mini|250px|Isny im Allgäu von Südwesten mit Adelegg mini|Isny, 1631, vor dem Brand von 1631
Die Stadt Isny im Allgäu () (veraltet Eysnin, Isnyn, Ysny oder JsnyJulius Weizsäcker (Hrsg.): Deutsche Reichstagsakten unter König Wenzel. Zweite Abtheilung. Oldenbourg, München 1874, Register S. 521 (Digitalisat); Eduard Vehse: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation. Band 43. Hoffmann und Campe, Hamburg 1858, S. 77 (Digitalisat).) ist ein heilklimatischer Kurort im Landkreis Ravensburg im württembergischen Allgäu. Isny liegt an der Landesgrenze Baden-Württembergs zu Bayern und an der Hauptroute der Oberschwäbischen Barockstraße.
Der um 1043 gegründete heutige Ort erlangte Ende des 12. Jahrhunderts das Marktrecht und wurde 1281 zur Stadt erhoben. Isny erwarb 1365 durch Loskauf die Reichsfreiheit und behielt bis zur Mediatisierung 1802 die Rechte einer selbstständigen Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.
Geografie Lage Im Osten der Gemeinde liegt die Adelegg, ein waldreicher Mittelgebirgszug, der als Nordausläufer der Allgäuer Alpen weit in das Alpenvorland reicht und mit dem Schwarzen Grat () die höchste Erhebung im Regierungsbezirk Tübingen aufweist.
Klima Mit einem Jahresniederschlag von 1600 mm zählt Isny zu den niederschlagsreichsten 2 % der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. Die erhöhte Niederschlagsmenge wird durch die besondere geografische Lage verursacht. Der Ort liegt auf in der westlichen Hauptwetterrichtung, vor der bis auf ansteigenden Adelegg. Isny hat daher häufig Stauwetterlagen und kurze, heftige Steigungsregen. Der Ort weist auch ein weitgehend nebelfreies Reizklima auf. Trotz der hohen Niederschlagsmenge gilt Isny mit 320 Sonnentagen pro Jahr als einer der sonnenreichsten Orte Deutschlands.
Der trockenste Monat ist der Oktober, am meisten regnet es im Juni. Im niederschlagreichsten Monat fällt rund 1,7-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Isny gehört zu den 6 % der Messstellen mit den stärksten monatlichen Niederschlagsschwankungen.
mini|Luftbild von Isny aus dem Juni 2021
Schutzgebiete Im Stadtgebiet Isny sind (Stand: 1. Mai 2010) das Vogelschutzgebiet Bodenmöser, acht Naturschutzgebiete (u. a. Badsee, Hengelesweiher, Bodenmöser, Taufach- und Fetzachmoos mit Großem Ursee und Kleinem Ursee), vier Landschaftsschutzgebiete (u. a. Badsee), ein Schonwald und 27 Naturdenkmale ausgewiesen.
Nachbargemeinden
Dabei befinden sich die Stadt Leutkirch im Allgäu und die Gemeinde Argenbühl im Landkreis Ravensburg, die Märkte Buchenberg und Weitnau im Landkreis Oberallgäu und die Gemeinden Gestratz und Maierhöfen im Landkreis Lindau.
Stadtgliederung mini|Topografische Karte der Stadt Isny im Allgäu mit Ortschaften, Dörfern, Weilern und Wohnplätzen Das Stadtgebiet Isnys besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform 1972 eingegliederten ehemaligen Gemeinden Beuren, Großholzleute, Neutrauchburg und Rohrdorf.
Die eingegliederten Gemeinden sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortsverwaltung, deren Leiter der Ortsvorsteher ist.
Zu allen Stadtteilen und zur Kernstadt gehören noch viele räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenen Namen, die oft wenige Einwohner haben, und Wohngebiete, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind dies:
Teilort EinwohnerStand: Dezember 2011 WohnplätzeKernstadt9.500 (2011) Ortsteile/Weiler: Isny-Vorstadt (bis 1911 selbstständige Gemeinde), Adelegg, Blockwiesen, Eisenbach, Lukasreutehof, Spitalhof;Wohnplätze: Kapellenbauer, Schneebauer, Spilz, Wegmann, Halder, Krummen, Armenhaus, Tobel, Herrenberg, Bergmann, Gollenhof, Langenhalder, Maushardsberg, Ölberwald;Beuren900 (2011) Weiler: Allmisried, Gumpeltshofen, Halden, Hedrazhofen, Hollenmoos, Lengertshofen, Michlebaindt, Oberspießwengen, Sommersbach, Stockach, Unterspießwengen und Winnis;Wohnplätze: Butscher, Gaisau, Greut, Hesler, Kirchmann, Lettelesmühle, Maxbauer, Mayer, Netzer, Neumössingen, Nußmann, Öhler, Prinzen, Sinzen, Sommersbacher Mühle, Stockacher Hof und Unger;Großholzleute1.400 (2011) Weiler: Anger, Anwanden, Argen, Bolsternang, Burkwang, Kleinhaslach, Dürrenbach, Kleinholzleute, Moos, Rain, Rothenbach, Schließlang, Simmerberg, Wehrlang, Wolfbühl;Wohnplätze: Altweg, Blasenberg, Deschenacker, Endberg, Gaistopf. Grätte, Haidlingshof, Häuflingshof, Hengelesmühle, MühleHofacker, Niederacker, Osterösch, Riedhof, Riedacker, Thoracker, Ueberruh, Weidenhalden;Neutrauchburg1.200 (2011) Weiler: Achen, Boden, Dengeltshofen, Dorenwaid, Gründels, Haubach, Menelzhofen, Neuhaus, Ratzenhofen, Schweinebach, Unterried, Zell;Wohnplätze: Maler, Au, Fuchsbauer, Bauers, Halden, Wies, Knollenhof, Langen, Menelzhoferberg, Oberweiher, Staig, Unterweiher, Wächters, Burg, Furtenwies, Lochter, Schleifertobel, Waidach, Ziegelstadel;Rohrdorf700 (2011) Weiler: Aigeltshofen, Haslach, Rangenhalden, Rengers, Schwanden;Wohnplätze: Halden, Langenwaid, Leprosenhaus, Luxer, Rangen, Schwarzen;
Geschichte → Geschichtsteil des Artikels Liste der Kulturdenkmale in Isny im Allgäu Ursprung der Ansiedlung Auf einem Moränenhügel beim Weiler Burkwang unweit der Argen befand sich in spätrömischer Zeit das Kastell Vemania. Archäologen gehen davon aus, dass es unter Kaiser Probus (276 bis 282) angelegt worden war, um den Donau-Iller-Rhein-Limes und die dazugehörige Römerstraße Kempten–Bregenz zu sichern. Germanen haben das Kastell offenbar mehrfach überfallen, ehe die 200 Reiter starke Truppe um das Jahr 401 nach Italien abgezogen wurde.
Hochmittelalter Das heutige Isny wurde um das Jahr 1043 vom Grafen von Altshausen-Veringen gegründet. 1096 wurde die Kirche den Mönchen des Klosters Hirsau zur Gründung des Klosters St. Georg übergeben; dieses Datum stellt auch die erste urkundliche Erwähnung dar. Um das Kloster herum entstand eine Siedlung, die bereits Ende des 12. Jahrhunderts das Marktrecht erhielt. 1281 verlieh König Rudolf von Habsburg auf Betreiben seines engen Vertrauten Heinrich von Isny dem Ort das Lindauer Stadtrecht.Vgl. Hans-Eugen Specker: Die Geschichte der Reichsstädte im Überblick. In: Meinrad Schaab, Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.) u. a.: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im alten Reich. Hrsg. im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Klett-Cotta, Stuttgart 1995, ISBN 3-608-91466-8, S. 649–661, hier S. 651; Karl Friedrich Eisele: Isny, ebenda S. 685–687. 1284 fielen Stadt und Kloster einem Brand zum Opfer.
Reichsstadt mini|Isny vor und nach dem Großbrand von 1631, Kupferstich von Merian, um 1650 mini|Historischer Katasterplan von Isny, 1826 mini|Isny um 1918 1365 erkauften sich die Isnyer die Rechte einer Reichsstadt von ihrem Vogtherrn, dem Truchsessen von Waldburg. 1376 beteiligte sich die Stadt an der Gründung des Schwäbischen Städtebundes. 1401 brannte es erneut in Isny. 1507 erhielt die Stadt das Münzrecht.
Ein Teil der Stadt brannte 1631 ab, wobei ein Zusammenhang mit den Ereignissen des Dreißigjährigen Kriegs nicht erkennbar ist. Durch den Großbrand wurden um die 380 Gebäude, darunter auch die beiden Kirchen und das Kloster, zerstört. Trotzdem hatte die Reichsstadt genauso unter dem Krieg zu leiden wie andere Städte und Herrschaften in der Umgebung. Die Überlieferung zu den Ereignissen des Krieges im Stadtarchiv Isny gehört zu den reichhaltigsten in Südwestdeutschland.Eberhard Fritz: Der Dreißigjährige Krieg in Südwestdeutschland. Quellen aus Oberschwaben, dem westlichen Allgäu, der Bodenseeregion mit dem Hegau und der nördlichen Schweiz, den fürstenbergischen Herrschaften und dem Herzogtum Württemberg. 1618 bis 1632. [Cardamina-Verlag] Koblenz 2022. ISBN 978-3-86424-571-8; 1633. [Cardamina-Verlag] Koblenz 2023. ISBN 978-3-86424-596-1; 1634. [Cardamina-Verlag] Koblenz 2023. ISBN 978-3-86424-608-1.
Besonders seit der Reformation, der sich Isny früh und umfassend anschloss, prägte der Konflikt zwischen evangelischer Reichsstadt und katholischem Kloster die Geschichte Isnys, verschärft durch das enge Nebeneinander innerhalb der Stadtmauern sowie die Konkurrenz um Ressourcen wie Boden und Wasser. Hieraus resultierten eine Reihe von Konfliktlinien, die sich bis ins 20. Jahrhundert auswirkten: Zwischen Protestanten und Katholiken, seit 1802 zwischen der Stadt und der Standesherrschaft der Grafen und späteren Fürsten von Quadt, zwischen der Stadt und der 1911 eingemeindeten Vorstadt, der früheren „Viehweide“ des Klosters, sowie zwischen den nach 1806 in die Stadt zugezogenen Katholiken und den alteingesessenen Katholiken der Vorstadt.Greiffenhagen 1988, S. 93ff.
Von der Mediatisierung bis heute 1802 wurde die Reichsstadt mediatisiert und fiel an Otto Wilhelm von Quadt-Wykradt-Isny aus der Familie der Reichsgrafen von Quadt, der das ihm im Reichsdeputationshauptschluss zugesprochene Territorium unter Vereinigung mit der säkularisierten Reichsabtei St. Georgen als Reichsgrafschaft Isny beherrschte. 1806 kam diese Reichsgrafschaft durch die Rheinbundakte zum Königreich Württemberg, wo es kurzfristig Sitz eines eigenen Oberamtes wurde. Otto Wilhelm von Quadt-Wykradt-Isny trat 1812 den Grundbesitz in der Grafschaft Isny an seinen Sohn Wilhelm von Quadt-Wykradt-Isny ab. Dieser stieg im Ergebnis des Wiener Kongresses und der Deutschen Bundesakte 1815 zum württembergischen Standesherrn von Isny auf. Innerhalb der Verwaltungsorganisation Württembergs kam die Stadt 1810 zum Oberamt Wangen. In der Zeit des Wiener Kongresses favorisierte die Bevölkerung eine Eingliederung nach Österreich oder alternativ nach Bayern, allerdings blieb Isny Teil des Königreichs Württemberg. Das damit verbundene Abschneiden traditioneller Wirtschaftsbeziehungen hemmte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt über viele Jahre hinweg.
Die Deutsche Revolution 1848/1849 manifestierte sich in Isny in einer Bürgerversammlung, die sich nicht gegen die Regierung des Königreichs Württemberg richtete, sondern gegen die Grafen Quadt, denen Zugeständnisse im Hinblick auf die Weidenutzung, das Jagdrecht, die Wassernutzung und das Kirchenpatronat abgerungen wurden. Die Rücknahme dieser Zugeständnisse durch das Haus Quadt nach dem Scheitern der Revolution führte in den Folgejahren zu langwierigen Prozessen zwischen der Stadt und der Standesherrschaft.Greiffenhagen/Ingendahl 2003, S. 57ff.
Am 15. August 1874 erhielt Isny mit Fertigstellung der Bahnstrecke Herbertingen–Isny erstmals Anschluss an das Streckennetz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn. 1909 wurde ergänzend die Bahnstrecke Kempten–Isny eröffnet.
1911 wurde die Vorstadt („Viehweid“) eingemeindet, wodurch die jahrhundertealte politische Trennung der Gebiete von Stadt und Kloster überwunden wurde.
1933 wurde der demokratisch gewählte Zentrumspolitiker Wilhelm Seeger als Bürgermeister abgesetzt und durch den linientreuen NS-Juristen Georg Scheerer ersetzt.Walter Schmid: Wenn staatstragende Parteien schwächeln. Schwäbische Zeitung, 17. März 2016. In den ersten Jahren der NS-Herrschaft nahm der Tourismus in Isny einen starken Aufschwung, insbesondere durch die NS-Organisation Kraft durch Freude. So stieg die Zahl der Übernachtungen von 7 000 im Jahr 1933 auf 70 000 im Jahr 1936.Greifenhagen/Ingendahl 2003, S. 121.
Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Isny 1938 zum neu umrissenen Landkreis Wangen.
In der Nacht vom 1. (Ostersonntag) auf den 2. April 1945 wurden bei einem Luftangriff einige Häuser in der Altstadt und in der Bahnhofstraße beschädigt, einige davon schwer. Am 29. April 1945 endete für Isny der Zweite Weltkrieg mit der kampflosen Übergabe an die französische Armee.