Schefflenz ist eine Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis im Nordosten von Baden-Württemberg. Sie liegt im Naturraum Bauland und gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar. Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Oberschefflenz, Unterschefflenz, Mittelschefflenz und Kleineicholzheim.
Geographie Lage und naturräumliche Einordnung Schefflenz liegt im südwestlichen Bauland auf einer von Tälern zergliederten Muschelkalkhochfläche. Das Gemeindegebiet umfasst 36,96 km². Die Siedlungen von Schefflenz liegen auf Höhen zwischen 250 und 310 m ü. NHN. Der tiefste Punkt ist die Kelchenmühle im Süden (252 m), der höchste die bewaldete Kuppe der Kohlplatte im Nordwesten (354 m). Die umliegenden Plateauränder erreichen Höhen um 350 m. Die Schefflenz verläuft in Nord-Süd-Richtung durch das Gemeindegebiet und durchzieht dabei einen breiten, flach eingeschnittenen Talboden. Zu ihren Nebengewässern zählen der Eberbach und das Auebächlein, die als Zuflüsse zur Schefflenz das örtliche Fließgewässersystem ergänzen. Schefflenz liegt innerhalb des Naturparks Neckartal-Odenwald. Das Naturschutzgebiet Unteres Heimental liegt größtenteils auf Elztaler Gemarkung und erstreckt sich östlich von Oberschefflenz in Richtung des Elztaler Ortsteils Rittersbach. Naturpark Neckartal-Odenwald. Schefflenz befindet sich im Nordosten Baden-Württembergs in einer vorwiegend landwirtschaftlich genutzten, teils bewaldeten Hügellandschaft. Angrenzende Gemeinden sind Elztal, Limbach, Seckach, Adelsheim, Roigheim (Landkreis Heilbronn) und Billigheim.
Geologie Das Gemeindegebiet von Schefflenz gehört geologisch zum südwestlichen Bauland und wird überwiegend von Gesteinen des Muschelkalks aufgebaut. Im äußersten Norden treten mit den Oberen Röttonen bereits Formationen des Buntsandsteins auf, die für den Übergang zur benachbarten Landschaft des Hinteren Odenwalds typisch sind. Geomorphologisch gliedern sich diese Gesteine unauffällig in die leicht zertalte Hochfläche ein, die als Rumpffläche gedeutet wird. Ihre Ausbildung reicht vermutlich bis ins Tertiär zurück und verläuft flachwellig in Richtung Heidersbach und Rittersbach.Günter Olbert: Talentwicklung und Schichtstufenmorphogenese am Südrand des Odenwaldes. Tübinger geographische Studien (64), Geographisches Institut der Universität Tübingen, Tübingen 1975 Die Schefflenz durchzieht das Gebiet in einem nahezu meridional ausgerichteten Sohlental mit breitem Wiesengrund. Westlich der Schefflenz steigt das Gelände auf dem meist mittleren Muschelkalk sanft zur Wasserscheide mit dem Elztal an. Östlich des Tals hat die Schefflenz im Oberen Muschelkalk eine ausgeprägtere Schichtstufe zwischen Kleineicholzheim und Oberschefflenz geformt, die sich unterhalb von Oberschefflenz auf die westliche Talseite verlagert. An der Nordseite des Vogelbergs (338 m ü. NN) tritt sie erst im Einzugsgebiet der Elz, im Auerbachtal, wieder deutlich hervor.
Die Bodengüte in Schefflenz gilt als vergleichsweise hoch und beruht auf dem wenig verkarsteten Muschelkalk als geologischem Untergrund sowie einer mäßigen Lössüberdeckung. In Verbindung mit Jahresmitteltemperaturen von über 9 °C in den 1980er- und 1990er-Jahren ergeben sich damit Standortverhältnisse, wie sie für die Altsiedellandschaften des südwestlichen Baulands typisch sind. Karsterscheinungen wie Dolinen und wasserlose Senken kommen auf den umgebenden Höhenzügen bei Großeicholzheim und im Weidachswald vor.
Klima Klimatisch macht sich die im Vergleich zum nördlich benachbarten Odenwald geringere topographische Höhenlage durch höhere Temperatur und geringere aber i. d. R. ausreichende Niederschlagsmengen (> 600 l/m² pro Jahr; d. h. Niederschlag größer als Verdunstung, für die herkömmlichen Feldfrüchte keine zusätzliche Bewässerung notwendig) günstig bemerkbar. Auch die strahlungstechnisch vorteilhafte recht offene Lage von Tal und Hochflächen mit allgemeiner Südsüdwest-Ausrichtung ist agrarisch/klimatisch „von Nutzen“. Der jahreszeitliche Temperaturverlauf zeigt meist im späten Juli und frühen August Maxima, mehrere Tiefpunkte treten gewöhnlich von Anfang Dezember bis Mitte Februar auf (nach eigenen Messungen 1987–1996 und historischen Auswertungen bis zurück in die 1920er Jahre). In den im Vergleich zu Sonnenstand teils verspäteten thermischen Extremen und im Wintermaximum des Niederschlags (besonders Dezember) kommen Eigenschaften eines eher ozeanisch dominierten subozeanischen bis subkontinentalen Übergangsklimas zu Geltung. Es darf angenommen werden, dass die nördlich und nordwestlich gelegenen Höhen des Odenwalds (bis ca. 600 m ü. NN) ggf. niederschlagsmäßig abschirmenden Effekt oder geringen Staueffekt bewirken, temperaturmäßig v. a. bei West- bis Nordwind schwacher erwärmender Föhneffekt zu veranschlagen ist (nicht in Zahlen belegt). Kurzfristige Schwankungen der Zirkulations- und Witterungsverhältnisse führen, wie vielerorts in den Mittelbreiten, gelegentlich zu bemerkenswerten, „historischen“ Ereignissen, die sich im allgemeinen Gedächtnis der Einheimischen – in der Regel jahreszeitlich eingeordnet – niederschlagen, z. B.: niedrigste (Tiefst-)Temperatur: ca. −30 °C, vermutlich Winter 1928/29; Schneehöhe über 50 cm: März 1987, Dezember 2001; letztmals Bach begehbar zugefroren: Ende der 1960er Jahre; regionales „Jahrhundert“-Hochwasser: Dezember 1993; Sturmereignisse: Spätwinter 1990, Weihnachtssturm Lothar 1999. Belege für diese und (nicht angeführte) andere Extrem-Ereignisse beruhen sowohl auf Angaben von Zeitzeugen wie auf persönlicher und/oder offizieller Dokumentation.
Siedlungs- und Bevölkerungsgeographie Siedlungsgeographisch gehören Unter- und Mittelschefflenz dem Typus des Haufendorfs zu. Der Straßenverlauf erscheint zufällig, die Anordnung der Gehöfte willkürlich. Der historische Ortsetter von Oberschefflenz konzentriert sich dagegen entlang der Hauptstraße (ca. 120 Gebäudeeinheiten) und entlang weniger Nebenstraßen (ca. 60 Gebäudeeinheiten). Der Verlauf des alten Handels- und Heereswegs Heidelberg-Würzburg zeichnet sich im Verlauf der Oberschefflenzer Hauptstraße nach. Mit Sicherheit führte auch der Römerweg (ab. 1. Jahrhundert n. Chr.) durch das Schefflenztal gen Osten. Allerdings ist der genaue Verlauf umstritten: Während Roedder von einer bereits frühen Führung über die Höhen südlich des Elztals durch Oberschefflenz ausgeht, plädiert Ebersold für einen alten Mittel/ -Unterschefflenzer Wegeverlauf. Jedenfalls querte die Römerstraße auf der Strecke zwischen den römischen Lagern Neckarburken (West) und Osterburken (Ost) auf 30 km im heutigen Gemeindegebiet das einzige Tal. In Kleineicholzheim, dem sog. „Weiler“, mischen sich Haufen- und Straßendorfmerkmale, wobei an Odenwald- und Seckacher Str. – den beiden Hauptwegen –, wie in Oberschefflenz, hier eher ungeregelte Formen des Straßen- oder Reihendorfs vorherrschen.
Die Schefflenzdörfer und Kleineicholzheim sind vier (territorial-)geschichtlich eng zusammengehörige Einheiten. Gleichwohl hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein verwaltungsmäßiges Zusammenwachsen der heutigen Ortsteile lediglich und letztlich im Zuge der Gemeindereform der frühen 1970er-Jahre ergeben, wenn auch die Benennung der drei Schefflenzdörfer „von jeher“ alte Verbundenheit erkennen lässt. Jene Verbundenheit zeigte sich über Jahrhunderte in den gemischten Ansprüchen der Kurpfalz und von Kurmainz auf die Dörfer. 1973 haben sich dagegen die politischen Gemeindezugehörigkeiten der beiden Eicholzheimdörfer nach Volksabstimmungen geändert: Groß- im obersten Schefflenztal zur Gemeinde Seckach, Klein- zu Schefflenz.
Zu bemerken ist, dass infolge der Vertreibung von – im Kern sprachlich und im historischen Gedächtnis – als deutsch eingeordneter Bevölkerung aus mittelosteuropäischen Siedlungsgebieten (v. a. Sudetenland, Mähren, Ungarn; auch Danzig) nach Ende des Zweiten Weltkriegs Schefflenz erheblichen Bevölkerungszuwachs erfuhr. Bis heute dauern privat in Pflege von Mundart oder Religion oder kulturellem Selbstverständnis Eigenarten bei den Kriegs-Flüchtlingen vor Ort z. T. fort, indes nicht vereinsmäßig (wie etwa in der Kreisstadt Mosbach). Konfessionell betrachtet hat sich durch den Zuzug der Kriegsflüchtlinge eine Vergrößerung des katholischen Bevölkerungsanteils im Vergleich zur traditionell calvinistisch-protestantischen Mehrheit eingestellt.
In der Bevölkerungsstruktur macht sich die Randlage der Gemeinde zwischen den Ballungsräumen Heidelberg-Mannheim, Heilbronn/Neckar-Unterland sowie ferner Rhein-Main und Würzburg in den letzten beiden Jahrzehnten durch eine insgesamt stagnierende Bevölkerungszahl bemerkbar. Wanderungs- und Geburten- und Sterbefälle ergaben ein Einwohnermaximum von ca. 4400 Personen 1995 und 2000, während seitdem ein leichter Rückgang anhält (Ende 2005 4290 Einwohner). Im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 220 fällt die Bevölkerungsdichte mit etwas weniger als 120 Einwohnern/km² unterdurchschnittlich aus. Dagegen entsprechen die mittleren Alter der männlichen und weiblichen Bevölkerungsgruppen ziemlich genau dem baden-württembergischen 2005: 40,0 Jahre bei Männern (B.-W.: 40,1), 43,0 bei Frauen (B.-W.: 42,7). [Statistisches Landesamt B.-W., siehe Weblinks]
Gemeindegliederung mini|Luftbild des Ortszentrums von Oberschefflenz (Ortsteil von Schefflenz)
Die Gemeinde Schefflenz besteht aus den vier Ortsteilen (Einwohnerzahlen Stand 4. Quartal 2024): Kleineicholzheim (231 Einwohner), Mittelschefflenz (992 Einwohner), Oberschefflenz (1588 Einwohner) und Unterschefflenz (1182 Einwohner). Die Ortsteile sind gebietsgleich zu den früheren Gemeinden gleichen Namens.Hauptsatzung der Gemeinde Schefflenz vom 21. September 2009
Zum Ortsteil Kleineicholzheim gehören das Dorf Kleineicholzheim und der Ort Bahnstation Eicholzheim. Zu den Ortsteilen Mittelschefflenz und Oberschefflenz gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Ortsteil Unterschefflenz gehören das Dorf Unterschefflenz, der Ort Am Kelchenwald und das Haus Kelchenmühle. Im Ortsteil Mittelschefflenz liegt die Wüstung Eildorf.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 322–324
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Gemeinde Schefflenz. Sie gehören teilweise zum Neckar-Odenwald-Kreis und teils zum Landkreis Heilbronn: Adelsheim, Billigheim, Elztal, Limbach, Roigheim (Landkreis Heilbronn) und Seckach.
Geschichte Schefflenz wird erstmals im Lorscher Codex anlässlich einer Schenkung durch einen Lentrich im Jahr 774 als Scaflenze urkundlich erwähnt. Die drei Schefflenzdörfer besaßen als Reichsdörfer zunächst Reichsunmittelbarkeit.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 58. Im Laufe des Mittelalters erwarben jedoch verschiedene Ritterfamilien Rechte an den Dörfern. Nach der Auflösung des Klosters Lorsch 1232 gelangten die drei Dörfer an Kurmainz. Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts versuchte die Kurpfalz die Vorherrschaft in der Gegend zu erlangen, was in Schefflenz schrittweise gelang. 1545 wurde in der Kurpfalz die Reformation nach lutherischem Bekenntnis eingeführt. Dies verschärfte den Konflikt zwischen Kurpfalz und Kurmainz. 1653 verzichtete Kurmainz auf alle Rechte an den drei Schefflenzdörfern und Schefflenz gelangte endgültig zur Kurpfalz.