommandierenden, Generaloberst Troschew, hier in der ersten Phase den Einsatz kleiner, beweglicher Luftlandeverbände vor, die in dem Gelände Schlüsselstellungen an strategisch wichtigen Punkten besetzen sollten, um das Entkommen gegnerischer Kämpfer durch die Bergregionen zu verhindern und vermutete Nachschubwege der Rebellen aus Georgien abzuschneiden. Die Hauptlast des Angriffs auf Ulus-Kert sollte anschließend in einer zweiten Phase von besser bewaffneten Einheiten aus dem Norden getragen werden.

Am 22. Februar 2000 drangen russische Luftlandetruppen in die Ebene östlich von Ulus-Kert ein, besetzten das Dorf Machkety und richteten Stellungen bei Selmentausen ein. Der Weg aus Ulus-Kert nach Osten drohte so blockiert zu werden. Die Stadt Schatoi, Verwaltungssitz des Schatoiski rajon, wurde nach schweren Kämpfen am 28. Februar von regulären russischen Truppen besetzt. Damit war die aus dem Raum Ulus-Kert nach Süden verlaufende Hauptstraße R-305 ebenfalls für die Rebellen nicht mehr zu benutzen.

Der Ausweg für die weitgehend eingeschlossenen Verbände – bestehend aus Rebellen und ausländischen Mudschaheddin –, der am sinnvollsten schien, war trotz der russischen Präsenz der Weg nach Osten, da sie dort in der Bergregion um Wedeno noch über ein Netz von einigen Stützpunkten verfügten, das eine größere Zahl an Kämpfern unterhalten konnte und zudem die Möglichkeit bot, sich in Richtung Dagestan oder Georgien abzusetzen.

Diese Möglichkeit wurde von Generaloberst Troschew aber als unwahrscheinlich betrachtet. Die schweren Verluste, die Teile der Rebellentruppen nur Wochen zuvor beim Ausbruch aus Grosny und in den Kämpfen der letzten Tage erlitten hatten, die schlechte Versorgungslage des Gegners und das unwegsame Gelände, das zu durchqueren wäre, ließen ihn eine Offensivaktion von größeren Verbänden nicht vermuten. Noch am 29. Februar 2000 sagte er gegenüber der Presse, dass keine größeren „Banden“ mehr existierten.Unfähige Generäle opfern Soldaten. vom 2. März 2010 auf de.rian.ru; abgerufen am 3. Oktober 2010.

So erteilte sein Stab den Luftlandetruppen des 104. Regiments der 76. Division am 26. Februar den Befehl, im Verlauf des 29. die Höhen 705.6 / 626 und 787. südöstlich von Ulus-Kert zu besetzen und den Durchbruch feindlicher Kämpfer in Richtung Selmentausen, Elistanschi, Machkety und Kirow-Jurt zu verhindern.

Das 104. Regiment verfügte über drei Bataillone mit je drei Kompanien, durchnummeriert von 1 bis 9, und ein Artilleriebataillon, von dem zwei Panzermörser 2S9 Nona-S verfügbar waren. Jeder Kompanie war zusätzlich eine Aufklärungsgruppe der SpezNas angegliedert.Michael D. Wilmoth, Peter G. Tsouras: Ulus-Kert: An Airborne Company’s Last Stand. (PDF) army.mil, S. 92 und folgende; abgerufen am 1. Oktober 2010

Der Ausbruch mini|hochkant=1.5|Karte des Geländes mit den Bezeichnungen markanter Punkte Mit der sich deutlich abzeichnenden Umzingelung und ohne Aussicht auf Unterstützung von außen entschied sich ein Teil der eingeschlossenen Kämpfer am oder um den 28. Februar zum Ausbruch nach Südosten. Der übrige Teil der Rebellentruppen, unter Führung von Ruslan Gelajew, ging in Richtung Nordwesten nach Komsomolski.

Nachdem zunächst Tauwetter den Schnee in der Gegend teilweise geschmolzen und die oberen Bodenschichten in Matsch verwandelt hatte, verschlechterte sich das Wetter in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar. Es fiel ein halber Meter Neuschnee, und dichter Nebel lag am Morgen des 28. über der Region.Interview mit Oberst Sergei Iwanowitsch Baran auf army.lv, abgerufen am 2. Oktober 2010.

Die Kämpfer um Schamil Bassajew benutzten einen Weg, der aus Ulus-Kert nach Südosten in die Berge führt. Jeder Kämpfer trug Winterbekleidung und persönliche Ausrüstung, während Lebensmittel, schwere Waffen und Munition von einer Kolonne aus Tragtieren transportiert wurden. Einige Kämpfer waren auch zu Pferd unterwegs.

In der Nacht von 28. auf den 29. besserte sich das Wetter wieder, und der Schnee begann zu schmelzen, so dass der feste Untergrund wieder matschig wurde.

Die 3. Kompanie hatte sich bereits am 27. östlich von Ulus-Kert auf den Höhen 666.0 und 574.9 eingegraben und traf am 29. als erste Einheit auf gegnerische Kämpfer. Deren Spähtrupps wurden von den russischen Fallschirmjägern an diesen Stellungen abgewiesen, so dass sich die Rebellen nicht durch die Schlucht des Abazulgol-Flusses bewegen konnten, sondern einen anderen Weg nach Osten suchen mussten.

Das 2. Bataillon des 104. russischen Garde-Luftlanderegiments der 76. Luftlandedivision war am Morgen des 28. von Machkety nach Selmentausen marschiert. Oberst Melentjew, der Kommandeur des 104., entschied nun am Morgen des 29., dass die 6. Kompanie des Regiments ihre bisherige Stellung östlich des Abazulgol-Flusses verlassen und eine Position auf einem Höhenrücken, nahe der Höhe 776, besetzen sollte. So sollte verhindert werden, dass gegnerische Einheiten in den Bergen unbehelligt über schmale Pfade durch den Umschließungsring sickern konnten. Die 4. Kompanie sollte zum selben Zweck Höhe 787 besetzen, die rund 2 Kilometer südlich von 776 liegt.Bericht auf Lebed.com, Ausgabe 559, 9. März 2008 von Juri Swarog, abgerufen am 6. Februar 2025

Die Höhe 776.0, deren Bezeichnung sich aus der Höhenangabe in Metern auf russischen Karten ableitet, befindet sich nur drei Kilometer südlich der Kampfzone, in der kurz zuvor die 3. Kompanie den Rebellenvorstoß abgewiesen hatte. Da der Kompaniechef der 6., Major Molodow, erst kurz zuvor in die Einheit versetzt worden war, übernahm der Kommandeur des 2. Bataillons, Oberstleutnant Mark Jewtjuchin, für diesen Einsatz das Kommando über die Kompanie. Hauptmann Wiktor Romanow, der als Verbindungsoffizier zur Artillerie des 104. Regiments fungierte und zum Stab des 2. Bataillons gehörte, begleitete die Kompanie ebenfalls.

Die Kompanie hatte drei Züge, zwei normal bewaffnete und einen mit Maschinengewehren und Granatwerfern ausgerüsteten Zug. Unterstützt wurde die Kompanie von einer Gruppe Speznas-Soldaten.

Die russischen Fallschirmjäger der 6. Kompanie mussten rund 15 Kilometer von ihrer Ausgangsstellung bis zur Höhe 776 marschieren. Sie durchquerten den schnell fließenden, aber flachen Abazulgol an einer Furt und nahmen einen schmalen Trampelpfad in Richtung der Höhe 776. Die durchgängig dicht bewaldete Höhe und ihre Umgebung boten keine Möglichkeit, Hubschrauber landen zu lassen. Deshalb waren die Soldaten bei ihrem Marsch mit schwerer Ausrüstung für den Bau von Stellungen, mit Zelten, gusseisernen Heizöfen, Waffen, Minen und allerlei persönlicher Ausrüstung beladen, da sie ihre neue Position längere Zeit besetzt halten sollten. Einzelne Soldaten kamen so zum Teil auf bis zu 50 kg Gepäck. Zudem verfügten sie nur über einfache Funkgeräte, mit denen Funksprüche nicht verschlüsselt werden konnten.Bericht in der novayagazeta vom 23. April 2001 über die Untersuchung von Wladimir Worobjow zu den Geschehnissen, abgerufen am 28. September 2010

Die Gruppen der Kompanie kamen lediglich langsam voran und konnten auf den engen Pfaden an den Hängen nur einer nach dem anderen marschieren, so dass sie sich auf eine immer längere Strecke verteilten. Lediglich ein Trupp wurde mit leichtem Gepäck zur Aufklärung vorgeschickt. Die Marschgeschwindigkeit der Kompanie lag bei 1 km pro Stunde. Der Aufklärungstrupp der Kompanie erreichte die Höhe 776 und fand sie unbesetzt vor. Die ersten Teile der Kompanie trafen erst ab 11:20 Uhr bei der Höhe ein, während fünf Soldaten des Aufklärungstrupps weiter auf dem Höhenrücken vorgingen, um Höhe 705,6 zu erkunden.

Die Schlacht um Höhe 776 mini|hochkant=1.5|Karte mit den Bewegungen russischer Truppen (rot) und tschetschenischer Rebellen (grün) während der Schlacht bis zum Einsickern der Rebellen in Richtung Selmentausen

Die Masse der 6. Kompanie traf gegen 12:00 Uhr bei 776 ein, die letzte der Marschgruppen war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch weit entfernt. Die Soldaten sammelten sich am westlichen Fuß der Höhe, fingen an, eine nach Westen gerichtete Verteidigungslinie entlang des Höhenrückens einzurichten und begannen – nach einigen Berichten – sich Essen zu kochen.

In der Nähe von 705,6 angekommen, geriet der Aufklärungstrupp um etwa 12:30 Uhr in ein Feuergefecht mit rund 20 Rebellen. Die erkannten die Schwäche des russischen Trupps, setzten ihn sofort unter Druck und begannen, die russischen Soldaten einzukreisen. Um der Umschließung zu entgehen, zogen sich die fünf russischen Soldaten in Richtung Höhe 776 zurück. Die kampferfahrenen Rebellen behielten die Initiative und verfolgten die Flüchtenden, unterbrochen von Schusswechseln, bis zu deren Ausgangsstellung.

Major Moldow, eigentlich Kompaniechef der 6., ging mit einigen Männern den Soldaten des Aufklärungstrupps entgegen, um sie zu unterstützen, wurde aber in einem Feuergefecht mit den Verfolgern des Trupps tödlich verwundet. Aufgefangener Funkverkehr auf Ultrakurzwelle zwischen Chattab und Schamil Bassajew, der als Folge seiner schweren Verwundung nicht persönlich an dem Gefecht teilnahm, deutet darauf hin, dass die Kämpfer bis zu diesem Zeitpunkt nichts von Fallschirmjägern in der Gegend gewusst hatten.Mein Krieg. Tschetschenien-Erinnerungen eines Generals. Kapitel 8. Den abgehörten Funksprüchen zufolge entschied Chattab, die russischen Truppen anzugreifen, während Bassajew zunächst für eine Umgehung der Stellung bei 776 plädiert hatte.C.W. Blandy: Conflict Studies Research Centre: Chechnya Two Federal Disasters. S. 18.

Die erste, rund 160 Mann starke Rebellentruppe unter dem Kommando von Chattab teilte sich und umging Höhe 776 auf beiden Seiten. Aufgeteilt in Gruppen zu rund 50 Kämpfern schloss sie die Fallschirmjäger ein. Kurze Zeit später traf die Masse der Rebellen ein. Deren Gesamtzahl ist umstritten; Angaben schwanken, je nach Quelle, zwischen 1.500 und 2.500 Kämpfern.

Die noch fehlende Gruppe der Fallschirmjägerkompanie wurde noch auf der Marschstrecke überrascht und von den Rebellen überrannt, bevor sie sich mit dem Rest der Kompanie vereinigen konnte.