Die Woiwodschaft Schlesien () mit der Hauptstadt Katowice ist eine der 16 Woiwodschaften der Republik Polen.
Mit rund 4,5 Millionen Einwohnern auf 12.334 km² ist Schlesien die am dichtesten besiedelte Woiwodschaft Polens und zudem auch die am stärksten urbanisierte Region des Landes. Die Ballungsgebiete um die Städte Katowice und Gliwice sowie um Dąbrowa Górnicza und Sosnowiec entstanden infolge des Steinkohlenbergbaus im 19. Jahrhundert (Oberschlesisches Industriegebiet).
Zur Woiwodschaft Schlesien gehören Teile der historischen Regionen Schlesien (48 %, davon 40 % preußische Provinz Oberschlesien sowie 8 % Teschener Schlesien), Kleinpolen (und damit der ehemaligen Herzogtümer Siewierz und Auschwitz, des Dombrowaer Kohlebeckens sowie Galiziens; 45 %) sowie Großpolen (ein kleiner Teil der Weluner und Sieradzer Länder im äußersten Norden der Woiwodschaft, 7 %).
Geschichte mini|Historische Landschaften der Woiwodschaft mini|Entwicklung der Grenzen der Woiwodschaft Die heutige Woiwodschaft Schlesien ist die dritte polnische Woiwodschaft mit diesen Namen. Die erste war die Woiwodschaft Schlesien (1920–1939) in der Zweiten Republik Polen. Die autonome Woiwodschaft Schlesien bestand nur aus einem Teil ehemalig preußischen Oberschlesiens und dem Teschener Schlesien, die damals oft als separate Schlesien betrachtet wurden. In der Zeit der Sanacja gab es kontroverse Pläne der Angliederung der Powiate Częstochowski mit Częstochowa, Zawierciański mit Zawiercie und Będziński aus der Woiwodschaft Kielce (1919–1939) und der westlichen Teile der Powiate Chrzanowski mit Jaworzno und Oświęcimski mit Oświęcim, sowie die ganzen Powiate Bialski mit Biała Krakowska und Żywiecki mit Żywiec aus der Woiwodschaft Krakau (1920–1939). Die Pläne wurden bis zum Zweiten Weltkrieg in der Presse angestrengt debattiert und teilten die öffentliche Meinung.Dariusz Majchrzak: Śląska autonomia dla Zagłębia Dąbrowskiego? Sprawa włączenia Zagłębia Dąbrowskiego do województwa śląskiego w II RP (polnisch) Der zweite gleichnamige Verwaltungsbezirk war die Woiwodschaft Schlesien (1945–1950) nach dem Zweiten Weltkrieg. Weil der Zagłębie Dąbrowskie (Dombrowarer Kohlebecken) angeschlossen wurde, war der Name auch zagłębiowsko-śląskie und śląsko-dąbrowskie benutzt. 1947 wurde die Umbenennung nach der Hauptstadt erstmals geplant. 1950 wurde die Woiwodschaft in die Woiwodschaft Katowice und die Woiwodschaft Oppeln geteilt. Die Grenzen der Woiwodschaft Katowice in den Jahren 1950 bis 1975 waren erstmals so ähnlich der heutigen Grenzen: mit Częstochowa und Bielsko-Biała, jedoch ohne Racibórz, Jaworzno und Żywiec. Die Woiwodschaft Katowice, wie die heutige Woiwodschaft, wurde umgangssprachlich oft mit „Schlesien“ gleichgesetzt. Nach dem Jahr 1989 etablierte sich im polnischen Bewusstsein besonders das negative Stereotyp dieses „Schlesiens“ mit Verschmutzung, Arbeitslosigkeit, Notwendigkeit des Kostenzuschlags der Schwerindustrie usw. Der ursprüngliche Projekt der Gebietsreform in den 1990er Jahren der 12 Woiwodschaften rief Widerstand hervor: z. B. in Opole und Bielsko-Biała. Unter anderen dank der Unterstützung des Botschafters Deutschlands bewährte sich die Woiwodschaft Oppeln.Tomasz Zarycki: Regional identity in the three Polish Regions: Świetokrzyskie, Śląskie, Warmińsko-Mazurskie voivodships, 2005, S. 17–55 (englisch)
Die Woiwodschaft Schlesien ging bei der Gebietsreform 1999 aus den Woiwodschaften Katowice, Częstochowa und Bielsko-Biała hervor und nimmt den zentralsüdlichen Teil Polens ein.
Von Anfang an gab es Kontroverse um den Namen und Grenzen der Woiwodschaft, mit Forderungen auf Umbenennung z. B. zu Schlesien-Kleinpolen.
Wappen Beschreibung: In Blau ein völlig goldener Adler.
Verwaltungsgliederung Die Woiwodschaft Schlesien wird in 17 Landkreise und in 19 kreisfreie Städte unterteilt. Damit ist Schlesien die einzige Woiwodschaft in Polen, in der mehr kreisfreie Städte als Landkreise existieren. Einige der kreisfreien Städte bilden zwar unter ihrem Namen ebenfalls einen Landkreis, gehören ihm aber selbst nicht an.
Kreisfreie Städte
Landkreise
(Einwohner und Fläche am )
Landkreise Größte Kleinste flächenmäßig Powiat Częstochowski Powiat Bieruńsko-Lędziński bevölkerungsmäßig Powiat Cieszyński Powiat Bieruńsko-Lędziński
Geographie Lage mini|Topographie der Woiwodschaft Schlesien Die Woiwodschaft Schlesien, die in ihren Grenzen nicht mit den geografischen Regionen Schlesien oder der ehemaligen Autonomen Woiwodschaft Schlesien übereinstimmt, nimmt den zentralsüdlichen Teil Polens ein. In ihren oberen Verläufen fließen die Flüsse Oder, Weichsel und Warthe durch diese Woiwodschaft.
Flüsse Oder Weichsel Warthe
Naturschutzgebiete Landschaftsschutzpark Schlesische Beskiden (Park Krajobrazowy Beskidu Śląskiego) Landschaftsschutzpark Adlerhorste (Park Krajobrazowy Orlich Gniazd) Landschaftsschutzpark Kleine Beskiden (Park Krajobrazowy Beskidu Małego) Landschaftsschutzpark Żywiec (Żywiecki Park Krajobrazowy) Park Krajobrazowy Cysterskie Kompozycje Krajobrazowe Rud Wielkich Park Krajobrazowy Lasy nad Górną Liswartą Park Krajobrazowy Stawki Załęczański Park Krajobrazowy
Nachbarwoiwodschaften
Bevölkerung mini|Katowice mini|Spodek in Katowice mini|Częstochowa mit dem Wallfahrtsort Jasna Góra im Hintergrund mini|Sosnowiec mini|Gliwice mini|Bielsko-Biała mini|Tarnowskie Góry mini|Burg in Będzin mini|Cieszyn Am 31. Dezember 2019 waren 4.517.635 Einwohner in der Woiwodschaft Schlesien gemeldet, davon sind 2.177.295 Männer (48,2 %) und 2.340.340 Frauen (51,8 %). Rund 77 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 366 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich über dem polnischen Landesdurchschnitt.Bevölkerung nach Woiwodschaften am 31. Dezember 2019 – Hauptstatistikamt GUS, abgerufen am 29. Dezember 2020.
Bevölkerungsentwicklung
Die Einwohnerzahl Schlesiens sinkt seit vielen Jahren. Seit 1995 ist ein Rückgang von rund 390.000 Personen zu verzeichnen.Einwohnerentwicklung 1995 bis 2019, Polska w liczbach (gemäß der Daten vom Hauptstatistikamt GUS), abgerufen am 29. Dezember 2020.
JahrEinwohnerzahl 1995 4.907.930 2000 4.758.944 2005 4.685.775 2010 4.635.882 2015 4.570.849 2019 4.517.635
Lebenserwartung Im Jahr 2019 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in der Woiwodschaft Schlesien bei Männern 73,8 Jahre und bei Frauen 80,8 Jahre.Lebenserwartung im Jahr 2019 (PDF) – Hauptstatistikamt GUS, Główny Urząd Statystyczny, S. 17–18, abgerufen am 9. Januar 2022.
Größte Städte In der Woiwodschaft Schlesien gibt es 71 Städte, wovon 12 die Einwohnerzahl von 100.000 überschreiten und somit als Großstadt gelten. Insgesamt 37 Städte überschreiten die Marke von 20.000 Einwohnern: StadtDeutscher NameEinwohner24px Katowice Kattowitz 24px Częstochowa Tschenstochau 24px Sosnowiec Sosnowitz 24px Gliwice Gleiwitz 24px Zabrze Hindenburg O.S. 40px Bielsko-Biała Bielitz-Biala 24px Bytom Beuthen O.S. 24px Rybnik Rybnik 24px Ruda Śląska Ruda O.S. 24px Tychy Tichau 24px Dąbrowa Górnicza Dombrowa 24px Chorzów Königshütte 24px Jaworzno Jaworzno 24px Jastrzębie-Zdrój Bad Königsdorff-Jastrzemb 24px Mysłowice Myslowitz 24px Siemianowice Śląskie Laurahütte (Siemianowitz) 24px Żory Sohrau 24px Tarnowskie Góry Tarnowitz 24px Będzin Bendzin 24px Piekary Śląskie Deutsch Piekar 24px Racibórz Ratibor 24px Świętochłowice Schwientochlowitz 24px Zawiercie Zawiercie 24px Wodzisław Śląski Loslau 24px Mikołów Nikolai 24px Knurów Knurow 24px Czechowice-Dziedzice Czechowitz-Dzieditz 24px Cieszyn Teschen 24px Myszków Mischkau 24px Czeladź - 24px Żywiec Saybusch 24px Czerwionka-Leszczyny Czerwionka-Leschczin 24px Pszczyna Pless 24px Lubliniec Lublinitz 24px Łaziska Górne Ober Lazisk 24px Rydułtowy Rydultau 24px Orzesze Orzesche
Politik mini|Schlesisches Parlament In der Woiwodschaft Schlesien gibt es einen gewählten Woiwodschaftssejmik und Woiwodschaftsmarschall sowie einen von der Regierung ernannten Woiwoden.
Woiwodschaftssejmik Bei den Selbstverwaltungswahlen in Polen 2024 wurde auch der Woiwodschaftssejmik neu gewählt. Dabei ergab sich folgendes Ergebnis:Ergebnis auf wybory.gov.pl, abgerufen am 1. Juli 2024. + Woiwodschaftssejmik Schlesien 2024– Wahlkomitee Stimmen in % Mandate Bürgerkoalition (KO) 32,4 Recht und Gerechtigkeit (PiS) 31,1 Trzecia Droga (TD) 10,6 Linke (Lewica) 8,2 Konfederacja und unabhängige lokale Verwaltungen 6,9 Übrige 10,8
Von 2018 bis 2024 setzte sich der Woiwodschaftssejmik folgendermaßen zusammen: + Woiwodschaftssejmik Schlesien 2018–2024Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 15. Oktober 2024. Wahlkomitee Stimmen in % Mandate Recht und Gerechtigkeit (PiS) 32,1 Bürgerkoalition (KO) 28,8 Bund der Demokratischen Linken (SLD) / Lewica Razem (Razem) 8,3 Kukiz’15 (Kukiz’15) 6,6 Polnische Volkspartei (PSL) 5,2 Übrige 19,0
Woiwodschaftsmarschall Woiwodschaftsmarschall war von 2018 bis 2024 Jakub Chełstowski (PiS). Seither übt Wojciech Saługa (PO), der es bereits von 2014 bis 2018 innehatte, erneut das Amt aus.
Bildung mini|Die Schlesische Technische Universität in Gliwice (Fakultät für Chemie)
In der Woiwodschaft gibt es elf öffentliche Hochschulen. Die größte Hochschule ist die Schlesische Universität Katowice mit 19.142 Studierenden (Stand: 31. Dezember 2024).
Die Hauptstadt der Region (Katowice) beherbergt u. a. die Schlesische Medizinische Universität Katowice, die Wirtschaftsuniversität Kattowitz, die Karol-Szymanowski-Musikakademie Katowice, die Akademia Wychowania Fizycznego im. Jerzego Kukuczki w Katowicach sowie die Akademie der Bildenden Künste Kattowitz. Częstochowa ist Sitz der Technischen Universität Częstochowa und der Jan-Długosz-Universität Częstochowa.
Die Schlesische Technische Universität in Gliwice ist im Perspektywy-Ranking der technischen Hochschulen 2025 aufgeführt. Bielsko-Biała ist Standort der Universität Bielsko-Biała (bis September 2023: Technische und Humanistische Akademie).
Darüber hinaus wurden in der Region 17 neue private Hochschulen gegründet.
In der Woiwodschaft studieren über 300.000 Personen. Zu den größten Hochschulen (nach Studierendenzahl, Stand: 31. Dezember 2023) zählen: Schlesische Universität Katowice (18.306 Studierende), Schlesische Technische Universität in Gliwice (15.790 Studierende), Akademia WSB (WSB-Universität) in Dąbrowa Górnicza (11.430 Studierende), Schlesische Medizinische Universität Katowice (10.203 Studierende), Wirtschaftsuniversität Kattowitz (8.077 Studierende), Jan-Długosz-Universität Częstochowa (5.631 Studierende), Technische Universität Częstochowa (5.430 Studierende), Universität Bielsko-Biała (4.167 Studierende).
Wirtschaft mini|Kraftwerk Łagisza Im Vergleich mit dem BIP der EU, gemessen am Kaufkraftstandard, erreichte die Woiwodschaft 2018 einen Index von 74 (EU-27 = 100), bezogen auf den Wert pro Erwerbstätigem erreichte Schlesien hingegen einen Index von 83 (EU-27 = 100).
Mit einem Wert von 0,887 erreicht Schlesien Platz 6 unter den 16 Woiwodschaften Polens im Index der menschlichen Entwicklung.
Arbeitsmarkt Im Zuge des Strukturwandels und dem Niedergang der Schwerindustrie stieg die Zahl der Arbeitslosen vor allem im Sekundärsektor stark an. Es konnten aber in den letzten Jahren in anderen Wirtschaftsbereichen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, weshalb die Arbeitslosenquote deutlich zurückging. Nach den Woiwodschaften Masowien und Großpolen hat sie die geringste Arbeitslosenquote Polens (Stand Dezember 2009). 16,9 % (31. Dezember 2004) 15,2 % (30. April 2006) 11,7 % (30. April 2007) 8,2 % (30. April 2008) (PDF) 9,2 % (Dezember 2009) 11,3 % (Dezember 2013) 8,2 % (Dezember 2015)Zentrales Statistikamt Polens (GUS)
Im Jahr 2017 betrug die Arbeitslosenquote (laut Eurostat-Definition) 3,9 %.
Industrie Steinkohlebergbau, Eisen- und Schwermetallhütten, Elektroindustrie, Maschinenbau und Automobilindustrie bilden die Hauptzweige der hier ansässigen Industrie. Die Woiwodschaft Schlesien ist der am stärksten industrialisierte Teil Polens.