Genua (, ligurisch Zêna []) ist eine italienische Stadt und die Hauptstadt der Region Ligurien. Das im Nordwesten des Landes am Ligurischen Meer gelegene ehemalige Zentrum der im Mittelalter bedeutenden Republik Genua ist heute Verwaltungssitz einer gleichnamigen Metropolitanstadt.
Die Stadt ist mit circa 575.000 Einwohnern die sechstgrößte Italiens., Stand 30. Juni 2016 In der Agglomeration hat Genua rund 800.000 Einwohner und 1,5 Millionen in der Metropolregion.
Die Prachtstraßen Le Strade Nuove mit den Renaissance- und Barockbauten der Palazzi dei Rolli im Zentrum der Altstadt wurden im Jahre 2006 von der UNESCO zum Welterbe erklärt.
Geographie Lage mini|Ansicht Genuas Ende des 15. Jh.Das 1597 entstandene Gemälde des Cristoforo Grassi stellt die Rückkehr der Genuesischen Flotte nach der Wiedereroberung von Otranto 1481 dar (Website mit topographischen Erläuterungen in italienischer Sprache). In der Bucht von Genua steigt das Gebirge des Apennin landeinwärts steil an und legt damit die gesamte Charakteristik der Stadt fest. Genua ist aufgrund seiner Lage eine fast ausschließlich dem Meer zugewandte Stadt. Deutlich wird dies beispielsweise bei einer Zugfahrt von Mailand nach Genua: Nach minutenlangen Fahrten durch stockdunkle Tunnel erscheinen unvermittelt das Mittelmeer und die Stadt.
In Genua wird die Trennung zwischen dem extrem dicht besiedelten, oft planlos verbauten Küstenstreifen und dem dörflich geprägten, von zunehmender Abwanderung betroffenen, strukturarmen Hinterland, die ganz Ligurien prägt, besonders deutlich. Noch heute kann aufgrund dieser Gegensätze die Verbundenheit der Genuesen mit weit entfernten Hafenstädten im gesamten Mittelmeerraum größer sein als mit einem geographisch zwar nur wenige Kilometer entfernten, in Tradition und Mentalität aber sehr verschiedenen Bergdörfchen im Apennin. mini|Lage von Genua in der Metropolitanstadt Genua Geographisch gesehen bildet Genua genau die Mitte der italienischen Region Ligurien. Die sich etwa 35 km an der Mittelmeerküste entlangziehende Stadt geht in südöstlicher Richtung in die sogenannte Riviera di Levante (bis La Spezia), in südwestlicher Richtung in die Riviera di Ponente (bis Ventimiglia) über.
In Genua ist es üblich, regionale Ortsangaben hauptsächlich mit den Richtungen Levante (also südöstlich von Genua) beziehungsweise mit Ponente (westlich von Genua) anzugeben.
Genua bekam in der italienischen Sprache oft den Zusatz la superba oder la dominante.
Klima Das Klima Genuas ist ein maritim gemäßigtes, mit Übergängen zum mediterranen Klima, und wird oft von den Atlantikwinden der Westwindzone beeinflusst. Ausläufer des Mistralwindes begünstigen in der Region Genuas die Bildung von Tiefdruckwirbeln.
Die Tagestemperaturunterschiede sind das Jahr über relativ gering und konstant bei circa 6 °C. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei +15,6 °C; mit dem Januar als kältestem Monat mit +8,0 °C und dem Juli als wärmsten mit +23,9 °C im Mittel.Daten der Wetterstation der Aeronautica Militare von Genua, Sestri (Zeitraum: Dezember 1958 bis Oktober 2007) Die Luftfeuchtigkeit ist das Jahr über relativ hoch, insbesondere im Sommer und den gemäßigten Jahreszeiten. Der Jahresniederschlag liegt bei 1072 mm,Jahresmittelwertbestimmung des Niederschlags im Zeitraum 1961–1990 durch die Wetterstation der Aeronautica Militare bei Genua, Sestri mit Niederschlägen im ganzen Jahr, die jedoch zwischen September und November ihren Höchststand und im Juli ihren niedrigsten Stand erreichen. Der (stets präsente) Wind bläst im Winter zumeist aus nördlicher Richtung und im Frühling und in der ersten Herbsthälfte aus dem Süden.
Aufgrund der Besonderheiten des städtischen Territoriums hat jedoch jeder einzelne Stadtteil, innerhalb dieses makroskopischen Klimabildes, sein eigenes Mikroklima, das sich von dem der anderen Stadtteile in Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Sonnenexposition unterscheidet.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.6|Munizipien Genuas
Die dem Küstenverlauf folgende Stadtfläche wird an ihren beiden Ausläufern von zwei Flüssen durchquert. Im Levante (östlicher Ausläufer) der Bisagno, mit seiner Mündung im Stadtteil Foce, und im Ponente (westlicher Ausläufer) von dem Fluss Polcevera, der die Stadtteile Sampierdarena und Cornigliano trennt. In dieser Weise lassen sich fünf große Zonen abgrenzen: das Zentrum, Valpolcevera, Valbisagno, Ponente und Levante. Politisch ist Genua seit dem 24. März 1997 in neun Munizipien unterteilt:
I – Centro Est II – Centro Ovest III – Bassa Val Bisagno IV – Media Val Bisagno V – Valpolcevera VI – Medio Ponente VII – Ponente VIII – Medio Levante IX – Levante
Die Munizipien setzen sich aus insgesamt 31 Stadtteilen zusammen.
Während des Faschismus wurde das Territorium der Stadt Genua um ein Vielfaches vergrößert. Dazu wurden 1926 zahlreiche Gemeinden in die Stadt eingegliedert. Im Westen erreichte die Stadtgrenze dadurch Voltri, im Osten Nervi und im Norden Pontedecimo und Molassana. Diese Stadterweiterung schuf das sogenannte Groß-Genua. Die ehemals eigenständigen Stadtteile Genuas haben jedoch ihre Struktur als Kleinstadt in der Regel beibehalten, mit eigenen Zentren, Peripherien, eigener Kultur und eigenen Traditionen.
Während des ökonomischen Aufschwungs wurden in den 1960er Jahren neue Stadtteile, wie beispielsweise Ca’ Nuova und Biscione, gegründet.
Bevölkerungsentwicklung Nach einem mäßigen Wachstum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das durch eine hohe Abwanderungsrate nach Amerika bestimmt war, kam es im 20. Jahrhundert zu einer regelrechten Bevölkerungsexplosion, begünstigt durch die positive Entwicklung des Hafens und der Schwerindustrie. In einer ersten Phase zogen hauptsächlich Bewohner des ligurischen Hinterlandes und von Piemont nach Genua. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieser Zuzug von Venezianern und Friaulern konstant gehalten.
In dem Zeitraum der 1960er bis 1970er Jahre zogen hauptsächlich Süditaliener (Sizilianer und Sarden) nach Genua. Der anhaltende Zustrom von Einwanderern brachte auch logistische und urbane Probleme mit sich. So mussten, um genug Siedlungsfläche zu bieten, zwei Hügel abgetragen und ein Flussbett zugeschüttet werden.
In den 1980er Jahren kam das Bevölkerungswachstum schließlich ins Stocken, um sich in den folgenden Jahren in eine „Bevölkerungsimplosion“ zu verwandeln. Von 816.000 Einwohnern 1971 sank die Population auf 610.000 im Jahre 2001 (das bedeutet eine Bevölkerungsminderung von 25 % innerhalb von 30 Jahren). Begünstigt wurde diese Entwicklung durch das sehr hohe Durchschnittsalter, das eine höhere Sterberate im Vergleich zur Geburtenrate mit sich brachte (2006: 4680 Geburten bei 8158 Sterbefällen). Das Durchschnittsalter der Genuesen liegt bei 47,0 Jahren, mit einem Höchstwert von 48,5 Jahren im Stadtgebiet des Medio Levante. Der Altenquotient (Verhältnis von den über 65-Jährigen zu den unter 15-Jährigen) liegt bei 242,0. Im März 2007 lebten 288.616 (47 %) Männer und 325.525 (53 %) Frauen in Genua. der Comune di Genova
Bei der Stadtverwaltung von Genua sind 299.165 Familien („nucleo familiare“), bestehend aus durchschnittlich 2,04 Personen, gemeldet (Stand: Dezember 2006). Von den gemeldeten Familien bestehen 41,4 % aus nur einer Person, 28,2 % aus zwei, 18,4 % aus drei, 9,9 % aus vier und 2,1 % aus fünf oder mehr Personen.
Die größte nicht-italienische Bevölkerungsgruppe stellten 2006 Ecuadorianer mit 12.734 gemeldeten Einwohnern, gefolgt von Albanern, Marokkanern, Peruanern, Nigerianern, Chinesen und Rumänen. Die Einwanderungsrate liegt seit 2003 über der Auswanderungsrate.
Geschichte Der Name der Stadt ist vom lateinischen („Knie“) abgeleitet.
Frühzeit und Antike mini|Das älteste Dokument genuesischer Geschichte, die Tavola di Polcevera (117 v. Chr.), ist ein in Bronze eingravierter römischer Schiedsspruch, der einen Streit zwischen den Genuates und Langenses beilegt.
Da Genua einen Naturhafen ersten Ranges hat, muss es als Seehafen benutzt worden sein, sobald begonnen wurde, im Tyrrhenischen Meer Schifffahrt zu betreiben. Aus antiken Schriftquellen ist nichts über einen Aufenthalt oder eine Besiedelung durch Griechen bekannt, die Entdeckung eines griechischen Friedhofs aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. deutet aber darauf hin. Beim Bau der Via XX. Settembre wurden 85 Gräber gefunden, von denen der Großteil auf das Ende des 5. und das 4. Jahrhundert v. Chr. datiert. Die Leichen waren in allen Fällen verbrannt und in kleinen Schachtgräbern beerdigt worden, wobei das Grab selbst durch eine Platte aus Kalkstein bedeckt wurde. Die Urnen entsprechen dem letzten rotfigurigen Stil und wurden hauptsächlich aus Griechenland oder Magna Graecia importiert, während die Bronzeobjekte aus Etrurien und die Broschen aus Gallien kamen. Dies veranschaulicht die frühe Bedeutung Genuas als Handelshafen und das Eindringen griechischer Sitten, denn die übliche Praxis der Ligurer war die Erdbestattung. Man nimmt an, dass sich der Name Genua aus der Form seiner Küstenlinie ableitet, die an ein Knie () erinnert.
Vom Auftauchen der Römer wurde erstmals 216 v. Chr. berichtet, von der Zerstörung durch die Karthager und dem unmittelbaren Wiederaufbau durch die Römer 209 v. Chr. Die Römer machten Genua und Piacenza zu ihrem Hauptquartier gegen die Ligurer. Von Rom aus kam man dorthin über die Via Aurelia entlang der Nordwestküste und ihre Verlängerung, die später den Namen Via Aemilia (Scauri) bekam. Letztere wurde erst 109 v. Chr. gebaut; es muss aber schon lange vorher eine Küstenstraße gegeben haben, mindestens ab 148 v. Chr., als die Via Postumia von Genua durch Libarna (heute Serravalle Scrivia, wo Überreste eines Amphitheaters und Inschriften gefunden worden sind), Dertona, Iria, Placentia, Cremona und von da ostwärts gebaut wurde. Es gibt eine Inschrift von 117 v. Chr. (im Palazzo Municipale in Genua erhalten) mit der Entscheidung der patroni Q. und M. Minucius aus Genua, in Übereinstimmung mit einem Erlass des römischen Senats in einer Kontroverse zwischen dem Volk Genuas und den Langenses (auch Viturii genannt), den Einwohnern einer benachbarten Hügelstadt, die in das Genueser Territorium aufgenommen wurde. Aber keine der anderen in Genua gefundenen Inschriften, die praktisch allesamt Grabesinschriften sind, kann definitiv der antiken Stadt zugeordnet werden; man kann gleichermaßen annehmen, dass sie von anderen Orten über See dorthin gebracht wurden. Nur aus Inschriften an anderen Orten wissen wir, dass Genua Stadtrechte hatte, aber es ist unbekannt, ab welchem Zeitpunkt. Klassische Autoren berichten wenig von der Stadt.
Mittelalter
mini|400px|Kolonien und Stützpunkte der Republik Genua
Die Geschichte Genuas während der langobardischen und karolingischen Perioden ist lediglich die Wiederholung der allgemeinen Geschichte der italienischen Kommunen, denen es gelang, von wettstreitenden Fürsten und Baronen die ersten Urkunden ihrer Freiheit zu erlangen. Der patriotische Geist und die Tüchtigkeit der Genuesen auf See, die sie in ihren Verteidigungskriegen gegen die Sarazenen entwickelten, führte zur Gründung einer bürgerlichen Verfassung und zum raschen Wachstum einer wirksamen Marine. Aus der Notwendigkeit eines Bündnisses gegen den gemeinsamen sarazenischen Feind schloss sich Genua Anfang des 11. Jahrhunderts mit Pisa zusammen, um die Muslime von der Insel Sardinien zu vertreiben und zur mittelalterlichen Kolonialmacht aufzusteigen.