Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (, CEDEAO; , ECOWAS; , CEDEAO) ist eine Internationale Organisation, der 12 Staaten in Westafrika angehören.

Geschichte Vorläufer der Vereinigung nach der Auflösung der französischen Kolonie Französisch-Westafrika war die am 9. Juni 1959 gegründete Westafrikanische Zollunion (Union Douanière de l’Afrique de l’Ouest; UDAO). Am 14. März 1966 wurde die UDAO in eine umfassende Organisation mit Namen Zollunion westafrikanischer Staaten (Union Douanière des États de l’Afrique de l’Ouest; UDEAO) umgeformt. Auf dem Gipfeltreffen der UDEAO am 21. Mai 1970 in Bamako wurde diese formell aufgelöst und erneut 1973 die Gründung einer Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Communauté Economique de l'Afrique de l'Ouest; CEAO) mit Sitz in Ouagadougou beschlossen.Rolf Langhammer: Die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) – ein neuer Integrationsversuch. Europa-Archiv, 5/1976, Seite 163.Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Neue Folge, Band 26 – herausgegeben von Gerhard Leibholz, Mohr Siebeck Verlag 1977, Seite 663, ISBN 3-16-640382-5 Die CEAO wurde auf dem Gipfeltreffen in Abidjan im April 1974 mit den Mitgliedsstaaten Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Mali, Mauretanien, Niger und Senegal als Nachfolgeorganisation ins Leben gerufen. Neben der Mano River Union (MRU) mit der Elfenbeinküste, Guinea, Liberia und Sierra Leone mit Sitz in Freetown war die CEAO eine eigenständige Organisation in Westafrika, die bis 1994 parallel zur Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft bestand (die CEAO ging 1994 in die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA für Union économique et monétaire Ouest africaine) über, die eine gemeinsame Währungszone schaffen sollte).UIA Yearbook Profile | Union of International Associations: Communauté économique de l'Afrique de l'Ouest , Datenbank internationaler Organisationen, abgerufen am 29. Januar 2024

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft wurde am 28. Mai 1975 mit der Unterzeichnung des Vertrags von Lagos gegründet und trat am 20. Juni 1975Mit der Ratifikation des 7. Staates Obervolta . in Kraft. Sie war somit eine von 8 Regionalen Wirtschaftsgemeinschaften in Afrika. 1978 folgte ein Nichtangriffsprotokoll und am 29. Mai 1981 ein Abkommen über gemeinsame Verteidigung durch die ECOWAS Monitoring Group (ECOMOG).

Der am 24. Juli 1993 in Cotonou (Benin) geschlossene Revised Treaty ersetzte den Vertrag von Lagos formell und stellte die ECOWAS auf eine neue rechtliche Grundlage. Ziel des Zusammenschlusses ist der Ausbau der wirtschaftlichen Integration. Dazu kamen im Laufe der Zeit weitere Ziele, u. a. eine graduelle politische Integration, die Ausdruck in der Einrichtung eines gemeinsamen westafrikanischen Gerichtshofes fand sowie in einem gemeinsamen westafrikanischen Parlament im Jahre 2001. Darüber hinaus ist mit der militärischen Intervention der ECOMOG in Liberia während des Bürgerkrieges Anfang der 1990er Jahre eine wichtige sicherheitspolitische Rolle hinzugekommen, die den sich verändernden Rahmenbedingungen nach Ende des Kalten Krieges Rechnung tragen solle.

Ziel zum Zeitpunkt der Gründung war es, „kollektive Selbstversorgung“ für die Mitgliedsstaaten zu erreichen, möglich durch die Errichtung eines gemeinsamen Binnenmarktes und einer Wirtschafts- und Währungsunion. Die zuletzt beschlossene Einführung des Eco als westafrikanische Währung wurde nach 2004 auf das Jahr 2009 verschoben, da aufgrund der politischen und ökonomischen Probleme die vereinbarten Konvergenzkriterien nicht von allen Beteiligten erfüllt werden konnten. Eine Einführung war für 2020 geplant, 14. Januar 2013 in The Nigeria Guardian (Abgerufen am 15. Januar 2013) danach sollte die einheitliche Währung bis 2027 eingeführt werden.

Mauretanien, eines der Gründungsmitglieder, verließ 2001 die Gemeinschaft, um sich politisch mehr im arabisch-afrikanischen Raum zu orientieren (Arabische Liga, Union des Arabischen Maghreb). Innergemeinschaftlich ist die Struktur durch eine starke Vormachtstellung Nigerias gekennzeichnet. Auch das Sekretariat hat seinen Sitz im nigerianischen Abuja. Das Land stellt mehr als die Hälfte der Bevölkerung und Wirtschaftskraft der Gemeinschaft. Innerhalb der ECOWAS gab es mit der CEAO noch eine eigene frankophone Gemeinschaft ähnlicher Struktur, die zumindest zeitweise als Konkurrenz zur größeren Organisation angesehen werden konnte.

Nach einem Militärputsch in Guinea wurde das Land im September 2021 suspendiert. 2022 wurden zudem Sanktionen verhängt, die aber im Februar 2024 wieder aufgehoben wurden.

Durch einen Militärputsch in Niger 2023 wurde die demokratisch gewählte Regierung Nigers unter Präsident Mohammed Bazoum gestürzt. Die ECOWAS forderte den Rücktritt der neuen Regierung und bereitete militärische Schritte zu einer Intervention vor, nachdem diese eine Frist zur Wiedereinsetzung der alten Regierung hatte verstreichen lassen.

Am 28. Januar 2024 gaben die Regierungen von Burkina Faso, Mali und Niger einseitig den sofortigen Austritt aus der ECOWAS bekannt. In allen drei Staaten waren in den Jahren zuvor Militärregierungen durch Militärputsche an die Macht gekommen. Sie werden von anderen autoritär regierten Staaten wie Russland, China und Iran unterstützt. Gemäß den Statuten ist jedoch eine einjährige Übergangsfrist für Austrittsverhandlungen vorgesehen.Mali, Niger und Burkina Faso treten aus ECOWAS aus, Spiegel Online, 28. Januar 2024.siehe auch tagesschau.de 27. Februar 2024: Wie die Wirtschaftsgemeinschaft einknickte Der Austritt erfolgte daher erst im Januar 2025. Nachdem Sanktionen gegen sie verhängt worden waren, bildeten die drei Staaten im Juli 2024 einen konkurrierenden Staatenbund, die Konföderation der Sahelstaaten.

Organe und Institutionen Übersicht ECOWAS-Kommission (The ECOWAS Commission), 1977 bis 2006 als Exekutivrat bezeichnet, in Abuja (Nigeria)ECOWAS Commission (offizielle Website), abgerufen am 10. Januar 2022 (englisch). ECOWAS-Parlament (The ECOWAS Parliament), in Abuja, NigeriaECOWAS Parliament (offizielle Website), abgerufen am 10. Januar 2022 (englisch). Gericht der Gemeinschaft (The Community Court of Justice) in Abuja, NigeriaThe Community Court of Justice. Offizielle Website. Abgerufen am 5. Dezember 2016. Entwicklungsbank EBID (ECOWAS Bank for Investment and Development) mit Sitz in Lomé (Togo)ECOWAS Bank for Investment and Development. Offizielle Website. Abgerufen am 5. Dezember 2016. Westafrikanische Gesundheitsorganisation (West African Health Organisation) (bis 28. Januar 2024 in Bobo-Dioulasso (Burkina Faso)West African Health Organisation. Offizielle Website. Abgerufen am 5. Dezember 2016. (englisch)) Multilaterale Aktionsgruppe gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung in Westafrika (The Inter-Governmental Action Group against Money Laundering and Terrorism Financing in West Africa) mit Sitz in Dakar (Senegal)Offizielle Seite der GIABA. Abgerufen am 31. August 2017.

Parlament Das ECOWAS-Parlament hatte bis zum Austritt Burkina Fasos, Malis und Nigers am 28. Januar 2024 eine Zahl von 115 Abgeordneten. Die Anzahl der Sitze je Mitgliedsstaat orientiert sich an der Einwohnerzahl. Nach dem Austritt der 3 Staaten hat Nigeria 35 Sitze, gefolgt von Ghana mit 8 Sitzen und der Elfenbeinküste mit 7 Sitzen. Guinea und Senegal entsenden jeweils 6, alle anderen Staaten 5 Abgeordnete.

Mitgliedsstaaten und Kennzahlen Quelle sofern nicht anders genannt: World Fact Book, abgerufen am 29. Mai 2020 Staat Hauptstadt Bevöl­kerung Fläche (km²) BIP(Mio. US$) Amts­sprache 1 Porto-Novo 12.864.634 112.622 9.246 Französisch 1,3 Yamoussoukro 27.481.086 322.463 40.470 Französisch 2 Banjul 2.173.999 11.300 1.482 Englisch 2 Accra 29.340.248 238.533 47.020 Englisch 2,3 Conakry 12.527.440 245.857 10.250 Französisch 1 Bissau 1.927.104 36.125 1.350 Portugiesisch Praia 583.225 4.033 1.776 Portugiesisch 2,3 Monrovia 5.073.296 111.369 3.285 Englisch 2 Abuja 214.028.302 923.768 376.400 Englisch 1 Dakar 15.736.368 196.722 21.110 Französisch 2,3 Freetown 6.624.933 71.740 3.612 Englisch 1 Lomé 8.608.444 56.785 4.767 Französisch

Ehemalige Mitglieder

Burkina Faso, Mali und Niger kündigten am 28. Januar 2024 ihren Austritt an.Mali, Niger und Burkina Faso treten aus Ecowas aus, Spiegel Online, 28. Januar 2024. Dieser erfolgte genau ein Jahr später, nämlich am 29. Januar 2025. Sie gründeten Mitte 2024 die Allianz der Sahelstaaten.Ecowas breakaway strains West African business ties. African Business, 19. November 2024.

Staat Hauptstadt Bevöl­kerung Fläche (km²) BIP(Mio. US$) Amts­sprache 1 Ouagadougou 20.835.401 274.200 12.570 Französisch 1 Bamako 19.553.397 1.240.192 15.370 Französisch 1 Niamey 22.772.361 1.266.700 8.224 Französisch

1 Diese Länder bilden zudem die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA). 2 Diese Länder bilden zudem die Westafrikanische Währungszone (WAMZ). 3 Diese Länder bilden zudem die Mano River Union (MRU).

Marokko bekundete 2017 erstmals sein Interesse der Wirtschaftsgemeinschaft beizutreten. Das Land hat seitdem zahlreiche bilaterale Verträge mit Mitgliedsstaaten geschlossen. Dennoch spricht sich vor allem Nigeria gegen eine Mitgliedschaft aus.Morocco’s Ecowas bid sparks African fear and suspicion. Financial Times, 24. Januar 2019.

Führungspersonen Präsidenten Die Präsidenten der ECOWAS-Kommission seit 2007: Amtszeit Präsident/in Mitgliedstaat 1. Januar 2007 bis 18. Februar 2010 Mohamed Ibn Chambas 18. Februar 2010 bis 1. März 2012 James Victor Gbeho 1. März 2012 bis 4. Juni 2016 Kadré Désiré Ouédraogo 4. Juni 2016 bis 27. Juli 2018 Marcel Alain de Souza 27. Juli 2018 bis 3. Juli 2022 Jean-Claude Kassi Brou seit 3. Juli 2022 Omar Touray

Geschäftsführende Sekretäre Die geschäftsführenden Sekretäre des Exekutivrates von 1977 bis 2006: Amtszeit Sekretär/in Mitgliedstaat Januar 1977–1985 Aboubakar Diaby Ouattara 1985–1989 Momodu Munu 1989–1993 Abass Bundu 1993–1997 Edouard Benjamin September 1997 bis 31. Januar 2002 Lansana Kouyaté 1. Februar 2002 bis 31. Dezember 2006 Mohamed Ibn Chambas

Vorsitzende Amtszeit Vorsitzende/r Mitgliedstaat 1977–1978 Gnassingbé Eyadéma 1978–1979 Olusegun Obasanjo 1979–1980 Léopold Sédar Senghor 1980–1981 Gnassingbé Eyadéma 1981–1982 Siaka Stevens 1982–1983 Mathieu Kérékou 1983–1984 Ahmed Sékou Touré 1984–1985 Lansana Conté 1985 – 27. August 1985 Muhammadu Buhari 27. August 1985–1989 Ibrahim Babangida 1989–1990 Dawda Jawara 1990–1991 Blaise Compaoré 1991–1992 Dawda Jawara 1992–1993 Abdou Diouf 1993–1994 Nicéphore Dieudonné Soglo 1994 – 27. Juli 1996 Jerry Rawlings 27. Juli 1996 bis 8. Juni 1998 Sani Abacha 9. Juni 1998–1999 Abdulsalami Abubakar 1999 Gnassingbé Eyadéma 1999 – 21. Dezember 2001 Alpha Oumar Konaré 21. Dezember 2001 bis 31. Januar 2003 Abdoulaye Wade 31. Januar 2003 bis 19. Januar 2005 John Agyekum Kufuor 19. Januar 2005 bis 19. Januar 2007 Mamadou Tandja 19. Januar 2007 bis 19. Dezember 2008 Blaise Compaoré 19. Dezember 2008 bis 18. Februar 2010 Umaru Yar’Adua 18. Februar 2010 bis 16. Februar 2012 Goodluck Jonathan 17. Februar 2012 bis 28. März 2014 Alassane Ouattara 28. März 2014 bis 19. Mai 2015 John Dramani Mahama 19. Mai 2015 bis 4. Juni 2016 Macky Sall 4. Juni 2016 bis 4. Juni 2017 Ellen Johnson Sirleaf 4. Juni 2017 bis 1. August 2018 Faure Gnassingbé 1. August 2018 bis 29. Juni 2019 Muhammadu Buhari 29. Juni 2019 bis 2. Juni 2020 Mahamadou Issoufou 2. Juni 2020 bis 3. Juli 2022 Nana Akufo-Addo 3. Juli 2022 bis 9. Juli 2023 Umaro Sissoco Embaló 9. Juli 2023 bis 22. Juni 2025 Bola Tinubu seit dem 22. Juni 2025 Julius Maada Bio

Weblinks

Offizielle Website (englisch, französisch, portugiesisch) ECOWAS und die Lösung gewaltsamer Konflikte in Westafrika (PDF; 435 kB)

Einzelnachweise

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