Bad Wurzach (bis 1950 Wurzach) ist eine kleine Kurstadt in Oberschwaben und ältestes Moorheilbad Baden-Württembergs. Der Fläche nach ist Bad Wurzach nach Stuttgart und Baiersbronn die drittgrößte Gemeinde des Bundeslandes und beispielsweise größer als das Fürstentum Liechtenstein.

mini|Luftbild von Bad Wurzach mini|Marktstraße mit Stadtpfarrkirche in Bad Wurzach Geographie Bad Wurzach liegt in einer weiten Niederung zwischen dem Allgäu und Oberschwaben am Rande des Wurzacher Rieds in 650 bis 800 Meter Höhe. mini|Schloss und Stadtbrunnen im Herbst mini|Die Kirche in Hauerz

Stadtgliederung Die Stadt Bad Wurzach besteht aus den Stadtteilen: Bad Wurzach (Kernstadt) (5660 Einwohner) Arnach (1298 Einwohner) Dietmanns (878 Einwohner) Eintürnen (mit Eintürnenberg) (871 Einwohner) Gospoldshofen (580 Einwohner) Haidgau (1006 Einwohner) Hauerz (1194 Einwohner) Seibranz (1773 Einwohner) Unterschwarzach (1298 Einwohner) Ziegelbach (992 Einwohner) (Einwohnerzahlen Stand Juli 2026)

Alle Stadtteile mit Ausnahme der Kernstadt sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, es gibt jeweils einen Ortschaftsrat sowie einen Ortsvorsteher als Vorsitzenden. In jeder Ortschaft besteht zusätzlich eine Ortschaftsverwaltung.

Nachbargemeinden Die Stadt grenzt an zwei Gemeinden im Landkreis Biberach sowie zwei Städte und vier Gemeinden im Landkreis Ravensburg. Diese sind, im Norden beginnend, im Uhrzeigersinn: Eberhardzell und Rot an der Rot im Landkreis Biberach sowie Aitrach, Aichstetten, Leutkirch im Allgäu, Kißlegg, Wolfegg und Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg.

Geschichte mini|Wurzach 1843, Ansicht von Norden, mit Stadtpfarrkirche, Gottesbergkirche und Schloss Bis zum 19. Jahrhundert Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort am 13. Juni 1273 als „Oppidum Wurzun“. Am 27. Mai 1333 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer Hans Truchsess von Waldburg für die „Stadt Wurzun“ das Memminger Stadtrecht (mit dem Stadtrecht erhielt Wurzach das Recht der niederen Gerichtsbarkeit, das Marktrecht und das Recht und die Pflicht der Ummauerung). 1514 wurde die Leinwandschau (Prüfung) eingerichtet. Ab 1515 begann die Errichtung des Frauenklosters Maria Rosengarten. Am 14. April 1525 kam es im Rahmen des Bauernkriegs zur Schlacht am Leprosenberg in Wurzach. Im Jahr 1637 lebten durch die Einwirkungen des Dreißigjährigen Kriegs und Seuchen nur noch 19 Bürger in Wurzach. 1675 entstand die Herrschaft Waldburg-Zeil-Wurzach. Um die noch 1780 aus nicht mehr als 100 Einwohnern bestehende Gemeinde zu erweitern, förderte Graf Eberhard Ernst den Zuzug von Neubürgern, vor allem Gewerbetreibenden, durch besondere Privilegien. 1806 kam die Herrschaft Wurzach an das Königreich Württemberg und wurde zunächst dem Oberamt Waldsee und ab 1810 dem Oberamt Leutkirch zugeordnet. 1813 und 1814 wurden während des Befreiungskrieges in Wurzach insgesamt 35.301 Soldaten verpflegt, das Leprosenhaus diente für 4.003 Mann als Lazarett. Sechzehn Soldaten starben während des Aufenthalts im Leprosenhaus.

Ein zusätzliches fürstliches Amt bestand noch bis 1849, in welchem der württembergische Staat dem Fürsten von Waldburg-Zeil-Wurzach besondere standesherrliche Verwaltungsrechte vor Ort zugestand. Dieses Recht wurde nach dem Abschluss der Märzrevolution aufgehoben.

20. und 21. Jahrhundert Im Jahr 1903 erlosch die herrschaftliche Linie Waldburg–Zeil–Wurzach.

1904 wurde die Bahnstrecke Roßberg–Wurzach eröffnet. Ab 1936 kam es zur Abgabe der ersten Moorbäder in Maria Rosengarten. Mit Auflösung des Oberamtes Leutkirch von 1806 bis 1934, danach des Kreises Leutkirch von 1934 bis 1938, bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg kam die Stadt 1938 zum Landkreis Wangen.

1945 wurde der Ort Teil der Französischen Besatzungszone und erfuhr somit 1947 die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Das Wurzacher Schloss wurde nach der Auflösung des katholischen Priesterseminars ab Anfang des Zweiten Weltkrieges als Kriegsgefangenenlager für französische Offiziere genutzt. Nach der Besetzung der britischen Kanalinseln wurden von dort Zivilisten als Internierte bis zum Kriegsende im Schloss untergebracht. In den ersten Nachkriegsjahren gab es nur wenig Kontakte der ehemaligen Deportierten nach Oberschwaben. 1970 kam die erste Besuchergruppe zum 25. Jahrestag der Befreiung nach Wurzach. Seither gibt es viele Begegnungen, 2002 kam es zu einer Städtepartnerschaft zwischen Saint Helier und Wurzach.Oswald Burger: Bad Wurzach im Krieg. Oberschwäbische Historie. In: Südkurier. 6. November 2008.

1936 wurde der Kurbetrieb aufgenommen und 1950 dem Ort das Prädikat Bad zugesprochen. Mit der Gemeindereform 1972 wurden die in der Stadtgliederung genannten Ortsteile in die Stadt Bad Wurzach eingemeindet. 1973 erfolgte die Zuordnung zum Landkreis Ravensburg. Seit 1996 wurde der Ort umfangreich im Rahmen der Stadtsanierung restauriert und erneuert.

Am 21. Februar 2025 wurde vor dem ehemaligen Spital an der Marktstraße der erste Stolperstein verlegt. Er erinnert an den SPD-Politiker Clemens Högg, der 1880 dort geboren wurde und kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im KZ Bergen-Belsen starb.Schwäbische Zeitung: Premiere in Bad Wurzach: Erster Stolperstein verlegt (26. Februar 2025)

Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden folgende bis dahin selbständigen Gemeinden nach Bad Wurzach eingemeindet: 1. Juni 1972: Arnach, Eintürnen und Ziegelbach 1. Juli 1972: Hauerz 1. Dezember 1972: Gospoldshofen 1. Januar 1973: Dietmanns und Haidgau 1. Januar 1975: Seibranz und Unterschwarzach

Haidgau gehörte bereits vor der Kreisreform zum Landkreis Ravensburg. Unterschwarzach und Dietmanns gehörten zum Landkreis Biberach, die übrigen Gemeinden gehörten zum Landkreis Wangen.

Geschichte der Ortsteile 50px|Arnach Arnach: um 950 wird in einer Schenkungs-Urkunde ein Ritter Berngarius de Arnanc erwähnt. Bis 1806 wurde der Zehnte an das Collegiatsstift Wolfegg bezahlt, nach dessen Mediatisierung an den Fürsten von Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Von 1806 bis 1934 war es eine selbständige Gemeinde des Oberamtes Waldsee, und danach 1934 bis 1938 Kreis Waldsee, danach bis 1972 des Landkreises Wangen 50px|Dietmanns Dietmanns, vormals zur Grafschaft Wolfegg gehöriges Pfarrdorf, das von 1806 bis 1934 zum Oberamt Waldsee zählte und danach 1934 bis 1938 zum Kreis Waldsee und danach bis 1972 dem Landkreis Biberach angegliedert war. 50px|Eintürnen Eintürnen, seit ca. 1500 zur Grafschaft Wolfegg gehörig und 1824 bis 1934 zu einer selbständigen Gemeinde des Oberamtes Waldsee und danach 1934 bis 1938 zum Kreis Waldsee erhobenes Dorf, das ab 1938 dem Landkreis Wangen angehörte 50px|Gospoldshofen Gospoldshofen, 1823 bis 1934 aus der Stadtgemeinde Wurzach ausgegliedertes und zur selbstständigen Gemeinde des Oberamtes Leutkirch, und danach 1934 bis 1938 Kreis Leutkirch erhobenes Dorf. 1938 kam es zum Landkreis Wangen 50px|Haidgau Haidgau, früher auch Heidgau geschrieben, gehörte zur Grafschaft Wolfegg. Erste Erwähnung erfolgte bereits 797 in einer Urkunde des Klosters Sankt Gallen. Von 1806 bis 1934 war es eine selbstständige Gemeinde im Oberamt Waldsee, danach 1934 bis 1938 Kreis Waldsee, danach des Landkreises Ravensburg 50px|Hauerz Hauerz: Grundherr war einst der Fürst von Waldburg zu Zeil-Wurzach. Hauerz wurde 1806 bis 1934 eine selbständige Gemeinde des Oberamtes Leutkirch, und danach 1934 bis 1938 Kreis Leutkirch und kam 1938 zum Landkreis Wangen 50px|Seibranz Seibranz, einst größtenteils dem Fürsten von Waldburg-Zeil zehntpflichtig. Von 1806 bis 1934 Gemeinde des Oberamtes Leutkirch, danach 1934 bis 1938 Kreis Leutkirch, dann des Landkreises Wangen 50px|Unterschwarzach Unterschwarzach, einst den Grafen von Waldburg-Wolfegg-Waldsee gehöriges kleines Pfarrdorf, von 1806 bis 1934 Gemeinde des Oberamtes Waldsee, danach 1934 bis 1938 Kreis Waldsee, danach bis 1972 dem Landkreis Biberach angegliedert 50px|Ziegelbach Ziegelbach, einst zur Grafschaft Wolfegg gehörig, von 1806 bis 1934 Gemeinde im Oberamt Waldsee, danach 1934 bis 1938 Kreis Waldsee, ab 1938 Landkreis Wangen und seit der Kreisreform 1973 ist es ein teil vom Landkreis Ravensburg. Siehe hierzu auch Oberamt Waldsee bzw. Leutkirch, jeweils Volltext in Wikisource.

Religion Christentum 70 % der Einwohner von Bad Wurzach sind römisch-katholisch, 8 % evangelisch.

Evangelisch Der erste evangelische Gottesdienst wurde in Bad Wurzach 1871 in der Leprosenkapelle vor der Stadt gehalten. Es lebten lange Zeit nur sehr wenige evangelische Christen in der Stadt. mini|Die Leprosenkapelle war von 1871 bis 1959 Gottesdienstort der evangelischen Gemeinde Bad Wurzach Das änderte sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als ihre Zahl erheblich anstieg. 1946 bis 1949 wurden die Gemeindeglieder auf die Nachbargemeinden Leutkirch im Allgäu, Bad Waldsee und Marstetten (bei Aitrach) verteilt, und die Gottesdienste feierte man alle vier Wochen in der Leprosenkapelle. Am Pfingstsonntag 1949 wurde bereits der erste evangelische Pfarrer der Gemeinde einbestellt. In jenem Jahr lebten in Bad Wurzach und Umgebung 400 Gemeindeglieder. Jetzt fanden die Gottesdienste sonntäglich statt, außerdem gab es sogenannte „Außengottesdienste“ in der Umgebung. mini|Evang. Kirche Bad Wurzach Im Jahre 1950 wurde die evangelische Kirchengemeinde Bad Wurzach offiziell als selbständig anerkannt. Am 31. Mai 1958 erfolgte die Grundsteinlegung für einen Kirchbau, mit dessen Planung der Architekt Werner Starke in Langenargen beauftragt wurde. Nach dessen plötzlichem Tod übernahm Professor Erhard Lucas in Berlin die Bauleitung. Bereits am 22. August 1958 konnte Richtfest gefeiert werden. Ein Jahr später – am 4. Oktober 1959 – erfolgte die Einweihung der Kirche. Ihr Geläut wurde im Jahre 1966 eingebracht: drei von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn gegossene Glocken. Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1971. Sie wurde vom Orgelbau Friedrich Weigle in Echterdingen erstellt.

Heute leben etwas über 1.000 evangelische Kirchenglieder in Bad Wurzach und neun Außendörfern. Mit Pfarrerin Silke Kuczera die Pfarrstelle innehat, amtiert zum ersten Mal eine weibliche Geistliche in der Stadt. Seit 2024 teilt sie sich die Pfarrei mit der Pfarrerin Cora Böttiger, welche für die Teilorte zuständig ist. Die Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Ravensburg in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Römisch-katholisch Zur römisch-katholischen Seelsorgeeinheit Bad Wurzach im Bistum Rottenburg-Stuttgart gehören die Kirchengemeinden St. Verena (Bad Wurzach), St. Ulrich und St. Margaretha (Arnach), St. Ulrich und Margareta (Dietmanns), St. Jakobus (Eggmannsried), St. Martin (Eintürnenberg), St. Nikolaus (Haidgau), St. Martin (Hauerz), St. Ulrich (Seibranz), St. Gallus (Unterschwarzach) und Unsere liebe Frau (Ziegelbach).

Der römisch-katholische Kartäuserorden betreibt in Bad Wurzach mit der Kartause Marienau ein Kloster.

Politik

mini|Rathaus mit Stadtbrunnen

Gemeinderat

Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 brachte folgendes Ergebnis: CDU: 10 Sitze (± 0) FWV: 8 Sitze (− 1) Mir Wurzacher (MiWu): 2 Sitze (− 1) Grüne: 2 Sitze (+ 2)

Bürgermeister Georg Hirth (1955–1981) Helmuth Morczinietz (1981–2002) Roland Bürkle (2002–2018) Alexandra Scherer (2018–2026) Florian Schiller (seit 2026)

Wappen

Städtepartnerschaften Die Stadt unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu: Luxeuil-les-Bains in Frankreich (seit 1988) Wallingford im Vereinigten Königreich (seit 2000) Popielów in Polen (seit 2000) Saint Helier auf Jersey (seit 2002)

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Die sogenannte Schleife 4 des Oberschwäbischen Pilgerweges führt den Wanderer auch durch Bad Wurzach Touristische Rad- und Wanderwege Die Oberschwäbische Barockstraße und die Schwäbische Bäderstraße führen durch Bad Wurzach. Auch der Oberschwäbische Pilgerweg durchläuft die Stadt auf der Schleife 4.

Radwege