mini|320px|Blick auf Stadt und Kathedrale Włocławek () ist eine polnische Großstadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Sie liegt an der Weichsel, rund 90 km südöstlich von Bydgoszcz und 50 km südöstlich von Toruń, den beiden Woiwodschaftshauptstädten, sowie 140 km nordwestlich der polnischen Hauptstadt Warschau.

Klima Im Vergleich zu anderen Orten in Polen herrscht dank der Umgebung von Kiefernwäldern, Anhöhen und Weichseltal ein besonders günstiges Mikroklima. Dabei ist die Sonnenscheindauer besonders hoch und die Niederschlagsmenge besonders gering.

Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit Im 11. Jahrhundert entstand an der Weichsel eine Siedlung, die seit 1123 der Sitz eines dem Erzbischof von Gnesen unterstellten Bistums ist und 1261 die Stadtrechte nach Kulmer Recht erhielt. Aus der Zeit stammt auch der deutsche Name Leslau. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Stadt mehrfach von Deutschen Ordensrittern zerstört und unterworfen. Erst der Friedensvertrag von Thorn 1466 sicherte den Frieden.

Danach blühte der Getreidehandel, bis im Zweiten Nordischen Krieg die schwedische Invasion 1657 die Stadt zum Teil zerstörte.

19., 20. und 21. Jahrhundert Nach der Zweiten Teilung Polens fiel Włocławek 1793 an Preußen, nach dem Frieden von Tilsit 1807 an das Herzogtum Warschau. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde die Stadt Bestandteil des neu gebildeten, zu Russland gehörigen Kongresspolens.

Włocławek wurde schon früh zu einer Industriestadt mit bekannten Unternehmen. Im 19. Jahrhundert waren unter anderem ansässig die Zichorienfabrik von Ferdinand Bohm, das Cellulosewerk der Brüder Cassirer (Max Cassirer, später auch in Berlin aktiv), die Unternehmen Steinhagen & Sänger Zellstofffabrik, vierzehn Brauereien (bekannteste von Bojańczyk), eine Ziegelei, eine Landmaschinenfabrik (Wilhelm Haack, später auch Hugo Mühsam), die Druckerei Buchholtz und der Seil- und Drahtproduzent Carl Hauke. Aus dem Fayencen- und Porzellanwerk der Unternehmen Teichfeld & Asterblum ist heute das Einkaufszentrum Wzorcownia (dt. „Musterraum“) geworden.

Im Ersten Weltkrieg befand sich der Industriestandort im Oktober 1914 im Frontbereich und erlitt infolge der Kampfhandlungen erhebliche Schäden. 1918 kam die Stadt zur neugebildeten polnischen Republik. mini|Deportation von Juden am 6. Oktober 1941 Die Stadt gehörte während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) zum Reichsgau Wartheland im Deutschen Reich (siehe auch Landkreis Leslau). Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem ein Drittel der Stadt zerstört wurde, folgte in den Nachkriegsjahren der Wiederaufbau von Fabriken und Werkstätten. Chemische Erzeugnisse sowie die Möbel- und die Nahrungsmittelverarbeitung entwickelten sich bis heute zu den wichtigsten Industriezweigen der Stadt. Seit 1969 besitzt die Stadt eine Schleusenanlage, die den Wasserstand der Weichsel reguliert.

Im Jahre 2012 wurde die Sonderwirtschaftszone Włocławek Economic Developement Area mit Steuerbefreiung und anderer Hilfe für internationale Investoren geschaffen.Włocławek Economic Development Area – Industrial and Technological Park auf der Website der Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen AG, abgerufen am 16. Februar 2016 (englisch)

Politik Stadtpräsidenten An der Spitze der Stadtverwaltung steht ein Stadtpräsident. Seit 2014 war dies Marek Wojtkowski (PO), der 2024 Krzystof Kukucki (Nowa Lewica) unterlag. Die turnusmäßige Wahl 2024 brachte folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 3. Juni 2024. Krzystof Kukucki (Lewica) 41,4 % der Stimmen Marek Wojtkowski (Koalicja Obywatelska) 29,9 % der Stimmen Rafała Sobolewski (Prawo i Sprawiedliwość) 16,9 % der Stimmen Maciej Maciak (Wahlkomitee Maciej Maciak) 7,4 % der Stimmen Barbara Moraczewska (Trzecia Droga) 3,6 % der Stimmen Übrige 0,8 % der Stimmen

Bei der damit notwendigen Stichwahl setzte sich Kukucki mit 56,3 % der Stimmen gegen den Amtsinhaber Wojtkowski durch und wurde neuer Stadtpräsident.

Die turnusmäßige Wahl 2018 brachte folgendes Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 8. August 2020. Marek Wojtkowski (Koalicja Obywatelska) 26,3 % der Stimmen Jarosław Chmielewski (Prawo i Sprawiedliwość) 23,4 % der Stimmen Krzystof Kukucki (Sojusz Lewicy Demokratycznej / Lewica Razem) 20,8 % der Stimmen Maciej Maciak (Wahlkomitee Maciej Maciak) 14,1 % der Stimmen Jacek Kużniewicz (Wahlkomitee „Gewinn für Włocławek“) 6,3 % der Stimmen Dariusz Wesołowski (Wahlkomitee Włocławek) 4,3 % der Stimmen Emanuel Kalejaiye (parteilos) 2,3 % der Stimmen Übrige 2,5 % der Stimmen

Bei der damit notwendigen Stichwahl setzte sich Wojtkowski mit 63,0 % der Stimmen gegen den PiS-Kandidaten Chmielewski durch.

Stadtrat Der Stadtrat besteht aus 23 Mitgliedern (bis 2024: 25) und wird direkt gewählt. Die Stadtratswahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 3. Juni 2024. Koalicja Obywatelska (KO) 33,3 % der Stimmen, 9 Sitze Lewica 26,7 % der Stimmen, 8 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 24,5 % der Stimmen, 6 Sitze Trzecia Droga (TD) 8,4 % der Stimmen, kein Sitz Wahlkomitee Maciej Maciaka 6,0 % der Stimmen, kein Sitz Übrige 1,1 % der Stimmen, kein Sitz

Die Stadtratswahl 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 8. August 2020. Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 25,1 % der Stimmen, 9 Sitze Koalicja Obywatelska (KO) 24,4 % der Stimmen, 8 Sitze Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) / Lewica Razem (Razem) 21,4 % der Stimmen, 7 Sitze Wahlkomitee Włocławek 7,9 % der Stimmen, 1 Sitz Wahlkomitee Maciej Maciaka 7,8 % der Stimmen, kein Sitz Wahlkomitee „Gewinn für Włocławek“ 6,3 % der Stimmen, kein Sitz Kukiz’15 3,8 % der Stimmen, kein Sitz Wahlkomitee des Włocławeker Einwohnervereins 2,2 % der Stimmen, kein Sitz Übrige 1,2 % der Stimmen, kein Sitz

Deutsche Spuren mini|Evangelisch-Augsburgische Kirche in Włocławek Erste Spuren der deutschen Gemeinschaft in Włocławek sind mit den Stadtrechten nach Kulmer Recht (Magdeburger Recht), dem Deutschen Orden und der bekannten Kathedralschule, die auch der Astronom Nikolaus Kopernikus besuchte, verbunden. In der Stadt gibt es viele Werke deutscher Künstler, wie von Veit Stoß und Hans Meyer im Maria-Himmelfahrt-Dom, von Albrecht Altdorfer und Heinrich Aldegrever in den Kunstsammlungen im Museum des Kujawier und Dobriner Landes sowie Werke von Albrecht Dürer und Augsburger Juwelierarbeiten im Diözesanmuseum. Für die Geschäfte der Włocławeker Kaufleute spielten Hansestädte – besonders Thorn und Danzig – eine herausragende Rolle.

Die Evangelisch-Augsburgische Gemeinde Włocławek zeugt von der Ansiedlung deutscher Protestanten seit dem 16. Jahrhundert.

In Włocławek gab es seit dem 19. Jahrhundert einige große Unternehmer deutscher Herkunft (Gotfryd Gross, Familie Steinhagen, Ferdinand Bohm, Brüder Cassirer, Wilhelm Haack, Hugo Mühsam, Carl Klauke, Teichfeld & Asterblum). Namhafte Persönlichkeiten der Gesellschaft dieser Zeit waren Julian Balthasar Marchlewski, Mitbegründer des Spartakusbundes in Deutschland, und Marie Steiner-von Sivers, Anthroposophin und Schauspielerin.

Marcel Reich-Ranicki, Publizist und Literaturkritiker, verbrachte hier seine Kindheit. In den Jahren 1939–1945 hieß die Stadt Leslau an der Weichsel. Mit der Aktion „Heim ins Reich“ wurden viele sogenannte Volksdeutsche hierher umgesiedelt.https://visitwloclawek.blogspot.com

mini|Kathedrale von Włocławek mini|Maria-Himmelfahrt-Dom mini|Sonnenuhr von Kopernikus am Maria-Himmelfahrt-Dom Sehenswürdigkeiten Maria-Himmelfahrt-Dom Maria-Himmelfahrt-Dom (poln. Bazylika katedralna Wniebowzięcia Najświętszej Maryi Panny) – gotische (Backsteingotik) Kathedrale, von 1340, mit den ältesten Glasfenstern in Polen und zahlreichen Skulpturen (z. B. von Veit Stoß) und Gemälden von Juan Correa de Vivar, Jan aus Florenz, Francisco de Zurbarán oder Józef Mehoffer. Hier befindet sich auch die berühmte Sonnenuhr, die wahrscheinlich von Mikołaj Wódka (Abstemius) und Nikolaus Kopernikus gebaut wurde.

Kopernikusplatz mini|Priesterseminar

Es gibt hier: Maria-Himmelfahrt-Dom, Priesterseminar (ältestes Seminar in Polen, 1569 gegründet, früher die Kathedralschule) und Sankt-Vitalis-Kirche. Hier wohnte Nikolaus Kopernikus in den Jahren 1488–1491. Die Kathedralschule wurde mehrmals zerstört. Heute können wir einen neogotischen Komplex ansehen.

St.-Vitalis-Kirche mini|St.-Vitalis-Kirche

St.-Vitalis-Kirche (poln. Kościół św. Witalisa) – Gebäude der Backsteingotik, 1330 von Bischof Mathias aus Paluka gegründet. Bemerkenswert ist der gotische Hauptaltar von 1460. Sie ist eine der ältesten Kirchen in Polen.

Heiliger-Johannes-der-Täufer-Kirche mini|Heiliger-Johannes-der-Täufer-Kirche

Heiliger-Johannes-der-Täufer-Kirche (poln. Kościół św. Jana Chrzciciela) – spätgotischer Bau mit Renaissance- und Barockelementen, von 1560. Die Kapelle wurde von Jan Baptist aus Venedig (poln. Jan Baptysta Wenecjanin) entworfen.

Kirchen- und Klosterkomplex der Franziskaner mini|Franziskanerkloster Franziskaner Kirchen- und Klosterkomplex – von 1639 bis 1644, im Barockstil.

Brauerei B mini|Kulturzentrum Brauerei B

Kulturzentrum in der ehemaligen Brauerei aus dem Jahre 1832. Das Kulturzentrum bietet einen Konzertsaal, ein Museum für Massen und Waagen, einen Kinosaal, Räumlichkeiten für mehrere Kulturgesellschaften und Kulturvereine sowie ein Restaurant und Café.https://ckbrowarb.pl/

Bürgerhäuser Bürgerliche Häuser – am Altmarkt, aus dem 18. Jahrhundert. Hier befindet sich z. B. das Museum für Geschichte.

Marschall-Piłsudki-Boulevard Marschall-Piłsudki-Boulevard – am größten Fluss Polens, der Weichsel. Hier befinden sich mehrere Speicher (jetzt Museen), der Bischofspalast aus dem Jahre 1861 im klassizistischen Stil (mit Teilen aus dem 14. Jahrhundert), Bürgerhäuser und ein Unterhaltungspark. mini|Bischofspalast

Evangelische Kirche Diese neogotische Kirche wurde 1877 bis 1881 dank Fryderyk Wilhelm Cords und dem Pfarrer Rudolf Zirkwitz gebaut. Bemerkenswert ist der Altar mit dem Bild von Kazimierz Mirecki nach dem Muster von Paul Delaroche.

Włocławskie-Stausee Der Staudamm und das Wasserkraftwerk wurden in den Jahren 1963 bis 1970 gebaut. 1984 wurde hier der Pfarrer Jerzy Popiełuszko, Führer der Opposition in der Kirche vom kommunistischen Geheimdienst ermordet. Zu seinem Gedenken steht dort jetzt ein hohes Kreuz. Sehr oft führen Pilgerfahrten aus Polen und dem Ausland an diesen Ort. Am Stausee sieht man häufig Yachten, Boote oder Jet-Ski-Fahrer.

Wzorcownia mini|Plac Grodzki

Die ehemalige Fabrik für Fayencen und andere Keramik wurde 1873 gegründet. Die bekanntesten Inhaber waren Józef Teichfeld und Ludwik Asterblum. Jetzt gibt es hier ein Einkaufs- und Unterhaltungszentrum Wzorcownia im viktorianischen Stil.

Viele Sehenswürdigkeiten gingen schon vor Jahrhunderten verloren, wie die Bischofsburg und der Dom im romanischen Stil, die Fürstenburg, das Rathaus am Altmarkt, der Zisterzienser Kirchen- und Klosterkomplex des Heiligen Gotthard, die mittelalterliche Altstadt, die Synagogen sowie die russisch-orthodoxe Kirche am Freiheitsplatz.www.polen-digital.de/wloclawekwww.wloclawek.plAdam Ginsbert, Włocławek: studium monograficzne, Warszawa 1968 und spätere Ausgaben

Museen mini|Diözesanmuseum

Diözesanmuseum Das Diözesanmuseum Włocławek präsentiert Unikate wie z. B. einen Krummstab des Maciej (Matthäus) aus Gołańcza (13. Jh.) und einen Liturgiekelch (1368), Holzschnitte des deutschen Künstlers Albrecht Dürer, Bilder Giovanni Francesco Barbieris (Guercino) und aus der Malerschule von Caravaggio, Juwelen einer Augsburger Werkstatt aus dem 17. Jahrhundert sowie historische Möbel. Die Räume zeigen entsprechende Epochen.

Museum Kujawiens und des Dobriner Landes Hauptsammlungen